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BLOG vom 01.08.2006


Lust auf Kalorien-Bomben: Die Rückkehr der Monster-Burger
Autor: Heinz Scholz
 
Endlich dürfen Amerikas Fast-Food-Esser wieder nach Herzenslust zuschlagen. Die Fast-Food-Ketten wie Burger King haben das Fett wieder entdeckt. Robert Atkins, der ja mit seiner Diät das Essen von fettreicher Kost propagierte und selber schwer übergewichtig war, würde darüber vor Freude einen Purzelbaum schlagen, wenn er noch könnte.
 
Nun soll plötzlich wieder das kalorienarme Salat-Essen out sein. Das Gesundessen ist Schnee von gestern. „Was kümmert mich das Gestrige“, dürften die innovativen Manager von Fast-Food-Ketten sagen. Denn erst vor 2 Jahren änderten die Fast-Food-Tempel ihre Strategie, indem sie kalorienärmeres Essen mit Salat, Obst, Joghurt und Fruchtsaft anboten. Sie wollten einen Beitrag leisten, das Bewusstsein für eine vernünftige und ausgewogene Lebensweise erhöhen. Da lachten ja selbst die Hühner. McDonald’s kam sogar auf die aberwitzige Idee, ihre gesunde Kost in Kindergärten zu propagieren. Da staunte so mancher Gesundheitsfreak, und die Konkurrenz schüttelt nur so den Kopf.
 
Mega-Burger und Monster-Klops
Die Macher dieser fettärmeren Fast-Food-Lokale bekamen inzwischen einen fürchterlichen Dämpfer: Sie machten weniger Umsatz. Die Aktien sanken bei manchen Ketten um 25 Prozent. Durch eine Änderung der Strategie erhoffen sie sich nun wieder mehr Kunden. Die Esser sollen noch runder und fetter werden. Die Mega-Burger oder Monster-Klops werden es schon richten. Oder rechnen die Manager damit, dass gerade die Übergewichtigen, die mit einem Riesenappetit gesegnet sind, in ihre Tempel strömen? In den USA gibt es ja 127 Millionen Erwachsene mit Übergewicht, und die Hälfte davon soll fettleibig sein. „In Fokusgruppen ist es schwer, gesunde Produkte zu finden, nach denen die Leute wirklich lechzen“, sagte IHOP-(International House of Pancakes)-Sprecher Patrick Lenow.
 
Marc Pitzke, Spiegel-Korrespondent aus New York, meinte dazu, dass der Über-Whopper ein saftiger Versuch der Fressketten sei, sich den Konsumenten, Investoren und Analysten schmackhaft zu machen.
 
Kalorienbomben mit 1000 Kalorien pro Mahlzeit
Burger King, einer der Fast-Food-Riesen in den USA, bietet die Produkte in TV-Spots laut Spiegel online wie folgt an: „Verbeissen Sie sich in Schichten über Schichten aus Fleisch, Käse und Speck.“ Der „Quad Stacker“, der so beworben wird, besteht aus 4 Scheiben Hack, 4 Scheiben Käse und 8 Speckstreifen. Damit noch nicht genug: Das Ganze wird getränkt mit einer fetten, cremigen Sosse. Die Kalorienbombe, die 3 Mal so viel wie ein Big Mac enthält, hat 1000 Kalorien, 68 Gramm Fett (davon 30 g gesättigte Fettsäuren).
 
Burger-King-Vizepräsident Denny Marie Post ist überzeugt, dass der Fleischfreund mit den neuen Produkten seine Befriedigung erfährt. Er kann dann wählen zwischen einem 2-fachen, 3-fachen oder 4-fachen Stackers. Es gibt also keine Schonkost mehr, der Esser kann jetzt wieder kräftig zuschlagen.
 
Auch beim Frühstück braucht sich der Esser nicht mehr auf eine fade Magerkost stürzen, sondern bekommt eine fette Wurst, 2 Eier, 2 Scheiben Käse und 3 Streifen Schinken. Das sind zusammengerechnet bereits 740 Kalorien. Wer sich solcher Völlerei bei Burger-King hingibt, bekommt 46 Gramm Fett und damit gratis eine gehörige Portion der schädlichen Transfettsäuren mit auf den Weg. Der Herzinfarkt lässt am Horizont grüssen.
 
Auch die Frühstückskette Denny´s hat ihr früher so populäres „Grand Slam Breakfest“ zum „Extreme Grand Slam Breakfast“ aufmöbelt. Der hungrige Gast bekommt allein durch das Frühstück, das aus 3 Bratwürstchen, 3 Streifen Schinken, 3 Pfannkuchen, 2 Eiern und Bratrösti besteht, 1270 Kalorien (mit 77 Gramm Fett) auf seinen Riesenteller. Da werden alle unweigerlich zu Monsterfressern. Es dürfte weltweit wohl das kalorienreichste Frühstück sein.
 
Schon im Jahre 2004 bot das Burger-Haus Hardee’s einen Monster-Thickburger mit 1420 Kalorien an. Der Mega-Klops war ein Riesenhit. Auch für die Aktionäre. Die Aktie des Hardee’s-Mutterkonzerns CKE stieg um 50 Prozent. Da werden sogar die Aktionäre mit dicken Geldpolstern verwöhnt, und wenn sie auch noch dort speisen, dann bekommen sie dicke Fettpolster nahezu gratis dazu.
 
Ein Bekannter, der auf den Philippinen lebt und sich soeben einige Wochen in San Francisco aufgehalten hatte, berichtete mir in einer E-Mail vom 31. Juli 2006, dass es inzwischen auch auf den Philippinen nach US-Vorbild Fast-Food-Ketten gebe, so beispielsweise „Jollibee“, eine Kette nicht nur für die fidelen Bienen, die dort erfolgreicher ist als McDonald’s. Die Filipinos sind zwar schlank, haben aber bereits eine deutlich gesteigerte Tendenz zum Herzinfarkt. Hier könnten sicherlich die Transfettsäuren und auch die gesättigten Fettsäuren aus der Fast-Food-Kost einen wesentlichen Beitrag zur Ungesundheit geleistet haben.
 
Auch bei uns gibt es Riesenportionen
Man braucht eigentlich nicht nach den „überfressenen“ Amerikanern zu schielen, es gibt auch bei uns tüchtige Esser. Da prahlen die kräftigen Esser, welche Portionen sie zu essen fähig sind. Auch Lokale, die grosse Portionen anbieten, werden immer wieder gern genannt. „Da musst du hingehen, da gibt es grosse Portionen“, ist so eine Redewendung, die bei mir abprallt, denn ich bevorzuge normale Portionen. Zum Glück gibt es bei uns in immer mehr Gaststätten „Seniorenteller“ oder „halbe Portionen“.
 
Aber es ist immer noch die Tendenz zur Völlerei zu beobachten. Vor einiger Zeit bemerkte eine Wirtin: „Wenn ich mickrige Portionen anbieten würde, könnte ich zumachen. Ich habe schliesslich einen guten Ruf zu verteidigen!“ Sie meinte damit, dass die Portionen bei ihr so gross sind und ihre Stammkunden erwarten, dass ein Schnitzel links und rechts über den Tellerrand hinaushängt.
 
Ich machte auch die Beobachtung, dass gerade die Dicksten unter den Erdenbürgern in Cafés und Speiselokalen auch die kalorienreichsten Menüs und die fettesten Kuchen mit Schlagsahne vertilgen. Die wären in den amerikanischen Fast-Food-Tempeln hervorragend aufgehoben.
 
In Bayern beobachtete ich früher im Hofbräuhaus in München und in anderen bayerischen Lokalitäten die kräftigsten Esser. So verdrückten Einheimische und Gäste Unmengen von fetten Schweinshaxen oder Schweinebraten mit Knödeln und gehaltvoller Sosse. Da lief den Riesenessern die Sosse nur so aus den Mundwinkeln heraus. Es war ein herrliches Schmatzen und Grunzen im Gange. Dazu wurde der süffige Gerstensaft einverleibt. Aber nicht nur eine Halbe, sondern eine oder mehrere Mass. Da kamen riesige Mengen an Kalorien zusammen. Es waren hier wiederum nicht die Schlanksten, sondern solche mit gewichtigen Bierbäuchen, die hier um die Wette assen.
 
Der unauslöschliche Nachahmungstrieb der Europäer, die wie Volltrottel hinter jedem US-Blödsinn herlaufen und ihn gut finden, dürfte bald dafür sorgen, dass auch wir die Riesen-Burger aufgetischt bekommen. Der Mensch verfällt sehr leicht in Extreme. Auf der einen Seite gibt es die Diätfanatiker und Magersüchtigen, auf der anderen Seite die Vollschlanken und Überdimensionierten.
 
Ich bin überzeugt, dass bald wieder eine neue Gesundheitswelle aus den USA zu uns herüberschwappen wird. Erst dann wird wieder das gesunde Essen „in“ sein. Vielleicht werden aber die Menschen mit dieser fetten Kost dermassen krank, dass so manchem Viel- und Falschesser ein Licht aufgeht. Dann haben wieder Propagandisten für eine gesunde Kost Hochkonjunktur. Dann werde ich wieder ein aktualisiertes Blog zur Fast-Food-Thematik schreiben.
 
Anhang: Transfettsäuren-Risiko fürs Herz?
Über die Rolle der Transfettsäuren schrieb ich im Juni-Heft 2006 der „Reform-Rundschau“ Folgendes: „Die Transfettsäuren (mit trans-figurierten Kohlenstoff-Doppelbindungen) entstehen u. a. bei der Härtung von Fetten. Praktisch frei von Transfettsäuren sind unraffinierte Pflanzenöle und Reformhaus-Margarinen.
 
In Fleisch, Wurstwaren, Milch, Milchprodukten, herkömmlichen Margarinen mit gehärteten Fetten, Back- und Bratfetten sind jedoch diese Fettsäuren vorhanden. Fast-Food-Produkte und Backwaren, die mit billigen, gehärteten oder teilgehärteten Fetten hergestellt wurden, weisen eine gehörige Portion an Transfettsäuren auf. Natürlich vorkommende Formen von Transfettsäuren (konjugierte Linolensäure, Trans-Vaccensäure), welche die gleichen negativen Wirkungen wie die bei der Härtung und hohen Temperaturen entstandenen Transfettsäuren aufweisen, sind in Fleisch, Milch und Milchprodukten vorhanden. Die genannten Transfettsäuren entstehen übrigens im Pansen von Wiederkäuern durch Bakterientätigkeit“.
 
Transfettsäuren erhöhen das ungünstige LDL-Cholesterin und senken das günstige HDL-Cholesterin. Eine tägliche Aufnahme von zirka 5 Gramm Transfettsäuren erhöht das Risiko für koronare Herzkrankheiten um 25 Prozent (Medical Tribune/S. Stender et al., N. Engl. J. Med. 2006; 354; 16501652).
 
Der erwähnte Bekannte teilte mir aus den Philippinen per E-Mail mit, dass ein „Standard Meal“ bei Kentucky Fried Chicken (1 Portion Fried chicken und 1 Portion French Fries = Pommes frites) etliche Gramm Transfettsäuren aufweist: „Wenn ich mich richtig erinnere, waren es 5 Gramm in den meisten US-Staaten, bis zu 8 Gramm in New York, 2 Gramm bei KFC Kopenhagen und 28 Gramm bei KFC in Budapest.“ Die Unterschiede kommen wahrscheinlich daher, dass die gesetzlichen Vorschriften bezüglich der Öle in Dänemark viel strikter sind als in Amerika und Osteuropa. Gerade in Osteuropa kommen vermehrt Öle zum Einsatz, die viel Transfettsäuren enthalten.
 
Eine neue Deklarationspflicht für Transfettsäuren ist in den USA durch die Nahrungsbehörde FDA seit dem 1. Januar 2006 in Kraft, nachdem zuvor dieser unerwünschte Nahrungsbestandteil deklarationsmässig unter den Esstisch gewischt worden war. Erwachsene sollten täglich nicht mehr als 2 bis 3 Gramm Transfettsäuren aufnehmen. Die National Academy of Science hatte bereits 2002 einen völligen Verzicht gefordert. Aber dann müssten verschiedene Fertigfrass-Unsitten geändert werden – aber nicht in der Richtung, wie es gerade geschieht.
 
Infos im Internet
Suchmaschine „google“ (Stichwort „Transfettsäuren“)
www.spiegel.de („Comeback der Riesenburger – Endlich wieder zuschlagen“; vom 31. Juli 2006).
 
Hinweis auf einige weitere Blogs zu Ernährungsfragen
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