Textatelier
BLOG vom: 27.07.2005

Die Geschichte über den Pianomann spinnt sich fort

Autor: Emil Baschnonga

Seit den Aufsehen erregenden Blogs über den „stillen Pianomann“ vom 17. und 18. Mai 2005 wurden dem stummen, mysteriösen jungen Mann, der in verwirrtem Zustand am Strand in Sheerness (England) am 6. April 2005 aufgelesen wurde, mehr als 200 Identitäten angedichtet. Das berichtete jedenfalls die BBC.

Am 6. Juli, so schrieb die Zeitung „Aftenposten – News from Norway“, hätten ihn verschiedene ehemalige Studenten der Universität Oslo erkannt …

Er soll damals in einem Block bei Sognsvann, also ganz nahe bei der Universität, im 3. Stock, gewohnt haben, behauptet eine Studentin, die felsenfest davon überzeugt war: „Seine Augen, seine Ohren und seine leicht gekräuselte Oberlippe – alles stimmt mit ihm überein.“ War sie vielleicht in ihn, den sie Dominic nannte, verliebt?

Sei dem, wie ihm wolle: Der Pianomann soll aus Irland stammen und vorübergehend als Werkstudent – wohl als Pianist? – im irischen Pub „O’Malley’s“ gearbeitet haben, das inzwischen bezeichnenderweise nicht mehr besteht. Er spreche ausserdem fliessend Norwegisch. Später zog der Pianomann mit seiner Freundin von Oslo weg, in ein kleines schwedisches Städtchen. Dort verliert sich seine Spur.

Immerhin habe er ein bisschen reagiert, als ihn jemand in England auf Norwegisch ansprach, nicht wörtlich zwar, doch nach seinem Gesichtsausdruck zu schliessen. Mehr noch, er deutete auf die schwedische Flagge. Diese Fährte wird gegenwärtig schwungvoll verfolgt. Wer weiss, vielleicht wird er bald Red und Antwort stehen!

Weil der Pianomann eine kultivierte Person ist – und damit mein Blog nicht zu kurz komme, füge ich etwas Kultur hinzu, nämlich:

Ein Glas Kultur

Ein Mann, ganz alltäglich normal, bestellte in der Gaststätte laut ein Glas Kultur. Gäste schauten erstaunt auf. Aber der Geldschein in seiner Hand zeigte an, dass er es mit seiner Bestellung ernst meinte. Und jemand mit Geld wird immer ernst genommen. Auch vom Wirt, diesmal. Keineswegs verlegen brachte er dem Gast ein Glas Guinness (also ein irisches Bier). Seelenruhig trank dieser die kulturelle Leistung in einem Zuge leer. Daraus ist zu schliessen, dass Kultur eine Bieridee ist.

Ein Prost auf den irischen Pianomann! Möge er bald wieder zur Sprache finden, einerlei welche!

Hinweis auf weitere Blogs von Emil Baschnonga
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