Textatelier
BLOG vom: 02.11.2005

GB: Verbannte Weihnacht und Bungalow-Wucherpreis

Autor: Emil Baschnonga

Mir platzt der Kragen. Was würden Sie sagen, wenn in der Schweiz Weihnachten verbannt würde? Genau das hat die Behörde (Council) von Lambeth in London beschlossen.

Die Weihnachtslichter heissen jetzt „Winterlichter“ oder „Festlichter“. Das hört sich an wie ein „Oberlichtfenster“. Ob gläubig oder nicht, Weihnachten wird bei uns seit Kindheit gefeiert und gehört seit Jahrhunderten zu unserer Kultur. Weihnachten mag durch den kommerziellen Rummel heruntergewirtschaftet sein. Aber die Weihnachtslieder und das Weihnachtsoratorium haben sich erhalten, mitsamt dem Glanz der Kinderaugen vor dem Weihnachtsbaum.

Wenn nicht einhellig, so doch überwiegend haben Angehörige anderer Religionen den Beschluss aus Lambeth angeprangert. Lambeth umfasst Brixton und Clapham und ist ausserdem der Sitz des Erzbischofs von Canterbury. Niemand denkt daran, das hinduistische „Diwali“-Fest, den „Ramadan“ des Islam oder „Yom Kippur“ der Juden umzutaufen. Viele Angehörige dieser und anderer Religionen feiern Weihnachten übrigens mit.

Sollte etwa das berühmte „Sparschweinchen“ umbenannt werden, einfach weil Mohammedaner und Juden etwas gegen Schweine haben?

Lambeths Beschluss schürt Segregation in der konfessionell durchmischten Metropole, wo viele Rassen gut miteinander auskommen. Diese verruchte Einmischung von Staat und von Beamten-Dummköpfen gehört verbannt zu werden, von jedem friedfertigen und freiheitsliebenden Bürger, gleich welcher religiösen Herkunft.

Gestern Dienstag, 1. November 2005, wurde die Messe für die Opfer der Bombenattentate in der St. Pauls Cathedral würdig und feierlich zelebriert. Menschen von allen Religionen haben sich dort eingefunden und Trost gefunden. Weihnachten ist das grenzenlose Fest des Friedens, der Freude und des Gebens. So soll und muss es bleiben.

Bungalow-Wucherpreis

Keineswegs mit dem Weihnachtsbann vergleichbar, soll dennoch auf dieser Tagebuchseite der soeben erzielte Wucherpreis von annähernd £ 3 Millionen für den baufälligen Bungalow „Flintshore“ angeprangert werden. Vor 50 Jahren bezahlten die Brüder Edward und Mark Everington knapp £ 1000 dafür. Der ungenannte Verleger-Mogul hat ausserdem gleich noch die Garage von nebenan für £ 200 000 hinzugekauft. Der Bungalow, der auf einem kleinen Fetzen Land (0,16 acres) steht, hat Blick aufs Meer und befindet sich auf der exklusiven und von Billionären höchst begehrten „Sandbank“ (die tatsächlich eine Sandbank ist). Der neue Inhaber wird wohl den Bungalow abreissen und durch ein grosses Gebäude ersetzen. Nachher wird es £ 5 Millionen wert sein, schätzt der lokale Immobilienmakler.

Gut, das mag vielleicht eine Ausnahme sein, wiewohl es zum Schulbeispiel geworden ist, wie sich die fetten Katzen füttern. Für sie ist die Ausgabe eine Bagatelle – das Objekt hin und wieder fürs Wochenende vorbehalten. Früher kauften pensionierte Leute ein bescheidenes Cottage oder einen Bungalow beim Meer für ihren Ruhestand aus dem Erlös ihres Familienhauses. Jetzt werden sie zunehmend ins Meer verdrängt.

 

 

Hinweis auf ein weiteres Blog zum Thema Weihnacht

 

 

25. 12. 2004: „Nur eine weisse Weihnacht ist eine gute Weihnacht“

 

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