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BLOG vom 26.01.2007


Lage der Nationen: Klimawandel in George W. Bushs Gehirn?
Autor: Walter Hess, Biberstein CH
 
In George W. Bushs Gehirn, falls es so etwas gibt, hat sich nach allen anders lautenden Gerüchten keinerlei Klimawandel ereignet. Dass das Klima (im meteorologischen Sinne) und der Schutz desselben auch von existenzieller Bedeutung sind, hätte ihm schon vor Jahren klar werden dürfen. Denn solch eine Erkenntnis war angesichts der offensichtlichen Erwärmungstendenzen jedem Kind klar, relativ günstige Voraussetzungen, dass sie selbst der trottelige Tschortsch Dablju Busch, wie ihn unsere elektronischen Medien nennen, hätte wahrnehmen müssen.
 
Das Klima im Gehirn Bushs und Dick Cheneys wird natürlich eher von den Wahlkampfspenden aus der Erdölindustrie bestimmt, die man genau genommen im Dossier „Korruption“ versorgen müsste. Doch Bush hat die erstmalige und markant zeitverzögerte Wahrnehmung der globalen Erwärmung als „ernsthafte Herausforderung“, von der er in seiner soeben bekannt gemachten Botschaft zur Lage an seine Untertanen sprach, nicht der dramatischen Eisschmelze in den Polarregionen, dem Auftauen des Permafrosts und den zunehmenden Unwetterkatastrophen wie in New Orleans usf. zu verdanken, sondern den Umständen, dass ihm kein Mensch mehr traut, vielleicht mit Ausnahme von Angela Merkel, und dass die Demokraten in den USA einiges Gewicht zugelegt haben, was der imperialistische und störrische US-Präsident halt doch ein bisschen berücksichtigen muss. Dazu dürften ihm wenigstens seine Berater geraten haben.
 
Bush ist eine tragische Figur, inzwischen ein „Präsidentchen“, wie die italienische Zeitung „La Repubblica“ treffend kommentierte: „Präsident Bush zuzuhören, wie er zu einer Nation spricht, die ihm nicht mehr zuhört, bedeutet (...) dem Drama eines geschlagenen Mannes beizuwohnen, der eine grosse Demokratie in seinen letzten Zügen mit sich reisst, die keinen glaubhaften Steuermann mehr hat. (...) Amerika kann sich nicht lange den Luxus eines inexistenten Präsidenten erlauben (...), ohne dass der gesamte Organismus darunter leidet. Die amerikanische Demokratie duldet keine Präsidentchen wie Bush einer zu werden droht.“
 
Die Bush-Jahre waren verlorene (und im weltpolitischen Bereich katastrophale) Jahre, auch für den Klimaschutz. Das unbedarfte Präsidentchen nahm es sogar hin, dass die amerikanische Autoindustrie, die sich fast ausschliesslich auf Benzinfresser-Modelle im Interesse der Erdölindustrie kaprizierte, zugrunde ging: Detroit zum Beispiel verslumt gerade.
 
Selbstverständlich durften die Bush-Getreuen in aller Welt keine klimawirksamen Massnahmen vorschlagen, weil das nicht im Sinn und Geiste Bushs gewesen wäre. Also gab es bisher keinen Klimaschutz, der seinen Namen verdient hätte, sondern bestenfalls leeres Gerede. Aber in Zukunft dürften gewisse Schutzmassnahmen in der nach neokonservativem Muster globalisierten Welt erlaubt sein, falls dabei nicht übertrieben wird. Selbst in der amerika-hörigen Schweiz gibt es jetzt Bestrebungen, Benzinvernichter-Autos steuerlich zu belasten (um etwa 3000 CHF pro Stück) und vernünftige Autos wie meinen Toyota Prius (aus Japan), den ich mir etwas kosten liess und den ich nach all meinen bisherigen Erfahrungen in jeder Beziehung nur loben kann, entsprechend steuerlich zu entlasten.
 
Bush hat aus seinem Oval Office heraus nicht gegen den Klimawandel gekämpft, eine unverzeihliche Unterlassungssünde, aber umso stärker für mehr Einfluss im Erdölland Irak – es ging und geht ihm um Rohstoff-Sicherungen im weitesten Sinne. Doch ausser einem blutigen Chaos mit Hunderttausenden von Toten, dem Bürgerkrieg, zerstörten Kulturerrungenschaften und einem enormen Elend kam da nichts heraus.
 
Amerika kämpft eben mit Gewalt statt mit Gehirn, und die daraus erwachsende Serie von unbeschreiblichen Dummheiten verschlechtert nicht allein die Lage der (US-)Nation, sondern ebenso sehr jene der Mitläufernationen, der so genannten „Wertegemeinschaft“. Sie ist Bush jun. in ewiger treuer, hirnloser Ergebenheit in die politische Todeszone gefolgt und muss nun in ihrer Agonie zusehen, dass die eigenen Völker, die noch die letzten demokratischen Rechte auszuspielen versuchen, gegen sie, die verirrten Regierungen, opponieren. Unter solchen Umständen kann selbstredend die Demokratie im Rahmen der US-geleiteten Globalisierung nicht mehr geduldet werden (siehe Palästina). Denn Demokratie bedeutet das Hochhalten westlicher Werte – und sonst gar nichts. Wer das nicht lernt, wie etwa der längst totgesagte Fidel Castro, der US-Feind Hugo Chávez in Venezuela und Evo Morales (www.evomorales.net) in Bolivien, der den Armen zu ihrem Recht verhelfen möchte, bekommen das schon (noch) zu spüren.
 
Und wenn sich aus dem Kampf gegen die berechtigten Ansprüche der verarmenden, ausgebeuteten und unterdrückten Völker der Terrorismus bildet, wird Krieg gegen den Terrorismus beziehungsweise die Verzweiflungstäter (und nicht etwa gegen die Ursachen des Terrorismus) geführt. Kein Mensch kommt als Terrorist auf die Welt.
 
Bush fühlt sich nach wie vor im Krieg gegen den Terrorismus. Diese Beurteilung dürfte zutreffen. Bush zur Lage der Nation am 24. Januar 2007 und zu seiner Terrorismus-Strategie: „Sechs Jahre nach dem Überfall auf unser Land kann ich Ihnen nicht berichten, dass die Gefahren vorbei sind. Sie bleiben bestehen, deshalb setzt die Politik dieser Regierung nach wie vor auf den Gebrauch jedes legitimen und nötigen Instrumentes der Aufklärung, der Diplomatie, der Rechtsschutzorgane und der Kriegshandlungen, um ihre Pflicht zu erfüllen, diese Feinde zu entlarven und das US-amerikanische Volk zu schützen.“
 
Ich habe das am Fernsehen gehört und mich bei dieser Gelegenheit daran erinnert, dass nördlich von den USA Kanada in vergleichbarer Grösse liegt und mich dies gefragt: Wieso eigentlich muss denn Kanada nicht die meisten Staatsmittel für den Kampf gegen den Terrorismus aufwenden?
 
1987 bin ich mit meiner Frau und meinen 2 Töchtern, aus den USA-Bundesstaaten New Hampshire, Vermont und Maine kommend, nach Kanada gefahren. Uns fiel die ganz andere Mentalität, das teilnehmende Interesse für die ausländischen Besucher und andere, höher entwickelte Kulturen schon am Zoll auf. Das war eine vollkommen neue Welt. Wir wurden plötzlich nicht mehr übers Ohr gehauen (wie mit dem Mietauto bereits bei unserer Ankunft in Boston) und genossen ein Land, dessen Bewohner einen hohen Bildungsstand hatten (und haben), das auch Fremden Vertrauen entgegenbringt und nicht in jedem Menschen einen Guantánamo-Kandidaten vermutet.
 
Seither weiss ich, was für politische Klimaschädigungen durch die ewigen Kämpfer gegen den Terrorismus im südlichen Nachbarland von Kanada herbeigeführt worden sind. Statt in Bomber und Bomben mit abgereichertem Uran sollten sie vielmehr in die Bildung investieren ...
 
... sobald nach der Ära Tschortsch die Voraussetzungen dazu vielleicht und hoffentlich geschaffen sein werden.
 
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