Textatelier
BLOG vom: 02.01.2006

Londoner Jahresausblick: Gott, Politik und Olympiade

Autor: Emil Baschnonga
 
Das ist so eine Sache mit solchen Rück- und Ausblicken. Jede Zeitung will damit die andere übertreffen. Was einem aufgetischt wird, stimmt himmeltraurig. Es geht vorneweg um Katastrophen.
 
In diesem Zusammenhang wurde kürzlich die Frage angeschnitten: Wo bleibt denn Gott bei allem Elend? Ein BBC-Reporter suchte in den vom Tsunami betroffenen Ländern nach Antworten und befragte die Oberhäupter von 5 Religionen. Viele gaben schlüsselfertige Allgemeinplätze von sich und betonten etwa den Willen Gottes oder verwiesen auf die Reinkarnation. (Viele Kinder büssten angeblich mit dem Leben, da sie mit dem Nachlass eines belasteten Vorlebens wiedergeboren wurden.)
 
Dem kann ich nur einen Aphorismus entgegenhalten: „Gott schweigt. Deshalb gilt er als guter Zuhörer.“ Es hat keinen Zweck, mit Gott zu hadern. Zudem lassen sich Naturkatastrophen nicht vermeiden. Nur ihre Folgen lassen sich mildern. Hilfe kam arg verspätet, auch als der Wirbelsturm „Katrina“ New Orleans heimgesucht hatte …und reichte nicht aus. Wen wundert es, dass sich dies jetzt auch im eiskalten Pakistan wiederholt? Überall müssen Menschen, die das Herz auf dem rechten Fleck haben, einspringen und das kollektive Gewissen wachrütteln.
 
Das wirkt jeweils vorübergehend. In wenigen Tagen werden hier in London die vielen Obdachlosen, wie alle Jahre wieder, aus den Herbergen in die Kälte entlassen und prompt vergessen, ehe die Politiker gebräunt aus ihren verlängerten Aufenthalten in sonnigen Gefilden oder aus den Skiferien heimkehren.
 
Damit ist die Pause in der Politik vorbei. Die Politiker werden in England die Steuerlasten weiterhin kräftig aufforsten, die Pensionierung sukzessive um Jahre verschieben, während Beamte früher als der Rest der Bevölkerung zu ihrer Vollpension kommen. Die Studenten werden abgezwackt. Glücklich, wer reiche Eltern hat. Die Wartefristen im Spital verlängern sich. Glücklich, wer privat versichert ist. Immigranten aus Osteuropa und anderswo drücken die Löhne. Glücklich, wer mit Immobilien- und Finanzgeschäften weit über dem Durchschnitt verdient.
 
Die Besoffenen werden neuerdings mit dem Minibus von der Strasse aufgelesen, da die Ambulanzen überfordert sind. Glücklich also auch die Brauer und Hersteller von Whisky, Wodka, Gin und Mischgetränken aller Art. Die Polizeistunde in den Pubs und Clubs wurde quasi aufgehoben. Das sichert dem Staat neue Lizenzeinnahmen.
 
Besser, ich schweige jetzt, denn gewiss wird auch die Meinungsfreiheit im Jahr 2006 weiter beschnitten werden.
 
In England bricht jetzt die Vorfreude auf die Olympiade durch, nachdem sie wegen den Terroranschlägen in London zeitweise gedämpft war. Die dem Sport gewidmeten Tempel und Paläste werden jetzt bei Tempo Teufel gebaut – koste es, was es wolle, vom Steuerzahler finanziert. Bis es soweit ist, füllen Fussballspiele und andere weltbewegende sportliche Anlässe die Lücken. Das ist ja recht und gut; denn ich will kein Spielverderber sein. Lasst die Bierfässer anrollen! Jetzt erst verstehe ich, warum in Fernseh-Werbespots laufend Polstergruppen zum halben Preis angeboten werden. Sie fördern die Korpulenz der Zuschauer, wenn sie ihre Stimmbänder stärken und „Junk food“ in den Magen stopfen.
 
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