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BLOG vom 28.10.2005


Apartheid-Aufarbeitung: Wo Rassismus sein darf und wo nicht

Autor: Walter Hess

Die Schweizer Medien tun sich gerade gütlich an der Rolle der Schweiz während der Apartheid in Südafrika zwischen 1948 und 1994, nachdem das mit 2 Mio. CHF aus Steuergeldern finanzierte Nationale Forschungsprogramm (NFP 42+) „Beziehungen SchweizSüdafrika“ veröffentlicht worden war.

Die Schweiz hatte sich damals den internationalen Sanktionen nicht angeschlossen. Die Schweizer Industrie unterlief das Waffenembargo, das die UNO über Südafrika verhängt hatte, in grossem Stil; politische Rhetorik und Handlungsweisen klafften weit auseinander, ein Phänomen ohne Seltenheitswert... Die Apartheid wurde 1990 vom früheren südafrikanischen Staatspräsidenten Frederik Willem de Klerk abgeschafft.

Die Apartheid, die völlige Rassentrennung zwischen Weissen und Farbigen, war ein trauriges Kapitel. Das Weltgewissen muss sich in solchen Fällen regen. Südafrika, wo die Weissen das Sagen an sich gerissen hatten, machte sich diesbezüglich nicht als einsame Ausnahme schuldig. Zum Beispiel auch in den USA gab und gibt es diese Erscheinung, zu der auch Sklaverei und Kolonisation gehörten. Dennoch wurde und wird bemerkenswerterweise mit diesem Land immer fröhlich Handel getrieben, auch wenn die USA alle UN-Rassismuskonferenzen wohlweislich boykottiert haben (1978, 1983, 2001). Auch die Indianerpolitik der USA war Rassismus in Reinkultur – von Aufarbeitung und Wiedergutmachung keine Spur. Handelsbeziehungen mit den USA waren immer erlaubt, salonfähig, egal, wie sich dieses Land verhielt.

An die Apartheid US-amerikanischen Zuschnitts erinnerte der Tod von Rosa Lee Parks (1913–2005) vom 24. Oktober in Detroit. Zur Erinnerung: Rosa Parks blieb am 1. 12. 1955 im Bus, in dem Schwarze auf die hinteren Plätze verwiesen waren, standfest beziehungsweise sitzfest. Rosa, die damals ein aktives Mitglied der NAACP (National Association for the Advancement of Colored People) war, weigerte sich, ihren Sitzplatz vorne im Bus einem weissen Mann zu überlassen, wie das damals von farbigen Menschen erwartet wurde. Vielleicht weil sie nach der harten Arbeit zu müde war, um aufzustehen, vielleicht aus Protest. Ich weiss es nicht. Sie wurde verhaftet, angeklagt und zu einer Geldstrafe von 14 USD verurteilt.

In Montgomery waren Schulen, Parkbänke, Aufzüge und eben auch Sitzplätze in Bussen nach Rassen getrennt. Nach der „kriminellen“ Tat der Bürgerrechtskämpferin rief Dr. Martin Luther King zu einem Boykott des gesamten Bussystems auf, der 381 Tage andauerte. Weil die farbige Community komplett auf öffentliche Verkehrmittel verzichtete, ging die Bus-Gesellschaft damals verdientermassen pleite.

Und wie steht es mit dem Rassismus in den USA heute? Die Hilfe vom offiziellen Amerika für die vor allem von Schwarzen bewohnten Südstaaten, insbesondere für New Orleans, blieb nach der „Katrina“-Wirbelsturm-Katastrophe von Anfang September 2005 so lange aus, bis das Bush-Regime wegen des Drucks aus der Weltöffentlichkeit die geschädigten Menschen und Regionen nicht mehr länger ihrem traurigen Schicksal überlassen konnte und auch noch den gebrochenen (im Unterhalt vernachlässigten) Damm wohl oder übel flicken musste. Ihr anfängliches Verhalten war eine denkbar traurige Form von Rassismus.

Alle Länder wickeln ihre Geschäfte gleichwohl mit den USA ab, unterwerfen sich diesem Schurkenstaat sogar. Die Schweiz aber arbeitet ihre dunklen Jahre mit einem gewissen Hang zum Masochismus auf – und steht dann als unmoralische Nation da. Andere können sich alles erlauben und brauchen rein gar nichts aufzuarbeiten.

Ich würde gern erleben, wie die Geschichte auf die beschriebenen Ungerechtigkeiten und Geistesverwirrungen reagieren wird. Hoffentlich bald und ohne verschiedene Ellen.

Hinweis auf weitere Blogs zum Thema Rassismus

03. 09. 2005 „New Orleans: Katastrophenbewältigung mit Schiessprügeln“

12. 06. 2005: „Das Lügen wie gedruckt hat eine sehr lange Tradition“

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