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BLOG vom 11.01.2007


„Glaubenssache“ nimmt die Glaubenslandschaft ins Visier
Autorin: Rita Lorenzetti, Zürich
 
„Wir glauben an Gott, an Allah, an Engel, Karl Marx oder an die Kraft der Gedanken. Wir beten zu Maria, meditieren vor Buddha oder legen Karten. Wir glauben. Aber immer weniger von uns glauben das Gleiche.“ Dies ist der Eingangstext im Internet zur Ausstellung „Glaubenssache“.
 
Die Ausstellungsmacher stellen auch andere Fragen. Nach der Gottesvorstellung, nach dem Gebet, nach der Teilnahme an Gottesdiensten, nach dem Einbezug der Religion in den Alltag usw. Und sie setzen voraus, dass es Gläubige und Ungläubige gibt. So waren denn auch Primo und ich aufgefordert, jene Tür zu wählen, der wir uns zugehörig fühlen. Ich wählte provokativ die Eingangstür für Ungläubige, Primo jene für die Gläubigen. Im Inneren angekommen, haben wir uns sofort wieder getroffen. Doch der Museumsangestellte, der uns die Eintrittskarten verkaufen musste, hatte schon registriert, woher wir kamen und uns je einen (vielleicht entsprechenden) Datenstick für das Glaubenspositions-Spiel übergeben. Ich dachte mir, dass ich möglicherweise als so genannt Ungläubige interessante Argumente für den Glauben bekäme. Das war falsch. Hier wird nicht missioniert. Hier wird die Glaubenslandschaft in der Schweiz dargestellt. Und mit unseren Antworten, die wir dem ausgehändigten Stick aufluden, kann später noch weitere Forschung betrieben werden.
 
Auf dem Rundgang erzählen 4 Männer und 5 Frauen von ihrem Gottesbild und Glauben. Sie gehören verschiedenen Religionen an. Auf mehrere Kabinen verteilt, sind ihre Aussagen ab Video abrufbar. Es kam mir vor, als sei ich bei ihnen zu Besuch gekommen. Die bequemen Hocker machten es möglich, sich so zu fühlen.
 
Im grossen Raum werden verschiedene Videos mit Ausschnitten aus Gottesdiensten der hier vertretenen Glaubensrichtungen gezeigt. Jeder Beitrag verlangt aber einen Platzwechsel. Die einzelnen Filme werden immer wieder an die gegenüberliegende Wand projiziert.
 
Ganz eindrücklich wirkte auf mich die Wand mit den 100 persönlichen Dingen aus der Glaubensbiografie verschiedenster Menschen. Devotionalien, also Andachtsgegenstände, zum Teil aus fernsten Ländern. Es sind Gegenstände mit emotionalem Wert, die den Besitzern in gewissen Situationen Halt geben oder eine Verbindung zu einem lieben Menschen herstellen können. Zu jedem ausgeliehenen Gegenstand kann die dazugehörige Erklärung gelesen werden. Es sind berührende Gedanken und Erfahrungen, die etwas sehr Intimes preisgeben.
 
Der Computer, der nach jeder Ausstellungsetappe etwas von uns wissen wollte, beschenkte uns am Schluss mit der Auswertung: Dem persönlichen Glaubensprofil gemäss unseren Antworten. Ganz interessant. Es war eine spielerische Erfassung. Dem Resultat konnte ich zustimmen. Ich vermute, dass die Eingangstür der Ungläubigen meine sonst ehrlichen Antworten nicht verfälschen konnte.
 
Solche Ausstellungen regen auch Tage danach noch zu interessanten Diskussionen an, und sie vermitteln Respekt.
 
Weitere Informationen im Internet: www.stapferhaus.ch/ausstellungen.html
Diese Ausstellung im Zeughaus-Areal in Lenzburg kann bis 29. April 2007 besucht werden.
 
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