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BLOG vom 21.06.2006


Reaktionen auf Blogs (37): Buchstabensalate à la Keyboard
Präsentation der Leserpost: Walter Hess
Beim Schreiben am Computer muss man alle Fehler höchstpersönlich selber machen. Und doch scheint es manchmal, als ob das Fehlerteufelchen in Texten, die am Computer geschrieben worden sind, auf den Zeilen eine Achse des Bösen aufbauen wolle, um es in der modernen Weltpolitik-Sprache auszudrücken. Man trifft auf dem Keyboard den betreffenden Buchstaben nicht exakt genug, verirrt sich auf Steuerzeichen, löst unbeabsichtigt Umstellungen und Löschungen aus. Ganze Textstellen verschwinden im virtuellen Nirwana, andere tauchen auf. Und beim Überfliegen des Texts liest man über so manchen Bock hinweg. Weil man den Inhalt sowieso kennt, bleibt man nicht an Buchstaben und einzelnen Wörtern hängen, sondern man erfasst ganze Sätze oder geschriebene Flächen und entdeckt Fehler wie Buchstabenverstellungen, Auslassungen, unverhoffte Einfügungen nicht. Oder treiben da Hacker ihr Wesen? Sie mahnen zu Vorsicht.
 
Die Verstellungen ergeben sich wahrscheinlich auch deshalb, weil man beim Schreiben am Computer Wörter, Satzteile und Sätze gut umstellen kann (und dann ungewollt überschreibt oder Wörter zu löschen vergisst). Zudem gibt es auch Funktionen zum Verstellen von Buchstaben mit der Maus. Alles in allem aber ist der Computer beim Schreiben schon hilfreich. Ich möchte da nichts Negatives gesagt haben ... Aber man muss wissen, dass er auf das Produkt Einfluss nimmt.
 
Die Aspekte rund um Buchstabenverstellungen kennt die studierte Germanistin Maja Petzold (E-Mail: maja.petzold@freesurf.ch) sehr wohl. Sie schrieb uns:
 
Beim heutigen Schmökern im Textatelier bin ich auf die Miniatur „Ertsuanlcih“ gestossen. – Man (= ich) kann ja nie immer alles lesen, was im Textatelier zu finden ist!
 
Diese erstaunliche Tatsache, dass es auf die Reihenfolge der Buchstaben in einem Wort nicht ankommt, ist mir persönlich vor kurzem aufgefallen, als in unserem Gratisblatt als Gehirntraining ein paar Mal solch kurze Texte mit verdrehten Buchstaben abgedruckt waren, und ich merkte, dass mir das Lesen fast keine Mühe machte. Allerdings betrachte ich mich als geübte Leserin.
 
Ich denke, bei der vom Textatelier.com in der Miniatur erwähnten Studie aus Cambridge GB sollte man berücksichtigen, welche Leser als Testpersonen daran teilgenommen haben. Wie verhält es sich mit Legasthenikern? Es wäre interessant zu wissen, ob Menschen, die selbst oft Buchstaben vertauschen, beim Lesen davon auch nicht gestört werden.
 
Übrigens vermute ich, dass wir alle durch den Gebrauch des Computers beim Schreiben zu Legasthenie neigen. An mir jedenfalls beobachte ich, dass ich Buchstaben beim Schreiben auf dem PC leider allzu häufig vertausche, was mir beim Schreiben von Hand doch nur selten passiert!
 
Ich freue mich auf meinen nächsten Besuch im Textatelier!
 
Mit herzlichen Grüssen
Maja Petzold
 
Für mich ist es tröstlich, dass andere Computernutzer ähnliche Erlebnisse haben, Korrekturprogramme mit ihrem beschränkten Talent hin oder her. Ich bemühe mich um Abhilfe, ein ständiges, verzweifeltes Ringen um Fehlerarmut. Und die Helfer sind in Aktion: Wenige Stunden, nachdem ein Blog im Netz ist, macht mich Heinz Scholz freundlicherweise ohne jeden Vorwurf im Unterton geduldig auf Fehler aufmerksam. Sie werden dann sofort korrigiert. Und einige Tage oder Wochen später lasse ich alle Texte von sämtlichen Autoren routinemässig noch durch unseren professionellen Hauskorrektor Hans Kurt Berner auf Fehler absuchen – und er wird immer noch fündig. Und wenn ich die rot eingefärbten Ausdrucke sehe, die er mir zurückgibt, verstehe ich nicht, weshalb mir die fehlerhaften Stellen nicht selber aufgefallen sind. In fremden Manuskripten orte ich praktisch alle Fehler, vor allem beim 1. Lesedurchgang. Dabei zwinge ich mich zu einem langsamen, gründlichen Lesen. Meine Tochter Anita stellt mich an Lektoratstalent weit in den Schatten; sie klärt praktisch jedes Wort im Zusammenhang und durch Quervergleiche ab.
 
Einen Text können vor der Publikation gar nicht genug Leute kritisch lesen – je mehr dies tun, desto fehlerärmer ist er bei der Publikation.
 
Legastheniker sehen Fehler weniger; sie wissen auch kaum, ob etwas richtig oder falsch geschrieben ist und leben diesbezüglich unbeschwert in einer heilen Buchstabenwelt.
 
Maja Petzold antwortete mir auf solche Feststellungen:
 
Klar, dass Texte, die veröffentlicht werden, noch von anderen Augen korrigiert werden müssen! Da habe ich die gleiche Erfahrung gemacht wie Sie.
 
Am Computer ergeben sich diese Fehler sicher u. a. auch, weil der Kopf schneller denkt als die Finger schreiben – und weil sie vor allem schreiben, während der Kopf schon weiterdenkt. Das geschieht bei Handschrift weniger, weil man sich mehr auf die Aktion des Schreibens konzentrieren muss. Und wenn man dies nicht tut, macht man auch dann unerwartete Fehler!
 
Ich bin nach wie vor der Meinung, dass viele von uns „legasthenische Gewohnheiten“ annehmen durch das praktische elektronische Medium, durch eine Diskrepanz zwischen Denken und Niederschreiben, was gleichzeitig Konzentration und Disziplin erfordert. Es würde mich interessieren, was Wissenschaftler dazu herausfinden könnten.
 
Vor etwa 20 Jahren habe ich eine Zeitlang mit einem jungen Legastheniker gearbeitet – es ist mir vollkommen bewusst, dass diese Störung weit gravierender ist als das Buchstabenvertauschen am PC – trotzdem finde ich da eine gewisse Ähnlichkeit. Es ist ein gewisser Mangel an Präsenz, an Aufmerksamkeit im Augenblick, der bei Menschen, die eigentlich korrektes Lesen und Schreiben gelernt haben, nur „obendrauf“ liegt, während dieser Mangel bei Legasthenikern viel tiefer liegt und Unterstützung und Hilfe braucht.
 
Seien Sie gewiss, dass ich das „Textatelier.com" nicht aus den Augen lassen werde!
 
Soweit die Antwort.
 
Lob für Rita Lorenzettis Stil
Mindestens ebenso wichtig wie die Fehlerkultur ist der Stil, kann man doch auch fehlerfrei holperig und unverständlich schreiben – Sie wissen, was ich meine ... Luz Pfosi (E-Mail: luzpfosi@bluewin.ch) lobte mit vollem Recht Rita Lorenzettis Stil – in Bezug auf das Blog „Denkschablonen, die den Freiheiten im Wege stehen“ vom 5. Juni 2006 und andere Arbeiten aus dem Computer der feinfühligen Zürcher Feuilletonistin:
 
Sie, sehr geehrte Frau Lorenzetti, schreiben einen sehr anschmiegsamen Stil, so richtig aus den Empfindungen des Lebens heraus. Ich werde in Zukunft öfters nach Berichten aus Ihrer Feder suchen; es ist einfach erstaunlich, wie Menschen auch durch ihren eigenen Stil etwas mitteilen können, das sich von der Ausdrucksweise aller anderen abhebt.
 
Ich wünsche Ihnen weiterhin solche Gedankengänge, welche Sie in den Blogs wiedergeben... Herzlich grüsst Sie Luz Pfosi
 
Der Mythos Armstrong
Weniger begeistert war Luz Pfosi von meinem eigenen Tagebuchblatt „Der mit Bush radelte: Der Mythos Armstrong ist im Eimer“ vom 25. 8. 2oo5, und ich bin am Boden zerstört (wie jeweils Bush nach einem Sturz vom Velo):
 
Lieber Walter, leider kann ich Dir in Sachen Lance Armstrong nicht zustimmen, Lance war ein aussergewöhnlicher Radfahrer. Radrennfahren ist etwas vom Härtesten, was an Sport geboten wird. Deine Skepsis hinsichtlich seiner Krebserkrankung, deren Existenz Du anzweifelst, ist auch nicht nachvollziehbar. Ein junger Körper kann die Folgen eines Krebsleidens besser überwinden als ein älteres Semester. So sind zum Beispiel Prostata-Krebsarten in den meisten Fällen ohne bleibende Schäden.
 
Ich habe einen Bekannten, der in relativ jungen Jahren Hodenkrebs hatte und erfolgreich gerettet worden ist. Nicht bei jeder Krebsart sind die Heilungschancen gleich; es gibt unzählige verschiedene Krankheitsbilder. Zudem: Welcher junge Sportler würde sich nicht geschmeichelt fühlen, mit dem US-Präsidenten zu radeln; so etwas lehnt kein Sportler ab.
 
Ich habe viel über Lance gelesen, und ich muss sagen: Dieser Mann hat eine unvergleichliche Leistung vollbracht. Dazu braucht es einen unglaublichen Willen; zudem hatte er schon nach dem ersten Tour-Sieg so viel verdient, dass er sich nicht hätte weiter diesen wahnsinnigen Torturen aussetzen müssen. Hier ist Lance für mich Sportler, und sein Pass spielt in diesem Fall keine Rolle.
 
Raymond Poulidor, einer der grössten Rennfahrer aus Frankreich, nannte Lance „Champion extra ordinär“ – und der weiss, wovon er spricht.
 
Soweit das Schreiben aus Wallisellen ZH, das ich als Art Gegendarstellung gern abgedruckt habe – vielleicht ist es ein Ansporn zu einer lebhaften Diskussion. Ich selber bleibe bei meiner rein persönlichen Auffassung und Beurteilung, zumal erwiesen ist, dass Armstrong schon 1999 gedopt war (siehe dazu auch die Reaktionen auf Blogs [18]: In Spinnennetze verhaspelt“ vom 29. 08. 2005), wie nachträglich aufgrund tiefgefrorener Urinproben zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte. Dieser Umstand relativiert das serienhafte Siegeswunder meines Erachtens doch schon sehr. Und dass er ohne dieses Doping und zudem nach einer schulmedizinischen Krebsbehandlung, die an keinem Menschen spurlos vorbeigeht, falls er sie überhaupt überlebt, noch zu übermenschlichen Leistungen fähig gewesen sein soll, veranlasst mich, die schöne Armstrong-Geschichte eher unter den US-Fakes (Schwindel, Fälschungen) abzulegen, mit denen die Welt immer wieder zum Narren gehalten wird.
 
Geschäft ist Geschäft
Bei dieser Thematik angekommen, ist eine Überleitung zum brutalen Geschäft mit der Gesundheit beziehungsweise Krankheit einfach: Zum Blog „Die Pharmaindustrie jubelt im Land der Pillenschlucker“ von Heinz Scholz vom 11. Juni 2006 liegen noch eine ganze Reihe prägnanter Reaktionen vor, die einer nächsten Zusammenstellung publiziert werden. Hier eine Kostprobe von Karim Fillal (E-Mail: fillal@hotmail.com):
 
Überraschenderweise findet die Pharmaindustrie samt ihren Förderern und Freunden mit ihren Kampagnen und PR-Strategien grössten Anklang in und dank einer Gesellschaft voller Bequemlichkeit und Ungeduld. Es ist traurig, dass diesen Irreführungen in solch zahlreicher Menge blind vertraut statt kritisch hinterfragt wird. Man müsste sie kritisch hinterfragen.
 
Mich ärgert es, dass viele Leute trotz klarer Ratschläge lieber den leichten, aber falschen Weg wählen statt denjenigen, der zum Ziel führt. Es ist beinahe bizarr, dass sich Jäger und Gejagte so einig sind und gemeinsam für das Recht kämpfen, sich selbst zu schaden. Meine Hochachtung gilt Dr. Johann Georg Schnitzer für seinen unermüdlichen Kampf und Heinz Scholz als Autor, die sich nicht scheuen, die Wahrheit zu sprechen.
 
Soweit die Zuschrift. Ja, wer sich heute um eine korrekte, unabhängige Berichterstattung bemüht, fällt bereits auf. Ein Zeitzeichen, das aufrüttelt.
 
Hinweis auf die bisher erschienenen „Reaktionen auf Blogs“
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