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     July 18, 2019 00:39 CET
 


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Was kann man gegen Verstopfung tun?

Ich habe oft Völlegefühle und Druck in der Magengegend, weil ich viel verstopft bin. Was kann ich dagegen unternehmen?
R. Z., CH 6512 Giubiasco

Antwort
Die maschinell vorgekaute und industriell vorverdaute Industriekost für die schnelle Verpflegung macht die Verdauung weitgehend überflüssig – die Kultur des Essens ist bald einmal Geschichte, wenn das so weitergeht. Der Magen und die Därme werden schlaff und schwach, träge, geniessen das Dolce far niente, wenn sie schon keine Freude an dem Geschlabber mehr haben können, das ihnen zugeführt wird. „Der Mensch hat seine Verdauungsorgane total verdorben“ , liest man bei Åre Waerland .

Für den Magen, dem industriell verarbeitete Kost zugeschaufelt wird, besteht keine Notwendigkeit mehr, den Speisebrei zu spalten und zu mischen, und die insgesamt etwa 10 m langen Därme sind nicht in der Lage, den nicht verwertbaren Brei weiterzuschieben. Die Peristaltik im Verdauungstrakt, eine wellenförmig fortschreitende Wanderbewegung, welche die Rolle des Förderbandes spielt, ruht. Der Mensch ist dann verstopft, was sich auf das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit negativ auswirkt. Dies wiederum vergrössert den Bewegungsmangel, der ebenfalls eine Ursache für die Verstopfung sein kann.

Stark verzögerte Darmpassage
Während beim natürlich ernährten Menschen die Darmpassage 18 bis 24 Stunden betrage, schreibt Johann Georg Schnitzer[1], brauche die heute übliche bis zu 200 Stunden, um den Darm zu passieren: „Man braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, welche giftigen Fäulnisprozesse in dieser langen Zeit bei der für Bakterienwachstum idealen Körpertemperatur ablaufen. Gerade dann, wenn der Nahrungsbrei tierisches Eiweiss und ausserdem kunstgedüngte Gemüse enthält, in welchen der Stickstoffdünger zu Nitratanreicherungen geführt hat, produzieren Fäulnisbakterien ständig hochgiftige Nitrosamine, die krebserzeugend sind. Das ist der Mechanismus, der die heute häufigste Krebserkrankung entstehen lässt: den Darmkrebs“ .

Åre Waerland seinerseits listet weitere Fäulnisprodukte auf, die sich bei einer verlangsamten Darmpassage bilden können: Ammoniak, Amine, Phenol, Indol, Scatol und Schwefelwasserstoff, die alle mehr oder weniger giftig sind. Sie gelangen über die Darmschleimhaut ins Blut und von dort über die Pfortader zur Leber. Der Dichter Victor Hugo (1802–1885) über den degenerierten Dickdarm: „Wir haben in uns eine Schlange, die unseren Körper vergiftet und unsere Gesundheit unterminiert.“

Tatsächlich: In einem durch Fehlernährung verdorbenen, verstopften Darm kommt es zu Gär- und Fäulnisprozessen, und das Blut wird von hier aus chronisch vergiftet. Zudem besteht die Gefahr von Darmkrebs und Hämorrhoiden. Vollwertige Naturprodukte sind die besten Mittel, um die Degeneration des Magen-Darm-Milieus zu verhindern.

Denaturierte Nahrung bedeutet denaturierte Darmbakterien. Eine vollwertige Ernährung aber hält Magen und Darm auf Trab, sie werden dann nicht zu „vorgeschobenen Stützpunkten der Krankheit“ , wie es im „Bircher-Benner-Handbuch für Magen- und Darmkranke“ heisst. Wenn der Fleischanteil in der Ernährung zu gross ist, bilden sich Darmgifte und körperbelastende Stoffe (Tryptophan- und Tyrosin-Zerfallsprodukte), wie im Weiteren zu lesen ist. Dabei wird auch auf die Belastung durch die Mastchemikalien beim industriell erzeugten Fleisch hingewiesen.

Der Tod im Darm
Alle Ernährungs- und Gesundheitspioniere wandten einer aktiven Verdauung ihr besonderes Augenmerk zu; denn „der Tod liegt im Darm“. „Eine Verstopfung anstehen lassen, ist gleich langsamem Selbstmord, denn früher oder später wird sich diese Nachlässigkeit rächen“ , schreibt Alfred Vogel, ebenfalls unter Hinweis auf die dabei entstehenden Fäulnisgifte. Er zitiert den Londoner Chirurgen Sir W. A. Lane , der 1923 es bereits als Verstopfung betrachtete, wenn die Leute pro Tag nur eine einzige Stuhlentleerung hatten, weil dann „der Kulturmensch gewohnheitsmässig 24 Stunden am Tag verstopft ist“. Anzustreben sei vor allem eine häufige, weniger aber eine regelmässige Darmentleerung. Bruker: „Ein Tier entleert ungefähr so häufig seinen Darm, wie oft es Nahrung zu sich nimmt.“

Das Wertvolle als Ballast betrachtet
Der Zusammenbruch der Verdauungssysteme ist weitgehend auf die von der modernen Wissenschaft während Jahren verkannte Bedeutung der Faserstoffe wie Zellulose, aus der die pflanzlichen Zellwände aufgebaut sind, Kleie (Randschichten des Getreidekorns) usf. zurückzuführen. Diese unverdaulichen Substanzen mit ihrem grossen Quellvermögen, die zur Vergrösserung des Stuhlvolumens führen, wurden als wertloser Ballast („Ballaststoffe“ – der Begriff ist ein Unwort) betrachtet.

In der Naturheilkunde aber hatten Frischschrotgerichte, Obst und anderweitige Rohkost den entsprechenden Stellenwert schon, als die Nahrungsdegeneration im grösseren Stil gerade erst begann. Bis vor gut 100 Jahren kam nicht viel anderes auf den Tisch als das, was Bauern auf Feld und Hof erzeugt hatten oder im eigenen Garten herangewachsen war. Die zunehmende fabrikmässige Verarbeitung zum Beispiel zu weissem Industriezucker und weissen Auszugsmehlen, in denen die biologischen Wirkstoffe fehlen, fügt seither den Naturprodukten schweren Schaden zu, ebenso wie der Gesundheit der Konsumenten.

Was ist zu tun?
Werner Kollath umschreibt die Erlösung von der Verstopfung folgendermassen: „Menschen, die zu chronischer Verstopfung neigen, pflegen bereits nach wenigen Tagen spontan reichliche normale Stuhlentleerungen zu haben, wenn sie bei der Frischschrotkost bleiben (…). Bei gleichzeitiger Aufnahme von reichlich Obst verstärkt sich dieser Vorgang, ebenso bei reichlich anderweitiger Rohkost“ (in „Getreide und Mensch“). Bei Bircher wird ebenfalls nicht einfach in Schonung und Rücksichtnahme auf die Verdauungsorgane gemacht, auch wenn vielleicht einmal eine kurze Schondiät angezeigt sein kann, sondern auch hier geht es um eine Bevorzugung der Frischkost und von Lebensmitteln mit einem ausgeglichenen Verhältnis zwischen Nähr- und Wirkstoffen (Vitalstoffen): Enzyme, Vitamine, Magnesium, Kalium u. a., die dem ökonomischen Funktionieren des Stoffwechsels dienen. Nötig sind Anregung und Schulung abseits von Kaffee und anderen Röstprodukten, Schokolade, Industriezucker, alkoholischen Getränken usf. Ein Wandertraining oder anderweitige Körperbewegungen können ebenfalls anregend wirken. Das genüssliche Rauchen einer Tabakpfeife oder einer Zigarre kann ebenfalls Stuhldrang auslösen.

Im „medkalender 2004“ (123. Ausgabe), der auf über 1000 Seiten eine Fülle von Medikamentendaten im Kleindruck und an eine Sammlung von Beipackzetteln erinnert, sind die schulmedizinisch angewandten Abführmittel, die zum Teil auch in der Naturheilkunde anzutreffen sind, nach ihrem Wirkungsmechanismus wie folgt gruppiert:

  1. Quell- und Fasermittel: Kleie, Flohsamen (Psyllium, Isphagula), Leinsamen, Karaya-Gummi;
  2. osmotisch wirkende Laxantien (sie bewirken eine Flussigkeitsverschiebung von Blut im Darmgewebe in den Darm und eine Dehnung der Darmwand): Magnesiumsulfat, Magnesiumhydroxid, Natriumsulfat, Fordtranlösung (verschiedene Salze und Polyethylenglycol), Lactulose, Lactiol;
  3. sekretagoge Laxantien (hemmen die Resorption von Flüssigkeit und fördern den Einstrom von Flüssigkeit): Anthrachinone (Sennesglykoside, Rhabarberwurzeln, Faulbaumrinde, Aloe, Diphenylmethane (Phenophtalein, Bisacodyl, Natriumpicosulfat), Rizinusöl;
  4. motilitätssteigernde Mittel (zur Verbesserung der Darmbewegungen) wie Cisparid und Gleitmittel wie Paraffinöl;
  5. rektal angewandte Mittel: Glycerinsuppositorien, CO 2 freisetzende Suppositorien, stimulierende Suppositorien und Klistiere.

Abführmittel als falsche Lösung
Abführmittel haben insofern eine verhängnisvolle Wirkung, weil ihretwegen den Ursachen der Magen-Darm-Probleme nicht auf den Grund gegangen wird, „ein gefährlicher Selbstbetrug“ , wie Max-Otto Bruker festgestellt hat: Der Patient „kann, scheinbar unbeschadet, die verborgene Grundkrankheit unbehandelt lassen, bis sie zu einem späteren Stadium als unheilbare Erkrankung in Erscheinung tritt.“ Abführmittel seien immer falsch, betonte er: „Gäbe es keine Abführmittel, wäre der Verstopfte gezwungen, sich um die Ursachen seiner behindernden Darmentleerung zu kümmern.“ Zudem seien sie an sich schädlich, indem sie etwa den Kaliumhaushalt stören und Hämorrhoiden begünstigen.

Als häufige Begleiterscheinung der Verstopfung bezeichnet Bruker alle Erkrankungen der Verdauungsorgane, des Magens, der Leber, der Galle und der Bauchspeicheldrüse. Auch Stoffwechselkrankheiten wie Zuckerkrankheit und Fettsucht nennt er in diesem Zusammenhang.

Magenerkrankungen können auch durch Dauerspannung, Ärger und Missmut verursacht oder mitverursacht sein. Bei Nervenleiden können sich laut Alfred Vogel die Darmwände verkrampfen und zusammenziehen. Besonders bei Tische sollte deshalb eine angenehme, entspannte Atmosphäre herrschen: Es kommt darauf an, was in welcher Stimmung aufgetragen wird.

Walter Hess

Quellen
Bircher, Ralph (Herausgeber): „Handbuch für Magen- und Darmkranke“, Bircher-Benner-Verlag GmbH., D-61286 Bad Homburg v. d. H, 10. Auflage.
Bruker, Max-Otto: Stuhlverstopfung“, emu-Verlags-GmbH., D- 56112 Lahnstein, 20. Auflage 2001.
Bruker, Max-Otto: „Unsere Nahrung – unser Schicksal“, emu-Verlags-GmbH., D- 56112 Lahnstein, 36. Auflage 2003.
Gysling, Etzel und Marty, Natalie (Herausgeber): „medkalender 2004“, Schweizerischer Ärzteverlag AG, Steinentorstrasse 13, CH-4010 Basel 2004, Internet: www.emh.ch
Kollath, Werner: „Getreide und Mensch, eine Lebensgemeinschaft“ , Helfer-Verlag E. Schwabe, D-61286 Bad Homburg v. d. H., 8. Auflage.
Schnitzer, Johann Georg: „Der alternative Weg zur Gesundheit“, Dr. Johann Georg Schnitzer, D-88045 Friedrichshafen, 1982-2002.
Ulmer, Günter A.: „Der Schlüssel zur Gesundheit liegt im Darm“, in: „Waerland. Monatshefte für Gesundheitsvorsorge“, Günter A. Ulmer Verlag, D-78609 Tuningen, 7/8-2002.
Vogel, Alfred: „Die Nahrung als Heilfaktor“, Verlag „Das neue Leben“, Trogen 1935.

 

Frischkornbrei nach Bruker

Der Frischkornbrei zur Behandlung der ernährungsbedingten Stuhlverstopfung wird nach Max-Otto Bruker aus einer Mischung von Roggen, Weizen, Gerste, Hafer oder Hirse oder aus einzelnen dieser Getreidearten zubereitet: 3 Esslöffel (EL) Getreidekörner (etwa 50 g) werden durch eine Getreidemühle, in einem Mixapparat oder in einer Kaffeemühle grob geschrotet. Das Mahlen muss jedes Mal frisch vor der Zubereitung vorgenommen werden.

Das gemahlene Getreide wird mit ungekochtem Leitungswasser zu einem Brei gerührt und 5 bis 12 Stunden stehen gelassen. Die Wassermenge wird so berechnet, dass nach der Quellung nichts weggegossen werden muss. Dann wird der Brei durch Zusatz von frischem Obst (nach Jahreszeit), Zitronensaft, 1 EL Rahm, Nüssen usw. tischfertig gemacht. Immer sollte auch ein Apfel hineingerieben und untergemischt werden.

Andere Milchprodukte als Rahm können zu Unverträglichkeiten führen.

 

[1] http://www.dr-schnitzer.de/awg001.htm

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