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17. Ausgabe www.textatelier.com 27. 02. 2006

Liebe Bekannte und Nutzer des Text- und Blogateliers,

fast täglich und meistens mehrmals pro Tag gehen Rundbrief-Neuregistrierungen ein. Jede Anmeldung ist für mich ein Zeichen von Wertschätzung, die sich auf unsere Arbeit bezieht. Die Rundbrief-Empfänger sind zweifellos Freunde, die uns besonders nahe stehen und die gern auch etwas übers Innenleben des Textateliers erfahren möchten. Dafür möchte ich sie belohnen – und zwar nicht einfach mit Hausinterna, sondern darüber hinaus mit einen Geschenk, das jeder Person nützlich sein kann, die sich mit der Sprache und ihrer schriftlichen Wiedergabe befasst.

Dieses Geschenk besteht diesmal aus einer Abhandlung über die Anführungszeichen. Ich kam darauf, weil offensichtlich eine Unsicherheit darüber herrscht, ob man sie zum Beispiel am Satzende vor oder nach dem Schlusspunkt setzt – es kommt darauf an, wie Sie gleich sehen werden. Daraus ist eine längere Arbeit entstanden. Und ich gebe durchaus zu, dass ich bei deren Niederschrift selber einiges gelernt habe – denn ich musste immer wieder Fachliteratur beiziehen. Meine eigene Sprachausbildung wird nie abgeschlossen sein. Und unser Korrektor Hans Kurt Berner hat meine Ausführungen durchgesehen und gutgeheissen, so dass ich sie mit gutem Gewissen weitergebe.

Ich erlebe ununterbrochen, wie tückenreich die deutsche Sprache in Bezug auf Grammatik und Stil ist. Ich befasse mich seit über 60 Jahren damit – schon als Kind korrigierte ich die angekommenen Briefe und wunderte mich, wie viele offensichtliche Fehler darin zu finden waren –, und noch immer stosse ich auf Fragen, die ich nicht Aus Anhieb zu beantworten weiss. Viel dazu beigetragen hat die tölpelhafte Sprachreform, die bald einmal wieder reformiert werden musste. Ich habe einiges davon übernommen, was mir sinnvoll zu sein schien, Unsinn wie die Getrenntschreibung, wo sie den Sinn zerstört, aber mache ich nicht mit. Wer schreibt, muss an den Leser denken, und zuoberst steht die Verständlichkeit, die Eindeutigkeit der Aussage.

Die Innen
Auch in die Fänge der Frauensprache mag ich mich nicht werfen, obschon für mich die ehrenwerte Damenwelt ganz und gar nicht etwa zweitrangig ist – ich gestehe ihr sogar einige Privilegien zu: Ladies first. Korrekt im Sinne der sprachlichen Gleichstellung der Geschlechter ist dieser Text aus einer Verordnung des deutschen Bundeslandes Hessen, den ich im Buch „Deutsch!“ von Wolf Schneider gefunden habe:

„Sind die Schulleiterin oder der Schulleiter, ihre planmässige Vertreterin oder ihr planmässiger Vertreter und Abwesenheitsvertreterin oder der Abwesenheitsvertreter der planmässigen Vertreterin oder des planmässigen Vertreters gleichzeitig länger als drei Tage abwesend, ist die Schulaufsichtsbehörde ...“

Schneider fragte sich, ob da eine Logarithmentafel in die deutsche Stilistik eingezogen oder ob das ein Versuch sei, den Feminismus durch Albernheit zu töten. Würde man konsequent geschlechterspezifisch schreiben, müsste man/frau zusammen mit dem Sündenbock immer unbedingt auch von Sündenziegen reden, und Hampelmänner dürften nur zusammen mit Hampelfrauen vorkommen. Zudem müsste auch von der Hündinnen- und Hundesteuer reden, genau genommen.

Und ist es uns Männern gegenüber gerecht, wenn es die Person heisst, obschon darunter durchaus auch ein Mann verstanden werden kann? Ich betrachte Wörter wie Lehrer, Verkäufer, Arzt, Beamter, Dieb usw. als geschlechtsneutral – sie stehen immer für beide Geschlechter. Bis vor wenigen Jahrzehnten hat daran niemand Anstoss genommen. In der Rubrik „Glanzpunkte“ habe ich mich des seinerzeit plötzlich aufgetauchten Innen-Syndroms angenommen.

Das Schreiben und die Bilder
Das Schreiben ist im Prinzip ein Ordnen der Gedanken, ein ständiges Abwägen und eine Auflistung von Erkenntnissen, die zusammen eine klare Aussage oder klare Bilder ergeben. Wer an Urteilsschwäche leidet und keine klaren Kriterien kennt, wird nie gut schreiben können, mag er noch so viele Deutschstunden absolviert haben.

Man kann eine Landschaft zeichnerisch oder beschreibend wiedergeben. Ich kann die umstrittenen Mohammed-Karikaturen aus Dänemark abbilden oder mit Worten exakt beschreiben; grundsätzlich besteht da kein grosser Unterschied.

Oft geht es darum, Wortansammlungen ästhetisch zu präsentieren – etwa in Büchern, in Prospekten oder Drucksachen aller Art. Das Textatelier.com ist auch für solche Aufgaben personell erstklassig gewappnet. In erster Linie ist dafür Urs Walter zuständig, der auch die gesamte Internet-Technik im Griff hat. Und oft zieht er seinen Bruder Rolf Walter bei, der im Hintergrund wirkt. Rolf Walter ist ein begabter Maler und Zeichenlehrer, und ihm gilt ein ausführlicher Bericht in diesem 17. Rundbrief. Jene Arbeit vermittelt Einblicke in die Arbeitsweise des Textateliers, vor allem auch hinsichtlich der Bemühungen um ständige Qualitätsverbesserungen.

Ich wünsche Ihnen allen, den Damen und den Herren, den Bekannten und Unbekannten beiderlei Geschlechts, viel Erbauung bei der Lektüre, und natürlich freuen wir uns alle, wenn Sie möglichst oft ins Blogatelier hineinschauen und uns Ihre Kommentare abgeben. Wir verstehen das Schreiben nicht als Einbahnstrasse.

* * *

„...“ – “...“ – »…« oder «...»?
Wo die Gänsefüsschen herumstehen dürfen

Fast unkontrolliert hühnern die Gänsefüsschen auf manch einem Manuskript oder auch in einem gedruckten Text umher. Viele Stunden meines Lebens als Redaktor und Lektor habe ich damit zugebracht, um diese Gänseaugen, Hasenröhrchen oder Hyphen, wie sie früher auch genannt wurden, an die richtige Stelle zu verweisen. Mit Anführungs- und Schlusszeichen (kurz: Anführungszeichen) schliesst man etwas wörtlich Wiedergegebenes (die direkte Rede) ein:

Die Mutter sagte zu ihrer Tochter Vreni: „Deine Schuhe könnten noch ein paar Bürstenstriche ertragen.“

Oft wird dabei der Fehler gemacht, dass die Reihenfolge von Punkt und abschliessendem Anführungszeichen (Schlusszeichen) verwechselt werden:

„... Bürstenstriche ertragen“. Was falsch ist.

Nach einem Zitat, das hinter einem Doppelpunkt folgt, steht das schliessende Anführungszeichen (das Wort Abführungszeichen ist nicht gebräuchlich), ganz am Schluss. Das ist sogar dann der Fall, wenn das Zitat aus keinem vollständigen Satz, sondern im Extremfall nur aus einem Wort besteht:

Er sagte nur ein einziges Wort: „Unsinn.“
Er zeigte auf die Uhr: „12.“

Unser Textatelier-Korrektor Hans Kurt Berner hat mich einmal darauf aufmerksam gemacht, dass alles, was hinter einem Doppelpunkt folgt, in Bezug auf die Anführungszeichen als vollständiger Satz zu betrachten ist, und seither weiss ich es.

Sind Satzzeichen (Fragezeichen, Ausrufezeichen) innerhalb des Zitats fällig, bleiben sie dort:

Sie fragte ihn: „Kann ich Dich übermorgen um 12 Uhr treffen?“

Allerdings findet sich das Zitat (die wörtliche Rede) nicht immer am Schluss eines Satzes, es kann eben so gut am Anfang stehen.

„Das Wetter könnte nicht besser sein“, sagte der Exkursionsleiter.

In diesem Fall wird zuerst „abgeführt“, und erst dann folgt das Komma. Doch die Positionierung der Satzzeichen bleibt unverändert:

„Brauchen Orangenbäumchen viel Wasser?“, fragte die Kundin den Gärtner.

oder:

„Das hätte gerade noch gefehlt!“, schrie sie ihn an.

Selbstverständlich kann das Zitat auch unterteilt werden:

„Auf jeden Fall“, konstatierte er, „lassen wir uns das kein 2. Mal bieten!“

Etwas knifflig wird die Angelegenheit, wenn sich eine Frage auf eine andere Frage bezieht:

Fragtest du: „Woher weisst du das?“?

In diesem Beispiel ist sozusagen eine innere in eine äussere Frage verpackt, mit den entsprechenden Satzzeichen-Folgen, bei denen offensichtlich keine Kompromisse gemacht werden.

„So ist es eben“, sagte der Lehrer. „Hat noch jemand eine Frage?“

Natürlich, Fragen türmen sich innerhalb dieser Interpunktionswelt schon auf. Eine davon könnte etwa sein: Was passiert mit Schlusspunkt eines angeführten Satzes innerhalb eines Ganzsatzes. Antwort: Er wird weggelassen.

Ein Beispiel erläutert das einfacher als komplizierte Erklärungen:

„Das Vertrackte an dieser Angelegenheit sind die vielen Fachbegriffe, mit denen ohnehin kein Mensch etwas anfangen kann“, tröstete er über sein Unvermögen hinweg.

Würde man mit Punkten am Satzende wie Ausrufe- und Fragezeichen verfahren, müsste also hinter „... anfangen kann.“ ein Punkt sein. Doch kann man offensichtlich auf einen Punkt leichter als auf ein Frage- oder Ausrufzeichen verzichten.

Werden innerhalb von Anführungszeichen weitere Anführungszeichen nötig, weil ein Zitat ins Zitat eingeschoben wird, verwendet man im angeführten Innern so genannte halbe Anführungszeichen. Das erste gleicht einem Komma, das zweite (hochgestellte) aber einen Apostroph.

Der Erzähler holte aus: „Der Morgen war kühl, und die Wetterprognose von Radio ‚DRS1’ sprach von einem ‚Herannahen einer Bise’, als an die Türe geklopft wurde.“

Anführungszeichen rahmen nicht allein wörtliche Zitate ein, sondern damit lassen sich auch einzelne Wörter eines Texts hervorheben:

Sein eindeutiges „Credo“ war Liebe zu „allen Lebewesen“, also nicht allein zu den Menschen.

In ihrem bemerkenswerten Artikel „Das ewige Religions- und Machtgerangel: Hans was Heiri“ schrieb Lislott Pfaff im „Blogatelier“ sinngemäss, es gehe überall um dasselbe.

Weisst du, was das heisst: „Quo vadis?“?

Namen von Gaststätten und dergleichen werden oft angeführt:

Er kehrte in den „Ochsen“ ein und trank ein „Rivella“.

Übrigens: Spricht man vom Restaurant Ochsen, braucht es kein Anführungszeichen, lässt man das „Restaurant“ weg, dann schon:

Zuerst besuchte er das Restaurant Bären und dann trank er noch ein Glas im „Jägerstübli“.

Auch ganze Sprichwörter können ohne Schlusspunkt in einen Satz verwurstet werden:

Die Redensart „Morgenstund’ hat Gold im Mund“ kann mir gestohlen werden; ich bin ein Nachtmensch.

Solche Anführungen von einzelnen Wörtern, Titeln oder längeren Zitaten unterstehen offensichtlich nicht dem gleichen Interpunktionskommando wie die Wiedergabe der direkten Rede.

Steht ein angeführtes Einzelwort oder Zitat am Schluss eines Satzes, kommt zuerst das Schlusszeichen und dann der Schlusspunkt.

Seinen Chef betrachtete er als einen „Hampelmann“.

Oft werden Anführungszeichen auch gebraucht, wenn ein Begriff ironisch gemeint ist:

Es war ja „rührend“, miterleben zu müssen, wie sie sich um jede Arbeit herumdrückte.

Ich arbeitete einmal mit einem Journalisten zusammen, der etwelche Mühe im Auftreiben der treffenden Wörter und Formulierungen hatte, meistens mit seinen Begriffen leicht daneben war und das offenbar selber spürte. Er setzte dann die leicht entgleisten Wörter oder Wortklitterungen in Anführungszeichen:

Er war ein „Intellektuell-sein-Wollender“, und das spürte man.

Der erwähnte Journalist war wahrscheinlich ein „Gut-Schreiben-Wollender“, der eigentlich gern gut geschrieben hätte, etwa so:

Er wäre gern ein Intellektueller gewesen, und das spürte man.

Wer die richtigen Worte nicht findet, hat mit den Anführungszeichen kein Allheilmittel zur Hand. So viel Einfluss haben sie beim besten Willen nicht.

Anführungszeichen-Variationen
Es gibt verschiedene Varianten von Anführungszeichen:

In der deutschen Sprache ist das öffnende, vorangestellte Zeichen auf Linienhöhe, das schliessende aber hochgestellt („...“). In der englischen Sprache sind beide oben (“...“).

Neben den deutschen Anführungszeichen oder Gänsefüsschen („...“) gibt es auch die französischen Anführungszeichen oder Guillemets ( »…« oder «...»). Die Letzteren trifft man vor allem im Buchdruck an.

Bei den mit besonderer Sorgfalt von Urs Walter gestalteten Büchern aus dem Textatelier.com-Verlag wird jeweils nach dem beziehungsweise vor das Anführungszeichen noch ein kleiner Zwischenraum eingefügt:

Die Redensart « Not kennt kein Gebot » wird zur Maxime (aus dem Buch „Kontrapunkte zur Einheitswelt“, Seite 39.

Wir haben uns für die einschliessenden Anführungszeichen, wie ich sie einmal nennen will (Pfeilrichtung nach aussen: «...» ), entschlossen, weil sich daraus unseres Erachtens ein harmonischeres Schriftbild ergibt und dies eher der Logik entspricht. Das Zitat wird eingefasst, umfasst, festgehalten. Im gepflegten Schweizer Buchdruck ist diese Lösung üblich, nicht aber im übrigen deutschsprachigen Raum. Dieselbe Anführungs-Lösung kennen auch andere Sprachen, etwa das Albanisch, Arabisch, Estnisch, Griechisch, Italienisch, Lettisch, Norwegisch, Russisch, Spanisch, Türkisch, Ukrainisch und Weissrussisch.

Die fliegenden Rhetorik-Zeichen
Bei vielen Gesprächen, auch bei Fernseh-Talks, muss man mit ansehen, dass die Erzähler beide Hände auf Augenhöhe positionieren, Zeige- und Mittelfinger ausgestreckt. Ähnlich den Flügelschlägen markieren die sich auf und ab bewegenden Finger fast ununterbrochen Anführungszeichen links und rechts. Das erscheint mir jeweils wie eine mildere, rhetorische Variante der berühmten Vogelgrippe zu sein.

Daraus mag man die eminente Bedeutung dieser Zeichen erkennen, die gelegentlich auch eine mangelnde Ausdrucksfähigkeit zu verschleiern haben. Man sollte die Anführungszeichen gezielt dort einsetzen, wo sie eine Lesehilfe bedeuten und dürfte sie nicht missbrauchen.

Oder können die Gänsefüsschen vielleicht doch zu Höhenflügen verhelfen: „Setz dein Ich in Gänsefüsschen und nenne es Roman“, hat Hubert Fichte einmal vorgeschlagen. Er sprach damit wohl die Niederschrift dessen an, was sich aus der Selbstbeobachtung ergibt, wahrscheinlich weil die meisten Romane so etwas wie abgewandelte Autobiografien sind.

Doch die Rhetoriker, die ihr Ich immer mit Gänsefüsschen flankieren, erinnern mich eher an mitlaufende Teilnehmer an einem Gänsemarsch denn an Romanschriftsteller.

Walter Hess

Quellen
„DUDEN. Die deutsche Rechtschreibung 2004“, Dudenverlag, Mannheim 2004.
http://de.wikipedia.org/wiki/Anf%C3%BChrungszeichen
Gespräche mit Hans Kurt Berner und Urs Walter

* * *

Das Wirken der Qualitätskontrolleure im Textatelier

Kurzfristige Gewinnmaximierung und Qualitätsverbesserungen vertragen sich schlecht; denn Qualität kostet Zeit und Geld. Sie ist die Frucht von harter Arbeit. Nur Unternehmen, die langfristig denken, werden der Qualität als Gesamtheit der charakteristischen Eigenschaften eines Produkts die gebührende Aufmerksamkeit zuteil werden lassen. Dadurch wird der Ruf verbessert, und das Vertrauen in ein Unternehmen und seine Produkte verstärkt sich. Die Moderne ist im Allgemeinen zu schnelllebig, zu oberflächlich, um solchen Überlegungen und Massnahmen die gebührende Beachtung zu schenken.

Das Textatelier.com leistet sich den Luxus, die Qualität all seiner Produkte auf die Spitze zu treiben, obschon es zum Beispiel eine 100-prozentige Fehlerfreiheit nicht gibt und die letzten Prozente auf dem Weg zu den 100 Prozenten mit dem grössten Aufwand verbunden sind. Alle Texte werden durch Hans Kurt Berner, CH-5023 Biberstein, freundlicherweise korrigiert. Bei den Blogs (Tagebuchblättern), die in der Regel als spontane Niederschrift aus Aktualitätsgründen gewissermassen als Rohfassung ins Internet gestellt werden, wird eine Nachkorrektur vorgenommen. Ich staune immer wieder, was Hans Berner selbst in Texten, die mit aller Sorgfalt ausgearbeitet wurden, noch alles an Ungereimtheiten entdeckt.

So verschwinden beim Schreiben am Computer aus unerklärlichen Gründen oft Buchstaben oder Wörter (etwa weil irrtümlicherweise überschrieben statt zugefügt wird), und manchmal scheint sich der Cursor in beliebige Gefilde zu verirren. Oft bleiben bei Satzumstellungen oder -veränderungen überflüssige Wörter stehen. Zu einer sorgfältigen, kompetenten Korrektur gehören auch Verbesserungsvorschläge. So hiess es in einem Blog: „In Spanien wird zu jedem Glockenschlag eine Weintraube verzehrt.“ Das war zwar richtig, denn mit „Weintraube“ ist laut „Duden“ die einzelne Beerenfrucht der Weinrebe gemeint. Doch genau genommen ist eine „Traube“ im allgemeinen Sprachgebrauch der gesamte Blüten- oder Beerenstand. Und so korrigierte Hans Berner in „Weinbeere“ (statt Weintraube); das ist natürlich der beste, weil auf Anhieb klare Ausdruck.

Berner fügt den fehlenden Bindestrich beim Doppelwort New York-Besucher (richtig: New-York-Besucher) ein, und er zeichnet auch den fehlenden Zwischenraum bei „100g“ (statt 100 g) Butter an (in Büchern macht Urs Walter daraus einen kleinen Zwischenraum, damit Zahl und Masseinheit nicht getrennt werden). Und Hans Berner verwandelt das „Fussballstadium“ in ein „Fussballstadion“, wenn dieses und nicht eine fussballerische Entwicklungsstufe gemeint ist, und er macht aus dem „Landbericht Coburg“ das „Landgericht Coburg“ – das ist Hohe Schule, weil ja „Bericht“ richtig geschrieben, aber falsch angewandt war. In einem Blog wurde von einem „Workalcoholic“ geschrieben. Gemeint war aber ein „Workaholic“, ein Arbeitsbesessener. Berner schrieb zum „Workalcoholic“, das sei denn doch etwas ganz anderes! Ich hatte den herrlichen Verschreiber selber übersehen, obschon ich fremde Texte weit besser als die eigenen lektorieren kann. Das Gegenlesen hat auf jeden Fall einen hohen Stellenwert.

Mindestens so schwierig wie bei Texten ist die Qualitätskontrolle bei graphischen Gestaltungen von Drucksachen wie Prospekten und Büchern. Auch diesbezüglich ist das Textatelier.com in einer ausserordentlich glücklichen Lage. Unser Internettechniker Urs Walter, der an Kunst und Musik interessiert ist, hat ein ausgesprochenes Gefühl für Ästhetik und Stil. Doch das genügt ihm nicht. Er zieht immer wieder seinen Bruder Rolf Walter bei, der den Gestaltungen den letzten Feinschliff verleiht. Rolf Walter wirkt bei uns im Hintergrund, und deshalb liegt es mir daran, diese bemerkenswerte Persönlichkeit unseren Leserinnen und Lesern im Detail vorzustellen.


Renovation im Gange: Rolf Walter vor seinem Riegelbau


Den Proportionen zugetan: Rolf Walter bei seinem Riegelhaus in Kaltenbach TG [Fotos: Walter Hess]

Wer ist Rolf Walter?
Der Kunstschaffende Rolf Walter (1958) ist im Impressum kurz vorgestellt, seine Philosophie und auch sein Werdegang sind dort erwähnt. Doch was ist er für ein Mensch?

Wer ihm zum ersten Mal begegnet, erlebt ihn als freundlichen, fröhlichen, eher introvertierten Menschen, der sich niemals in den Vordergrund drängt. Doch sobald man sich ihm nähert, wird er nach einer kurzen Zeit des Warmlaufens zunehmend kommunikativ – es sprudelt aus ihm heraus. Es ist, als ob sich eine Handbremse lösen würde; im familiären Rahmen geschieht dieser Prozess oft durch intellektuelle Streitgespräche. Das ist für ihn eine beliebte Herausforderung; dann kommt er aus sich heraus. Er lebt auf und fühlt sich niemals beleidigt. Der Gesprächspartner erhält einen Eindruck von seinem breiten Wissen und insbesondere von seinen Kenntnissen aller Sparten der schönen Künste. Dabei verstärkt sich der Eindruck, einen ausserordentlich liebenswürdigen, selbstlosen Menschen vor sich zu haben.

Die Zusammenarbeit mit Rolf Walter ist ebenso angenehm wie erspriesslich: Sobald ihm eine Aufgabe unterbreitet worden ist, wird er kreativ, entwickelt gute Ideen und arbeitet unermüdlich. Die Hilfsbereitschaft ist für ihn selbstverständlich; er erwartet keinen Dank. Sein Talent und seine Erfahrungen bringt er als Designer mit Vergnügen zur Entfaltung, und wenn man ihm eine Hausaufgabe gegeben hat, kommt er bald darauf mit einer fertigen Lösung vorbei. Rolf sei „mein Chef“, sagt sein Bruder Urs; er setze einfach technisch um, was Rolf verlange, sagt Urs Walter, seinen Bruder an Untertreibung noch überbietend. Rolf stehe „für Qualität, Perfektion, Geschmack, Linientreue, Konstanz, Seriosität und Zurückhaltung“.

Rolf Walter identifiziert sich voll mit dem Verlag Textatelier.com – benützt die 1. Person Mehrzahl („wir“); er spricht von „unserem Verlag“, und das freut und ehrt mich selbstverständlich sehr. Und es ist auch berechtigt, zumal unsere Bücher und viele Drucksachen für den Verlagsgebrauch oder für Kunden seine Handschrift tragen.

Wenn er sich selber etwas Gutes tun will, dann malt Rolf – das Zeichnen und Malen sind seine Leidenschaft. Sie sind ihm ein inneres Bedürfnis und keineswegs auf eine Lorbeeren-Ernte ausgerichtet. Er ist nicht einer einzelnen Kunstrichtung verhaftet, sondern arbeitet gegenständlich und abstrakt, filigran und flächenhaft, benützt Farbstifte, Wasserfarben (für Aquarelle) und Ölfarben für Landschaften aus der Gegend von Unterstammheim ZH (Stammertal), Kaltenbach TG, seinem jetzigen Wohnort, Kaltbrunn SG usf., und auch für Natur-Darstellungen.

Rolf Walter ist als Lehrer für Zeichnungsunterricht an der Kantonsschule Wattwil SG tätig. Die Schüler erhalten viel gestalterische Freiheit, sollen ihre schöpferischen Talente zur Blüte bringen können. Man kann im Zeichenunterricht den Schülern nicht die Hand führen, sondern kann ihnen nur Grundlagen vermitteln, und alles Weitere müssen sie selber tun.

Rolf Walter wohnt heute in seinem alten Riegelhaus im thurgauischen Kaltenbach, das er sukzessive renoviert und das ihm genügend Raum für beliebige weitere Entfaltungsmöglichkeiten bietet. In dem kleinen Weiler mit den Rigelbauten scheint die Zeit stillgestanden zu sein – eine Wohltat bei der heute sonst üblichen Hektik. Hier ist der Nährboden für ein weiteres Gedeihen, auch des ästhetischen Feingefühls, vorhanden. Und das Textatelier.com darf davon profitieren.

Walter Hess

Adresse
Rolf Walter
Sägestrasse 2
8259 Kaltenbach TG


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