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BLOG vom 14.08.2005


Atombomben nur für Auserwählte, für die Besten der Guten

Autor: Walter Hess

Die Medien haben in den vergangenen Tagen in verdienstvoller Weise ausführlich daran erinnert, wie die USA vor 60 Jahren (am 6. und 9. August 1945) die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki in Trümmerhaufen verwandelten, Hunderttausende von Menschen töteten oder in Krüppel verwandelten; noch immer treten Missbildungen auf. Einen militärischen Grund für diesen Massenmord gab es nicht. Eine Entschuldigung auch nicht. Genau wie in Vietnam, wo das Land von den USA mit Giftgas (Agent Orange) chemisch dauerhaft verseucht wurde. Das lässt auf eine himmeltraurige, miese Moral schliessen.

Die USA, die zum Inbegriff des Guten gehören, sind die einzige Nation, welche bisher Atombomben über ein dicht besiedeltes Gebiet abgeworfen hat. Und wenn man ihre übrigen Bombensalven jeweils als Feuerwerk beim Regierungssender CNN (als solcher führt er sich jedenfalls auf) mitverfolgen kann, wird der Krieg zum unterhaltsamen Event, auch wenn dabei Tausende ohnehin leidgewohnter Zivilisten inklusive Kinder sterben, wenn durch den Einsatz von Cluster-Waffen mit abgereichertem Uran (depleted uranium / DU) radioaktive Verseuchungen in Kauf genommen werden und ganze Hochkulturen zerschlagen werden, um einen skrupellosen Herrscher zu fangen, mit dem man vorher zusammengearbeitet hatte.

Diese gewaltbereite Nation USA, welcher im Rahmen des gegenwärtigen Globalisierungsgeschehens merkwürdigerweise die Rolle des Weltsheriffs zugestanden wird, hat am meisten Atombomben aller Kaliber, baut jetzt auch „Mini-A-Bomben“ und fühlt sich deshalb berufen, zu entscheiden, wer Atomforschung betreiben und ebenfalls noch ein paar Bomben haben darf. Der Iran gehört nicht zum auserwählten Kreis, obschon diese Nation in der Nähe der lange verheimlichten Atommacht Israel und wegen der rund um ihr Land militärisch präsenten Amerikaner zum Aufrüsten förmlich gezwungen ist (siehe dazu auch das einfühlsame Blog vom 4. August 2005 von Emil Baschnonga: „Zur Einsichtnahme: Iran = Persien = Sa’dis Rosengarten"). Zudem haben die energiehungrigen USA dem erdölreichen Land Iran mehrmals mit einer militärischen Intervention gedroht; gleichwohl (vielleicht gerade darum) wurde die freiwillig stillgelegte Atomanlage Isfahan entsiegelt und wieder in Betrieb genommen. Auch die Atommächte Pakistan und Indien befinden sich sozusagen in der Reichweite. Nordkorea hat bewiesen, dass man die USA vor dem Einmarschieren abhalten kann, wenn man atomar hinreichend aufgerüstet ist.

Die Rüstungssignale aus dem Schurkenstaat USA, der als globaler Rettungsengel im religiös verbrämten Weihrauch daherkommt, haben weltweit verheerende Auswirkungen: Diese Politik der Arroganz, der Macht und Gier zwingt zum Aufrüsten überall dort, wo begehrte Rohstoffe oder strategisch bedeutsame Eigenschaften vorhanden sind, nicht nur im Iran.

Argentinien und Brasilien reichern (im Rahmen des Atomwaffensperrvertrags) ebenfalls Uran an. Die Umwandlung von Uran ins gasförmige Uranhexafluorid ist eine Vorstufe zur Urananreicherung: Solch angereichertes Uran kann für KKW-Brennstäbe und auch zur Herstellung von Atombomben verwendet werden.

Wer aufrüstet, läuft Gefahr, mit militärischen Mitteln ohne Rücksicht auf Verluste bestraft und niedergemacht zu werden; wer es nicht tut, ist der unberechenbaren US-Übermacht schutzlos ausgeliefert. Unter solchen Voraussetzungen kann die Welt nicht zur Ruhe kommen.

Am Beispiel Iran hat der einheimische Schriftsteller Bahman Nirumand die Folgen der möglichen US-Kriegspolitik wie folgt beschrieben: „Die erste Option wäre ein Schlag gegen militärische Ziele im Iran, etwa gegen die Revolutionsgarden (Pasdaran). Das liesse sich als begrenzte Bestrafung und Warnung darstellen, um ein Einlenken Teherans zu erreichen. Militärisch wäre eine solche Operation relativ leicht, da nur amerikanische Luftschläge mit Bombern und Marschflugkörpern notwendig wären, die im Schutz der Dunkelheit stattfinden könnten. Die Gefahr bestünde darin, dass der Iran mit Raketenangriffen auf Israel antwortet. Dabei könnten strahlende, biologische oder chemische Sprengköpfe zum Einsatz kommen. Ausserdem dürfte der Iran wahrscheinlich die Schiiten im Irak zu Gewalttaten gegen die Besatzungstruppen sowie gegen die irakische Regierung mobilisieren. Auch steht zu befürchten, dass Teheran versucht, den Ölpreis nach oben zu treiben und Anschläge in Israel oder der westlichen Welt zu unterstützen.“

So lange es ein „Gleichgewicht des Schreckens“ gab, eine Mutual assured destruction (MAD, zu deutsch: wechselseitig gesicherte Zerstörung), war ein schrecklicher Friede einigermassen gesichert. Heute ist die Macht aber so einseitig bei einer Nation konzentriert, in der zudem eine regelrechte Gewaltkultur auflebt und in der die Colts und Zerstörungswaffen aller Art schon seit je locker sassen, dass die ganze Erde zum Pulverfass wird. Der zunehmende Terrorismus ist eine Folge davon; er wird regelrecht herangezüchtet. Jedermann weiss es, und kaum jemand wagt es zu sagen. Das Ausloten von Ursachen ist nicht eben eine Spezialität des zivilisierten Westens.

Eine Aufgabe der Uno und der freiheitsliebenden Nationen der Welt wäre es deshalb, die Vorherrschaft der plündernden Kriegsnation USA mit ihrer auch medial verbreiteten Gewaltkultur zu brechen und für Kräftegleichgewichte zu sorgen statt sich in naiver Art unter die US-Fittiche zu begeben und sich dort sogar noch geborgen zu fühlen. Schon das ständige Hupen der Polizeisirenen, das etwa die New Yorker Atmosphäre bestimmt, und das Kriegsgetöse aus allen Medien sind keine Einstimmungen oder gar Voraussetzungen zur Erfüllung des Wunsches nach Frieden und Freiheit.

Die USA wären nur glaubwürdig, wenn sie atomar ab- statt aufrüsten würden. Die Welt braucht Vorbilder, nicht Brandstifter im Grossformat.

Aus der Geschichte wurde noch nie etwas gelernt, weil alle Menschen sämtliche Dummheiten selber machen wollen und die Umstände ständig wechseln. Doch allein die kritische Beobachtung des aktuellen US-Verhaltens müsste vollauf genügen, um wesentlich schlauer zu werden. Das Geläut’, an dem man die Liesel zu erkennen pflegt, ist wahrhaftig laut genug und nicht zu überhören.

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