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BLOG vom 08.07.2006


Reaktionen auf Blogs (39): Wer finanziert das Blogatelier?
Präsentation der Leserpost: Walter Hess
 
Eine Anfrage aus Wallisellen ZH:
 
Grundsätzlich geht es mich nichts an, dennoch interessiert es mich, wie die vielen Textatelier-Mitarbeiter eigentlich entschädigt werden. Von den blauen Augen der Textatelier- beziehungsweise Blogatelier-Leser kann keiner Brot kaufen ... Der Aufwand und der Service des Textateliers sind doch enorm. Das sehe ich, wenn ich die Beiträge anschaue.
 
Ich würde beispielsweise gern jeden Monat einen finanziellen Beitrag leisten, denn für Zeitschriften bezahlt man ja auch, und die Qualität ist unvergleichbar.
 
Ich nehme an, dass einige Leute, so wie Du, Walter, an herausgegebenen Büchern etwas verdienst, doch gemessen am Aufwand können die Bücher auf keinen Fall so viel kosten wie sie eigentlich kosten sollten. Ich will damit die Bücher keineswegs für gut oder schlecht qualifizieren, doch wenn ein Buch ein Renner wird, dann steht meistens ein grosses Werbe-Budget dahinter.
 
Wenn ich die Blogs von den Autoren lese, dann kann ich mir schon gut vorstellen, dass Bücher aus den Federn dieser Schreiber eine hohe Qualität haben müssen. Leider habe ich schon in der Bibliothek grosse Probleme, Bücher auszuwählen, leider, leider muss ich schon aus der Zeitung gewisse Artikel mit der Lupe lesen, was verdammt mühsam ist.
 
Wenn man an Deinem Arbeitsplatz steht, dann staunt man über die Technik, welche Dich umgibt, dazu kommt noch ein gewaltiges Arbeitspensum, von Nacht- und Sonntagszuschlägen will ich gar nicht reden.
 
Mit herzlichen Grüssen
Luz Pfosi (E-Mail: luzpfosi@bluewin.ch)
 
Soweit die bemerkenswerte Zuschrift. Selbstverständlich dürfen alle Nutzer und Interessierten wissen, wie es um die Blogatelier-Finanzen steht, die für uns kein Problem sind:
 
Alle Textatelier-Autoren und Bloggerinnen und Blogger arbeiten vollkommen gratis. Ich übernehme allfällige Lektorats- und Koordinationsarbeiten und alle Computerkosten. Urs Walter besorgt die technischen Einrichtungen und steuert auch viele Geräte bei; auch er trägt einen wesentlichen Kostenteil mit. Hans Kurt Berner korrigiert Texte, die im Textatelier.com publiziert werden, ebenfalls unentgeltlich. Das sieht nach einem Geschäft mit lauter roten Zahlen aus – aber dieses hat auch seine Vorteile: Das macht und erhält uns frei und vollkommen unabhängig, und alle haben Spass daran. Man kann es als Steckenpferd betrachten, das sich alle etwas kosten lassen, vor allem Zeit, Arbeit.
 
Das Textatelier.com versteht sich als Plattform für Leute, die Freude am Schreiben haben. Das Internet gibt schon eine gewisse Bekanntheit, wenn man es versteht und genügend Zeit hat, eine „Marke“ jahrelang aufzubauen und sie vertrauensbildend zu festigen. Das ist uns in den 4 vollen Jahren des Textatelier-Bestehens gelungen, wie ein Blick auf die Aufrufstatistiken bei unserem Server Hostpoint in Rapperswil beweist; die Nutzung und Beachtung unserer Texte ist in einer ständigen Zunahme begriffen. Im Monat Juni 2006 hatten wir beispielsweise 194 183 Seitenaufrufe, also täglich mehr als 6000. Das gibt viele neue Kontakte
 
Die Einsatzbereitschaft und Ehrlichkeit aller Mitwirkenden vermittelt uns einen guten, untadeligen Ruf. Zwar kann man auch von einem solchen nicht leben und kein Brot kaufen. Dann backen wir es eben selber ... und wir sind noch nicht verhungert.
 
Die Präsenz hat zur Folge, dass wir alle immer wieder für anspruchsvolle Schreibaufgaben herbeigezogen werden, und von deren Ertrag können wir dann unser Hobby pflegen.
 
Der Buchverlag Textatelier.com, in dem bisher 4 Bücher erschienen sind, ist ebenfalls nicht kommerziell ausgerichtet. In der Startphase habe ich einige private Mittel eingebracht. Der Verlag ist ein Teil unserer publizistischen Unabhängigkeit und damit seinen Preis wert: Wir können Bücher publizieren, wie wir wollen und müssen uns nicht einem fremden Verlag unterordnen. Zudem haben wir eine Botschaft: Die Menschen zum kritischen Hinterfragen der Globalisierungsvorgänge anzuregen, regionale Kulturen aufzuwerten und auch in gesundheitlichen und ökologischen Belangen (Ernährungsverhalten) aufrüttelnd und aufklärend zu wirken. Wir lassen uns das etwas kosten. Die Leser finanzieren über den Buchpreis nicht noch eine teure Verlagsinfrastruktur, sondern sie erhalten zu einem bescheidenen Preis Substanz.
 
Auf diese Antwort reagierte unser erfreulich intensiver Nutzer Luz Pfosi mit dieser Zuschrift:
 
Es beeindruckt mich sehr, dass es so viele Menschen gibt, welche etwas aus Freude tun, draufzahlen und dabei noch der Kritik ausgesetzt werden. Viele brennende Fragen haben beim Textatelier.com den richtigen Trichter gefunden; leider gibt es viel zu wenig solcher Trichter. Die Presse, egal in welcher politischen, religiösen, wirtschaftlichen oder anderen Abhängigkeit, kann es sich meistens nicht leisten, über die blanke Wahrheit zu berichten. Leider ist das ganze Pressewesen bei winzigen Ausnahmen in irgendeiner Zensur befangen, d. h. höhere Mächte entscheiden dort, was wahr sein und was besser nicht angetastet werden darf.
 
Es gibt, um ein Beispiel zu nennen, in meinem Heimatkanton Graubünden eine Zeitung, welche seit Generationen eine Leserschaft berieselt, die gar keine Möglichkeit hat, etwas anderes zu hören als was eben diese Hauszeitung verbreitet. Diese Zeitungsmeinung funktioniert genau so wie die Reklame. Die Leute werden mit Aussagen so lange bearbeitet, bis eine andere Meinung gar keinen Zugang mehr zu diesen Menschen finden kann.
 
Ich habe in den USA einen guten Freund und ich fragte ihn, warum er denn George W. Bush für den richtigen Präsidenten halte. Ohne langes Zögern antwortete er mir, dass die Presse in Las Vegas praktisch einhellig für Bush sei und dass die Demokraten keine Alternative seien. Bei ihm habe ich genau das festgestellt, was ich als Einfluss der Presse erkenne: Wenn jemandem von morgens bis abends eingetrichtert wird, dass die Sonne grün ist, dann wird das Denken des einzelnen Individuums ausgeschaltet, und ich muss leider zugestehen, dass ich auch schon auf die Wirkung der Werbung hereingefallen bin. Wer bestreitet, dass dies bei ihm nie der Fall gewesen ist, der hat besondere Eigenschaften − oder er lügt.
 
„Die Auferstehung der Dame“
Ein reicher Lohn sind für die Mitwirkenden am Blogatelier die Reaktionen, die oft zusätzliche wertvolle Informationen enthalten. Ein Musterbeispiel dafür war die Zuschrift von Frank Flechtmann (E-Mail: frank.flechtmann@ba-cw.verwalt-berlin.de) auf das Blog „[1] Nil mirari – oder: ‚Die Auferstehung der Dame’“ vom 28. Februar 2006 aus der Feder von Emil Baschnonga. Der Autor war in seiner Bibliothek auf dieses Buch mit dem Titel „Die Auferstehung der Dame“ gestossen, von Paula von Reznicek anno 1928 verfasst. Es ist eine Art Knigge für die gnädige Frau aus dem Jahr 1928.
 
Frank Flechtmann zeigte dazu einige Hintergründe auf:
 
Auch ich habe das buch in meiner bibliothek, beide ausgaben (reprint vor ein paar jahren). paula von reznicek war in zweiter ehe mit dem rennfahrer hans stuck verheiratet. ihr brautfuehrer im november 1932 war ernst udet, des führers liebster kampfflieger (siehe bella fromm). der bergkönig war sein liebster rennfahrer, und paula war die tochter eines jüdischen bankiers aus breslau. in ihren erinnerungen, die im freiburger militaerarchiv liegen, schreibt sie, dass hitler immer ihren mann zu empfängen einlud, aber der wollte stets die gattin mitbringen − worauf er jedesmal nicht hinging.
 
das ehepaar stuck wohnte hier in berlin am heutigen theodor-heuss-platz und wurde um 1938 offiziell damit beauftragt, dem neuen KdF-wagen (spaeter „VW käfer“) weltweit kunden zuzuführen. das klappte wunderbar. hans und paula hatten ein spesenkonto gemeinsam mit ss-obergruppenführer karl wolff, himmlers adjutant, doch als der krieg „plötzlich“ kam, musste man sich − zunächst war hans noch testpilot für rennboote − bald auf die truppenbetreuung verlegen, mit stucks rennfahrerfilmen an der front die soldaten unterhalten. und immer wenn das rassenamt wieder auf die vorfahren der paula von reznicek verwies, legte der ss-obergruppenführer diese briefe in die schublade, nachdem er darauf geschrieben hatte „zurückgestellt bis nach kriegsende“. dafür bekam er dann von ihnen in tirol 1945 einen wunderbaren persilschein, als er − inzwischen oberster ss-führer in italien − bei kriegsende dort auftauchte.
 
soviel zu paula, der tennissiegerin von 1929 (german open) und journalistin. das buch sollte man tatsächlich mal wieder lesen! und dabei an die seltsamen lebenswege im verrückten 20. jahrhundert denken.
 
gruss flechtmann
 
Das teure Auto
Dieses 20. beziehungsweise 21. Jahrhundert ist schon verrückt, unter anderem auch autoverrückt. Mein Blog von 20. Juni 2006 über „Hybride Gefühle: Der Quantensprung ins neue Autozeitalter“ inspirierte Maja Petzold (E-Mail: maja.petzold@freesurf.ch) zu folgender Reaktion:
 
Ihr Auto-Blog habe ich mit viel Vergnügen und Schmunzeln gelesen!
 
Es ist nicht zu leugnen, dass uns das Auto so lieb und teuer geworden ist wie ein Haustier. Früher ritt man auf einer Pferdestärke, heute braucht man vielleicht hundert! Darüber haben sich schon viele Menschen ihre Gedanken gemacht und darüber geschrieben. Es ist eben auch nicht zu leugnen, dass sich zumindest unsere Zivilisation weitgehend vom Auto abhängig gemacht hat. Daran ändern die bekennenden Nicht-Autobesitzer keinen Deut, denn ich kenne viele, die gern ins Auto anderer einsteigen, ja die es geradezu erwarten, dass sie von den Autofahrern chauffiert werden!
Vielleicht ist der Vergleich Auto–Haustier, in diesem Fall vielleicht Pferd oder Esel, gar nicht so weit her geholt. Mit Haustieren wie mit Autos gehen Menschen verschieden um, je nach Charakter. Die einen pflegen und hätscheln es, für die anderen ist es ein notwendiger und angenehmer Teil ihres Haushalts, dem sie die erforderliche Sorgfalt widmen, und andere behandeln Tiere und Autos sorglos, nachlässig oder gar schludrig. Es sind mir auch schon Menschen begegnet, die mir gestehen, dass sie mit ihrem Auto reden!
 
Auch wenn uns viele Alarmzeichen darauf aufmerksam machen, dass durch den Autoverkehr unzählige, schier unlösbare Probleme entstehen, ist es doch unvorstellbar und zurzeit total unrealistisch, das Auto abschaffen zu wollen. Schon die kleinste Einschränkung des Autoverkehrs stört den Ablauf des Alltags. Auf längere Zeit gesehen scheint es mir unvermeidlich, vom Auto als Privatverkehrsmittel wegzukommen, aber praktisch durchführbar scheint es mir unmöglich, auch auf längere Zeit betrachtet.
 
Was alle Veränderungen und Einschränkungen im Gebrauch unseres vierrädrigen „Freundes“ erschwert, ist die emotionale Beziehung, die wir als Autobesitzer meiner Meinung nach fast alle zu ihm haben, ob wir es wahrhaben wollen oder nicht!
 
Auf weitere philosophische Ergüsse zu diesem Thema möchte ich heute verzichten ... Man könnte aus dem gerade genannten Grund noch „ewig“ darüber diskutieren.
 
Mit herzlichen Grüssen von einer passionierten Autofahrerin, die ihr Auto in der entsprechenden Situation auch problemlos stehen lassen kann.
 
Maja Petzold
 
Beziehungen zu Bruno
Vor allem zu Tieren sollten vertiefte Beziehungen aufgebaut werden, dann würden sie nicht einfach vernichtet oder abgeschossen, wenn sie uns im Wege zu stehen scheinen. Claudia Sörensen aus Hamburg (E-Mail: musicstyles@hotmail.com) hat nach dem für unsere gestörten Beziehungen zur Natur bezeichnenden Abschuss des berühmten Braunbären Bruno „JJ1“ auf dem Gebiet der Gemeinde Bayrischzell einen „Song“ geschrieben, den sie möglichst häufig bei Gartenfesten und Partys singen will. Als Alleinunterhalterin will sie etwas zynischen Humor einbringen und zum Nachdenken und Diskutieren anregen.
 
Das Lied „Bruno Bär“ kann nach der Melodie „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ gesungen werden: 
Bär, Du hast das Schaf gerissen,
//:gib es wieder her//:
//:sonst wird dich der Jäger schiessen
mit dem Schiessgewehr//:
 
Uns’re Bürokraten haben
//:überhaupt kein Herz//:
//:denn dort sind viel böse Knaben
und das ist kein Scherz//:
 
Liebes Bärlein, lass dir raten,
//: sei doch nur kein Dieb//:
//: Nimm, du brauchst nicht Hammelbraten, mit dem Tod vorlieb//:
 
Seine grosse lange Flinte,
//: schoss auf dich das Schrot//:
bis dich färbt’ die rote Tinte
und du bist nun tot//:
 
Hier in unsern deutschen Landen
//:tut man, was man will//:
nur so’n armes wildes Bärlein
//: ist auf immer still//:
 
Brunos Seele lebt für immer
//:denket wohl daran//:
für den Jäger wird es schlimmer,
//:darauf kommt es an//:
 
Quälen soll ihn das Gewissen
//:immer, immerzu//:
Frieden gibt kein Ruhekissen
//rastlos ohne Ruh’.//:
Soweit der Liedtext, den uns Frau Sörensen übermittelt hat. Leider wird das nette Tier, dem man wohl seine Nahrung missgönnt hat, durch solche Gesänge nicht wieder lebendig. Aber die Protestwelle, die Bayerns Abschuss- beziehungsweise Umweltministerium über sich ergehen lassen musste, bewirkt vielleicht, dass andere Wildtiere wie Wölfe in Zukunft etwas mehr Verständnis für ihre Lebens- und Ernährungsgewohnheiten erwarten dürfen.
 
Auch Menschen gehören zu den gelegentlichen Fleischfressern. Auch sie reissen Schafe und viele andere Tiere in Stücke, ohne dass man sie gleich abschiesst. Und Jäger bringen seit je Tiere um.
 
Man mag sich bitte Gedanken über eine Gleichbehandlung machen: Entweder werden Fleischfresser generell geduldet oder nicht.
 
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