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BLOG vom 08.01.2006


Musca Domestica: Anflug der gemeinen Stubenfliege
Autor: Emil Baschnonga
 
Die Stubenfliegen vermehren sich auch bei uns wieder, seitdem der Einsatz des auch für Menschen ausserordentlich giftigen DDT und ähnlich toxischer Sprühmittel verboten ist. Wird es wieder soweit kommen, dass die hässlichen Leimbänder als Fliegenfänger von der Decke baumeln? In manchem ländlichen Haushalt war die Fliegenklatsche wichtiger als der Schuhlöffel. Nebst Fliegengitter und Fliegengaze gibt es allerlei ästhetisch schönere Hausmittelchen, um die Fliegen aus dem Haus zu halten. Küchenpflege ist wohl das wirksamste Mittel gegen Fliegen.
 
Ich selbst erjagte sie damals mit einem flachen Lineal recht erfolgreich, bis dabei einige gläserne Lampenschirme in Brüche gingen. Das ärgerte meine Eltern mehr als alle Fliegen auf der Welt. So musste ich sie fortan mit der ausgehöhlten Hand erwischen. Zerdrücken mochte ich keine und liess sie draussen wegfliegen. Sie haben sich allesamt wieder in der Stube eingefunden!
 
Ich erinnere mich, wie manchmal bis zu 10 Fliegen unter der Lampe auf Partnersuche monoton im Zickzack hin und her flogen. Plötzlich fanden sie einander – schwups – im Wirbelflug.
 
In Restaurants laufen sie flink auf der Tischplatte herum und belutschen mit ihren Saugrüsseln Essensreste oder Getränkespritzer. Sie lassen sich aufscheuchen, jedoch nicht vertreiben. Leider sollte man ihnen in öffentlichen Lokalen nicht allzu offensichtlich nachstellen: Das macht sich nicht gut. Fliegen schätzen besonders auch Abfälle anderer Art: Exkremente (am liebsten Kuhfladen) – und verschleppen Krankheitserreger.
 
Sie werden etwa 7 mm lang und haben eine Lebensdauer von 15 bis 24 Wochen. Eine „Fliegerin“ legt im Jahr bis zu 2000 Eier in Wunden, Kot, Fleischreste usw. Dank den Haftläppchen an ihren 6 Füssen überqueren sie mühelos Wände, Decken und Fensterflächen. Sie hinterlassen viel verkrusteten Fliegendreck auf Bildern, eigentlich auf allem, worauf sie landen. Dieser Nachlass richtet viel Schaden an und ist schwer zu entfernen.
 
Der Tierfreund wird sich entsetzen, wenn ich den Fliegen viele Venus-Fliegenfallen und Spinnennetze wünsche, auch Eidechsen, die mit ihnen aufräumen.
 
Er wird mir als Entgelt einige auf die Nase setzen, selbst wenn ich einwende, dass Fliegen auch Kühe, Pferde und Hunde arg belästigen und Kinder etwa in Afrika heimsuchen.
 
Wer mir eine Fliege auf die Nase setzt, dem werde ich eine in die Suppe tun!
 
Die Fliege hat sechseckig angeordnete Facettenaugen – 3000 winzige Einzelaugen. Sie können damit, so erfahre ich, bis zu 200 Bilder pro Sekunde getrennt wahrnehmen. Des Menschen Fähigkeit sind auf 60 Bilder beschränkt. Aber wie gesagt, erwischen wir sie dennoch hin und wieder mit der ausgehöhlten Hand oder mit einem Klaps.
 
Es gibt sogar ein der Fliege gewidmetes Konzert für „Stubenfliege und Orchester“ und erst noch ein von Barbara Heller komponiertes Stück „Meine Musca Domestica – Meine Stubenfliege“ für Sopran und Klavier. Joachim Ringelnatz (1883–1934) hat dazu den Text geliefert.
 
Deswegen verändere ich meine üble Meinung der Musca Domestica gegenüber keineswegs, so sehr es auch einer Dame mit Erzähltalent, Sabine Ringer, gelungen ist, mich mit ihrer Schilderung, wie sie sich mit einer Fliege angefreundet habe, zu erheitern, bis sich diese unverschämt freche Fliege auf die Maus an ihrem PC setzte – auf den Käse wartend. Seither kommt sie kaum mehr zum Schreiben. Sie hat ihre Fliege Paula genannt.
 
Es ist gut, frühzeitig zu wissen, was es mit den Fliegen auf sich hat, ehe sich die Tage verlängern und erwärmen. Wir alle müssen vor ihnen auf der Hut sein, denn sie haben den Menschen von der Höhle bis zur Stube belästigt. Ein riesiger Geburtenüberschuss von Fliegen erwartet uns, wovon jüngere Generationen keine Ahnung mehr haben.
 
Hinweis auf ein weiteres Blog mit Stubenfliegen-Bezug
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