Textatelier
BLOG vom: 24.12.2006

Weihnachtsbotschaft: Vatikanstrafe nach schwerem Leiden

Autor: Walter Hess, Biberstein CH
 
Im Moment wird gerade wieder viel von Nächstenliebe gesungen und gepredigt. Allerdings gilt diese Liebe nur Menschen, die sich dem Willen der katholischen Kirche unbedingt unterwerfen. Sie gilt beispielsweise nicht dem 60-jährigen Piergiorgio Welby, der seit Jahren an Muskeldystrophie im Bett lag, sich nicht mehr bewegen konnte, auf den Tod wartete und darum bettelte, die künstliche Ernährung und Beatmung abzustellen. Ein einfühlsamer Arzt, der Anästhesist Mario Riccio aus Cremona, der Mitleid verspürte, tat dies und muss nun mit einer Strafverfolgung rechnen. Doch das Beenden des Leidens gefiel auch dem Vatikan nicht, dem obersten Sittenwächter, der den armen Mann weiter leiden sehen wollte und ihn mit einer Höllenstrafe versah: Der Vatikan verweigerte ihm die letzte Ehre, lehnte ein kirchliches Begräbnis ab.
 
Hunderte von Menschen haben am Tage des Heiligen Abends in Rom an der Trauerfeier teilgenommen, die vor (und nicht etwa in) der Kirche stattfinden musste. Meines Erachtens verlieren unter solchen Umständen die katholischen Versöhnungssprüche ihren Wert total. Viele Menschen in Rom sahen im kirchlichen Verhalten eine „Schande“, und die Witwe des Menschen, der endlich von seinem unerträglichen Leiden erlöst wurde, fühlte sich nach alledem, was sie während Jahren schon ertragen musste, „verletzt“ – das waren sanfte Worte gegenüber einer kirchlichen Institution, der Starrköpfigkeit vor Menschlichkeit geht. Selbst an Weihnachten.
 
Papst Benedikt XVI. betonte am 24.12.2006, dem Tag der ausserkirchlichen Beerdigung, erneut die Bedeutung des menschlichen Lebens von der Geburt bis zu seinem natürlichen Ende. Weihnachten zeige, wie wertvoll das Leben eines jeden Menschen sei, sagte er salbungsvoll. In seine Überlegungen hat der brutale Oberhirte aber leider nicht einbezogen, dass das „natürliche Ende“ für den todkranken Mann längst da gewesen wäre, hätte man ihn nicht mit der Apparatemedizin künstlich am Leben erhalten. Das Unternehmen Vatikan hat sich in den letzten Jahren nicht für eine Beendigung des künstlich verlängerten Leidens eingesetzt und den im Stiche gelassenen notleidenden Todkranken Piergiorgio Welby noch die letzte Strafe verpasst. Unmittelbar vor Weihnachten.
 
Gleichzeitig wurde gerade von allen Kanzeln herab die grosse Freude verkündet. Ein Wohlgefallen mochte sich bei mir darob nicht so richtig einzustellen. Im Gegenteil. Die Herrlichkeit des katholischen Himmelreichs scheint mir schon etwas eng begrenzt zu sein.
 
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