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BLOG vom 18.10.2006


Südtirol-Reise 2: Live im Radio, Schokoladen-Test im Kloster
Autor: Heinz Scholz, Schopfheim D
 
Als Herbert Pamer von der Universitätsbuchhandlung A. Weger in Brixen (Südtirol) einige Rezensionsexemplare meines Buches „Richtig gut einkaufenDie moderne Lebensmittelkunde für den Alltag“ anforderte und sich anerbot, das Buch in Südtirol zu verkaufen, ahnte ich nicht, welche Folgen der positiven Art dies haben könnte. Durch seinen unermüdlichen Einsatz wurden nämlich Kontakte mit dem Bildungshaus Kloster Neustift (www.kloster-neustift.it) und dem Rai-Sender Bozen geknüpft.
 
Mit Monika Engl vom Bereich Gesundheit des Bildungshauses wurden 2 Vorträge am 5. und 6. Oktober 2006 sowie das Interview anlässlich einer Live-Sendung mit Hörerinnen-Anrufen am Vormittag des 5. Oktobers vereinbart. Ansprechpartnerin beim Rai-Sender Bozen war Dr. Marianne Kasseroler (Koordination „Treffpunkt Südtirol“/“Frühstücksradio“). Später teilte mir Dr. Angelika König in einer E-Mail mit, dass die Moderatorin Getrud Prenn ist. Die Sendung sollte von 11.05 bis 12.00 Uhr über den Äther gehen.
 
Am 5. Oktober 2006 war es soweit. Toni Fitting fuhr mich freundlicherweise vom Kloster Neustift, wo wir nächtigten, nach Bozen. Zum Glück hatte er ein Navigationsgerät an Bord, denn sonst hätten wir den Rai-Sender am Mazziniplatz 23 in Bozen wohl nie gefunden. Es ist ein stattliches, 6-stöckiges Gebäude mit riesigen Antennen und Schüsseln auf dem Dach. Der Aussenbereich ist mit Videokameras überwacht. Vom Pförtner erhielt ich nach Überprüfung der Personalien eine Magnetkarte mit der Aufschrift „Rai Ingresso“, mit der ich in die „geheiligten“ Räume der Studios vordringen konnte. Als ich in den Vorraum eines Studios kam, sah ich hinter einer Glasscheibe eine junge Sprecherin, die noch eine andere Sendung moderierte, mir freundlich zuwinken. Im Vorraum beim Tontechniker hörte ich ihre Stimme. Es war, wie sich später herausstellte, Gertrud Prenn. Kurz darauf begrüsste mich die charmante Moderatorin mit ihrer klaren und angenehmen Stimme.
 
Nach einer kurzen Vorbesprechung des Inhalts und Ablaufs der Sendung ging es richtig los. Einleitend sprach die Moderatorin nach einer netten Begrüssung der Hörer folgende Worte:
 
„Heute geht es um unsere Einkaufsgewohnheiten und vor allem um die Fehler, die wir oft als Konsumenten machen und in die Fallen, in die wir unbewusst hineintappen. Worauf Sie beim Einkauf achten sollen, erfahren sie bis 12.00 Uhr… Unser Experte im Studio ist heute Heinz Scholz, Autor des Buches „Richtig gut einkaufen“. Sie erfahren gleich mehr von unserem Experten nach der Musik aus Deutschland.“
 
Dann plauderten wir ungezwungen etwa 15 Minuten lang über die Tricks der Verkäufer und über wichtige Einkaufstipps.
 
Kaufe nie unnütze Sachen, nur weil sie billig sind
Auf die Frage der Moderatorin „Reicht es nicht, in einem Supermarkt zu gehen, um billig einzukaufen?“ antwortete ich, dass man sich vorher unbedingt genau informieren sollte, was hier angeboten wird. Preis- und Qualitätsvergleiche sind unerlässlich. Auch das Studieren von Testzeitschriften und das Beachten von Untersuchungen bezüglich Rückstände sind wichtig. Der Verbraucher sollte also nicht immer das Billigste vor Augen haben, sondern auch auf Qualität und Geschmackserlebnisse achten. Bei dieser Gelegenheit zitierte ich den 3. Präsidenten der USA, Thomas Jefferson, der einmal sagte: „Kaufe nie unnütze Sachen, weil sie billig sind.“
 
Dann wies ich darauf hin, dass die teuren Waren in den Läden immer in Augenhöhe platziert sind. Die billigen befinden sich nämlich in der „Bückzone“. Durch die Bequemlichkeit der Kunden oder, wenn sie aus Altersgründen sich nicht mehr so gut bücken können, verzichten 15 bis 20 % der Kunden auf die preiswerteren Waren.
 
Die Frische von Obst, Salat und Gemüse wird vorgegaukelt, wenn oberhalb oder seitlich der Produkte Spiegel angebracht sind. Die so präsentierten Waren sind so genannte „Eye-Catcher“ und werden mehr gekauft als anders präsentierte Waren.
 
Enge Gänge und das Umräumen von Produkten in andere Regale sind beabsichtigt. Da jeder Verkäufer Schnellläufer in den Geschäften nicht haben möchte, versucht er durch diese Tricks, diese zum Langsamlaufen zu zwingen. Der Käufer soll ja so lange wie möglich in seinem Laden bleiben.
 
Waren mit geringer Haltbarkeit stehen vorne. Wenn Frischware kommt – dies beobachte ich immer wieder bei Milch und Milchprodukten – wird sie gnadenlos nach hinten gestellt.
 
Dann sprach ich noch das Aufstellen von Duftsäulen an. Duftsäulen in den Kaufhäusern oder Supermärkten erhöhen die Kaufbereitschaft um 15 % und die Kundenverweildauer um 16 %. Vanille- und Brotduft erhöht in Bäckereien oder Brotabteilungen der Supermärkte den Brotumsatz. Mozartklänge erhöhten den Umsatz von besseren Weinen in Weinhandlungen. Klassische Musik assoziieren viele mit feiner Kultur, eventuell mit vornehmem Geschmack und Prestige.
 
Nicht hungrig einkaufen gehen
Nach Verraten der Tricks gab ich noch einige Tipps zum Besten. So sollte man nicht hungrig einkaufen gehen. Wer hungrig ist, kauft nämlich mehr als beabsichtigt ein.
 
Jeder sollte einen Einkaufszettel benutzen und konsequent nur das einkaufen, was auf dem Zettel steht. Es gibt jedoch immer wieder Situationen, wo das nicht funktioniert. Auch ein Verbraucher, der viele Verkaufstricks kennt, ist vor einem Mehreinkauf nicht gefeit. Dazu ein Beispiel: Kürzlich standen auf meinem Einkaufszettel 7 Produkte, aber ich ging dann mit 11 Waren nach Hause. Die Verführung ist im Lebensmittelmarkt immer präsent. Da sieht man plötzlich leckere Schokolade in einem Regal oder einen guten Wein auf einem Sonderverkaufstisch stehen, der Geschmackserlebnisse verspricht. Da erliegt man der Versuchung. Oft murmle ich dann den Spruch vor mich her: „Man gönnt sich ja sonst nichts!“
 
Ich wies auch darauf hin, dass man bei kleineren Einkäufen nicht den grossen Einkaufswagen benutzen sollte. Wer nämlich so einen Wagen vor sich herschiebt, der wird, da ja genügend Platz ist, auch mehr Waren in ihn hineinbefördern. Meistens kommen Spontankäufe in den Wagen. Verkaufspsychologen haben nämlich herausgefunden, dass Spontankäufe im Einzelhandel zwischen 30 und 60 % des Umsatzes ausmachen.
 
Bevor ich in Bozen das Sendergebäude betrat, hatte ich mich in einem Supermarkt umgesehen. Im Eingangsbereich entdeckte ich nicht nur die grossen Einkaufswagen, sondern auch kleine Einkaufskörbe. Das fand ich vorbildlich.
 
Weitere Tipps, die ich zum Besten gab, waren Folgende: Nachfüllpackungen bevorzugen, Preisvergleich mit Markenartikeln und anderen Produkten (No-Name-Produkte) durchführen. Wichtig ist auch das Vergleichen der Preisschilder an den ausgezeichneten Waren an den Regalen mit den eingetippten Beträgen an der Kasse.
 
Viele Hörer riefen an
Nach dieser Plauderei riefen etliche Hörerinnen und ein Hörer an. Sie hatten viel zu sagen. Eine Dame aus Sterzing erzählte und erzählte und wollte gar nicht mehr aufhören. Sie schilderte ihren ganzen Tagesablauf und wie sie ihren Mann verköstigt. Eine Frage hatte sie nicht. Von der Moderatorin hörte sie dann, dass sie wohl alles richtig mache.
 
Frau M. aus dem Pustertal sprach Sonderangebote an. In einem Anzeigenblatt las sie das günstige Angebot für Joghurt. Sie suchte flugs das Geschäft auf und deckte sich mit dem besagten Joghurt ein. An der Kasse kam das böse Erwachen. Die Kassiererin tippte einen doppelt so hohen Preis ein wie im Angebot zu lesen war. Nach Rücksprache mit der Verkaufsleiterin erklärte die Kassiererin, hier handle es sich um eine andere Serie und die wäre teurer. Gutwilligerweise wurde ihr jedoch der Nachlass gewährt. Ein anderes Mal wurden einheimische Trauben zu einem sehr günstigen Preis angeboten. Sie kaufte eine Kiste der Trauben. Zu Hause bemerkte sie, dass in ihrem Behälter ganz andere Trauben waren als im Prospekt angekündigt. Ihr wurden ausländische Trauben angedreht. Hier empfiehlt sich, dass man ganz genau hinschaut, was man kauft.
 
Mit den Sonderangeboten ist es so, dass nur eine begrenzte Menge vorhanden ist. Kunden werden in die Läden gelockt und haben oft das Nachsehen, wenn die Ware schon längst verkauft ist. Meistens steht dann in den Anzeigen Folgendes: „Angebot gilt nur solange der Vorrat reicht“ oder „Nur in begrenzter Stückzahl vorhanden“. Aber das Kleingedruckte liest der Kunde oft nicht. Im guten Glauben rast er in die Geschäfte und ist enttäuscht, wenn er die Waren nicht mehr bekommt. Er wird dann sicherlich mit anderen Produkten das Geschäft verlassen. Und das ist von den gerissenen Verkäufern beabsichtigt. Eigentlich liegt hier eine Kundentäuschung vor.
 
Einige Anruferinnen wollten wissen, warum Bio-Produkte so teuer sind. Ich erklärte ihnen, dass die Bio-Bauern 10 bis 20 % Mehrarbeit haben. Diese besteht in der täglichen Protokollführung für den Bio-Verband und in der zeitintensiven mechanischen Beikrautregulierung (Jäten, Eggen). Mehrkosten entstehen auch durch die regelmässigen Kontrollen. Die Bio-Bauern haben auch mehr Ausschuss. Durch den Ausschuss können die Produzenten weniger verkaufen, da die Kunden keine verschrumpelten oder verschorften Äpfel oder krumme Karotten (Rüebli) kaufen. Sie bevorzugen äusserlich schöne Ware.
 
Oft ist es auch so, dass Bio-Produkte nicht in grösseren Mengen vorhanden sind und die Nachfrage grösser ist. Dann werden auch höhere Preise verlangt. Wenn es eines Tages mehr Bio-Produkte gibt, dann fallen auch die Preise, davon bin ich überzeugt.
 
Erst kürzlich bemerkte eine Frau aus meinem Bekanntenkreis, sie kaufe Bio-Produkte auf dem Markt, im Bioladen oder im Reformhaus. Aber die Bio-Bananen kauft sie beim Discounter, weil sie dort billiger sind.
 
Kompliment für die Sendung
Erfreulich war der Anruf von Herrn L. aus Bozen. Er sagte: „Kompliment für die Sendung. Kompliment, dass Sie einen so kompetenten Gast eingeladen haben.“
Er bemängelte, dass in vielen Geschäften einheimische Zitronen gar nicht mehr angeboten werden, sondern diese von weit her kommen. Er kauft jedoch, wenn möglich, immer einheimische Produkte ein. Ich wies darauf hin, dass die Verkäufer eben dort kaufen, wo die Ware am billigsten ist. Und wenn es Waren aus Südamerika, Neuseeland oder Afrika sind.
 
Frau R. aus Bozen äusserte sich zum Thema sehr drastisch. „Es ist wirklich grauenhaft, was hier alles angeboten wird. Es ist gut, dass das einmal so klar gesagt wird.“ Sie plädierte ebenfalls für einheimische und saisonale Produkte. „Ich bin eine schon etwas ältere Frau und bin mit den 4-Jahreszeit-Produkten aufgewachsen. Das ist heute leider verloren gegangen“, war ihre Schlussbemerkung.
 
Frau P. aus Deutschnofen wies in einem Beispiel darauf hin, dass man auch die in Sonderangeboten angegebenen Prozentangaben überprüfen sollte. So wurde beispielsweise ein Produkt mit einem Preisnachlass von 30 % offeriert. Eine Nachrechnung ihrerseits ergab jedoch nur einen Nachlass von 20 %. Wie sie betonte, rechnen viele nämlich nicht nach oder tun sich mit dem Euro noch schwer. „Mit der Lire-Währung war das einfacher“, war ihre Meinung.
 
Ich sagte unmissverständlich: Wenn 30 % angekündigt werden, dann müssen auch 30 % Rabatt gegeben werden. Andernfalls handelt es sich um Betrug.
 
Gertrud Prenn sprach dann noch die Kennzeichnung bei Eiern an. Wichtig ist es vom Verbraucher zu wissen, ob sie Eier aus ökologischer Erzeugung, Freilandhaltung, Bodenhaltung oder Käfighaltung kaufen. Die Kennzeichnung des Haltungssystems und des Herkunftslands ist auf jedem Ei in Zahlen und Buchstaben aufgedruckt. Die Bedeutung der Zahlen und Buchstaben sind auf der Innenseite des Eierkartons angegeben.
 
Zum Schluss durfte ich noch auf die Vorträge im Bildungshaus Kloster Neustift hinweisen. Es war eine gute Werbung für eine gute und wichtige Sache.
 
Herzlichen Dank geht besonders an Getrud Prenn, die mich bezüglich des manchmal schwer verständlichen Dialektes, besonders bei einer Anruferin, sehr unterstützt hat.
 
Übrigens hat der Rai-Sender Bozen etwa 25 000 Stammhörer und viel Gelegenheitshörer.
 
Der Schokoladentest im Bildungshaus
Am 5. und 6. Oktober 2006 durfte ich im Augustinisaal des Klosters Neustift (Chorherrenstift) Vorträge zum Thema halten. Der Saal wurde nach dem berühmten Kirchenvater und geistigen Vorbild des Ordens der Augustiner Chorherren benannt. Der Saal ist ein historischer Festsaal mit bis zu 180 Sitzplätzen für Vorträge, Kongresse und Vorstellungen.
 
Bei meinem Vortrag waren nicht so viele Gäste anwesend. 30 Personen verloren sich in diesem mit einem herrlichen Kronleuchter versehenen Saal.
 
Im 1. Vortrag erfuhren die Zuhörer, wie man Verkaufstricks entlarvt, wie man beim Einkaufen Geld spart, wie man frische Lebensmittel von alten unterscheidet. Ich erklärte auch den Unterschied zwischen Bio-Lebensmitteln und herkömmlichen Produkten.
 
Höhepunkt des Vortrags war der Schokoladentest. Es wurden 3 Schokoladensorten, eine Bio-Schokolade, eine teure und eine billige verkostet.
 
Ich betonte, dass man beim Kauf der Schokolade nicht immer auf die billigste Sorte zurückgreifen sollte. Denn wer hervorragende Geschmackserlebnisse haben möchte, der muss etwas tiefer in die Geldbörse greifen. Der Test wurde an diesem geschichtsträchtigen Ort des Klosters zum ersten Mal durchgeführt. Auf die Auswertung war ich sehr gespannt.
 
Hier das Ergebnis:
9,5 % meinten, die billige Schokolade (35 Cent/100 g, Choceur Alpenvollmilch von Aldi) sei die Beste.
76,2 % entschieden sich für die teurere Schokolade (Lindt Vollmilch für 1,40 Euro/100 g).
14,3 % empfanden die Bio-Schokolade (Rapunzel Vollmilch, 1,79 Euro/100g) als Beste.
 
Das Ergebnis hat mich nicht überrascht. Wichtig ist es zu wissen, dass in den Billigschokoladen das preiswerte Butterfett zugemischt werden darf (Schweizer Schokoladenproduzenten lehnen das Butterfett ab!).
 
Der 2. Vortrag „Essen ohne Risiko – Gesundheitliche Gefahren in Lebensmitteln“ hielt ich am 6. Oktober an gleicher Stelle. Hier ging es um die Gefahren der Gentechnik, um Schadstoffe und um die Qualität von Bio-Produkten. Auch hier hat sich das Ergebnis des Schokoladentests bestätigt. Die Verkoster bevorzugten auch hier die sehr gut schmeckende teurere Schokolade.
 
Es waren zwar stressige, aber sehr informative Tage in Südtirol. Trotz des kurzen Aufenthalts lernte ich interessante Menschen kennen. Auch das Wiedersehen mit Heinrich Abraham, dem Kräuterexperten in Südtirol, gab mir neue Einblicke in die Kräuterwelt und in das Land- und Forstwirtschaftliche Versuchszentrum Laimburg. Aber auch die Kultur kam nicht zu kurz. Darüber werde ich in einem weiteren Blog berichten.
 
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