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BLOG vom 15.11.2006


Cablecom-Abzockerei: Perfektes Globalisierungs-Lehrstück
Autor: Walter Hess, Biberstein CH
 
Das Unternehmen Cablecom ist ein Musterbeispiel für die Zustände, wie sie die neoliberale Globalisierung am Laufmeter hervorbringt: 40 Führungskräfte kauften im Herbst 2003 Aktien von der ehemaligen Mutterfirma Glacier Investment (Glacier II SCA), vor allem Ex-Chef Bruno Claude und der heutige Chef Rudolf Fischer. Die Kadermitarbeiter investierten zusammen rund 2,8 Millionen CHF, wie bei www.blogg.ch von Fredy Künzler nachgelesen werden kann; dort ist der vertrauliche Geschäftsbericht publiziert. Die so entstandene Dachgesellschaft wurde dann im Herbst 2005 an den US-Medienkonzern Liberty Media in Denver (Colorado) bzw. an die europäische Ländergesellschaft UPC Broadband für 144 Mio. CHF verkauft – ein Bombengeschäft für die ehemalige Cablecom-Führung. Die wunderbare Geldvermehrung im Rahmen des Erlaubten. Das Nachsehen hatte die Belegschaft: Stellen wurden abgebaut, und den übrigen wurden die Leistungen der Pensionskasse gekürzt.
 
Irgendwer muss das Geld ja aufbringen. Und es ist immer das gleiche Lied: Auf allerhand Umwegen gelangen die Firmen schliesslich in die Obhut der US-Amerikaner, die dann das Sagen haben und ihre Macht für eigene brutale Geschäftemachereien ausnützen. Lehrstück Cablecom: Im analogen Bereich wurden am 3. Oktober neben dem spanischen Sender TVE auch BBC-prime abgeschaltet, dafür steigen ab dem 1. Januar 2008 die Kosten für den regulären Anschluss von 21 CHF auf 22,50 CHF im Monat – und davon sind etwa 90 % der Kunden betroffen, die noch nicht auf das digitale Fernsehen umgestiegen sind. Wahrscheinlich werden bis 2008 noch weitere Sender aus dem analogen Cablecom-Kabelangebot verschwinden, weil dieses Unternehmen im 2. Semester die Einführung eines Video-on-Demand- und HDTV-Angebots plant; man wird im Kabel also wieder etwas Platz machen müssen. Die Digital-Kunden ihrerseits kommen billiger davon; denn dort spielt der Wettbewerb vorläufig noch.
 
Im Blog „Schweiz-Ausverkauf: Cablecom an Big Brother verscherbelt“ (30. 9. 2005) habe ich auf die Cablecom-Verscherbelung und auch darauf hingewiesen, was es für ein Land bedeutet, wenn es die Totalkontrolle der Informationsnetze Ausländern überlässt. Wer die Informationsnetze aus der Hand gibt, ermöglicht, dass die Kontrolle des Denkens durch fremde Staaten wahrgenommen wird; und da in der Massengesellschaft eher das Mitlaufen als das Denken Oberhand (Oberfuss) hat, wiegt das umso schwerer. Besonders unangenehm wird es, wenn der aggressive, gnadenlose Big Brother USA dahinter steht, der mit seiner Unkultur weltweit schon genügend Schaden angerichtet hat. Da aber in der Schweiz die Folgen der Globalisierung wohl schmerzlich wahrgenommen, aber leider noch immer nicht als Globalisierungsfolgen erkannt werden, kommt es dennoch laufend zu Fehlentscheiden.
 
Der sympathische und glaubwürdige Schweizer Preisüberwacher Rudolf Strahm strampelt verzweifelt, versucht zu retten, was noch zu retten ist. Und das ist nicht eben viel. „Cablecom hat nun das Monopol nicht nur beim Kabelnetz, sondern auch bei den Boxen“, sagte er. Mit Boxen sind die Set-Top-Boxen gemeint, die Umwandlungsgeräte für die neue, digitale TV-Technologie also. Unter dem Druck Strahms musste die Cablecom deren komplett überrissene Preise von 495 CHF auf 150 CHF senken (in der EU kosten sie bloss 50 bis 80 Euro). Aber Cablecom verschlüsselt ihr Digitalangebot proprietär (eigentümerbezogen), damit nur ihre eigenen Geräte zum Einsatz kommen können (andere Netzbetreiber lassen ihren Kunden freie Wahl).
 
Die Globalisierung wird uns so lange freudige Überraschungen bescheren, bis wir endlich aus dem Tiefschlaf aufwachen und uns dagegen wehren – und weit darüber hinaus. Was gelaufen ist, ist gelaufen. Lasst alle Wecker auf grösster Lautstärke rasseln!
 
Literatur zum Thema
Hess, Walter: „Kontrapunkte zur Einheitswelt. Wie man sich vor der Globalisierung retten kann“ (ISBN 3-9523015-0-7), Verlag Textatelier.com 2005.
 
Hinweis auf ein weiteres Blog zur Cablecom
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