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BLOG vom 11.07.2006


[2] Fussball-WM 06: Rote Karte für englische Spielerfrauen
Autor: Heinz Scholz
 
Die flippigen englischen Spielerfrauen – „Wives and Girlfriends“ (WAG`s) genannt – kauften in Baden-Baden D am liebsten in Supermärkten und Discountläden ein. Man stelle sich folgende ulkige Begebenheit vor: Die reiche Victoria Beckham, einst ein Mitglied der Spice-Girls und Ehefrau des millionenschweren englischen Nationalspielers David Beckham, wühlt im Salat oder sucht verzweifelt Billigprodukte im Supermarkt. Vielleicht ist ihr auch das Geld ausgegangen. Die Stippvisite von Madrid nach Deutschland kostete die 32-Jährige 30 000 Euro für einen gemieteten Privatjet. Und bei diesem Lebensstil wird das Geld allmählich knapp.
 
Der ulkige Vorfall hat sich tatsächlich ereignet. Victoria Beckham wurde in einem Supermarkt in Sinzheim gesehen, wo sie neben Kopfsalat und Leberwurst auch Fussbälle aus Plastik für ihre Söhne aussuchte. Ein junger Bursche hat sie abgelichtet und das Bild verkauft.
 
Im noblen Brenner´s Parkhotel in Baden-Baden logierten die Damen und, wie die britische Presse berichtete, langweilten sich die Glamourgirls. Sie liefen in winzigen Hotpants und 10 000 Pfund teuren Handtaschen und übergrossen Sonnenbrillen herum.
 
„Die Frauen vertreten uns besser als die Mannschaft“, lobte die englische Presse und berichtete amüsiert von Shop-Aholic-Anfällen, Sushi-Feten und üppigen Rechnungen in der Bar. Es sollen unglaubliche Mengen Alkohol geflossen sein; die Spielerfrauen tanzten sogar auf den Tischen.
 
Coleen McLaoughlin, die Verlobte des englischen Fussball-Rauhbeins Wayne Rooney, musste „Tonnen von Gepäck“ mit nach Deutschland nehmen. Sie wusste einfach nicht, was sie anziehen sollte. Wer so viel Klamotten hat, ist wirklich zu bedauern.
 
In einer Edelboutique in Baden-Baden gab sie innerhalb von 10 Minuten 3346 Euro für Schuhe, Shorts, Gürtel und eine Handtasche aus. Das sind Peanuts zum Verdienst des Verlobten. Rooney verdient bei Manchester United etwa 120 000 Euro im Monat.
 
Frank Lampards Freundin Elen Rives bekam auf dem Londoner Flughafen einen Tobsuchtsanfall. Grund: Sie hatte zu viel Gepäck dabei. Das schlechte Benehmen machte auf die Fluggesellschaft so einen Eindruck, dass sie nicht nach Stuttgart mitfliegen durfte. Nach einer offiziellen Entschuldigung konnte sie ein anderes Flugzeug benützen.
 
Der neue englische Fussball-Teammanager Steve McClaren zeigte nun den kapriziösen WAG´s die Rote Karte. Zukünftig dürfen die Frauen nicht mehr bei Turnieren mitreisen. Die Kaufsucht und die Alkoholexzesse würden die ohnehin schon extrem sensiblen Spieler zu sehr ablenken.
 
Austern gestrichen, Reisen storniert
Vor dem Finale Italien gegen Frankreich verbannte der Besitzer eines Restaurants in der toskanischen Küstenstadt Viareggio Austern, Champagner und andere französische Produkte von der Speisekarte. Er wollte damit seine Solidarität mit der italienischen Mannschaft zeigen.
Die Engländer zeigten sich nach dem Rauswurf ihrer Mannschaft durch die Portugiesen besonders verärgert. Aus Rache wurden Reisen nach Portugal storniert. Vorher war Portugal das vierthäufigste Urlaubsland der Briten. Nun ist das Land auf den 15. Platz zurückgefallen.
 
Lachen war streng verboten
Laut einer dpa-Meldung sorgten im Tihar-Gefängnis in Neu Delhi die zusätzlich aufgestellten 350 Fernseher für eine Verminderung von Depressionen und Einsamkeit bei den 13 000 Insassen. Besonders beliebt waren die Spiele der brasilianischen Mannschaft. Hier wurde heftig geklatscht und gejubelt. Manche beteten still vor sich hin.
 
Anlässlich der WM wurde das strikte Fernsehverbot für buddhistische Mönche in Kambodscha aufgehoben. Die Herren durften die Fussballspiele verfolgen, jedoch mit strengen Auflagen. Lachen und erregte Ausrufe waren streng verboten. Es wurde auch ein Wettverbot ausgesprochen.
 
Auch im Benediktinerkloster in Andechs (Bayern) durften die Mönche die Spiele auf einer Leinwand im Wappensaal des klösterlichen Bräuhauses verfolgen. Sie durften sogar Bier trinken und frohlocken. Aber um 18.00 Uhr war „Schluss mit lustig“. Dann mussten die Mönche zur Heiligen Messe antreten und beten.
 
Dummheit eines Diebes
Auf dem Weg zum Stadion schnappte sich ein Dieb die Handtasche einer Frau. In der Tasche befand sich eine Eintrittskarte für das Spiel Brasilien gegen Australien. Der Dieb benutzte die Eintrittskarte und setzte sich auf den vorgesehenen Platz. Dummerweise sass er neben dem Ehemann des Opfers. Dieser alarmierte umgehend die Polizei. In München wurden bis zum Abend 51 Personen wegen Diebstahls und anderen Delikten festgenommen. Unter den Burschen befanden sich ein Australier und 23 Brasilianer.
 
Peinlicher Fauxpas von Joseph Blatter
Der Multimillionär Joseph Blatter, seines Zeichens Präsident des Fussball-Weltverbandes (Fifa), leistete sich beim Empfang des bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber in der Münchner Staatskanzlei einen Fauxpas. Er begrüsste den Ex-Nationalspieler Paul Breitner mit den Worten: „Ich begrüsse Gerd Müller, den Schützen des deutschen Siegtors der Weltmeisterschaft 1974.“ Als er den Fehler bemerkte, beendete Blatter seinen Vortrag mit Giovanni Trappattonis geflügeltem Wort: „Ich habe fertig.“
 
Paul Breitner dazu in einem bissigen Ton: „Er zeigt wieder einmal, dass er keine Ahnung vom Fussball hat.“
 
Da fällt mir auch ein Vorfall bei Novartis ein. Vor einigen Jahren beglückwünschte ein Vorgesetzter anlässlich eines Abendessens einen Mitarbeiter zum 25-Jahre-Jubiläum. Sein Lapsus war, dass er ihn mit einem falschen Namen angesprochen hatte. Die übrigen Mitarbeiter schüttelten nur den Kopf und der Jubilar meinte hinterher: „Unglaublich, der kennt nicht einmal seine Mitarbeiter.“
 
Ronaldinho-Statue abgefackelt
Die Enttäuschung in Brasilien war nach dem Ausscheiden bei der WM riesengross. Wie „sid“ berichtet, haben Fans in der südbrasilianischen Stadt Chapeco eine 7 Meter hohe Ronaldinho-Statue abgefackelt. Die Schöpferin dieser Statue hat nun Strafantrag gegen die unbekannten Vandalen gestellt.
 
Karikaturen über Beckenbauers Allgegenwärtigkeit
Jeden Tag wurden in der „Badischen Zeitung“ im Sonderteil „Fussball-WM 2006“ amüsante Karikaturen von Christoph Härringer abgedruckt. Des Öfteren nahm er Franz Beckenbauer auf die Schippe. Er war nämlich allgegenwärtig, denn er musste als Offizieller die meisten Spiele besuchen. Mittels Hubschrauber war er beispielsweise um 15.00 Uhr in Frankfurt, um 18.00 Uhr in Köln und um 21.00 Uhr in Kaiserslautern. Dort begrüsste er immer die internationalen hochrangigen Gäste. Als er dann um 0.00 Uhr in Oberndorf bei Kützbühl, seinem Wohnort, eintraf, begrüsste er seine damalige Verlobte (später heiratete er die Lebensgefährtin zwischen 2 Spielen) im Bett noch geistesabwesend mit den Worten: „Welcome! I am Franz and i hope youre having a great time!” Dann dachte sich die Frau missmutig aus der Bettdecke aufblickend: „Noch 22 Tage…” (bis zur Ende der WM, dann wird er wohl wieder bei klarem Verstand sein).
 
In einer anderen Karikatur wurde der Vielflieger Beckenbauer wieder auf die Schippe genommen. Vor den Spielen besuchte er jedes Teilnehmerland. Seine Frau freute sich schon auf das Ende der WM, denn dann würde er mehr Zeit für sie haben. Dann sagte ein Verantwortlicher des Sportbundes, daraus werde wohl nichts, denn Beckenbauer müsste jetzt wieder alle Länder besuchen, um festzustellen, ob die Spieler alle heil angekommen sind.
 
Haitzinger, ein weiterer begnadeter Karikaturist, brachte Bruno, den Bär, ins Spiel. Der Bär stürmte während eines Spiels auf den Platz. Alle Spieler rennen wild herum und bringen sich in Sicherheit. Ein Spieler landet auf der Latte, einer hängt im Tornetz, ein anderer klettert den Pfosten hoch. Die Bildunterschrift lautete: „Unvorhergesehene Sicherheitslücken bei der WM!“
 
Ein bitterböser Witz
Aber auch bitterböse Witze kursierten über Verlierer dieser WM. Dazu ein Beispiel: Saddam Hussein wird vor der Urteilsverkündung vom Richter gefragt, ob er die gute oder die schlechte Nachricht zuerst hören möchte. Hussein entscheidet sich für die schlechte Nachricht. Der Richter: „Sie sind zum Tode durch Erschiessen verurteilt.“
 
Dann fragt er nach der guten Nachricht. Der Richter: „Die Schützen sind Streller, Cabanas und Barnetta!“ (Das waren die Schweizer Spieler, die Elfmeter im Spiel gegen die Ukraine verschossen hatten.)
 
WM-Splitter
Tote Hose herrschte in den meisten Sextempeln der Republik. Anscheinend hatten die feiernden und fahnenschwenkenden Fans anderes im Sinn als die Hosen runter zu lassen. Die Medienprognosen zum Boom um die käufliche Liebe erwiesen sich als falsch.
 
Italiens Kapitän Fabio Cannavaro klammerte sich nach dem Sieg an den WM-Pokal. Er hatte sogar mit dem Pokal im Zimmer übernachtet. Ob er mit dem Pokal ins Bett gegangen ist, wurde nicht bekannt. Aber in der Vergangenheit nach grossen Turnieren war dies schon vorgekommen.
 
Nach vorläufigen Berichten (die brasilianische Fernsehanstalt Globo engagierte sogar professionelle Lippenleser) soll der Italiener Marco Materazzi den genialen Fussball-Zauberer Zinédine Zidane mit den Worten, seine Schwester sei eine Prostituierte, zum Kopfstoss in die Brust des Verleumders provoziert haben.
 
Bei vielen Spielen herrschte Trägheit statt Tempo. Von den 4 Halbfinalisten waren 3 Mannschaften dabei, die mauerten und ein Offensivspiel vermissen liessen. Nur Deutschland löste sich aus der allgemeinen Fussball-Lethargie der letzten Jahre und spielte einen erfrischenden Offensivfussball. Matthias Kaufhold äusserte in einem Kommentar in der „Badischen Zeitung“ vom 11. Juli 2006, manche Mannschaften boten „Fussball an der Schnarchgrenze“.
 
Die Fifa überlegt sich, ob zukünftig nur 10 Mann pro Mannschaft spielen sollen, um die Attraktivität zu steigern. Ich schlage eine Vergrösserung des Tors vor, dann fallen mehr Tore.
 
Bei Veranstaltungen wird unglaublich viel Müll produziert. Die Fans verlassen den Ort des Geschehens, sei es im Stadion oder auf der Fanmeile, in einem unsauberen Zustand. Da lobe ich mir die Südkoreaner. Die brachten eine eigene Putzkolonne mit, um für Ordnung und Sauberkeit zu sorgen. Nach dem Schlusspfiff fegten die Reinemachefrauen und -männer alles blitz und blank.
 
Es waren bei den Spielen viele US-Amerikaner in den Stadien. Viele tarnten sich und schlüpften in die Trikots anderer Nationalitäten. Ein Angesprochener sagte zu Laetitia Obergföl, Mitarbeiterin der „Badischen Zeitung“„Es sind viel mehr Amerikaner hier, als Ihr denkt. Sie sind mitten unter euch, aber eben gut getarnt.“ Ein Hinweis auf die Beliebtheit der Menschen aus dem Bushland.
 
Saudi-Arabiens Fussballer boykottierten die Auszeichnung „Spieler des Spiels“, weil der amerikanische Braukonzern Anheuser-Busch die Auszeichnung sponsert. Grund: Die Firma stellt alkoholische Getränke her, und Moslems ist das Trinken von Alkohol verboten.
 
„Der Fernseher gehört dem Mann“
Jihad al-Khazem, Kolumnist der panarabischen Tageszeitung Al Hayat, gab den arabischen Ehefrauen folgende „Verhaltensregeln“ vor der Fussball-WM mit auf den Weg:
 
1. Während der WM gehört der Fernseher dem Ehemann. Die Frau darf die Fernbedienung nicht berühren.
2. Ehefrauen, Kindern und Hausangestellten ist es verboten, während eines Spiels vor dem Bildschirm vorbeizulaufen. Sollen Ehefrauen bei dramatischen Torszenen den Bildschirm verdecken, ist das ein Scheidungsgrund.
3. Der Ehemann leidet während der WM an Taubheit. Er wird weder die Haustür öffnen noch ans Telefon gehen. Das macht die Frau, die während der WM auch die Sportseiten in den Zeitungen zu lesen hat, damit der Mann mit ihr über Fussball diskutieren kann.
4. Sollte die Nationalmannschaft verlieren, gibt es keinen Trost. Es hat keinen Sinn, zu sagen: „Mach Dir nichts draus, mein Schatz. In 4 Jahren kommt ja die nächste Chance!“ Das verstärkt nur den Schmerz.
5. Die Frau muss wissen, dass Fussball viel mehr ist als eine Frage von Leben und Tod: Denn wer stirbt, wacht am nächsten Tag nicht wieder auf und muss sich an seine Enttäuschung erinnern.
6. Während der WM ist es der Frau untersagt, fussball-unkundige Familienmitglieder und Freunde einzuladen – schon gar nicht die Mutter oder gar Schwiegermutter.
(Publiziert von Michael Wrase in der „Badischen Zeitung“.)
 
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