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BLOG vom 11.05.2006


Orientierungshilfen durch den Lebensmittel-Dschungel

Autor: Heinz Scholz

Erstaunlich, was bei einer weltweiten Internet-Befragung durch das renommierte Marketingunternehmen ACNielsen kürzlich herauskam. Da achteten doch die Deutschen beim Einkauf von Lebensmitteln mehr auf Kalorien (49 %), Fettgehalt (49 %) und Zuckergehalt (42 %), aber weniger Aufmerksamkeit wurde erstaunlicherweise den anderen Inhaltsstoffen gezollt. So interessierten sich nur noch 36 % der Verbraucher für Konservierungsstoffe (weltweiter Schnitt: 40 %) und 29 % für Farbstoffe (weltweiter Schnitt: 36 %).

 
Viele Verbraucher verstehen die Nährwertangaben auf den Lebensmittelverpackungen gar nicht. Bemerkenswert ist, dass die nordamerikanischen und lateinamerikanischen Konsumenten die Nährwertangaben am besten verstehen.
 
Hier der Vergleich: Nährwertangaben werden „ziemlich gut“ verstanden:
Nordamerikanische Konsumenten: 65 %
Lateinamerikanische Konsumenten: 52 %
Europäische Konsumenten: 43 %
Asiatische Konsumenten: 34 %.
 
Die Deutschen liegen mit 42 % im Mittelfeld. 8 % der deutschen Konsumenten gaben an, dass sie die Nährwertangaben überhaupt nicht verstehen. Hier ist also ein dringender Aufklärungsbedarf vonnöten. Ich hoffe, dass ich mit meinem Buch „Richtig gut einkaufen“, das im Verlag Textatelier.com erschienen ist, etwas dazu beitragen kann, um dies zu ändern. Wir müssen die Konsumenten überzeugen, dass das Studieren der Inhaltsstoffe nicht nur für Allergiker von grosser Bedeutung ist.
 
Viele lesen die Informationen nicht
Viele Konsumenten lesen die Inhaltsangaben auf der Verpackung überhaupt nicht. Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Es gibt 3 Sorten von Verbraucher, die ich beobachtet habe. Die einen wählen ihre Lebensmittel aus, ohne auf die Inhaltsangabe zu achten (da fliegen die Packungen bei den Discountern nur so in den Einkaufswagen), die anderen lesen intensiv die Angaben, und die 3. Kategorie versucht wegen der Sehschwäche krampfhaft, die kleine Beschriftung zu entziffern. So kam kürzlich eine ältere Frau mit einer Pizza-Packung zu mir und wollte wissen, welche Inhaltsstoffe in der Pizza sind. „Ich kann die kleine Schrift nicht lesen“, erklärte sie entschuldigend. Auch ich hatte Schwierigkeiten, die Inhaltsstoffe mit meiner Brille zu entziffern; ich setzte daraufhin meine Brille ab (für den Nahbereich habe ich Adleraugen) und las ihr die Stoffe vor. Als sie „Geschmacksverstärker“ hörte, riss sie mir die Packung aus den Händen und legte sie wieder in die Tiefkühltruhe. „Mein Mann verträgt diese nicht“, fügte sie noch hinzu. Ich bemerkte dann noch, man sollte wirklich eine Lupe mitnehmen, um alles zu entziffern. Da war sie gleicher Meinung.
 
Die Hersteller von solchen Produkten, so meine Ansicht, drucken mit Absicht die Inhaltsstoffe so klein auf die Packungen, dass sie kein Mensch identifizieren kann. Auch wer gute Augen hat oder sogar mit einer Lupe bewaffnet ist, kann Pech haben. So entdeckte ich kürzlich eine Eispackung und einen Joghurtbecher, bei denen man die Inhaltsangaben nicht entziffern konnte. Die Aufschrift war nämlich ganz „verschwommen“ (obwohl ich vollkommen nüchtern war!).
 
Interessant ist, dass mehr Lateinamerikaner die Nährwertangaben lesen (35 %) als die Europäer (18 %). Dazu Frank Martell von ACNielsen Europe: „Für die Menschen in Lateinamerika gehören ein hohes Bewusstsein für Nährwertinformationen und die regelmässige Überprüfung von Lebensmittelinhaltsstoffen und -etiketten mittlerweile fest zum Leben. Bei den Europäern – vor allem in den südlichen Ländern – liegt der kulturelle und soziale Schwerpunkt dagegen auf Bio- und Vollwertkost, da geht es mehr um Geschmack und Natürlichkeit als um Kalorien.“
 
In Italien lesen beispielsweise 56 % der Konsumenten die Angaben zu Konservierungs- und Farbstoffen, während Kalorien nur noch bei 30 % von Interesse sind. Für die Südländer gilt wohl die Devise: „Gut ist nur, was natürlich ist.“ Dies kann ich auch bestätigen. Ich kenne einige Italiener, die in Deutschland leben und penibel darauf achten, dass sie frische Lebensmittel ohne Zusatzstoffe bekommen.
 
Auswärts essen ist für Allergiker nicht einfach
Viele der bisher bekannten 10 000 allergieauslösenden Stoffe stammen aus unserer Nahrung, die immer mehr mit Zusatz- und Umweltstoffen belastet ist. Mit dieser Flut an fremden Stoffen kann unser Organismus nicht mehr fertig werden. Er reagiert immer häufiger mit einer Allergie als Folge eines ausser Rand und Band geratenen Immunsystems. Man schätzt, dass 8 bis 10 % aller Kinder und 4 % aller Erwachsenen unter einer Lebensmittelallergie leiden.
 
Es ist deshalb ausserordentlich wichtig, dass allergieauslösende Stoffe auf den Lebensmittelverpackungen deklariert werden. Aber nicht nur dort. Auch auf den Speisekarten sollten die Zusatzstoffe ersichtlich sein. Seit kurzem gibt es einen Allergie-Ratgeber für Wirte („Allergene im Offenverkauf“).
 
Bezüglich Deklaration ist die Schweiz vorbildlich. Als 1. Land der Welt wurde 2004 eine gesetzliche Deklarationspflicht für folgende allergieauslösenden Lebensmittel eingeführt: glutenhaltiges Getreide, Milch, Eier, Fisch, Krebstiere, Sojabohnen, Sesam, Sellerie, Senf, Sulfite, Erdnüsse, Hartschalenobst. Inzwischen hat auch die EU und USA eine Deklarationspflicht für allergene Produkte eingeführt.
 
Ich überprüfte einmal, ob dies auch stimmt. So konnte ich auf einer Soft-Cake-Packung den folgenden Zusatz, allerdings in winziger Schrift, entdecken: „Kann Spuren von Nüssen, Mandeln und Milch enthalten.“ Und auf einer Packung Schweizer Schokolade stand Folgendes: „Kann Spuren von Erdnüssen enthalten.“ Auf einer deutschen Bio-Nougat-Schokolade (mit Haselnusspaste) entdeckte ich unter den Inhaltsstoffen folgenden Zusatz: „Allergikerhinweis: Produktionsbedingt können Spuren von anderen Nüssen enthalten sein.“
Diese Deklarationen sind vorbildlich und notwendig.
 
Infos
Heinz Scholz: „Richtig gut einkaufen“ (Die moderne Lebensmittelkunde für den Alltag), Verlag Textatelier.com, CH-5023 Biberstein.
Ratgeber „Allergene im Offenverkauf“, Schweizerisches Zentrum für Allergie, Haut und Asthma ( = aha!), Postfach 378, CH-3000 Bern 6, Telefon: 031/359 90 00, E-Mail: info@ahaswiss.ch.
Infos über Allergien: www.ahaswiss.ch, www.allergiehilfe.ch
Medienkontakt ACNielsen, Stefan Gerhardt, Corporate Communications Manager,
 
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