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BLOG vom 21.11.2006


Stille und laute Gäste im Altersheim-Café Limmat, Zürich
Autorin: Rita Lorenzetti, Zürich
 
Eigentlich wollte ich in diesem Blog von Menschen erzählen, die mir im Café Limmat in Zürich 5 begegnet sind. Nach einem Versuch habe ich das wieder verworfen. Es ging da um einen Mann und eine Frau, die ihre Mutter und Schwiegermutter (so vermute ich) im Altersheim besuchten. Sie führten sie im Rollstuhl ins Café, kontrollierten ihr Äusseres, fragten nach, wann und ob ein Coiffeur-Besuch vorgesehen sei. Die Frau zupfte noch ein paar Haare von der Schulter der alten Mutter, nachdem sie in deren Haare gegriffen und sich überzeugt hatte, dass ein Haarschnitt zwingend sei.
 
Ich wartete auf Frauen, die ich hier treffen wollte, und mein Sitzplatz befand sich diesen Menschen unmittelbar gegenüber. So wurde ich ins Geschehen einbezogen. Ich wunderte mich, wie alle so genannte Zuwendung nur den Äusserlichkeiten galt. Keine Herzlichkeit, keine Nachrichten von draussen, kein Humor, keine Geschichte, kein Familienklatsch. Wie kalt! Da kann ich die Südländer verstehen, die uns Schweizern den Familiensinn oft absprechen.
 
Und die alte Mutter gab wie ein Schulkind Antwort auf die oben erwähnten Fragen. Sie hörte also gut, trug ein Hörgerät. Auf sie kann die Kommunikationsschwäche nicht abgebucht werden.
 
Wie traurig, wenn eine Mutter nicht auch im Herzen besucht wird.
 
Die alte Frau war trotzdem heiter und aufmerksam anwesend. Ich vermute, dass sie auf eine kleine Überraschung wartete, die aber nicht eintraf. Gleichwohl ging von ihr ein Friede aus. Ihr Gesicht leuchtete. Mir fielen auch die schönen Linien in ihrer Stirne auf.
 
Das zu beschreiben, habe ich vorhin versucht. Der Entwurf hat mir aber nicht gefallen. Meine Töchter hätten dazu sicher gesagt, er sei oberlehrerhaft. Also habe ich nochmals begonnen und das Thema anders aufgerollt. Ohne Schlussfolgerung.
 
Aber etwas möchte ich doch noch anfügen: Als die Frauen, mit denen ich mich verabredet hatte, hier ankamen, entwickelte sich das Gegenteil der stummen Kommunikation. Jetzt waren vier ehemalige Mitschülerinnen aus verschiedenen Ausbildungsstufen nach Jahren wieder einmal beisammen und hatten viel zu erzählen. Unsere Lebensgeschichten erwiesen sich als unerschöpflich. Gut vorzustellen, dass jemand, der uns zuhörte, denken konnte: Reichlich Stoff für ein Blog im Textatelier.com.
 
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