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BLOG vom 26.02.2006


Welches sind die langweiligsten Länder, Städte, Leute?
Autor: Emil Baschnonga
 
Jede Befragung zeitigt höchst unterschiedliche Ergebnisse, besonders jene, die negativen Aspekten gewidmet sind. Sie erwecken Emotionen und wirbeln viel Staub auf und bringen die Leute in Harnisch. Ein solcher Meinungsspiegel hat jedoch auch einen gewissen Unterhaltungswert.
 
Also denn tische ich hier einige Schnappschüsse aus der Meinungsvielfalt auf, zuerst aus einer kürzlich durchgeführten Umfrage:
 
Vancouver und Edmonton, Kanada überhaupt, kommen immer wieder in die Liga A. Brüssel ebenfalls.
 
In der gleichen Umfrage hat London den 1. Preis gewonnen. Warum? Einzig weil die Briten als stinklangweilig empfunden werden, obschon sie in London fast ausgestorben sind.
 
Die Franzosen werden als durchwegs unhöflich eingestuft. Die Amerikaner gelten als Dummköpfe.
 
Laut dieser Umfrage (unter 32 000 Befragten in 39 Ländern) liegt die Schweiz an 2. Stelle, Kanada an 3., gefolgt von Italien und Schweden.
 
***
Innerhalb einer auf England beschränkten Umfrage wurde Slough mit einem Ehrenpreis beschert. Unter anderen sind Favoriten: Milton Keynes, Hull, Redruth, Runcorn.
 
Zu Hemel Hempstead bemerkte jemand: „So langweilig, dass im Vergleich dazu Milton Keynes als Disneyworld gelten kann.“
 
Im krassen Gegenzug äusserte sich jemand zu Milton Keynes:
 
„Ich danke allen, die Milton Keynes genannt haben. Es ist ohne Zweifel das grösste Höllenloch (hell-hole) auf der Welt. Kein Charakter, kein Nachtleben, keine interessanten Leute, keine bemerkenswerte Architektur oder Geschichte – soll ich weiterfahren … Es sollte flachgewalzt werden und vergessen werden. Dies zu schreiben ist die aufregendste Sache, die mir dieses Jahr widerfahren ist!“
 
Es kommt noch aufregender. Alan Coleman befürwortet, dass Basingstoke den 1. Preis verdient – aber mildert sein Urteil, indem er hinzufügt: „Aber besuchen Sie Dänemark, gleich wo, besonders Jütland. Ich habe mehr Spass beim Zahnarzt gehabt.“
 
Swindon wurde ebenfalls wiederholt vorgeschlagen als Ort, wo selbst die Tauben „Prozac“ schlucken.
 
Lakonisch sprach jemand von: „My girlfriend's place.” Wo immer dieser Ort sein mag.
 
***
Zum Spass masse ich mir jetzt das Amt des Schiedsrichters an. Das werde ich wohl bald bedauern.
 
In Vancouver übernachtet man am besten und überlebt, wenn man bis zum Abflug im Hotel bleibt. Besonders, wenn man keine Hongkong-Dollars hat. Ich musste dort 2 Nächte ausharren.
 
Brüssel: Wer Muscheln mag und Frites, Steak und Frites, Frites allein – und eine Vorliebe für Rodenbach oder Weissbier hat, der lebt dort wie ein Fürst. Zum Glück gibt es in dieser Stadt, unweit von der Gare du Midi, einen ausgezeichneten Flohmarkt. Der Flughafen ist nicht weit von der Stadt, der Eurostar mitten in der Stadt. Auch ein Trost.
 
In der Schweiz würde ich Winterthur nicht unbedingt freiwillig aufsuchen. Das gilt auch für Oerlikon und andere Trabantenstädte rings um Zürich. Auch La Chaux-de-Fonds oder gar Le Locle, ganz im Gegensatz zu Delémont, verlocken mich nicht zur Zugsfahrt dorthin. (Ich muss es wissen, denn ich habe in Le Locle einen Winter durchdarbt.) Hoffentlich kriege ich keine dicke Post aus Winterthur und den anderen genannten Orten.
 
Als Heimatschützer finde ich alle sehr blöd und langweilig und obendrein saudumm, welche die Schweiz als langweilig bezeichnen, Meinungsfreiheit hin oder her.
 
Zu englischen Orten wie Luton fahre ich nur, um einen Billigflug zu erwischen. Hemel Hempstead hat die schlimmsten doppelten Roundabouts (Verkehrskreisel). Ich möchte mich nie wieder dorthin verirren. Es hat immerhin ein gutes chinesisches Restaurant.
 
Slough, im Umkreis von London, ist vielleicht eine Spur besser als das Schachbrett von einer Neustadt wie Milton Keynes. Es ist schwierig, einem solchem Schachbrett im Auto zu entkommen.
 
London hingegen preise ich sehr; doch die Sirenen der Polizeiautos gehen mir mehr und mehr auf die Nerven mitsamt den „Traffic Wardens“, den Strassenarbeiten. Kaum ist ein Stück der alten Kanalisation oder Wasserleitung ausgebessert, kommen die Gasleitungen und an die Reihe, gefolgt vom Kabelfernsehen.
 
Wenn ich schon dabei bin, Luft abzulassen, stört mich in London sehr, dass jede „High Street“ der anderen gleicht – mit den gleichen Tesco-Läden, Boots, Curries, Dixons, McDonald’s, Immobilienagenturen, Bankfilialen und anderen Kettenläden. Leider verschwinden die lokalen Postbüros. Die schmucken Reihenhäuser weichen den Glasgurken und ähnlichen Monstern, die in den Himmel wachsen und die Sicht versperren.
 
Zum Glück ist London riesengross, und folglich wird es länger dauern als ich lebe, ehe die Stadt zerstört sein wird.
 
Ganz zuletzt: Wer den Humor der Briten nicht kennt, dem ist nicht zu helfen.
 
Hinweis auf Stadt-Beschreibungen von Emil Baschnonga
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