Textatelier
BLOG vom: 14.07.2005

Verwöhnte Kids unter Konsumzwang: „Let’s have chips!“

Autor: Emil Baschnonga

Schlimmer konnte es nicht kommen: McDonald’s ist kürzlich in eine bebilderte Lesefibel für Kleinkinder (ab 4 Jahre) aufgenommen worden. Auf 12 Cartoon-Farbseiten wird ihnen vorgefummelt, wie jedermann „burger und chips“ geniesst. 

„Let’s have chips!“ schreit ein kleiner Bengel neben seinem Schwesterchen mit Baby und weist auf den Menüanschlag (Überfall wäre besser) in einem McDonald’s-Lokal. Am Ende des Imbisses meint eine aufgeblasene Spukgestalt: „That was good. Let’s go.“ 

Viele Eltern und Erzieher zeigten sich darüber entrüstet. Dieses Machwerk ist mit „No dogs!“ betitelt, und der Text wurde ausgerechnet von einem Erzieher, Professor Ted Wragg, zuständig für Erziehung an der Exeter University (jetzt im Ruhestand), vor Jahren zusammengebastelt. Die Arbeit ist ursprünglich unter dem Titel „Max“ in der Reihe „Flying Boots“ im Verlag Nelson Thornes erschienen. 

Diese Transplantation in die verrückte McDonald’s-Umwelt deckt auf, wie hemmungslos dieser Konsumzwang auch unter Kindern angeheizt wird. 

Eltern forderten eine Schule in Hertfordshire auf, dieses Buch („No dogs!“) aus der Schullektüre zu entfernen. Der Rektor jedoch stufte diese Lesefibel als harmlos ein und meinte, dass sie einen guten Anfang zur Diskussion über „gesundes Essen“ bilde ...*

Kinder wissen wohl, wie leicht sich Eltern um des „Hausfriedens“ willen erpressen lassen. Aus einer Untersuchung des „National Consumer Council“ über die Einkaufsgewohnheiten von Kindern und Jugendlichen zwischen 12 und 16 Jahren geht hervor, wie anfällig sie für teure Markenartikel sind. Die „Sugus“, „Comics“ und „Barbies“ genügen längst nicht mehr. 

Die Anbieter wissen, dass diese blutjunge Käuferschaft von 11 Millionen in England, mit einer Kaufkraft von £ 30 Milliarden (englisch: billions) eine Zielgruppe 1. Ranges ist, die es auszubeuten gilt. 

8 von 10 Kindern haben heute ihren eigenen Fernseher und kaufen im Durchschnitt, direkt oder über ihre Eltern, jährlich 70 neue Spielzeuge. Masslos konsumieren sie „junk food“. 

Damit sind wir wieder bei McDonald’s angelangt. 

 

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