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BLOG vom 20.12.2005


Bergier-Bericht für Schulen? Geschichte als Indoktrination
Autor: Walter Hess
 
Der so genannte Bergier-Bericht als Reaktion der offiziellen Schweiz auf die jüdisch-amerikanischen Angriffe gegen die Schweiz vor dem Hintergrund der Geschehnisse während des 2. Weltkrieges wurde zu einer masochistischen Selbstanklage jenseits wissenschaftlicher Exaktheit.
 
Dass es sich um Thesenliteratur handelte, ist im Schlussbericht der Bergier-Kommission selber nachzulesen: „...Vielmehr ging es darum, aus fragmentarischen Fakten ein Bild des Landes zu konstruieren, das vom schweizerischen Selbstverständnis abweichen musste, das sich im Laufe der Zeit eingebürgert hatte.“ Mit anderen Worten: Da wurde ein Bild zusammengezimmert, das die Bedrohung durch Nazideutschland herunterspielte, um die Neutralitätspolitik und das damalige Verhalten der Schweiz in einem umso schieferen Licht aufzeigen zu können. Zeitzeugen, die nicht in dieses Konzept passten, wurden nicht befragt. Offenbar würde die Schweiz nach Ansicht der Bergier-Kommission nur dann richtig gehandelt haben, wenn sie Selbstmord begangen hätte. Dass man so etwas von einem vernünftigen Land niemals erwarten kann, stellte der französische Historiker Marc-André Charguéraud in seinem Buch „La Suisse présumée coupable“ fest. Doch die Suizid-Gefahr ist noch heute vorhanden ...
 
Der Bergier-Bericht, mit seiner Tendenz zur Unterwürfigkeit unter die erwähnten Angriffe aus Amerika, könnte man im Regal „Schundliteratur“ ad acta legen, falls man dort den Platz überhaupt zur Verfügung stellen will. Für den Bericht wurden 22 Mio. CHF herausgeworfen. Der Gipfel aber wäre, wenn der Bericht zum Schulbuch für Mittelschulen würde, ohne dass dessen offensichtliche Mängel und Fehlbeurteilungen korrigiert würden. Gegen solche Tendenzen hat sich der Arbeitskreis Gelebte Geschichte AGG (www.gelebte-geschichte.ch) bereits vorbeugend gewehrt. Und von der Interessengemeinschaft Schweiz – Zweiter Weltkrieg, welcher der AGG angeschlossen ist, ist soeben eine Broschüre von André Heller, St. Gallen („Geschichte der Schweiz im 2. Weltkrieg für Schulen“) herausgegeben worden, die für 6 CHF bei deren Geschäftsstelle, Postfach 3343, CH-5001 Aarau (E-Mail: kda-lottiwanner@bluewin.ch) bestellt werden kann.
 
In der Schlussbetrachtung der Broschüre schreibt André Heller: „Die Behörden müssen sich ernsthaft fragen, ob sie es verantworten können, ein Werk, das fälschlicherweise der Schweiz ein schweres Kriegserbe anlastet, als einseitige Geschichtsschreibung den Schulen abzugeben. Für die ältere Generation käme dies einem Affront gleich, da im Bergier-Bericht die grossen Leistungen der damaligen Generation abgewertet oder verschwiegen werden. Es ist aber und bleibt eine erstaunliche Tatsache, die auch heute noch Anerkennung verdient, dass die damalige Generation trotz ethnischer Verwandtschaft sich von den Verlockungen des Nationalsozialismus nicht verführen liess und – trotz fast aussichtsloser, isolierter Lage – den Mut und Willen hatte, der lange Zeit stärksten Militärmacht die Stirn zu bieten.
 
Dass der Bundesrat den Bergier-Bericht kritiklos verdankte und eine Diskussion darüber auch im Parlament nicht stattfand, war für die ältere Generation ein grosser Frust. Dass er jetzt aber auch noch den Schulen aufgezwungen werden soll, ist nicht nur vom wissenschaftlichen Standpunkt aus mehr als bedenklich.
 
Eine Abgabe einer Kurzfassung des einseitigen, anklägerischen Bergier-Berichts käme einer unserer Demokratie unwürdigen Indoktrinierung zukünftiger Generationen gleich.“
 
Soweit das Zitat. Die Tendenz, wie sie heute häufig und nicht nur im Bergier-Bericht festzustellen ist: Das Selbstbewusstsein der noch immer einigermassen unabhängigen Schweiz aufzuweichen und sie globalisierungstauglich zu machen – im Sinne von Adolf Hitler (zu Benito Mussolini) über das vereinheitlichte „Neue Europa“ am 27. September 1940: „Das Kleinstaatengerümpel muss so rasch als möglich liquidiert werden.“
 
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