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BLOG vom 05.09.2005


Erlebnisse am Zoll: Nur Basler Luft war in der Schachtel

Autor: Heinz Scholz

Jeder, der über den Zoll in die Schweiz oder zurück fährt, der muss genau darauf achten, dass er die Freigrenzen nicht überschreitet. Früher war es so, dass zu Zeiten des niedrigen Franken-Kurses viele Deutsche in der Schweiz Lebensmittel einkauften. An der Gemeinschaftszollanlage in Bad Säckingen wurden die Einkäufer von einem Zöllner, der den Spitznamen „scharfer Hund“ hatte, genau kontrolliert. Auch ich geriet an diesen spitzfindigen Beamten.

„Haben Sie etwas zu verzollen?“, war seine Frage. Dann folgte meine vielleicht nicht so gute Antwort. „Nein, ich glaube, ich bin im Rahmen der Freigrenze.“ Das war für den Zöllner schon verdächtig. Ich musste an die Seite fahren. Dort durchwühlte er meine Tüten und rechnete die Preise zusammen. Er schaute blöd drein, als er eine Überschreitung der Freigrenze für Lebensmittel (damals 20 CHF) um 50 Rappen ermittelte. Wohlwollend durfte ich dann ohne Entrichtung eines Zolls weiter fahren.

Dazu 4 Begebenheiten aus meiner Anekdotensammlung:

Was ist im leeren Karton?

Arnold T., ein guter Bekannter von mir, ist mit einem gesegneten Humor ausgestattet. Er ging einmal auf dem Badischen Bahnhof mit einem grossen Karton über den deutschen Zoll. „Haben Sie etwas zu verzollen?“ schallte es ihm entgegen. „Nein!“ antwortete der Grenzgänger. Ungläubig starrte der Zöllner auf den Riesenkarton. „Was haben Sie da drin?“ fragte der gestrenge Beamte und deutete auf den Karton. „Nur Basler Luft“, war Arnolds Antwort. Ungläubiges Erstaunen von Seiten des Zöllners. Dann musste der in Verdacht geratene „Schmuggler“ den Karton öffnen, und es war tatsächlich nur Basler Luft drin. Zur Erklärung sei gesagt, dass der Deutsche den gebrauchten Karton von seiner Firma mitnahm, um daheim ein Paket zu packen. Am nächsten Tag ging der Betreffende wieder mit einem grossen Karton über den Zoll. Schon von weitem rief derselbe Zöllner vom Vortag verschmitzt grinsend: „Nur Basler Luft! Sie dürfen passieren!“

Arbeiten Sie in der Schweiz?

Ein Bad -Säckinger wartete vergeblich auf Bekannte, die er zu einem Essen in Laufenburg (Schweiz) eingeladen hatte. Es vergingen 20, dann 30 Minuten. Kurze Zeit darauf kamen die Unpünktlichen an. Der Fahrer war sauer, der Magen knurrte. Mit Groll fuhr er vor dem Zoll vor, wo ihn schon ein berüchtigter Zöllner erwartete.

„Schaffen Sie in der Schweiz?“ fragte dieser mit todernster Miene. Der Ankömmling antwortete ärgerlich: „Sehe ich so aus?“

Dann rief der Zöllner 2 „Monteure“ und die nahmen den Wagen auseinander. Jeder Winkel wurde nach Schmuggelgut untersucht. Das brachte wiederum eine Verspätung, und der Magen knurrte immer mehr.

Die Revanche folgte bald darauf. Der Deutsche arbeitete nämlich eine Woche bei einer Schweizer Firma. Als der Zöllner ihn wieder kontrollierte, meinte dieser: „Was machen Sie in der Schweiz?“ Der Angesprochene antwortete, er fahre spazieren. Am nächsten Tag schallte ihm die gleiche Frage entgegen. Da platzte dem sonst humorvollen Bad Säckinger der Geduldsfaden und meinte: „Ich sehe zu, wie die Schweizer zur Arbeit fahren.“

Kleingeld

Grenzkontrolle am deutschen Zoll in Riehen. Ein Schopfheimer wurde kontrolliert. Sein Pech: Er hatte mehr als die erlaubte Menge an Lebensmitteln geladen. Der Beamte rechnete den Zoll aus. Es waren 5,25 DM, die noch nachbezahlt werden sollten. Der Schopfheimer streckte ihm einen 100-Mark-Schein entgegen. „Haben Sie kein Kleingeld?“ meinte der Zöllner. „Kleingeld hab ich schon, aber das gebe ich nicht her“, entgegnete der „Schmuggler“. Griesgrämig nahm der Zöllner den Schein und verschwand im Hinterzimmer. Er rächte sich auf seine eigene Weise: Er gab dem Verdutzten das Wechselgeld von 94,75 DM in Münzen zurück. Schwer bepackt verliess der Schopfheimer das Zollgebäude.

4 Stunden gefilzt

Ein Wehrer fuhr des Öfteren zu Verwandten in die damalige DDR. Bei den scharfen Grenzkontrollen fiel immer wieder das unmögliche Benehmen der Grenzbeamten auf. Als der Fahrer eine nicht genehme Antwort auf die Frage nach der Geschenkliste gab, wurde der Mercedes des Wehrers besonders gründlich untersucht. 4 Stunden dauerte die gesamte Prozedur.

Ein Erlebnis der besonderen Art hatte ein Schopfheimer. Als der DDR-Grenzbeamte ihn fragte, ob er eine Waffe dabei habe, antwortete der Einreisende spitzbübisch: „Brauche ich die denn hier?“ Da für den Beamten Humor ein Fremdwort war, veranlasste dieser eine besonders strenge Kontrolle von Personen und Wagen. Nach einem mehrstündigen Aufenthalt durften die Reisenden weiterfahren.

Und noch ein persönliches Erlebnis am Zoll in Riehen: Vor einigen Jahren wollte ich mit Jürgen W. nach Basel fahren, um in den Buch-Antiquariaten herumzustöbern. Wir wussten nicht, dass just an diesem Tag eine Demonstration von Autonomen in Basel stattfand. Da Jürgen eine Lederjacke anhatte, eine Sonnenbrille trug und eine „Ente“ fuhr, gerieten wir in den Verdacht, an dieser Demo teilzunehmen. Wir wurden gebeten, an die Seite zu fahren; dann mussten wir unsere Ausweise vorzeigen und wurden befragt, was wir in Basel zu suchen hätten. Danach erkannte der Beamte wohl unsere unpolitische Absicht und liess uns ziehen.

Ich schwor mir, ich fahre nie wieder in einer Ente und mit einer Begleitperson, die eine Lederjacke trägt, nach Basel. Da bekommt man nur Schwierigkeiten!

Anmerkung: In meinem Buch „Richtig gut einkaufen“, das Ende September 2005 in der Verlag Textatelier.com GmbH erscheinen wird, habe ich im Kapitel Kaffee ein Zoll-Erlebnis über eine Grossmutter, die ungerösteten Kaffee über die Grenze schaffte, erwähnt; denn Auflockerungen verschönern das Leben und das Lesen. Oft kann man nur staunen, was alles am Zoll passiert, und am Ende bedauert man es fast, wenn diese Institution im Rahmen des globalen Freihandels abgeschafft wird.

Sicherlich hatten auch Sie ein Erlebnis der besonderen Art beim Überqueren von Landesgrenzen. Teilen Sie es uns bitte mit!

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