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BLOG vom 23.08.2006


Musiker-Anekdoten 2: Montserrat Cabale auf Schnakenjagd
Autor: Heinz Scholz
 
Angriff der Plagegeister
Ein Musikfreund aus Bad Säckingen D lauschte gebannt der famosen Sängerin Montserrat Cabale auf der Insel Mainau. Plötzlich begann die Spanierin um sich zu schlagen und fing zu lächeln an. Der Grund dieser ungewöhnlichen Aktion war ein Schnakenschwarm, der auf die Sängerin niederging und sie aus ihren Sangeskünsten riss. Kommentar des Bad Säckingers: „Sonst kommen die Biester immer zu mir. Jetzt haben sie ein neues Opfer erwischt. Die arme Montserrat!“
 
Was ein Moderator erlebte
Heinz Siebeneicher, ein sehr beliebter Moderator des Südwestfunks, erzählte uns anlässlich eines Betriebsausflugs der Firma Ciba-Geigy im Studio Freiburg eine nette Geschichte. Während eines Wunschkonzertes gab ein Hörer telefonisch seinen Musikwunsch durch. Er sagte: „He, Siebeneicher – Du schwarzer Zigeuner.“ Der Hörer wollte keineswegs den Moderator beleidigen, nein, er meinte den gleichnamigen Musiktitel.
 
Wertvolle Musik
Die folgende Episode entdeckte ich in der von mir herausgegebenen „Reservisten-Rundschau“ (50. Ausgabe, 1972-10):
 
Geigenvirtuose Brock, Chicago, behauptete, das Publikum sei nicht imstande, gute von schlechter Musik zu unterscheiden. Es hagelte Proteste. Da stellte sich Brock 6 Stunden lang an eine belebte Strassenecke und spielte sein bestes Repertoire. Ausbeute: 1,60 US-Dollar. Vielleicht waren damals zu viele Musikbanausen unterwegs. Aber auf jeden Fall hatte der Musiker mit seiner Äusserung Recht.
 
Japaner singen das Lied „Loreley“
Wer kennt sie nicht, die bekannten Volkslieder „Ich hatt’ einen Kameraden“ oder „Am Brunnen vor dem Tore“ oder „In einem kühlen Grunde“? Alle diese und viele mehr stammen von Friedrich Silcher (1789−1860). Auch die „Loreley“ stammt aus seiner Feder. Dieses Lied gehört zum festen Repertoire der japanischen Schulliederbücher. Jeder Japaner soll dieses Lied schon einmal gesungen haben. Die bereits erwähnten Lieder fanden weltweit Verbreitung. 1850 übersetzte und publizierte der englische Musikpädagoge F. L. Soper 60 seiner Schullieder. In einem Vorwort schreibt der Autor, er habe vergeblich in seinem Land solche Lieder gesucht. Silcher übersetzte auch ausländische Volkslieder ins Deutsche und brachte sie mit Melodien heraus. Bei der Übersetzung nahm er die Hilfe des Dichters Hermann Kurz, der ein Vetter seiner Frau war, in Anspruch. In einem Brief vom 9. Januar 1845 schrieb er: „Es ist nichts schwieriger, als solche Lieder der Musik zu unterlegen. Ich habe es immer bei Kurz gefunden. Er hat oft aus Ärger sich auf den Kopf gestellt und nach Wörtern geschrieen, die nicht kommen wollten.“
Quelle: „Baden-Württembergische Portraits“, herausgegeben von Hans Schumann, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1988.
 
Schwarzwaldgeige
Die Geigenbauer in Rötenbach (Schwarzwald) genossen früher einen ausgezeichneten Ruf. So spielte der junge Beethoven auf einer Geige aus dem Hause Straub in Rötenbach. Diese ist noch heute im Beethoven-Museum in Bonn zu sehen. Die Basler besitzen ebenfalls ein Straub’sches Instrument aus dem Jahre 1696 in ihrer Historischen Sammlung. Elisabeth Walter aus Rötenbach berichtet in „Mein Heimatland“ über den Geigenbau aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts in Rötenbach: „An dieser ruhmvollen alten Überlieferung hat sich nun in jüngster Zeit eine neue Begabung entzündet. Der Sohn des hiesigen Lehrers Oskar Bier, Josef, baut seit einigen Jahren in seiner stillen Werkstatt auf dem Speicher des Schulhauses Instrumente, denen von Kennern höchste Qualität zugesprochen wird.“
 
Bemerkenswert das Urteil der Geigerin Anna Hegner, die nach Prüfung einer seiner ersten Geigen ausrief: „Aber Herr Bier, die klingt ja wie eine alte italienische!“
 
Kurz darauf wurde ein Konzert aus Freiburg vom Reichssender Frankfurt ausgestrahlt. Ein Sprecher bemerkte: „Kennen Sie den Unterschied zwischen einer italienischen und einer Schwarzwaldgeige?“ Der Unterschied wäre wohl leicht festzustellen, dachten sich die Hörer, denn die italienischen Violinen galten als die vortrefflichsten. Es wurden 4 Stücke gespielt, 2 auf einer alten Guarnerius und 2 auf einer Geige von Josef Bier. Die Guarnerius stammte aus dem Jahre 1735 und die Bier’sche Geige von 1935. Die Guarnerius hatte schon damals einen stolzen Preis von 80 000 Mark!
 
Elisabeth Walter: „Die im Senderaum anwesenden 20 Fachmusiker gaben dann zum Schluss ihr Urteil ab, dass die Guarnerius – eine Josef Bier-Geige sei. Man kennt also den Unterschied nicht, das heisst, die neue Schwarzwaldgeige ist der hochberühmten italienischen Geige an Klangschönheit ebenbürtig.“
Quelle: „Geigenbau in Rötenbach“ von Elisabeth Walter, „Mein Heimatland“, 23.Jahrgang, 1936.
 
Kurioses von der Glasharmonika
Bruchsals bedeutendste Musikerin war die Glasharmonikavirtuosin Marianne Kirchgessner (1769−1808). Sie war fast blind, konnte beim Musizieren kein Notenblatt lesen; sie spielte immer auswendig. Die Glasharmonika bestand aus Gläsern, die durch Reiben mit feuchten Fingern zum Klingen gebracht wurden. Mozart komponierte 1791 für die reisende Virtuosin ein Quintett.
 
In dieser Zeit nutzte der Wiener Psychiater Dr. Franz Anton Mesmer die auf der Glasharmonika erzeugten Töne als hypnotisches Mittel. Andere meinten, die Töne würden negativ auf das Gehirn einwirken. Daraufhin wurde das Instrument in etlichen Städten polizeilich verboten. Aus Sorge um ihren Gesundheitszustand verzichteten viele Virtuosen auf das Spielen des Instruments. Bereits um 1830 verlor die Glasharmonika an Bedeutung. Sie wurde durch das Harmonium und die Mundharmonika verdrängt.
Quelle: „Glasharmonikavirtuosin zur Mozartzeit“ von Stefan Schuhmacher, Hierzuland, Heft 34, 2/2002.
 
Viel Ehre für die Musikgesellschaft mit dem alten Dirigenten
Walter Hess übermittelte mir sein Musiker-Erlebnis. Hier der Bericht: „In jungen Jahren war ich stolzes Mitglied der Musikgesellschaft Wald-Schönengrund im Neutoggenburg (Grenzbereich der Kantone St. Gallen und Appenzell-Ausserrhoden). Ich war Tambour, schlug manchmal auch die Pauke oder aber bediente die Cinellen (Becken). Meist waren die Cinellen links oben an der Grossen Trommel montiert, so dass beide Hände zum Einsatz kamen.
 
Diese ländliche Musikgesellschaft hatte eine wichtige gesellschaftliche Funktion, und sie strebte nicht unbedingt musikalische Höchstweihen an. Aber wir Musikanten waren bei Auftritten mit Herz und Seele bei der Sache. Wir hatten einen betagten Dirigenten, Alfred Forrer, weit über 80, der sich kaum noch auf den Beinen halten konnte, aber sein musikalisches Talent wirkte noch nach.
 
Wenn wir nun an Treffen von Musikgesellschaften (Musiktagen) teilnahmen, wurden wir immer als Verein mit dem ältesten Dirigenten vorgestellt und erhielten dafür sehr viel Applaus. Von solch einer Musikgesellschaft erwartete man geradezu den einen oder anderen kleinen Schnitzer. Und wenn unser freundlicher Dirigent am Schluss eines Stückes einen Schlusston erfand, den es auf unseren Notenblättern nicht gab, liessen wir ihn nicht im Stich und gaben noch einen Ton und einen Paukenschlag drauf.
 
Das Publikum war entzückt. Für mich waren das die grössten musikalischen Erfolge.“
 
Geigenspieler in 2 Streichen verabreicht
Da Emil Baschnonga, unser Blogger, talentierter Geigenspieler und Aphoristiker aus London, keine Erlebnisse mit Musikern parat hatte, erfand er 2 Anekdötchen. Sie gelten dem Geigenspieler, in 2 Streichen verabreicht:
 
(1) Jean Kraus empfand die Musik innig und hatte einen Heidenrespekt vor der Partitur. Zwar spielte er nur die 2. Geige in einem Dilettantenorchester, aber er bestrebte sich, ja keinen falschen Ton zu greifen. Beim Largo hatte er keinerlei Schwierigkeiten, doch beim Allegro ging es für seine Finger einfach viel zu geschwind. So drehte er den Bogen einfach auf den Rücken. Das sah sehr virtuos aus, als ob er mitspielte. Niemand merkte, dass seine Geige keinen Ton von sich gab.
*
(2) Eine Geige muss man kosen wie eine Frau. Aber beide, Geige und Frau, sind unberechenbar. Beide können kreischen oder kratzen. Der gute Anton Lederer war 14 Jahre alt, und kratzte, wie man so schön sagt, sein Marterinstrument. Stolz prahlte sein Vater: „Er spielt sogar die Violine!“
 
Da müsse er uns unbedingt etwas vorspielen, bestanden die Gäste. Anton zierte sich sehr, aber gab schliesslich nach. Nur bestand er darauf, dass er nicht im Salon, sondern im Zimmer nebenan auftrete werde. „Er ist halt noch ein bisschen scheu“, erklärte sein Vater. „Aber lass wenigstens die Zimmertüre offen“, bat ihn sein Vater, „damit dich unsere Gäste wenigstens auf Distanz sehen können.“
 
Wie schon verschiedentlich zuvor verzog sich Anton hurtig in den Nebenraum und legte die stets griffbereite „Bagatelle“ von Ludwig van Beethoven auf seinen Notenständer. Er hatte 2 Violinbogen, einen der wie es sich gehört, mit Kolophonium bestrichen war. Diesen Bogen ergriff er zuerst und stimmte damit die Saiten nicht ohne Mühe.
 
Sein Lehrer hatte ihm einmal dieses „Bagatelle“ nicht nur vorgespielt, sondern erst noch aufs Tonband aufgenommen und ihm mitgegeben, damit Anton für das Erlernen dieses keineswegs schwierigen Stücks eine zuverlässige Vorlage habe.
 
Niemand konnte sehen, wie Anton heimlich dieses Tonband auflegte. Er hatte genau 2 Minuten Zeit, um seinen 2. Bogen zu ergreifen, der – wie es sich nicht gehört – mit Schmalz bestrichen war. So gerüstet bezog Anton seinen Platz hinterm Notenständer und hob und hielt den Bogen einsatzbereit. Laut und schwungvoll setzte er an. Wie eindrucksvoll sein geschmierter Bogen tonlos hin und her flog und munter über die Saiten hüpfte! Das soll ihm einer nachmachen. Das Spiel seines Lehrers füllte den Raum. Bravo riefen die Zuhörer und klatschten begeistert. Artig verbog sich Anton, wie es sich ziemt.
 
Nur Anton, sein Vater und seine Mutter wussten um diesen Trug. Immerhin gab Anton 2 Monate später den Geigenunterricht als vergebliche Liebesmühe auf.
 
Emil Baschnonga übermittelte mir noch den folgenden originellen Aphorismus:
„2 Geiger spielten im Gegenstrich – und erstachen sich mitten im Händel.“
 
Druckfehler in Zeitungen
Auch diese Druckfehler entdeckte ich in der von mir herausgegebenen „Reservisten-Rundschau“ (50. Ausgabe, 1972-10), allerdings zu spät:
 
„Die junge Sängerin zeigte ab und zu noch einige Unreinlichkeiten!“
 
„Besonders warmherzig spielte das Sinfonieorchester die Erotika von Beethoven.“
 
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