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BLOG vom 26.08.2005


Knoblauchfahne: Alarm und eine verhinderte Operation

Autor: Heinz Scholz

Als ich dieser Tage eine Arbeit über Gewürze fürs „Kneipp-Journal“ ausarbeitete, stiess ich wieder auf meine Knoblauchgeschichten. Etliche solcher Geschichten über Heilpflanzen sind übrigens in meinem Buch „Arnika und Frauenwohl“ aufgeführt.

Als ich noch aktiv in der früheren Pharmafirma Ciba-Geigy in Wehr D tätig war, musste ich des Öfteren Knoblauchfahnen von Mitarbeitern, die am Abend des Vortags dem Knoblauch gefrönt hatten, ertragen. Ein Kollege, der am meisten „dampfte“, erzählte einmal mit stolz geschwellter Brust, er bereite immer eine Knoblauchsosse zu, in der etwa 30 % zerdrückte Knoblauchzehen seien. In entsprechenden käuflichen Sossen oder in solchen, die man in Gaststätten bekommt, sind höchstens einige wenige Prozente des Gewürzes vorhanden. Da kann sich jeder vorstellen, wie umnebelt der Kollege war.

Als besonders lästig empfand ich den nahen Kontakt in Aufzügen mit solchen Knoblauchliebhabern. Bei jedem Atemzug wehte mir der „Duft der Knolle“ entgegen. Oft musste ich die Luft anhalten. Zum Glück fuhren wir nur 3 Stockwerke mit dem Aufzug. Und so lange kann man ohne das Atmen auskommen (als noch penetranter empfand ich jedoch die Duftwolke einer Kollegin, die sich mit Deospray eingesprüht hatte). Wer eine knoblauchfreie Atmosphäre geniessen wollte, der benutzte zur Sicherheit das Treppenhaus.

Die Liebhaber des Knoblauchs stören sich wenig am Geruch der Knolle. Im Gegenteil: Sie verzehren diese mit höchstem Genuss. Sie können nicht glauben, dass es Gegner der Knolle gibt, die alles daransetzen, das Aroma zu meiden.

Wir verzehren in unserer Familie Knoblauch nur gelegentlich und dann nur gemeinsam (sonst stört der Geruch den Partner, der sich keinen Knoblauch einverleibt hat) und an Wochenenden oder im Urlaub. So „belästigen“ wir keine Verwandten und Arbeitskollegen mit den Düften der Knolle.

Nun zu den Geschichten, die an Originalität nicht zu übertreffen sind:

2 Jugendliche entwendeten in einem Schuhmarkt in Schopfheim D einen Rucksack, packten 3 Paar Schuhe hinein und suchten das Weite. Die Diebe wurden jedoch bemerkt. Die Verfolger waren den Jünglingen hart auf den Fersen. Was blieb diesen da übrig, als die Rucksäcke samt Inhalt fallen zu lassen, um noch schneller Fersengeld geben zu können. Sie entkamen. Nach der Beschreibung handelte es sich um 2 ausländische, schwarzhaarige Jugendliche, die etwa 170 Zentimeter gross waren. Dann folgte in der „Badischen Zeitung“ am 22. 10. 1998 eine ausführliche Beschreibung der Kleidung. Die beiden hatten jedoch 2 Dinge gemeinsam: Sie kauten Kaugummi und stanken gotterbärmlich nach Knoblauch. Nun wurde fieberhaft nach den Knoblauchfahnen gesucht, die sich allerdings mit der Zeit verflüchtigt haben dürften ... Ob diese Diebe aufgefunden wurden, entzieht sich meiner Kenntnis. Wohl kaum!

Wie der „Südkurier“ am 8. 1.1998 berichtete, löste eine Knoblauch-Duftwolke einen Grossalarm aus. Als ein Mann eine mit zahlreichen Knoblauchzehen gespickte Spanferkelkeule auf dem Balkon grillte, stieg der Duft des Knoblauchs in die Nase eines Passanten. Er alarmierte die Feuerwehr wegen „Gasgeruchs“. Diese rückte mit einem kompletten Löschzug an und wollte schon die Strasse absperren, als sich der Irrtum aufklärte. Sie entdeckten den Mann, der nach „altjugoslawischem Rezept“ sein Ferkel zubereitete. Was blieb der Feuerwehr übrig, als einen guten Appetit zu wünschen und wieder abzufahren!

Ein Darmstädter Klinikdirektor hat, wie die „Badische Zeitung“ am 8. 12. 2000 berichtete, eine Mandeloperation an einer Patientin mit Knoblauchfahne verweigert, mit der Begründung, dass sich andere Patienten und das Klinikpersonal zu stark belästigt fühlen würden. Die Familie aus Bangladesch hat dem Arzt Ausländerfeindlichkeit vorgeworfen. Und das alles wegen des Knoblauchs! Zu erwähnen wäre noch, dass die Frau mit der gesamten nach Knoblauch riechenden Familie in der Klinik erschienen war.

Eine weniger lustige Meldung mit dem Titel „Von Knoblauchgemüse erschlagen“ brachte „Focus Online“ am 06. 05. 2004: In einem Kühlhaus in der Stadt Zhengzhou in der chinesischen Provinz Henan stürzten einige 10 Meter hohe Metallregale, die mit 370 Tonnen Knoblauchsprösslingen beladen waren, um. Es kamen 15 Lagerarbeiter ums Leben.

In der chinesischen Küche ist übrigens das lange grüne Knoblauchgemüse, das aus den Zwiebeln spriesst, sehr beliebt. Bei uns ist dieses Gemüse wenig bekannt.

Zum Schluss möchte ich das Geheimnis des Knoblauchgeruchs lüften: Der typische Geruch entsteht, wenn das geruchlose, aber unwirksame Alliin durch ein Enzym (Alliinase) ins wirksame Allicin umgewandelt wird. Aus diesem Stoff entstehen bestimmte Schwefelverbindungen, die für den Geruch verantwortlich sind. Ein Teil der Schwefelverbindungen gelangt nicht nur über die Atemluft, sondern auch über die Haut an die Umwelt.

Gibt es Mittel gegen die Knoblauchfahne? In der Tat sind einige Mittelchen bekannt, die den Geruch überdecken, aber nicht verhindern. Kräuterpfarrer Johann Künzle (1857–1945) empfahl das Kauen von Petersilie, Raute, Pfefferminze, Majoran oder Thymian. Andere empfehlen Pfefferminzöl, das Kauen von gerösteten Kaffeebohnen und Gewürznelken oder das Trinken eines Gläschens Rotwein.

Und ihr Knoblauchgegner denkt daran: Knoblauch ist gesund, eine Heilpflanze erster Güte! Er fördert den Appetit, senkt einen erhöhten Cholesterinspiegel und einen erhöhten Blutdruck, hält die Gefässe jung und wirkt gegen Darmparasiten. Da muss man schon einmal Knoblauchwolken ertragen. Am wenigsten stören die eigenen ...

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