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BLOG vom 16.07.2006


Hausmittel: Wenn die Wegschnecke über die Warze kriecht
Autor: Heinz Scholz
 
Hausmittel waren bei unseren Altvorderen sehr beliebt. Lange bevor es Medikamente von der Pharmaindustrie gab, wurden Kräuter in Wald, Flur und im Garten gesammelt und zu Hausmitteln verarbeitet. Aber auch in der Küche verwendete Produkte wie Essig, Senf, Kartoffeln, Zwiebeln, Meerrettich, Kohl und Quark (für Wickel) ergaben hervorragende Heilmittel. Sie waren billig und effektiv.
 
Zum Glück erinnert man sich heute wieder an diese zum Teil sehr wirkungsvollen Arzneien. Bewährt haben sich die Hausmittel u. a. bei Insektenstichen, Schlafstörungen, Schmerzen, Rheumatismus, Hexenschuss, Ischias, Verdauungsstörungen, Warzen, Nervosität, Wunden aller Art, Störungen des Galleflusses und Erkältungskrankheiten.
 
Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass meine Eltern und Grosseltern immer einen Vorrat an bestimmten Heilpflanzen im Hause hatten. So wurde die Kamille bei Magen- und Darmbeschwerden, Hautentzündungen (Spülungen) und bei Erkältungen (Inhalation) verwendet, während die Pfefferminze bei Blähungen, Übelkeit, Verdauungsbeschwerden dienlich war. Die Melisse half bei Unruhe und Nervosität. Bei unruhigen Zeiten wie vor Prüfungen wurde ein Melissentee gereicht oder man beruhigte sich in einem Melissenbad. Die Brennnessel wurde zur Anregung der Harnausscheidung und bei rheumatischen Beschwerden verwendet, während der Lindenblütentee bei Erkältungskrankheiten getrunken wurde. In manchen Haushalten war ein Erkältungstee aus Holunderblüten, Lindenblüten und Weidenrinde oder aus Holunderblüten, Lindenblüten und Thymian in Gebrauch. In unserer damaligen Hausapotheke befanden sich noch eine Ringelblumensalbe und Melissengeist.
 
Hatten wir einmal eine Erkältung, assen wir alle eine deftige Brotsuppe mit Knoblauch. Bei Erkältungskrankheiten, insbesondere Husten, mussten wir Zwiebelsirup einnehmen. Dieser schmeckte mir nicht besonders gut, er half jedoch hervorragend. Leider hatten wir keinen Tannenhonig zur Hand, der wesentlich besser schmeckt. Der Tannenhonig wurde besonders im Schwarzwald als Arznei bei Husten und Bronchialkatarrh verwendet.
 
In anderen Haushalten wurde der Zwiebelsaft in Form von Einreibungen bei Furunkeln, Abszessen, Frostbeulen, Hühneraugen, Insektenstichen, Warzen und Haarausfall gebraucht. Zwiebelwickel halfen auch bei kalten Füssen.
 
Wie man Warzen vertreibt
Während eines Vortrages über Heilpflanzen anlässlich eines Kräuterkochkurses im Hotel Arnica in Todtnauberg bei Jochen Stückler am 7. Juli 2006 erfuhr ich auch von einem Hausmittel gegen Warzen. Ich bin immer auf solche Rezepte erpicht.
 
Eine etwa 50-jährige Frau hatte schon lange mit einer Warze zu kämpfen. Kein Mittel half. Dann griff sie zu einem ungewöhnlichen Mittel. Sie liess einige Male eine Rote Wegschnecke über ihre Warze kriechen. Der Schleim bewirkte eine Ablösung der Warze. Andere Teilnehmer, die dies hörten, brachten ihre Abneigung für Schnecken zum Ausdruck. Für viele erzeugen solche Tiere Ekelgefühle, und sie würden niemals so eine Anwendung bei sich durchführen.
 
Weitere Warzenmittel (äusserlich anwenden durch Betupfen) sind der Milchsaft von Schöllkraut, Lebensbaumtinktur, Thymiantinktur und Meerrettich-Destillat.
 
Bei Hühneraugen haben sich Knoblauchauflagen bewährt. Durchführung: Knoblauch schälen und mit einer Presse zerkleinern, auf das Hühnerauge auftragen und mit einem Heftpflaster fixieren. Die Auflage bleibt über Nacht auf dem Hühnerauge, dann wird die Auflage erneuert (mindestens 2 Wochen anwenden!).
 
Dieselbe Frau hatte während des Kochkurses einen kleinen Unfall. Sie verletzte sich mit einem Messer, das sie während eines Sturzes in der Hand hielt (wie sie bemerkte, war dies „ein blöder Unfall“). Die Wunde an der Innenfläche der Hand blutete. Jochen Stückler gab ihr einige Spitzwegerichblätter, die sie auf der Wunde platzierte. Schon nach kurzer Zeit hörte das Bluten auf, und der Schmerz wurde gelindert. Die Wunde wurde dann in üblicher Weise mit einer Binde verbunden.
 
Während einer Wanderung mit dem Schwarzwaldverein Wehr wurde eine Frau von einer Biene gestochen. Sie legte dann zerriebene Spitzwegerichblätter auf die Einstichstelle. Der Schmerz wurde gelindert und die Entzündung zurückgedrängt.
 
Wer keine Spitzwegerichblätter hat, der kann bei Insektenstichen auch eine frische Zwiebelscheibe, Quark, Heilerde oder zerquetschte Kohlblätter auflegen.
 
Übrigens wurden im Kanton Aargau früher bei Brennen zwischen den Zehen Spitzwegerichblätter auf die betreffenden Stellen gelegt und eine Socke darüber gezogen.
 
Eine Frau aus einer Gemeinde des Hotzenwaldes behandelte früher ihre „offenen Beine“ (Ursache: Krampfadern) wie folgt: Sie sammelte 10 bis 12 Spitzwegerichblätter von einer ungedüngten Wiese oder am Waldrand, legte die etwas zerkleinerten Blätter auf die Wunde, deckte diese mit einem Tuch ab, wickelte eine Binde herum und beliess den Verband über Nacht am Bein. Am nächsten Tag wurde der Verband abgenommen und die Wunde sofort danach wieder am Abend mit frischen Blättern behandelt. Die Frau stellte fest: „Die Blätter ziehen die Hitze heraus, die Wunde wird sauber.“
 
Hilfen bei Kopfschmerzen
Eine Einreibung von Stirn, Nacken und Schläfen mit Pfefferminzöl, Rosmarinöl oder Melissengeist hilft bei Kopfschmerzen. Des weiteren empfehlen Kräuterexperten Wickel auf Stirn und Nacken (Zwiebel, Meerrettich, Eiswasserwickel, kalte Quarkwickel; Meerrettich immer auf dem Nacken!) und ein Senffussbad. Bei Kopfweh infolge Nackenverspannung: heisse Nackenkompresse mit Dampf, Kartoffel- oder Leinsamenbrei.
 
Erholsamer Schlaf
Marlene Müller aus Ibach D hat ein vorzügliches Mittel für einen erholsamen Schlaf. Erwachsene Feriengäste finden in ihren Betten Kopfkissen, die mit Dinkelspelz, Thymian und verschiedenen Melissenarten gefüllt sind. Kinder bekommen Kissen, die Dinkelspelz, Thymian und Königskerzenblüten enthalten.
 
Die Expertin verwendet Johanniskrautöl bei Kindern, die nicht einschlafen können. Sie reibt eine kleine Menge des Öls auf den Fusssohlen und im Nacken ein (die Nackenmassage erfolgt im Uhrzeigersinn).
 
Auch für stressgeplagte Manager und Blogger hat Marlene Müller ein wirksames Mittel zur Beruhigung der Nerven parat: Eine Einreibung des ganzen Rückgrats mit Johanniskrautöl.
 
Empfehlungen einer Kräuterfrau
Anneliese Wulff, Kräuterfrau aus Schönau D, bekam ihr umfangreiches Wissen von ihrer Mutter vermittelt. Anlässlich eines Besuchs verriet sie mir einige Anwendungen.
 
Für Wanderer hatte sie ein Rezept parat. Bei wund gelaufenen Füssen soll man ein Huflattichblatt in den Schuh legen. Dieses kühlt und heilt.
 
Wer sich gern in Gottes freier Natur hinsetzt oder hinlegt, soll sich ein Bett aus Farnblättern machen. Diese Blätter halten dann das Ungeziefer fern. Wer Zahnschmerzen hat, kann diese vorübergehend lindern, wenn er ein Spitzwegerichblatt kaut.
 
Kirschwasser für unruhige Säuglinge
Das Kirschwasser wurde und wird für alle möglichen Beschwerden gebraucht, wie mir Anneliese Wulff berichtete. Ein Halswickel hilft bei Halsschmerzen und bei Magenbeschwerden ein Trank. Hatte jemand Herzbeschwerden, wurde das Kirschwasser auf der Herzgegend eingerieben oder es folgte eine Auflage mit einem Lappen, der mit diesem „Wunderwasser“ getränkt war.
 
Unruhige Säuglinge wurden im Schwarzwald auf besondere Art ruhiggestellt (nicht zur Nachahmung empfohlen!). Die Mutter kaute ein kleines Stück Brot, tränkte die Masse mit Kirschwasser und füllte diese in ein kleines Tuch. Den daraus gedrehten Schnuller bekamen dann die Kinder in den Mund gesteckt. Die nuckelten kräftig daran und wurden ruhig.
 
Übrigens praktizierten unsere Nachbarn, die Franzosen, den Brauch ebenfalls. Sie nahmen dazu kein Kirschwasser, sondern Rotwein.
 
Hatten auch Sie gute Erfahrungen mit Hausmitteln? Für jeden Hinweis bin ich Ihnen sehr dankbar.
 
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Hinweis auf ein Heilpflanzenbuch
Heinz Scholz und Frank Hiepe: „Arnika und Frauenwohl“, ISBN-Nummer: 3-933486-39-4
Format: 14,0 x 20,5 cm, 272 Seiten, 114 Farbabbildungen.
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