Textatelier
BLOG vom: 27.09.2005

Tierschänder unterwegs: Kastrierer und Enthorner inklusive

Autor: Lislott Pfaff

Leider sind die Bestimmungen unseres schweizerischen Tierschutzgesetzes und die Einhaltung dieser Bestimmungen 2 Paar Stiefel. Die zuständigen Stellen sind meiner Meinung nach viel zu „larsch“ (zu large, zu grosszügig) bei der Verfolgung von Gesetzesbrechern auf diesem Gebiet. Es sind ja nur Tiere ...!

Der „Basellandschaftlichen Zeitung“ vom 20. 9. 2005 entnehme ich, dass das gesetzlich verankerte Verbot der Kastrierung und Enthornung von landwirtschaftlichen Nutztieren ohne Narkose kaum befolgt wird. Zwar durften bisher nur Tierärzte solche Eingriffe überhaupt vornehmen; aber da die Bauernschaft die damit verbundenen Kosten scheut, will man den Tierhaltern jetzt einfach ein Betäubungsmittel in die Hand drücken, damit sie mit dessen Hilfe die Operationen trotzdem selber durchführen können. Das Leiden der Tiere wird in Kauf genommen, um die Kosten für einen schmerzlosen Eingriff durch den Tierarzt einzusparen.

Es ist sehr fraglich, ob dies im Sinne des Tierschutzes ist, auch wenn die Tierhalter von Gesetzes wegen einen Kastrations- und Enthornungs-Kurs absolvieren müssen. Ich befürchte, dass solche blutigen Eingriffe von den in dieser Hinsicht ungeübten Bauern – kann ein Kastrationskurs dem Laien die fachliche Routine eines Tierarztes verleihen? – kaum tierschutzgerecht vorgenommen werden. Besonders erschreckt mich, dass die Landwirte im Verlauf solcher Kurse zunächst ihre dabei erworbenen (oder nicht erworbenen) Fähigkeiten an lebenden Tieren üben müssen. Arme Experimentieropfer! Ein weiterer Horror ist das Kastrieren von Ferkeln ohne Betäubung, was selbst das Tierschutzgesetz nicht verbietet.

Es ist mir unbegreiflich, dass der Schweizer Tierschutz gegen all diese Quälereien nicht schon lange etwas unternommen hat. Es wäre doch die Aufgabe dieser Organisation, für die Rechte und das Wohlergehen der Tiere einzutreten. Wozu ist sie denn sonst da? Wofür werden die Geldspenden von unzähligen Tierschützern verwendet? Und ausserdem: Wer gibt eigentlich den Menschen das Recht, im Namen von Geld und Genuss unschuldige Geschöpfe zu quälen?

Weshalb akzeptieren wir stillschweigend solche Tierquälereien, während wir uns gegen die Taten des oder der unbekannten Tierquäler, die in unserer Gegend ihr schreckliches Unwesen treiben, derart empören, dass dies zu Schlagzeilen in der Presse führt? Mir scheint, hier wird mit zweierlei Ellen gemessen – und dies zum Nachteil der landwirtschaftlichen Nutztiere.

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20. 02. 2005: „Fuchsjagd in England: ...sonst wird dich der Jäger holen“

20. 02. 2005 „Die Füchse in England dürfen aufatmen“

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