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     September 17, 2019 03:09 CET
 


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Kein Cholesterin aus Kokosnüssen

Wir decken einen grossen Teil unseres Flüssigkeitsbedarfs mit dem Inhalt junger Kokosnüsse. Ursprünglich machte sich meine Frau Sorgen wegen des Cholesteringehalts; doch in der Zwischenzeit haben wir mehrfach bestätigt erhalten, dass das junge Buko-Fleisch vollkommen cholesterinfrei ist. In Deiner früheren, sehr lesenswerten Antwort auf meine Frage über Kokosnüsse hast Du das Extra Virgin Coconut Öl empfohlen.

Allerdings "weiss" jedermann, dass das Öl der ausgereiften Kokosnüsse einen sehr hohen Fettgehalt hat. Nun habe ich aber einige Websites gefunden, die das Virgin Coconut Öl nicht nur als cholesterinfrei garantieren, sondern das Kokosnuss-Öl gleich noch als das gesündeste Öl überhaupt anpreisen.

Hier eine Aussage von einer Website: "The meat of the fruit is called copra and has been the Philippines' top export for a long time. However, it has declined recently due to fear of high cholesterol. The coconut is an all natural food while cholesterol is an animal by-product. Yet the health conscious world can not understand that the coconut has not a single cholesterol part in it."

Im Prinzip sagen alle Artikel, die ich gelesen habe, dasselbe aus:
• Die Amerikaner essen hauptsächlich polyunsatured fat Produkte (Nahrungsmittel mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren) und haben viel mehr Herzprobleme als die Filipinos, Polynesier, Indonesier, Sri Lanker usw.
• Das Kokosnussöl sei in den 40er-Jahren in Verruf gebracht worden, weil die Amerikaner damals Importprobleme hatten und ihre eigenen Soya-Öle verkaufen wollten. Der schlechte Ruf basiere auf falschen, aber stark verbreiteten Studien.
• Kokosnussöl habe die besten Eigenschaften beim Erhitzen und Lagern – es werde nicht ranzig. Es enthalte gute "saturated fats", im Gegensatz zu Fleisch und Butter. Dieses Öl sei reich an "short and medium chain fatty acids", die schnell metabolisiert werden und daher Gewichtsabnahme fördern.
• Kokosnussöl sei sehr gesund, mit natürlichen Antioxidantien und schütze gegen Krebs und Viren. Kein Wunder, dass in der lokalen Zeitung stand, dass Coconut Oil gegen SARS (ansteckende Form der Lungenentzündung) schütze (wahrscheinlich sind wir daher so glimpflich weggekommen…).

Nun habe ich eine Situation, wo es scheint, dass durch Jahrzehnte von gezielter Desinformation der Ruf eines beinahe perfekten Öls so total zunichte gemacht worden ist, dass selbst hier in den Philippinen die meisten Leute glauben, dass Kokosnuss-Öl einen sehr hohen Cholesteringehalt habe. Dabei scheint es Cholesterin-frei zu sein und soll auch den Blutcholesterinspiegel nicht erhöhen. Und wegen der ausgezeichneten Lagerfähigkeit und Hitzebeständigkeit soll es das für die Gesundheit beste Koch-Öl überhaupt sein.

Stimmt das wohl, oder sind die vielen Webseiten, die ich studiert habe, selbst eine Missinformation – von der Kokosnuss-Industrie…?

Und – dies nebenbei – weshalb nennt man diese feine Frucht überhaupt eine Nuss?
Rolf P. Hess, Mactan, Cebu (Philippines)

Antworten: Tatsächlich enthalten Pflanzen und somit auch alle pflanzlichen Lebensmittel kein Cholesterin. Dieses wird vom menschlichen Körper produziert und auch als Bestandteil von tierischer Nahrung aufgenommen. Es dient unter anderem zum Aufbau von Hormonen.

Die internationalen Richtlinien sind (frei erfunden):
Gesamtcholesterin:
ideal: unter 200 mg/dl
Vorsorgebereich: 200–250 mg/dl
Risikobereich: über 250 mg/dl
Doch gibt es ausschliesslich individuelle Werte, die beliebig schwanken können. Durchschnittswerte dienen bloss dazu, einen Teil der Bevölkerung als krank zu deklarieren; würde man sagen, 215 bis 235 mg Cholesterin pro Deziliter seien normal, hätten wir viel mehr Cholesterinkranke: ein altbewährter Trick der Medizinbranche zur Verunsicherung der Menschen durch Angstverbreitung zur eigenen Umsatzerhöhung.

Mich persönlich beeindrucken Abweichungen nach unten und oben nicht im Geringsten, solange ich mich gesund fühle. Ich mache dieses ganze Theater des Messens der veränderlichen, persönlichen Parameter vom Blutdruck bis zu der Zahl der roten Blutkörperchen nicht mit, versuche Eigenverantwortung zu übernehmen, gesund zu leben und den Alltagssinn zu beleben. Falls einmal irgendwelche Anzeichen von Befindlichkeitsstörungen auftauchen, versuche ich durch analytisches Nachdenken und entsprechende Literaturstudien selber, die Ursachen zu ermitteln und diese zu beseitigen. Ich habe noch nie die geringste Lust verspürt, mich in den Verarztungsmühlen malmen zu lassen.

Nüsse, die keine sind
Die Kokosnuss (cocos nucifera), auf den Philippinen Niyog genannt, wird als Nuss bezeichnet, obschon es keine Nuss, sondern eine Steinfrucht ist, genau genommen der Same einer Frucht. Es gibt also Unterschiede zwischen der exakten botanischen Bezeichnung und dem allgemeinen Sprachgebrauch. In den Umgangssprachen werden in der Regel alle Hartschalenfrüchte als Nuss bezeichnet. In der Botanik-Terminologie aber handelt es sich bei den Nüssen (Nussfrüchten) um so genannte Schliessfrüchte mit einer trockenen, harten und verholzten Fruchthülle aus Sklerenchym- beziehungsweise Steinzellen (Beispiele: Eichel, Buchecker, Edelkastanie, Haselnuss). Kokosnüsse, Mandeln und Baumnüsse (Walnüsse) ihrerseits gehören zu den Steinfrüchten, Erdnüsse zu den Hülsenfrüchten und Paranüsse zu den Kapselfrüchten. Die Alltagssprache macht es sich da etwas einfacher, und in populärwissenschaftlichen Werken wird dementsprechend unter Nüsse aufgelistet, was alltagssprachlich mit Nuss bezeichnet wird.

Der Inhalt der Kokosnüsse
Gegen einen vernünftigen Verzehr des Inhalts von Kokosnüssen (Kokosfrüchten) ist nichts einzuwenden, im Gegenteil: Sie enthalten viele wertgebende Inhaltsstoffe, aber selbstverständlich nicht alle, die der Mensch braucht. Die Kokosnuss hat mit einem Fettanteil von zirka 35% einen der tiefsten Nussfettgehalte, andere "Nüsse" sind wesentlich fettreicher. Das Fleisch einer frischen, jungen Kokosnuss enthält etwa je 15 g Eiweiss und Fett sowie 40 g Kohlenhydrate, dazu etwa 50 mg Kalzium, 350 mg Phosphor, 1 g Kalium und 12 mg Vitamin C. Das stellt zwar eine komplette Mahlzeit dar, doch auf Dauer kann man sich selbstverständlich davon nicht vollständig ernähren. (Bitte vergleichen Sie dazu auch den Ratgeber „Ernährung“: "Buko Joe – oder wie gesund sind Kokosnussprodukte?" Dort ist auch das Kokosöl (Kokosnussöl) wertend beschrieben.

Die gut armierte zähfaserige Hülle, welche die Kokosnuss umgangssprachlich zur Nuss gemacht hat, umschliesst die eigentliche Nuss in ihrem Innern, die das Fruchtfleisch enthält. Bei ganz jungen, grünen Koskosnüssen, wie sie auf den Philippinen überall wohlfeil angeboten werden, besteht das Fruchtfleisch aus einer wenige Millimeter dicken gallertartigen Masse, die man gut auslöffeln kann. In der Zeit bis zur vollen Reife wächst es zu einer dicken, verhältnismässig harten Schicht heran. Im Hohlraum befinden sich bis zu einem Liter des wunderbaren, erfrischenden Kokoswassers, das aber nichts mit der Kokosmilch (philippinisch: gata, das Kochen damit: ginataan) zu tun hat, die man aus zerkleinertem Kokosfleisch und Wasser gewinnt.

Die Filipinos schütten das Kokoswasser meist achtlos weg, was ich nicht verstehen kann, ein böser Ausrutscher, der vielleicht auch amerikanischen Ursprungs ist, wer weiss. Die haben mehr davon, wenn Coca und Pepsi Cola gesoffen wird und nicht das spottbillige Kokoswasser. Im Alltag trinken die Filipinos das meist nicht über jeden Zweifel erhabene Trinkwasser dubioser Herkunft, das oft in rostigen Zisternenlastwagen herumgekarrt wird. Die Philippinen sind stark von den USA und vom dortigen degenerierten Lebensstil beeinflusst, schon bald einmal ein US-Protektorat, wie auch die aktuellen politischen Beziehungen erkennen lassen. Hütet Euch vor weiteren "Fortschritten" in dieser Richtung!

Angeblich meinen die Filipinos, Kokoswasser mache im erhitzten Zustand den Menschen müde; sie sprechen von püsma = bleierne Müdigkeit, was aber ein blühender Unsinn ist. Selbst in der philippinischen Küche wird praktisch nur das Fruchtfleisch verwendet, wie entsprechende Kochbuchstudien ergeben haben.

Die grüne Nuss muss im obersten Teil mit einem Haumesser (Machete) so geköpft werden, dass dabei das kostbare Wasser nicht verschüttet wird, eine Aktion, die für Ungeübte Verletzungsgefahren in sich birgt.

Wenn ich Zugang zu grünen Kokosnüssen hätte, würde ich sie mit grosser Lust möglichst vollständig verzehren und zuallerletzt auf amerikanische Studien abstellen. Da siehst Du schon richtig, lieber Rolf. Wenn es um Geschäfte geht, kennen viele Amerikaner keine Skrupel (siehe Eroberungskriege im Mittleren Osten als eigene Interessenwahrung mit beliebigen militärischen Mitteln, Bilanzmanipulationen zur Verbesserung der Aktienkurse, internationale Strafaktionen, weltweiter Advokatenterror, Missachtung internationaler Abkommen usf.) – weshalb sollen da Agrarprodukte von solchen geschäftlich orientierten Manipulationen nicht betroffen sein? Uns Europäern zwingen sie sogar ihr Hormonfleisch auf.

Naturprodukte in unveränderter Form, mit denen es ja Jahrtausende alte Erfahrungen gibt, haben bei mir den unendlich höheren Stellenwert als bestellte, marktwirtschaftlich motivierte Studien. Lasst Euch bei euerem Genuss von Kokosnüssen nicht beirren. Ich beneide Euch ehrlich darum.

Walter Hess

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