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BLOG vom 16.06.2006


„Weisse Zähne“: Buchtitel mit An- und Nachklängen
Autor: Emil Baschnonga
 
Heute pflücke ich einige deutsche Buchtitel, die einst, und teils bis heute, bei mir Anklang oder Nachklang gefunden haben. Morgen könnten es andere sein, wenn ich anderssprachige Titel einbeziehe.
Die Welt als Wille und Vorstellung (Arthur Schopenhauer)
Untergang des Abendlandes (Oswald Spengler)
Der Richter und sein Henker (Friedrich Dürrenmatt)
Stiller (Max Frisch)
Klingsors letzter Sommer (Hermann Hesse)
Der Taugenichts (Joseph von Eichendorff)
Der Tod in Venedig (Thomas Mann)
Stufen (Christian Morgenstern)
Das Narrenschiff (Sebastian Brand) 
Der Leser bekennt und offenbart sich, wenn er seine Lieblingsbücher nennt. Nun liegt es mir nicht daran, mich einer Selbstanalyse zu unterziehen, noch die Annaliese darum zu bitten.
 
Wird ein Charakter vom Umgang mit Büchern mitgeprägt? Dieser Gedanke führt zur alten Streitfrage, inwieweit ein Charakter überhaupt von aussen beeinflussbar ist. Durchs Leben gewinnen wir (und ganz besonders jeder verdienstvolle Autor sehr intensiv) Einblicke in die unterschiedlichen Verhaltensweisen unserer Mitmenschen. Diese werden mit Selbstbezug, also vom eigenen Standpunkt aus, teils verstanden, teils missverstanden.
 
Ist der Inhalt eines Buchs schal, hilft ihm kein noch so toller Titel, es sei denn, es handle sich um anspruchslose Unterhaltungsliteratur, aus seichten Schablonen zusammengestückelt. Nichts dagegen – aber nicht für mich. Ein treffend gelungener Titel aber kann manchmal ein gutes Werk aus der Versenkung heben.
 
Doch glückliche Umstände müssen dabei mitwirken. Die junge Schriftstellerin Zadie Smith gewann eben den „Orange Preis“ in England. Ihr preisgekrönter Roman heisst einfach „Beauty“; ihr Erstlingswerk, das sie als 22-Jährige geschrieben hat, „Weisse Zähne“.
 
Zadie Smiths eigenwillige Persönlichkeit sticht hervor und durchtränkt ihre Erstlinge. Dies habe ich erst jetzt in kurzen Leseproben bemerkt. Ich werde innert Kürze ihr Leser werden. Ich hoffe sehr, dass ihre Buchtitel, verwandte oder ähnliche Gefühle in mir erwecken wie die eingangs erwähnten Titel.
 
So habe ich in diesem Kurz-Blog den Morgen schon erreicht und 2 anderssprachige Werke aufgegriffen. Hoffentlich „packen“ sie mich! Als Leser mache ich mir oft den Vorwurf, dass ich an alten Meisterwerken haften bleibe. Die Literatur lebt und gedeiht weiter, und daran will ich als Leser weiterhin aktiv mithalten. Junge Schriftsteller, die ihr Salz wert sind, rütteln uns auf. Wir werden uns in einer veränderten Welt wieder gegenwartsbezogen gewahr.
 
Ich verstehe, was Zadie Smith meint, wenn sie sagt: „Please don’t call me multicultural“ (Bitte bezeichnen Sie mich nicht als multikulturell“). Wiewohl halb englischer, halb jamaikanischer Herkunft ist sie in Willesdon geboren und aufgewachsen und lebt weiterhin in dieser ihr vertrauten Umwelt, zusammen mit ihrem Mann, dem Poeten und Novellisten Nick Laird. In diesem Sinne ist sie „lokal“ geblieben. Daran hat auch ihr Studium in Cambridge nichts geändert. Jetzt wird das Paar ein Jahr in Italien verbringen, um die Sprache zu erlernen und eine andere Lebensart kennen zu lernen, ohne deswegen die Bindung mit ihrer inneren Heimat zu verlieren.
 
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