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BLOG vom 01.08.2005


Unwetter-Spuren: Todtmoos-Wanderung mit Hindernissen

Autor: Heinz Scholz, Schopfheim D

Nach dem Unwetter, das am Freitag, 29. Juni 2005, gegen 17.00 Uhr über den südlichen Schwarzwald hereingebrochen war (an manchen Stellen gingen Hagelkörner so gross wie Golfbälle nieder), wagten mein Wanderfreund Günter Ensslen und ich am drauffolgenden Samstag bei guter Wetterlage eine Wanderung in der Umgebung von Todtmoos. Dieser zauberhaft gelegene Ort ist etwa 20 km von Wehr, 7,5 km von Bernau, 10 km von Herrischried und 6 km von Ibach entfernt. Der Ort mit seinen 2100 Einwohnern ist seit dem 14. Jahrhundert ein bekannter Marienwallfahrtsort, seit dem 19. Jahrhundert auch ein heilklimatischer Kurort und ein bekannter Wintersportort. In Todtmoos werden auch Internationale Schlittenhunderennen ausgetragen.

Bevor wir unseren Zielort erreichten, mussten wir zuerst durch die Wehratalschlucht fahren. Es ist eine tief eingeschnittene Schlucht von alpinen Dimensionen. Sie gehört zu den eindrucksvollsten Gebirgstälern von Deutschland. Als ich vor etwa 30 Jahren zum ersten Mal durch diese Schlucht fuhr, war es mir schon etwas mulmig zumute. Ich war damals jedenfalls so beeindruckt, dass ich noch lange von dieser „Höllenfahrt“ erzählte. 

Besonders eindrücklich sind die Steilabfälle der Schlucht, die bis 300 m Höhendifferenz aufweisen. Aber auch die über 30 m messenden Überhänge sind nicht ohne Faszination. 

Immer, wenn wir heute die Schlucht durchfahren, müssen wir an unübersichtlichen Kurven nicht nur auf Motorradfahrer, die zu rasant in die Kurven fahren und über den Mittelstreifen gelangen, sondern auch auf der Strasse liegende Steine achten. Vor etlichen Jahren wurde ein Mann von einem riesigen Steinbrocken, der Richtung Strasse donnerte, in seinem Auto erschlagen. Vor 2 Jahren ereignete sich ein gewaltiger Felssturz, der die Strasse blockierte. Zum Glück kam niemand zu Schaden. Statistisch gesehen, soll alle 50 Jahre in dieser Schlucht ein Mensch sein Leben aushauchen. Wer Pech hat, kann jedoch früher mit so einem Felsbrocken Bekanntschaft machen. Man sollte sich also niemals auf die Statistik verlassen! 

Es wird jedoch viel für die Sicherheit getan. Jedes Jahr kommen Spezialisten der österreichischen Bergwacht, die loses Gestein abschlagen und gefährliche Stellen mit Seilen oder Stahlnetzen sichern. 

Nun zurück zu unserer Wanderung. Wir unternahmen schon mehrmals einen solchen ausgedehnten Spaziergang in der Umgebung von Todtmoos (hier gibt es viele gut ausgeschilderte Wanderwege, auch der berühmte Westweg Pforzheim/Basel geht in der Nähe vorbei). Bei der Einfahrt in den Ort sahen wir rechts und links der Strasse eine Schneise der Verwüstung in den Waldgebieten. Überall waren durch den orkanartigen Sturm Bäume entwurzelt oder abgeknickt. An einem Baum sahen wir eine regelrechte Verdrehung des Stamms. 

Wir wanderten mit Hilfe eines GPS-Gerätes von Todtmoos nach Strick (Ortsteil von Todtmoos), gingen über die Fläche „Auf der Schanz“ in Richtung Hochkopf (1263 m ü. M.), dann am Weissenbachsattel und am Hochkopfhaus vorbei zur St. Antonihütte und von dort über die Wehratalklinik zurück zu unserem Ausgangspunkt. Unterwegs mussten wir etliche Bäume, die am Vortag entwurzelt worden waren und auf dem Weg lagen, überwinden. Es waren zusätzliche gymnastische Übungen, die wir jedoch ohne Mühe absolvierten.

Besonders schlimm hatte der Sturm in der Nähe der Wehratalklinik gewütet. Hier waren noch zahlreiche Forstarbeiter dabei, die auf der Strasse befindlichen Bäume zu zersägen und auf die Seite zu schaffen. Der Zufahrtsweg zur Klinik war um 13 Uhr noch nicht frei. Wir mussten uns durch ein Dickicht von Ästen einen Weg bahnen. An einer Stelle, direkt unter einem umgestürzten Baum, entdeckten wir noch jede Menge Hagelkörner. 

Noch einige Besonderheiten zu Todtmoos: In diesem Ort gibt es einen schönen Kurpark, einen „Kaffeepfad“, Lehrpfade und ein „Speckseminar“ (dieses beschreibe ich ausführlich in meinem Buch „Richtig gut einkaufen“ (Erscheinungstermin: Ende September 2005 in der Verlag Textatelier.com GmbH). 

Früher war in Todtmoos-Lehen auch ein Löffelschnitzer an der Arbeit gewesen. Nach einer Fernsehsendung besuchte ich vor einigen Jahren diesen älteren Mann und sah ihm bei der Arbeit zu. Für einen geringen Betrag erstand ich damals einige Löffel, die heute noch in Gebrauch sind. 

Folgende Episode dürfte wenig bekannt sein. Das „Rössle“ in Todtmoos-Strick diente in den 50er-Jahren als Filmkulisse für das Rührstück „Wenn am Sonntagabend die Dorfmusik spielt“. Es wirkten namhafte Stars wie O. E. Hasse, Rudolf Prack, Oskar Sima und Maria Seebaldt mit. Während der 3-wöchigen Dreharbeiten kamen viele Zuschauer herbei, um einen Blick auf ihre Stars zu erhaschen. – Während der Dreharbeiten im Schwarzwald erhielt übrigens O. E. Hasse das Angebot für den Film „Canaris“. Heute sind es besonders Wanderer, Skifahrer, die den vorzüglichen Service und die bodenständige Küche des „Rössle“ geniessen. 

Ein Fazit nach dieser Abschweifung: Es war eine sehr schöne und abwechslungsreiche Wanderung in einer zauberhaften Landschaft. Ich genoss die stillen Augenblicke der Wanderung und die herrlichen Ausblicke und tankte wieder die würzige Schwarzwaldluft. Ich fühlte mich wieder fit, dieses Tagebuchblatt zu verfassen. 

Bei solchen Wanderungen kann man die Alltagswidrigkeiten – ich denke da besonders an die schlechten Nachrichten unserer Zeit – vergessen und wieder etwas für die Seele tun. Viele wissen gar nicht mehr, in welch paradiesischer Landschaft – in der die Musik sozusagen immer spielt – sie leben.

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