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BLOG vom 15.11.2005


Links oder rechts? Welche Gehirnhälfte herrscht vor?
Autor: Emil Baschnonga
 
1974 schrieb ich in einem Essay: „Ich habe gelesen, dass die westliche Kultur die linke Gehirnhälfte bevorzuge. Zwar hausen beide Hirnhälften unter einem Schädeldach und sind erst noch miteinander durch einen Nervenstrang verbunden, dem corpus callosum; doch herrscht die linke vor, die das Sprechvermögen mitsamt der Logik birgt. Die rechten Gehirnschlaufen sind dem Formdenken vorbehalten. Rechts zündet auch der Funke der Inspiration (hoffentlich auch diesmal ohne Fehlzündung). Rechts sind wir hingegen stumm. Merkwürdigerweise werden die Bewegungen an der linken Körperseite von der rechten Hirnhälfte ausgelöst und gesteuert, und umgekehrt.“ Hier breche ich ab, weil mir das zu kompliziert wird, und ich nicht weiss, ob das alles heute noch stimmt – und ich obendrein keine Lust habe, übers Kreuz zu denken.
 
Eines steht fest: Der Linkshänder wurde einst getadelt – vielleicht immer noch: „Er/sie ist linkisch“ oder „Il/elle est gauche“. In England schreiben, wie ich beobachte, mehr Leute linkshändig als anderswo. „To be left-handed“ ist dort eine neutrale Feststellung. Das mag wohl damit zusammenhängen, dass die Engländer auf der falschen Strassenseite, also links, fahren. Als gelernter Rechtsfahrer muss ich mich hier halt anpassen und mich dabei auf den corpus callosum verlassen.
 
Was können die Folgen der Umschulung beim Schreiben sein? Genannt werden: „Gedächtnisprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten, Ungeschicklichkeit, Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten, oft auch Sprachprobleme.“
 
Daraus entstehen (möglicherweise): „Minderwertigkeitskomplexe, Unsicherheitsgefühle, Rückzugstendenzen, Labilität im Umgang mit anderen Menschen sowie bei Leistungsanforderungen und Prüfungen, oft unregelmässige Schulleistungen …“
 
Das erfüllt mich mit Besorgnis. Rasch unterziehe ich mich einem Selbsttest und beantworte mit Ja oder Nein 28 Fragen (siehe www.linkshänderseite.de). Das Ergebnis beruhigt mich wieder einigermassen: Mein Linksdrall ist 68 %, mein Rechtsdrall 86 %. Beim 2. Mal werde ich einige Frage sorgfältiger beantworten, um den linken Wert zu hissen; jetzt weiss ich ja, worauf es bei diesem Test ankommt. Schliesslich bin ich der westlichen Kultur verpflichtet.
 
Ohne allzu viele Geständnisse vom Stapel zu lassen, schreibe ich mit der rechten Hand, aber hantiere mit dem Besteck falsch (Gabel rechts und Messer links). Seitdem ich eine Narbe auf der Innenseite eines Fingers an der rechten Hand im 8. Altersjahr erworben habe, kann ich zwischen rechts und links unterscheiden.
 
Zum Glück gibt es bei mir Dinge, die ich sowohl mit der rechten als auch mit der linken Hand fertigbringe, als da sind: Blumen giessen, Licht an- oder ausschalten, in Büchern blättern. Wenn ich mich zwinge, kann ich beidhändig meine Zähne putzen und mein Haar kämmen. Bei vielen Verschlüssen jedoch harzt es links und rechts.
 
Mit Schere, Schraubenzieher, Dosenöffner und PC-Maus hantiere ich nur mit der rechten Hand. Wie gut, dass es Linkshänderartikel gibt für jene, die sich sonst mit der linken Hand abplagen müssten. Darunter sind auch Musikinstrumente, obwohl sie von beiden Händen gespielt werden müssen.
 
Linkshänder dürfen stolz sein auf die vielen linkshändigen Berühmtheiten wie Charlie Chaplin, Karl der Grosse, Johann Wolfgang von Goethe, Leonardo da Vinci, Albrecht Dürer, Ludwig van Beethoven und Albert Einstein – soweit die Quellen verlässlich sind.
 
Die Schreibtasten bediene ich zehnfingerig und blindlings und komme dabei viel schneller voran als jene, die diese Handfertigkeit nicht erlernt haben.
 
Deswegen habe ich schon jetzt das Ende dieser Blogseite erreicht, etwas schuldbewusst zwar, weil ich dieses heikle Thema recht oberflächlich behandelt habe.
 
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