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BLOG vom 08.08.2006


Reaktionen auf Blogs (42): Gegenbewegungen sind zwingend
Präsentation der Leserpost: Walter Hess
 
Mit einer E-Mail hat sich am 4. August 2006 die Schweizer Bundesrätin Micheline Calmy-Rey für das Blog „Nachruf auf die ethische Haltung von Micheline Calmy-Rey“ (2. August 2006) freundlich bedankt und anschliessend die eigene Haltung und damit jene ihres Departements detailliert dargelegt:
 
„Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) ist über die Eskalation der Gewalt in Israel und dem Libanon sowie im besetzten palästinensischen Gebiet und deren humanitären Folgen für die Zivilbevölkerung zutiefst besorgt. In seinen Pressecommuniqués vom 29. Juni sowie vom 3. und 13. Juli 2006 hat es dieser Sorge Ausdruck verliehen und die Konfliktparteien zur Mässigung und zur Einhaltung des humanitären Völkerrechts aufgerufen.
 
Als Depositarstaat der Genfer Konventionen fühlt sich die Schweiz dem humanitären Völkerrecht in besonderem Mass verpflichtet. Dieses stellt den relevanten und sachlichen Beurteilungsrahmen für den bewaffneten Konflikt im Nahen Osten dar. Sowohl die israelischen Streitkräfte als auch die bewaffneten libanesischen und palästinensischen Einheiten sind bei ihren Aktionen an dessen Regeln gebunden. Die Stellungnahmen der Schweiz zum Konflikt im Nahen Osten stehen nicht im Widerspruch zum Prinzip der Neutralität, dem sich unser Land verpflichtet fühlt. Neutralität ist nicht gleichzusetzen mit Gleichgültigkeit. Deshalb unternimmt die Schweiz alles in ihren Kräften Stehende, um die Konfliktparteien zu veranlassen, das humanitäre Völkerrecht einzuhalten.
 
Es ist unbestritten, dass Israel das Recht hat, auf Angriffe seiner Bevölkerung sowie auf Entführungen seiner Armeeangehörigen mit militärischen Mitteln zu reagieren. Das EDA beurteilt jedoch die Reaktion der israelischen Streitkräfte im Libanon und im Gazastreifen als unverhältnismässig; insbesondere die Angriffe auf zivile Objekte verletzen weitere Prinzipien des humanitären Völkerrechts.
 
Auf der anderen Seite fordert das EDA auch von den bewaffneten libanesischen und palästinensischen Gruppen den Respekt des humanitären Völkerrechts. In diesem Sinne verurteilt das EDA die Angriffe der Hisbollah auf Wohnsiedlungen im Norden Israels ebenso wie Raketenangriffe aus dem Gazastreifen auf Ortschaften der nördlichen Negev und Selbstmordanschläge auf die israelische Zivilbevölkerung, die auch gegen das humanitäre Völkerrecht verstossen. Die gefangen genommenen Soldaten sind in Übereinstimmung mit den Genfer Konventionen unter allen Umständen mit Menschlichkeit zu behandeln.
 
Angesichts der anhaltenden Angriffe im Libanon, sicherte ich dem Ministerpräsidenten der Libanesischen Republik Fouad Siniora in einem am 18. Juli 2006 geführten Telefongespräch die Unterstützung der Schweiz in dieser schwierigen Zeit zu und erklärte, dass das EDA seine diplomatischen Bemühungen für einen sofortigen Waffenstillstand und für die Schaffung humanitärer Korridore verstärken werde. Des Weiteren hat die Schweiz alle Konfliktparteien wiederholt aufgefordert, die gefährliche Eskalation mit ihren verheerenden Folgen vor allem für die Zivilbevölkerung zu beenden. Einzig ein sofortiger Waffenstillstand, die vollumfängliche Respektierung des humanitären Völkerrechts und eine Wiederaufnahme des Dialoges können Fortschritte in der Suche einer umfassenden und dauerhaften Lösung des Konflikts bewirken. Die Schweiz hat sich bei ihren Kontakten mit den Konfliktparteien und weiteren wichtigen Akteuren der Region, als auch bei ihrer Intervention an der öffentlichen Sitzung des UNO-Sicherheitsrates vom 21. Juli 2006 für diese Ziele eingesetzt.
 
Mit freundlichen Grüssen
Micheline Calmy-Rey"
 
Wenn eine Notwendigkeit besteht, zur Einhaltung des Völkerrechts aufzurufen, bedeutet das auch, dass dieses mit Füssen getreten wird. Es ist zu hoffen, dass die Schweiz in Zukunft noch vermehrt kriminelle, unmenschliche Verstösse gegen die Menschlichkeit im weitesten Sinne klar aufzeigt, die Taten im Detail und die Täter mit Namen nennt und damit weiteren Verbrechen den Riegel schiebt – so weit immer möglich. Sogar die ins globalisierte US-System eingebundenen Medien können es sich kaum noch leisten, stramm auf der Seite von USA und Israel zu stehen und zu sagen: Euer Wille geschehe. Erste Ansätze von Kritik zeichnen sich ab. Das kann der Sache dienen.
 
Von Gerechten und Ungerechten
Besonders prägnante Stellungnahmen finden sich in den Leserbriefspalten der Presse, falls sie die redaktionellen Hürden passieren konnten. Die „Badische Zeitung“ (BZ) erwies sich als tolerant und liess den folgenden Leserbrief von Inge Mertes, Lörrach, zum Nahost-Konflikt (am 29. Juli 2006 erschienen) durchgehen; Heinz Scholz hat mich freundlicherweise darauf aufmerksam gemacht:
 
„Was ist mit den Palästinensern, die (von Israel) entmündigt, vertrieben (oft zweimal) und unter entwürdigenden Bedingungen leben müssen, ohne Aussicht auf eine Zukunft? Was ist mit dem enteigneten Land, auf dem eine Mauer gebaut wurde? Eine kleine Auflistung von Amnesty International: Kollektivstrafen, Abriegelungen, Verstösse gegen wirtschaftliche und soziale Rechte, exzessive Gewaltanwendungen und Zerstörung palästinensischen Eigentums. Alles nachzulesen im Jahresbericht 2004.
 
Wenn das alles als Ursache dieser angespannten Lage keine Rolle spielt, dann mache ich (...) einen Vorschlag: Morgen besetze ich Ihre Wohnung, wie das immer noch mit palästinensischem Eigentum geschieht.“
 
Und noch ein Leserbrief aus der BZ, diesmal von Hartmut Jünger, Waldshut-Tiengen:
 
„Wenn die Atommacht Israel aggressiv über das nördliche Nachbarland herfällt und dort flüchtende Zivilisten niedermetzelt, raubt das den Gegnern einer iranischen Atompolitik recht nachhaltig die Argumente ...“
 
Diese Argumente, so möchte man beifügen, stehen ohnehin auf wackeligen Füssen. Wieso soll denn der Iran nicht dürfen, was alle Guten, Amerika-hörigen praktizieren und ohne weiteres auch praktizieren dürfen?
 
Gesundheits- statt Monsterburger-Fresswelle
Am 1. August 2006 hat Heinz Scholz über das wieder einmal wirklich vorbildliche Fressverhalten der Amerikaner berichtet: „Lust auf Kalorien-Bomben: Die Rückkehr der Monster-Burger.“ Grössere Fleisch- und Fettportionen tun dem Umsatz gut. Dr. Johann Georg Schnitzer (E-Mail: dr.schnitzer@t-online.de) sandte uns dazu den folgenden anregenden Blog-Kommentar:
 
Dieses erneute Aufwärmen einer bereits erkalteten Fresswelle ist der Zeitpunkt für den Start einer Gegenbewegung durch Aufbau einer Health-Fastfood-Kette, zunächst mit mobilen Trailern auf Märkten und an Strassenecken, dann auch in Restaurants und Hotels. Dazu braucht es
 
1. einen international erfahrenen Manager als CEO,
2. Investoren,
3. Arbeitslose, die hier einen neuen sinnvollen Job finden, der auch noch Spass macht,
4. Restaurants und Hotels, die in ihrem Angebot immer eine solche gesunde Alternative mit oder exklusiv anbieten,
5. geeignete gesunde Rezepte. Diese werde ich beisteuern, sobald sich dieses Unternehmen etabliert hat.
 
Wenn Sie mir eine Mail mit dem Betreff „Health-Fastfood-Kette“ plus entweder „CEO“, „Investor“, „Arbeit“, „Restaurant“ oder „Hotel“ als Stichwort Ihres Interesses senden, werde ich alle E-Mails sammeln und, sobald ein fähiger CEO-Anwärter gefunden ist, sie diesem zur weiteren Bearbeitung übergeben.
 
Dr. Johann Georg Schnitzer
 
Die Idee ist ausgezeichnet. Nutzen Sie die Gelegenheit! Machen Sie mit! Schreiben Sie dem zupackenden Initianten, der Übung in Ernährungs-Revolutionen hat!
 
Die Kundenbeschimpfung
Hoffentlich finden sich anständige Wirte, wenn Dr. Schnitzers Idee umgesetzt werden sollte. Dass es auch andere gibt, teilte uns Frank Flechtmann aus Berlin auf dem Hintergrund von Heinz Scholz’ Blog Wirtshauserlebnisse: Übellaunige Wirtin, angriffige Fliegen“ (29. Juli 2006) mit, eine köstliche Geschichte:
 
Jedes Schlechte hat sein Gutes: Mürrische und schimpfende Bedienungen oder Wirte können auch sehr unterhaltsam sein. Hier in Berlin gab es in den 70er-Jahren in Charlottenburg, Giesebrechtstrasse, eine wunderbare Wiener Weinstube. Der Wirt war dort wohl schon Jahrzehnte tätig, die Möbel und die Tapeten stammten offenbar aus der Vorkriegszeit. Immer, wenn man bestellte, wurde man beschimpft oder es hiess, „D’Kuche het scho zue!“, 5 vor 10. Wo doch in der Karte stand, dass es die Käsewürfel bis 22 Uhr gebe. Es war köstlich, wie der alte Wiener seine Gäste beschimpfte. Das war einer der Gründe, warum ich immer wieder neue Gäste hinschleppte.
 
Wer den Fehler machte, in dieser Weinstube Mineralwasser zu bestellen, wurde gnadenlos niedergemacht. Herrlich (nicht für den, den es gerade traf wenn er es noch nicht kannte)!
 
Eines Tages war die Weinstube leider geschlossen, der Grantler wohl im Heim. Ich bedaure es immer wieder.
 
Das Elend der Windhunde in England
Das Blog „England: Vom Windhunde-Gemetzel bis zum Tierfleisch“, das Emil Baschnonga am 26. Juli 2006 publizierte, hat aufgerüttelt. Die Schriftstellerin und Tierschützerin Lislott Pfaff aus CH-4410 Liestal BL schrieb:
 
Leider weiss ich über das Elend der Windhunde schon seit langem Bescheid. Besonders schlimm ist es in dieser Hinsicht in Irland, wo Windhunderennen ein Volkssport sind. Aber auch in Spanien werden „überflüssige“ Windhunde (dort – bezeichnenderweise „Galgos“ genannt) an Bäumen aufgehängt, bis sie kläglich zugrunde gehen.
 
Auf der Homepage von Pro Animale (Initiantin: Johanna Wothke in Uetzing, Deutschland) finden Sie vielleicht etwas über dieses grässliche Thema: www.pro-animale.de. Diese Tierschutzorganisation, die in ganz Europa tätig ist, hat sich des Windhunde-Problems besonders angenommen.
 
Soweit der Bericht von Frau Pfaff. Heinz Scholz aus D-79650 Schopfheim seinerseits sandte folgende ergänzende Mitteilung:
 
Kaum wurde im „Spiegel online“ mit der Schlagzeile „Windhund-Henker schockiert England“ berichtet, wurde dieses Thema am 21. Juli 2006 in „RTL aktuell“ in einem Filmbeitrag näher beleuchtet.
 
Für mich schockierend war unter anderem auch, dass dieses unsägliche Tiermassaker bei der englischen Tierschutzorganisation bekannt war. Resignierend meinte ein Vertreter dieser Organisation, es liessen sich bisher nur 3000 Windhunde vermitteln. Auch der „Windhund-Henker“ wurde interviewt. Seine Meinung: „Wenn ich die Hunde nicht töte, dann macht es ein anderer.“ Dann beschuldigte er die Besitzer und meinte, dass keiner von denen 70 Euro für eine Einschläferung ausgeben wolle.
 
In Zukunft soll das Töten weitergehen. Die Tiere werden nicht mehr mit einem Bolzenschussgerät ins Jenseits befördert, sondern auf „humanere Art“, wie geäussert wurde. In England ist nur Tierquälerei strafbar! Und die Windhunde wurden ja nicht gequält, sondern nur erschossen ...
 
Feuerwerk als Unglücksursache
Mein Blog vom 31. Juli 2006 („Unfug erzeugt Ökoschäden: Feuerwerke als Giftschleudern“) ist auf Zustimmung gestossen. Heinz Scholz schrieb:
 
Dein Blog über das Feuerwerk ist wiederum sehr informativ. Du sprichst mir aus der Seele. Auch ich bin gegen diese blödsinnige Ballerei. An Silvester/Neujahr wurden in Deutschland für 100 Millionen Euro Feuerwerkskörper verpulvert. Durch das unvorsichtige Abbrennen von Böllern und Raketen gibt es jedes Jahr viele Verletzte und auch einige Tote. Aber die Leute lassen sich durch nichts abhalten.
 
Tiere leiden besonders darunter. Unsere Katze verzieht sich jedes Mal unter einer schützenden Decke oder sucht ein anderes sicheres Versteck auf.
 
Welch tragische Unglücke beim Abschiessen von Feuerwerkskörpern und Leuchtspurmunition passieren können, soll der folgende Fall aufzeigen:
 
Der 17-jährige Schüler Dieter Kirsch, der in der Knabenmittelschule Heilig Kreuz in Donauwörth die Abschlussklasse besuchte (in dieser ältesten Mittelschule Bayerns drückte auch ich die Schulbank von 1953−1959), verunglückte beim Neujahrsschiessen 1965. Er weilte bei Verwandten in Annweiler in der Rheinpfalz. Ein Vetter lieh sich von seinem Vater eine Leuchtspurpistole aus, um das neue Jahr begrüssen zu können. „Dieter Kirsch stand etwa 2 Meter hinter dem Schützen, und nach menschlichem Ermessen hätte nichts passieren können. Der Vetter zielte nach vorne, der Schuss ging los, und im nächsten Augenblick sank Dieter Kirsch, hinter dem rechten Ohr getroffen, tot zu Boden“, schrieb A. Freund im „Echo aus Heilig Kreuz“, 1964-03 (dieses Heft wurde erst Anfang 1965 publiziert!).
 
Der tief religiöse Schüler mit seinem offenen und ehrlichen Charakter war einer der Besten der Schule und auch ein hoffnungsvoller angehender „Dichter“ (er schrieb schon in jungen Jahren bemerkenswerte Gedichte). Sein Gedicht „Erkenntnis“ schrieb er 1964 und „wurde förmlich zu einem letzten Gebet, in dem er wie in einer Vorahnung seinen Weg himmelwärts aufzeigte“ (zitiert nach A. Freund).
 
Hier das Gedicht:
Erkenntnis
Der Odem des Herrn durchweht den Wald,
die Wipfel der Bäume, sie neigen sich;
voll Ehrfurcht erschauert die Natur
und preist ihren Meister ewiglich.
 
Der göttliche Hauch umfing auch mich,
und freudig begreifend jauchzte mein Herz.
Den Blick meinem Schöpfer zugewandt,
erkannt’ ich den Weg: Er führt himmelwärts. 
Dieter Kirsch
Hinweis auf die bisher erschienenen „Reaktionen auf Blogs“
30.07.2006: „Reaktionen auf Blogs (41): Bomben und Blumen in der Wüste"
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