Textatelier
BLOG vom: 09.09.2005

Henry David Thoreau und die Pflicht zur Ungehorsamkeit

Autorin: Lislott Pfaff

Aus Protest gegen die amerikanische Eroberungs- und Sklavenpolitik veröffentlichte der amerikanische Schriftsteller Henry David Thoreau (1817−1862) im Jahre 1849 den Essay „Resistance to Civil Government“ („Widerstand gegen die Regierung“), später mit dem Titel „Civil Disobedience“ („Ungehorsam des Bürgers“) versehen.

„Thoreau hat schon 1849 verkündet, der Bürger habe das Recht, ja die Pflicht zur civil disobedience gegen den Staat, wenn die regierende Mehrheit Gesetze beschliesst und Taten billigt, die der Bürger in seinem Herzen für ein schweres Unrecht hält. In diesem berühmt gewordenen Essay stellt Thoreau Kernfragen der Demokratie. Kühn deklamierte der eben 30-Jährige ein individuelles Gewissensrecht gegen ungerechte Mehrheitsentscheidungen: ‚Wenn das Gesetz dich zum Arm des Unrechts macht, dann, sage ich, brich das Gesetz.’ Ghandi verteilte die Schrift wie ein Lehrbuch unter seine Schüler; Anhänger der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung trugen sie im Marschgepäck“ (Quelle: Der Spiegel“, Hamburg).

„Mag sein, dass sich auf längere Sicht Thoreaus Freiheitslehre als die historische Antwort auf den Kapitalismus und seine Industrie-Zivilisation erweisen wird, wirksamer (...) als das Kommunistische Manifest, das gleichzeitig entstand, dessen utopische Momente zwar ähnlich, aber ungleich (...) abgehobener sind“ (so Hugo Dittberner in der „Frankfurter Rundschau“).

Der österreichische Schriftsteller Egon Friedell nannte Thoreau einen neuen Franz von Assisi. Die Literaturgeschichte vergleicht ihn mit dem französischen Schriftsteller und Philosophen Michel de Montaigne (1533−1592), und dem deutschen Schriftsteller Hermann Hesse war er ein Vorbild.

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