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BLOG vom 02.01.2007


Reaktionen auf Blogs (50): Die Jugend und die Moraljustiz
Präsentation der Leserpost: Walter Hess, Biberstein CH
 
Die elektronischen und gedruckten Medien konnten sich nicht mehr erholen, übergaben sich förmlich vor lauter Betroffenheitsheuchelei, lange bevor einigermassen Klarheit über die tatsächlichen Vorgänge im so genannten „Vergewaltigungsfall“ von Zürich-Seebach (rund ums Schulhaus Buhnrain) bestand. Bis heute konnte das als Opfer bezeichnete 13-jährige Mädchen nicht vernommen werden, ob wegen der Übergriffe oder des nachfolgenden Moralhüter-Rummels bleibe dahingestellt. Die Diskussionen reissen nicht ab und werden mit dem am 18. Januar 2007 in den Kinos anlaufenden Schweizer Film „Breakout“ mit Melanie Winiger neue Nahrung erhalten – ein gefundenes Fressen für alle. Inhaltsangabe laut „Blick“ vom 14. Dezember 2006 (Titel: „,Breakout’ zum Reinziehen“): „Als Pulpo eine ,schnelle Nummer’ mit der Freundin eines Bandenführers schiebt, sieht es für die Boys plötzlich noch viel düsterer aus. Denn Pulpo landet nach einer Schlägerei mit der Gang im Rollstuhl, Nia in der Arbeitserziehungsanstalt.“ Eine Vergewaltigungszene auf einem Tisch wurde auch Online von „Blick“ geboten. Die Foto-Legende dazu: „Gewalt, Drogen, Sex: Wegen solcher Szenen wird ‚Breakout’ erst ab 16 Jahren freigegeben.“ Man beachte das „erst“. Man müsste wohl schon Zehnjährige lehren können, was eine richtige Vergewaltigung ist. Und eine gedoubelte Oben-ohne-Szene dürfte man doch auch Minderjährigen nicht vorenthalten ... (Titel in „20 Minuten“: „Wirbel um Winigers Brüste nimmt absurde Formen an.“ Wenigstens an solchen Medienwirbeln dürfen Minderjährige teilhaben.
 
Dr. Konrad Ewald , CH-4410 Liestal, kommentierte in einem Brief ans Blogatelier zum Seebach-Fall und zum Blog „US-Schatten: Verpönte und kriminalisierte Kinderliebe“ von Emil Baschnonga (23. Dezember 2006): „Man wurde nicht müde, Tag für Tag von der ‚Sex-Bande’ zu schwätzen. Die eigentliche Sex-Bande, sozusagen die Schreibtisch-Sex-Täter-Bande, ist doch der Redaktionsstab der Zeitungen (nicht nur von ,Blick’ und ,20 Minuten’). Und nicht nur Zürich – auch Basel hat etwas zu bieten: ,An Basler Schule sexuell belästigt. Auf dem Schulausflug attackiert. Opfer 14, die Täter 12 und 13’ (so die Basellandschaftliche Zeitung, 9. Dezember 2006). Die fürchterliche Tat war aber schon im September 2006 geschehen. Und jetzt muss Eymann ‚durchgreifen’“ (gemeint ist der Vorsteher des Erziehungsdepartements von Basel, Christoph Eymann).
 
Ewalds Kommentar zur Lage: „Eine Gesellschaft, die Bumsen und Knutschen auf Plakaten und in Filmen etc. und das beliebige Knutschen und Begrapschen in der Öffentlichkeit kommentarlos hinnimmt, entsetzt sich, wenn Halbwüchsige auch einmal zulangen wollen – und stempelt sie zu ‚Sextätern’. Man müsste all diese Schreiberlinge, Volksverhetzer und schizophrenen ‚Pressköter’ (Ausdruck von Karl Kraus, siehe unten) einen Monat lang einsperren und dazu verurteilen, das Buch ‚Sittlichkeit und Kriminalität’ von Karl Kraus zu studieren.
 
Ich zitiere aus dem dort abgedruckten Text ‚Die Kinderfreunde’:
 
,Die Wiener Moraljustiz arbeitet gründlicher als die Wiener Kehrichtwalze: sie verbreitet den Schmutz nicht bloss, sie vermehrt ihn ... Eine Bonne (Kindermädchen, Erzieherin) sagt aus, dass sie einen zweieinhalbjährigen Knaben, der nackt photographiert werden sollte, ins Atelier des Dr. Beer brachte. Der Ankläger fragt sie, warum sie nicht auf das Schamgefühl des Knaben, der seine Nacktheit einem Weibe zeigen musste, Rücksicht genommen habe. Um den Paroxysmus (so viel wie ein anfallartiges Auftreten einer Krankheitserscheinung) obrigkeitlicher Sittlichkeit, die einen Säugling unzüchtiger Berührung seiner Amme beschuldigen könnte, zu dämpfen, waren die Zeitungen so kulant, den Knaben um ein Jahr älter zu machen ... Ein Sittlichkeitsprozess ist die zielbewusste Entwicklung einer individuellen zur allgemeinen Unsittlichkeit, von deren düsterem Grunde sich die erwiesene Schuld des Angeklagten leuchtend abhebt ...'.
 
Soweit das Zitat und die Ewald-Zuschrift. Der österreichische Schriftsteller und Kulturkritiker Karl Kraus schrieb das Zitierte schon im Jahr 1905; er war ein scharfer Kritiker des stimmungsaufheizenden Journalismus. Er hätte heute wohl mehr als damals, vor 100 Jahren, zu tun. Es wäre ja auch einmal zu ergründen, was die masslos überzogenen Medienrummel und vorschnellen Kriminalisierungen bei Kindern bewirken, die ohnehin durch die Erwachsenen-Vorbilder irritiert und geschädigt sind. Auf jeden Fall können sich die Medien mit pseudo-expertokratischer Schützenhilfe der Psychiatrie, die oft selber mehr Schaden als Nutzen verursacht, ihre Kunden und Storys selber züchten. Und die Geschäfte laufen gut.
 
Wir kopieren natürlich auch diesbezüglich die US-Vorgaben, wie oben erwähnt: Kinder und Teenager werden in jenem verwirrten Land wegen sexueller Vergehen einer Behandlung unterzogen, die an Kubricks „Clockwork Orange“ erinnert. Der Staat will sie zu „guten“ Menschen machen, indem er ihnen den feien Willen nimmt und sie wie Schwerverbrecher behandelt, mit dramatischen Auswirkungen. Exzessive Pornoindustrie auf der einen und exzessive Prüderie auf der anderen Seite führen zu neuen Formen von Kindsmisshandlungen. Wir sind schon wieder gelehrige Schüler der auf Abwege geratenen USA.
 
Spindeldürre Model-Vorbilder
Ein Bestandteil des Sexkults sind auch die klapprigen, spindeldünnen Models, welche Modeschöpfer über die Laufstege laufen lassen und die Massstäbe setzen. Heinz Scholz hat sich in seinem Blog vom 1. Februar 2006 mit diesen Verirrungen unter dem Titel „Spindeldürre Models – schlechte Vorbilder für Jugendliche“ kritisch befasst. Daniela W. (E-Mail: DanyDW89@web.de) schrieb dazu:
 
„Ich kann dem Bericht über Magermodels nur zustimmen. Wie weit soll dieser ,Kult’ denn noch gehen? Irgendwann wird man mit 1, 70 m mit 30 kg noch übergewichtig sein ... Diese Frauen wissen doch gar nicht, was sie ihrem Körper, nur der Karriere wegen, antun!! Und Jugendliche in meinem Alter finden auch noch schön, was sie da sehen ... Für mich ist das nicht verständlich. Ich sehe auch nicht aus wie ein Stock auf Beinen und bin superglücklich mit mir und meinem Leben!“
 
Ergänzung zum Blog über Robert Quinche:
Zur leichteren Kost der angenehmeren Art gehören die Erinnerungen an den naturheikundigen Lebenskünstler Robert Quinche, die Heinz Scholz dem Naturheiler Bruno Vonarburg aus Teufen AR und Appenzell entlocken konnte. Scholz hatte am 28. November 2006 das Blog „Lebenskünstler Robert Quinche: ‚Stossen wir noch mal an!’“ publiziert.
 
Bruno Vonarburg kannte Robert (Röbi) Quinche, ein ausgesprochener Pflanzenfreund, persönlich, und die nachfolgenden Erlebnisse stammen also aus erster Hand.
 
Anlässlich eines Drogistenseminars mit 100 Teilnehmern in Einsiedeln wartete Bruno Vonarburg, wie vereinbart, auf dem Klosterplatz auf die Gäste. Er erinnert sich noch gut an dieses Ereignis. Er stand also auf dem grossen Platz und hatte folgendes Erlebnis:
 
„Plötzlich tönte es von der Ferne ,Holi-holi-holi-hhoo’, und ich wusste, dass dies Röbi, unser Papillon war, der mir aus der Menge der Leute zurief. Ich antwortete spontan: ,Holi-holi-holi-hhoo’. Dann rief Röbi mir aus weiter Ferne zu: ‚Ich habe Wunderbares gesehen’. ‚Was hast Du gesehen?’ fragte ich und war gespannt, was für eine seltene Pflanze er auf der Anreise entdeckt hatte. Röbi rief durch die Menge:
 
‚Wunderbares hab’ ich gesehen’, und alle Leute auf dem Einsiedler Pilgerplatz kehrten sich um und warteten gespannt auf die Antwort. Als er sich mir langsam näherte, fragte ich nochmals: ,Röbi, was hast Du gesehen?’ Dann rief dieser freudig aus: ‚Lieber Bruno, Wunder-Wunderbares – 1 Million Löwenzahnblüten.’ Nachdem er dies gesagt hatte, brach auf dem ganzen Platz ein grosses Gelächter aus.
 
Immer wieder hatte ich die Gelegenheit, mit Röbi Standorte zu besuchen, wo seltene Pflanzen zu bewundern waren, z. B. der Perückenstrauch (Färbersumach = Continus coggypgria) in Turtmann, die Adonisröschen in La Charrat, die Christrosen von San Salvatore im Tessin, die Hundszahnlilie von Stabio, die Wildtulpen von Törbel usw.“
 
Wenn die beiden nach einer Exkursion in ein Gasthaus einkehrten und mit Freude einen Fendant genossen, dann sagte Robert Quinche nach der Bestellung: „Weisst Du, lieber Bruno, lieber eine grosse Weinrechnung als eine grosse Arztrechnung.“
 
Nach der 2. Bestellung meinte er: „Diese Flasche nehmen wir auf die Krankenkasse.“ Es waren allerdings nur 1/3-Liter-Flaschen.
 
Auch hatten die beiden eine grosse Vorliebe für Pommes frites. Als Robert Quinche diese mit Salz bestreute, sagte er oft: ,Weisst Du, Sündigen, aber mit Freude.’
 
Solch schöne Momente durfte ich mit ihm immer wieder erleben’, so Bruno Vonarburg.“
 
Wanderungen im Blogatelier
„Hallo, Textatelier-Team! Es ist für mich immer wieder ein Hochgenuss in Eueren ,Geschichten' herumzuwandern. Macht nur ja weiter so.“
 
Dies schrieb uns Hansalfred Köhler, Rheinstrasse 10, D-56271 Mündersbach. Wir haben uns darüber gefreut.
 
Und von einem in Asien lebenden Schweizer, der ausgewandert und im Blogatelier herumgewandert ist, kam folgender Kommentar zum Blog „Warum wir Männer das WC niemals genau treffen können“ (23. Januar 2006):
 
„Eine Gewaltsleistung. Auf meinen Reisen habe ich diverse ,Comfort Rooms’ gesehen, die versucht haben, dieses Problem mit Hinweisen wie ‚Wenn der Druck nachlässt, bitte näher treten’ oder ‚Step closer, it’s shorter than you think!’ zu lösen. :-)
 
Damit hat es sich für heute. Wir freuen uns auf Ihre Kommentare und Ergänzungen auch im neuen Jahr 2007. Treten Sie näher und zögern Sie nicht, in die Tasten zu greifen! Auch Jahre sind manchmal kürzer als man denkt.
 
Hinweis auf die bisher erschienenen „Reaktionen auf Blogs
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