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BLOG vom 11.10.2006


Nordkoreas Bombe: Das grosse Wehklagen der Atomkrieger
Autor: Walter Hess, Biberstein CH
 
Die atomar hochgerüsteten Westmächte haben (wahrscheinlich) Konkurrenz bekommen: Nordkorea hat am Montag, 9. Oktober 2006, einen unterirdischen Atomversuch (oder zumindest eine grössere Explosion) veranstaltet. Die Fakten sind bekannt und das Wehklagen der westlichen Atommächte sowie der fast einstimmigen Mainstreammedien auch. Alle verurteilen unisono das arme kommunistische Relikt zwischen dem Gelben und dem Japanischen Meer in Asien, das sich von allen Seiten bedrängt fühlt und sich nach Fidel-Castro-Manier standhaft weigert, sich in die werte westliche Geld- und Machtwerte-Gemeinschaft einbinden zu lassen, koste es was es wolle.
 
Ein Bekannter hat mich soeben auf die dokumentarische Webseite http://nuclearweaponarchive.org/Usa/Tests/ aufmerksam gemacht, aus der hervorgeht, dass die USA allein zwischen dem 16. Juli 1945 und dem 23. September 1992 neben den beiden Atombombenabwürfen (auf Hiroshima und Nagasaki) nicht weniger als 1054 Atombombentests veranstaltet haben. Dazu gehören die Testserien, welche das gesamte Bikini-Atoll radioaktiv verseucht und unbewohnbar machten. Die stärkste US-Atombombe (15 Megatonnen MT) wurde „Bravo“ genannt. Der Eigenapplaus wurde wohl dadurch verdient, weil es wegen einer pfuschigen Wettereinschätzung durch die US-Militärmeteorologen der USA zu all dem Elend auch noch zu einer Verseuchung der Inseln Rongelap und Rongerik durch Fallout kam ... Heute verfügen die USA über mehr als 10 000 (in Worten: zehntausend) nukleare Sprengköpfe.
 
Die Amerikaner konstruieren nun auch Mini-Atombomben (Mini-Nukes), die bis 2003 während 10 Jahren selbst in jenem kriegslüsternen Land verboten waren und deren Wirkungen immer noch scheusslich genug sind, ohne dass sich grosse Proteste breit machten. Und George W. Bush, der derzeitige Präsident, der nicht gewählt, sondern durch ein korrumpiertes Gericht an die Macht gehisst wurde, entblödet sich nicht, unbotmässigen Ländern damit zu drohen, dass er sie in Schutt und Asche legen werde, genau so wie es die Israelis auf US-Geheiss soeben mit dem Libanon getan haben.
 
Aber das alles macht nichts und darf so sein, und man übersieht auch, dass sich Israel hintenherum mit einem reichen Atomwaffenarsenal ausstaffiert hat, ebenso Indien und Pakistan. Die Guten dürfen das tun, besonders wenn sie strategisch Verbündete und/oder wichtige Handelspartner der USA sind. Aber Nordkorea gehört nach der infantilen weltpolitischen Denkweise zu den Bösen, und Böse dürfen nicht, was alle Guten bei ihren märchenhaften Zuständen unlimitiert dürfen. Diese unselige Denkweise zwingt die bösen Bedrohten dazu, sich zu verteidigen, oder sie müssen frech werden, nur schon um bilaterale Gespräche zu erzwingen.
 
Statt jedem Land die Selbstbestimmung (auch bezüglich des politischen Systems) zuzugestehen, werden einzelne Länder in die Isolation getrieben und dazu gezwungen, den Verteidigungsfall vorzubereiten – am wirkungsvollsten eben durch die Beschaffung von abschreckenden Atomwaffen. Das wurde auch in Pjöngjang so gesehen, und man begann unter den äusseren Zwängen mit der Aufrüstung. Wer Atombomben hat, wird nicht angegriffen. Das Lehrstück liegt vor: Der Irak wäre zweifellos der Zerstörung durch Amerika und seine Vasallen entgangen, wenn er Atomwaffen besessen hätte.
 
Die US-amerikanisch geleitete Uno – die USA haben auch den neuen Generalsekretär Ban Ki Moon vorausbestimmt – beriet nach der Explosion einen eskalationsfördernden amerikanischen Resolutions-Vorschlag. Darin wird Nordkorea eine eklatante Missachtung der internationalen Staatengemeinschaft vorgeworfen, welche zum Verzicht auf den Atomwaffentest aufgerufen hatte (und selber unbeschränkt atomar aufrüstet). An Strafmassnahmen (Sanktionen) wurden unter anderem ein Waffenembargo sowie ein Handelsverbot für alle anderen militärischen Güter und ebenso für Luxuswaren vorgesehen. Darüber hinaus sollen alle Guthaben eingefroren werden, die im Zusammenhang mit dem nordkoreanischen Atomwaffenprogramm stehen könnten. Wahrscheinlich blockieren die USA die Konten von Kim Jong Il, die zuvor von China geäufnet (bestückt) worden waren ... Die 5 Vetomächte und Japan, die da berieten, kamen am Dienstag, 10. Oktober 2006, noch zu keiner Einigung.
 
Das Strafmassnahmenpaket, über dem jetzt gebrütet wird, ist natürlich ein blühender Unsinn, eine politische Farce, die das Land Nordkorea, falls die Massnahmen überhaupt Wirkungen zeigen werden, weiter in die Enge treiben würden. So betreibt Amerika eine regelrechte politische Weltvergiftung (ähnlich der Verseuchung mit genveränderten Organismen). Und durch seine Sturheit, die alle Grenzen der Vernunft sprengt, wird auch das Risiko heraufbeschworen, dass der von den USA mit allen Mitteln erwiesenermassen geförderte Terrorismus (der Irak wurde in eine regelrechte Terroristen-Brutstätte umgebombt) zu Atomwaffen kommen könnte. Nordkorea könnte die Atomwaffenproduktion beispielsweise zu seinem Kerngeschäft machen.
 
Die ganze Welt weiss sehr wohl um die himmeltraurige Rolle, welche die USA im grossen Welttheater spielt, aber kaum jemand wagt das auszusprechen. Eine Ausnahme war der bei der Uno tätige Publizist Andreas Zumach mit seinem treffenden, gescheiten Kommentar bei SF DRS 1, einer der wenigen unangepassten Publizisten. Er wies darauf hin, dass Nordkorea nichts mehr zu verlieren hat. Ja, man möchte dem noch beifügen: Vielleicht gelingt es der Erpressungsgemeinschaft, dafür zu sorgen, dass die Menschen dort noch mehr hungern müssen. Derselbe Stil wird ja auch von Israel dem Volk der Palästinenser gegenüber mit grossem Erfolg gehandhabt.
 
Wollte man wirklich eine Welt des Friedens und ginge es um eine effektive Sicherheit für das Leben auf dieser Erde, müssten alle Atombomben weltweit abgebaut werden. Entweder dürfen alle solche Waffen haben oder niemand. Am schlimmsten sind diese Waffen zweifellos in den Händen des rücksichtslosen Weltschurkenstaats Number 1, den USA, der erfahrungsgemäss keine Skrupel kennt, wenn seine Macht- oder Wirtschaftsinteressen auf dem Spiele stehen. Die Weltpolizisten-Rolle, welche die USA heute im eigenen Auftrag wahrnehmen, spottet jeder Vernunft, jeder Ethik. Sie ist ekelhaft, weil sie laufend neue Brandherde schürt.
 
Ich begreife die Freude, welche die Nordkoreaner an ihrer Minibombe (550 bis 800 Tonnen Sprengkraft) haben – vielleicht war es auch bloss ein Bluff (das Ausbleiben von erhöhter Radioaktivität könnte ein Signal dafür sein). Nun wird noch mit dem Abschuss von nuklearen Sprengköpfen gedroht. Ob die Explosion nördlich von Kilju mit Uran oder konventionellem Sprengstoff (TNT) herbeigeführt wurde, die Bomben-Wirkung war jedenfalls da. Sie zeigte, dass es eine Sprache gibt, welche die im Allgemeinen wenig sprachbegabten USA verstehen.
 
Wer unter diesen Vorzeichen nicht atomar aufrüstet, wird das spätestens bei der nächsten Zerstörungsandrohung aus Washington bereuen. Nordkorea berät Sie gern.
 
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