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17. Ausgabe www.textatelier.com 27. 02. 2006

Liebe Bekannte und Nutzer des Text- und Blogateliers,

fast täglich und meistens mehrmals pro Tag gehen Rundbrief-Neuregistrierungen ein. Jede Anmeldung ist für mich ein Zeichen von Wertschätzung, die sich auf unsere Arbeit bezieht. Die Rundbrief-Empfänger sind zweifellos Freunde, die uns besonders nahe stehen und die gern auch etwas übers Innenleben des Textateliers erfahren möchten. Dafür möchte ich sie belohnen – und zwar nicht einfach mit Hausinterna, sondern darüber hinaus mit einen Geschenk, das jeder Person nützlich sein kann, die sich mit der Sprache und ihrer schriftlichen Wiedergabe befasst.

Dieses Geschenk besteht diesmal aus einer Abhandlung über die Anführungszeichen. Ich kam darauf, weil offensichtlich eine Unsicherheit darüber herrscht, ob man sie zum Beispiel am Satzende vor oder nach dem Schlusspunkt setzt – es kommt darauf an, wie Sie gleich sehen werden. Daraus ist eine längere Arbeit entstanden. Und ich gebe durchaus zu, dass ich bei deren Niederschrift selber einiges gelernt habe – denn ich musste immer wieder Fachliteratur beiziehen. Meine eigene Sprachausbildung wird nie abgeschlossen sein. Und unser Korrektor Hans Kurt Berner hat meine Ausführungen durchgesehen und gutgeheissen, so dass ich sie mit gutem Gewissen weitergebe.

Ich erlebe ununterbrochen, wie tückenreich die deutsche Sprache in Bezug auf Grammatik und Stil ist. Ich befasse mich seit über 60 Jahren damit – schon als Kind korrigierte ich die angekommenen Briefe und wunderte mich, wie viele offensichtliche Fehler darin zu finden waren –, und noch immer stosse ich auf Fragen, die ich nicht Aus Anhieb zu beantworten weiss. Viel dazu beigetragen hat die tölpelhafte Sprachreform, die bald einmal wieder reformiert werden musste. Ich habe einiges davon übernommen, was mir sinnvoll zu sein schien, Unsinn wie die Getrenntschreibung, wo sie den Sinn zerstört, aber mache ich nicht mit. Wer schreibt, muss an den Leser denken, und zuoberst steht die Verständlichkeit, die Eindeutigkeit der Aussage.

Die Innen
Auch in die Fänge der Frauensprache mag ich mich nicht werfen, obschon für mich die ehrenwerte Damenwelt ganz und gar nicht etwa zweitrangig ist – ich gestehe ihr sogar einige Privilegien zu: Ladies first. Korrekt im Sinne der sprachlichen Gleichstellung der Geschlechter ist dieser Text aus einer Verordnung des deutschen Bundeslandes Hessen, den ich im Buch „Deutsch!“ von Wolf Schneider gefunden habe:

„Sind die Schulleiterin oder der Schulleiter, ihre planmässige Vertreterin oder ihr planmässiger Vertreter und Abwesenheitsvertreterin oder der Abwesenheitsvertreter der planmässigen Vertreterin oder des planmässigen Vertreters gleichzeitig länger als drei Tage abwesend, ist die Schulaufsichtsbehörde ...“

Schneider fragte sich, ob da eine Logarithmentafel in die deutsche Stilistik eingezogen oder ob das ein Versuch sei, den Feminismus durch Albernheit zu töten. Würde man konsequent geschlechterspezifisch schreiben, müsste man/frau zusammen mit dem Sündenbock immer unbedingt auch von Sündenziegen reden, und Hampelmänner dürften nur zusammen mit Hampelfrauen vorkommen. Zudem müsste auch von der Hündinnen- und Hundesteuer reden, genau genommen.

Und ist es uns Männern gegenüber gerecht, wenn es die Person heisst, obschon darunter durchaus auch ein Mann verstanden werden kann? Ich betrachte Wörter wie Lehrer, Verkäufer, Arzt, Beamter, Dieb usw. als geschlechtsneutral – sie stehen immer für beide Geschlechter. Bis vor wenigen Jahrzehnten hat daran niemand Anstoss genommen. In der Rubrik „Glanzpunkte“ habe ich mich des seinerzeit plötzlich aufgetauchten Innen-Syndroms angenommen.

Das Schreiben und die Bilder
Das Schreiben ist im Prinzip ein Ordnen der Gedanken, ein ständiges Abwägen und eine Auflistung von Erkenntnissen, die zusammen eine klare Aussage oder klare Bilder ergeben. Wer an Urteilsschwäche leidet und keine klaren Kriterien kennt, wird nie gut schreiben können, mag er noch so viele Deutschstunden absolviert haben.

Man kann eine Landschaft zeichnerisch oder beschreibend wiedergeben. Ich kann die umstrittenen Mohammed-Karikaturen aus Dänemark abbilden oder mit Worten exakt beschreiben; grundsätzlich besteht da kein grosser Unterschied.

Oft geht es darum, Wortansammlungen ästhetisch zu präsentieren – etwa in Büchern, in Prospekten oder Drucksachen aller Art. Das Textatelier.com ist auch für solche Aufgaben personell erstklassig gewappnet. In erster Linie ist dafür Urs Walter zuständig, der auch die gesamte Internet-Technik im Griff hat. Und oft zieht er seinen Bruder Rolf Walter bei, der im Hintergrund wirkt. Rolf Walter ist ein begabter Maler und Zeichenlehrer, und ihm gilt ein ausführlicher Bericht in diesem 17. Rundbrief. Jene Arbeit vermittelt Einblicke in die Arbeitsweise des Textateliers, vor allem auch hinsichtlich der Bemühungen um ständige Qualitätsverbesserungen.

Ich wünsche Ihnen allen, den Damen und den Herren, den Bekannten und Unbekannten beiderlei Geschlechts, viel Erbauung bei der Lektüre, und natürlich freuen wir uns alle, wenn Sie möglichst oft ins Blogatelier hineinschauen und uns Ihre Kommentare abgeben. Wir verstehen das Schreiben nicht als Einbahnstrasse.

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