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     18. September 2018, 19:34 Uhr
 


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Harmoniegesetze gelten überall

Die einen suchen nach der Weltformel; die anderen ergründen die Harmoniegesetze der Natur. Gäbe es diese makro- und mikrokosmischen universellen Harmoniegesetze nicht, liessen sich keine Planetenbahnen berechnen, und auch die Physiker und Ökologen fänden keine Erklärungen (sie haben noch lange nicht alle gefunden).

Jeder Naturvorgang richtet sich auf Harmoniegesetze aus; alle Abläufe sind bestrebt, sich mit gegensätzlich wirkenden Kräften einzupendeln. Aus der altchinesischen Naturphilosophie stammt das berühmte gegensätzliche und sich zur Einheit verschmelzende Kräftepaar Yin und Yang. Die Gegensätzlichkeit führt nicht zur Trennung, sondern zur Ergänzung, zu einem ausbalancierten, hochwertigeren Ganzen. Was wäre das Männliche ohne das Weibliche? Was wäre der Tag ohne die Nacht? Was wäre die Geburt ohne den Tod? Dazwischen ist das Leben in all seinen Nuancen.

Harmonische energetische Schwingungen sind die Voraussetzungen für die Entstehung und Erhaltung von Leben; sobald Disharmonien überhand nehmen, gehts dem Ende zu. Der Begriff Harmonia[1] steht in der altgriechischen Sprache für eine Klammer, die Auseinanderstrebendes zusammenfügt; Harmoniai brauchte man vor allem um ein Floss oder die Planken eines Bootes zusammenzufügen.

Wenn die Medizinwissenschaft die Harmoniegesetze und Energieflüsse im menschlichen Organismus im grösseren Zusammenhang ergründen und einigermassen zu verstehen versuchen würde, könnten vielleicht kranke Menschen nicht nur therapiert (behandelt), sondern sogar geheilt werden. "Biologische Systeme sind von Natur aus harmonikal strukturiert, ihre Funktionen sind harmonikal geordnet, sie erkennen dissonante Strukturen als artfremd und unnatürlich und lehnen sie deshalb spontan ab", sagte der Musikwissenschaftler und Komponist Peter Hübner in einem Interview treffend.

Wahrscheinlich ist die Musikwissenschaft diesbezüglich eine Ausnahmeerscheinung: Sie kennt die Harmoniegesetze und wendet sie häufig an – zur Freude der Zuhörer. Die Harmonielehre befasst sich im musikalischen Bereich mit der kunstvollen Verbindung im mehrstimmigen Satz. In der Volksmusik werden die Harmoniegesetze meistens rein intuitiv und spontan befolgt, weshalb sie sich so angenehm anhört. In der klassischen Musik bezieht sich die Harmonielehre auf die Akkorde und Akkordfolgen in der Dur-Moll-tonalen Musik des 18. und 19. Jahrhunderts[2]. Harmonische Musik wird auch zu Heilzwecken eingesetzt.

Die Disharmonie ist ein Abweichen von der natürlichen Ordnung. Musikalische Disharmonien und Dissonanzen[3] stören, beleidigen das Ohr, organische Disharmonien schwächen den Organismus. Unharmonische, unnatürliche Schwingungen wie der künstlich erzeugte Elektrosmog (nicht ionisierende elektromagnetische Strahlungen), welche die naturgegebenen terrestrischen und kosmischen Strahlen überlagern, müssen krank machen – daran besteht kein Zweifel. Die naturgegebene Ordnung und die darauf basierenden Systeme werden irritiert, in Unordnung gebracht, zerstört.

Deshalb haben die weisen alten Chinesen die kosmischen Harmoniegesetze instinktiv auf ihr eigenes Leben, auf ihren eigenen Lebensraum übertragen und damit einen Grundstein für das körperliche und psychische Wohlbefinden gelegt. Sie schufen mit dem Feng Shui eine eigene universell gültige Harmonielehre, die sie auf ihren Lebensraum anwandten. Sie sorgten für harmonische Abläufe, die angemessenen Formen und Farben, und grosse Geister wie Johann Wolfgang von Goethe haben die Richtigkeit solcher Gesetzmässigkeiten (in seiner "Farbenlehre") bestätigt.

Wenn Harmonien vorhanden sind, können die Energien normal fliessen: nicht zu schnell und nicht zu langsam. Die Energien verpuffen nicht, gehen nicht verloren, und es kommt zu keinen Stausituationen, zu keinen Blockaden. Wenn auf einer Autobahn die Fahrzeuge stecken bleiben, kommt es zu Störungen der Zeitplanungen der Verkehrsteilnehmer, auch der industriellen Produktionen; beförderte Tiere (und Chauffeure) leiden; verderbliche Ware geht zugrunde.

Wenn die Verhältnisse keine normalen Energieflüsse erlauben, ist das System gestört; es muss verbessert werden. Wenn Partner nicht harmonieren, sich nicht unterstützen und ergänzen, geht die Beziehung in Brüche; der Schaden ist beträchtlich. Wahrscheinlich liegt der zentrale menschliche Denkfehler dort, wo eine Andersartigkeit nicht als Bereicherung und Komplettierung, sondern als Verirrung, als Fehler betrachtet wird.

Falsche Einschätzungen haben viel mit dem Herdentrieb zu tun, der auch die Basis der Globalisierung ist: Alle gleich(geschaltet) im gleichen Dorf. Die Toleranz für das Spezielle ist abgeschafft und ebenso die Möglichkeiten für ausbalancierte Harmonien. Der Mainstream reisst alles und alle mit. Es kommt zu Monokulturen, die in der Natur nicht oder nur dank ständigem Chemikalieneinsatz überlebensfähig sind. Werden Menschen gleichgeschaltet, kommt es zu separatistischen Bestrebungen, weil viele, die es nicht mehr aushalten, ausbrechen wollen. Die auf die Wiederherstellung von Ausgewogenheit ausgerichteten biologischen Ablaufmuster schicken Insekteninvasionen in landwirtschaftliche Monokulturen, welche die unnatürlichen Verhältnisse beseitigen und die Grundlagen für Vielfalt schaffen wollen.

Wir haben noch nicht begriffen, dass ohne Gegensätze und Vielfalt keine Harmonien entstehen können. Deshalb geht so manches schief.

Walter Hess

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[1] Durch den Philosophen Philolaos von Kroton, welcher der pythagoräischen Schule angehörte, wurde der Begriff Harmonia im 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung auf 2 melodiebildende Intervalle übertragen, die mit Prime und Oktave bezeichnet werden. Sie unterscheiden sich von allen anderen Intervallen durch eine fast vollständige Verschmelzung ihres Klanges in unserem Ohr. Bei den lyrischen Gesängen kann nach der Beschreibung von Karl Lorenz kann noch die Verschmelzung der Musik mit der Sprache hinzukommen (Dokumentation zu "Wege zur Harmonia über Mass und Zahl").
[2] Als Prinzip des Klangaufbaus gilt in der Harmonielehre die Schichtung von Terzen über einem Grundton, der als Hauptton des Akkords betrachtet wird.[3] Mit Dissonanzen bezeichnet man laut Peter Hübner die Abkehr von den natürlichen Lautstärkeverhältnissen der Oberwellen, und mit Disharmonie das Missachten des Harmonikalen, des natürlich Harmonischen auf Seiten der modernen Musikschöpfer der Avantgarde sowie der modernen Interpreten klassischer Musik.

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