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BLOG vom 10.08.2005


Alle Achtung beiseite - bei den fetten Manager-Katzen

Autor: Emil Baschnonga

Viele der einstigen Laster gelten heute als Tugenden. Unter diesen nenne ich hier die Gier, genauer gesagt die Geldgier, Raffgier, Habgier, wie sie viele Geschäftsführer weltweit schamlos an den Tag legen. Allerdings herrscht noch immer ein anderer Geist in kleinen Betrieben, besonders in Familienunternehmen.

Die Raffgier ist zur globalen Seuche geworden. Erfolgreich oder nicht in ihrer Position, bereichern sich Konzernmanager masslos, währenddem die armen Schlucker, etwa in England, mit einem Mindestlohn von £ 2.45 pro Stunde auskommen müssen …

Das Bombengehalt von Richard Grasso, Vorstandsvorsitzender der New Yorker Börse, wird mit $ 140 Millionen angegeben und jenes von Mark Reuben, CEO (Chief Executive Officer) von Colgate-Palmolive mit $ 148 Millionen. Diese Gehälter bestehen aus dem Grundsalär plus „Erfolgsprämie“ (wobei ein Misserfolg ebenfalls hoch belohnt wird!), Aktienoptionen, überrissenen Pensionen und anderen Goldklumpen.

Wie ich in meinem Blog „Und sie sagten kein Wort …: Beispiel Niger“ vom 6. August 2005 schrieb, spendeten die UNO-Agenturen sage und schreibe $ 75 Millionen, um die Hungersnot dieses verarmten zentralafrikanischen Landes zu stillen – mit anderen Worten, die Hälfte des Jahresgehalts dieser 2 Mogule.

Einerlei, ob die Börse im Sturzflug ist oder wie ein Ballon hochsteigt, die CEOs streichen massive Gehaltserhöhungen ein: + 288 % innerhalb der letzten 10 Jahre in England, während die Löhne der Arbeiter nur um 45 % anstiegen.

Diese Krösusse geniessen erst noch „goldene Fallschirme“ (golden parachutes) – auch „goldene Handdrücke“ (golden handshakes) genannt, also hohe Abfindungen, wenn sie sich verabschieden oder verabschiedet werden. Stephan Stanley kriegte eine Abfindung von $ 32 Millionen, nach 3-monatigem Misserfolg als Co-Präsident im amerikanischen Morgan Stanley-Haus (globales Finanzierungsunternehmen). Wer „Synergieeffekte“ (Kostensenkungsmassnahmen durch Zusammenlegungen) erzielt, zum Beispiel Massenentlassungen inszeniert, bekommt noch viel mehr.

Die fettesten Katzen schnurren am liebsten und vorwiegend in der pharmazeutischen Industrie, im Öl- und Gas-Sektor, in Banken sowie in der internationalen Presse. Diese Katzen umschmeicheln einander, denn jede hat ihren eigenen Napf. Sie helfen einander, um ihre Näpfe laufend zu überfüllen. Da sie Katzen sind, heisst dieses Schmeicheln Kratzen, also: du kratzest meinen Rücken, und ich kratze deinen („you scratch my back, I’ll scratch yours“).

Ein anderes Laster, das zur Tugend geworden ist, heisst Neid. Die fetten Katzen bezichtigen die mageren des Neids, was ja oft stimmen mag. Hagere Katzen mit Ambitionen umschwänzeln die fetten. Wenn sie die Pfoten der fetten Katzen lecken, werden sie, wer weiss, eines Tages mit einem eigenen Näpfchen belohnt. Ihr Neid erlischt dann schlagartig, wenn sie sich aufpäppeln, Fett ansetzen und in den Tugendbund aufgenommen werden.

Sind diese überfressenen Katzen klüger als die anderen, also Sie und ich? Mitnichten! Sie sind nur viel skrupelloser, oft bis hin zur Korruption. Solche Skandale kommen heute ins Scheinwerferlicht. Das ist gut und kann Exzesse eindämmen helfen. Der Maxwell-Skandal (Pensionskassenraub) in England (1991) hat gegen solche kriminelle Exzesse einen Grenzstein gelegt. Aber die Grenzlinie ist lang und braucht eine lange Reihe von Grenzsteinen.

Inzwischen wünsche ich, dass die in England (und anderswo) unterbezahlten Krankenschwestern, Lehrer und viele andere verdienstvolle Mitgestalter des Gemeinwohls endlich angemessen entlöhnt werden – auf Kosten der fetten Katzen.

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