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BLOG vom 24.05.2007


Unkontrollierte Immigration mit Folgen: Von Indianern lernen
Autor: Walter Hess, Biberstein CH
 
„Tag und Nacht können nicht beieinander verweilen.
Der Rote Mann ist immer vor dem herannahenden Weissen Mann geflohen,
 wie die schwankenden Nebel auf der Bergseite
 vor der aufstrahlenden Morgensonne fliehen.“
(Aus der unverbürgten Urfassung der Rede des 1866 verstorbenen Häuptlings der Suquamish- und Duwamish-Indianer Seattle von 1854.)
*
Das Thema Immigration (Einwanderung) ist ein ernstes. Denn wegen der durch die USA ständig angezettelten Kriege und Aufwiegelungen zu blutigen Auseinandersetzungen breitet sich weltweit ein unfassbares Elend aus, das wachsende Flüchtlingsströme nährt. Und die Lust an kriegerischen Auseinandersetzungen scheint noch nicht gestillt zu sein: Die US-Marine hat soeben vor der Küste des Iran ihr bisher grösstes Manöver seit Beginn des Irak-Kriegs im Jahr 2003 eingeleitet. 9 Kriegsschiffe, darunter 2 Flugzeugträger, durchfuhren mit einer Besatzung von insgesamt 17 000 Mann die internationalen Gewässer der Strasse von Hormuz; anschliessend wurde das säbelrasslerische Imponiergehabe mit militärischen Übungen fortgesetzt. Das Kriegsmonster USA bleibt seinem Stil treu. Erwin Chargaff (1950): „Amerikaner behalten bis ins hohe Alter die Mentalität von Zwölfjährigen, die sie, frühreif, wie sie sind, schon mit 8 erworben haben."
 
Zur Vergrösserung des Elends von vielen Menschen trägt neben den ständigen Kriegen auch die neoliberale Globalisierung bei, mit der die USA ihre Vormachtstellung und ihren Reichtum ohne Rücksicht auf menschliche Schicksale (bei Verzicht auf eine soziale Abfederung) und globale Naturzerstörungen ausbauen wollen.
 
Ein in Asien lebender Auslandschweizer, ein Mensch mit Immigrationserfahrung also, hat mir heute telefonisch eine Art Aphorismus durchgegeben. Dieser bezieht sich auf besagtes Land, das sich gegenüber den von ihm ausgelösten Flüchtlingsströmen ausserordentlich ablehnend verhält und gegen das ausgehungerte Nachbarland Mexiko sogar eine Mauer baut.
 
Der Sinnspruch lautet ungefähr so: Die Indianer in Nordamerika haben am eigenen Leib erlebt, wohin es führt, wenn man sich gegen Einwanderer allzu tolerant verhält.
 
Es gibt viele indianische Weisheiten, von denen wir nur lernen können. Und es scheint, dass man auch von den Folgen ihrer allzu grossen Toleranz lernen sollte. Die indianische Hochkultur ist in Nordamerika aufgerieben worden und kann uns kaum noch mit weiterführenden Erkenntnissen und Gedanken im Hinblick auf ein ethischeres Verhalten befruchten. Die Amerikaner selber würden diese am dringendsten benötigen. Nochmals Erwin Chargaff: „Zusammen mit der Ausrottung der Urbevölkerung durch Flinte, Bibel, Schnaps und Blattern sind die unmenschlichen Sklaventransporte und die Fortdauer der Sklaverei ein blutiger Schandfleck der amerikanischen Geschichte" (1994).
Im soeben erschienenen Buch über die aktuellen gefährlichen US-Idiotien („Der Angriff auf die Vernunft", original: „The Assault on Reason") schreibt Al Gore, eine Gefahr drohe den USA nicht von aussen, sondern von innen. Und zwar von eigennützigen Plutokraten, von selbstgerechten Theokraten, von strategischen Panikmachern, von einem korrupten System, vom Zusammenbruch der Kommunikation, von Gleichgültigkeit, Ignoranz, Ungebildetheit, Angst und den Medien als Handlangern dieser Show. „Etwas ist entsetzlich schief gelaufen." So weit Al Gore. Meines Erachtens läuft es immer schiefer; je mehr sich die Amerikaner mit ihren Dummheiten blamieren, umso mehr flüchten sie nach wie vor in neue; das Wort Vernunft (reason) scheint ihnen abhanden gekommen zu sein.
 
Zum Lernen sind sie unfähig; aber die übrige Welt könnte es tun und etwas differenziert zu denken und zu handeln beginnen. So sollte man die Lehre aus den indianischen Immigrationserfahrungen natürlich nicht auf Menschen anwenden, die in eine unverschuldete Notlage geraten sind, weil sie in einem durch US- oder Israel-Bomben niedergemähten, zerfetzten Land überlebten. Wenn Leute, die unverschuldet in eine existenzielle Notlage kamen, in friedlicher Absicht fliehen und sich am neuen Ort anpassen, ist Unterstützung zwingend. Aber wenn Eroberungs- und Plünderungsabsichten dahinter stehen, müsste man das Schicksal der von den US-Immigranten ausgerotteten Indianer im Wilden Westen bedenken.
 
Die Schweizerische Volkspartei hat das getan: Die SVP will nicht, „dass Schweizerinnen und Schweizer Fremde werden im eigenen Land“. In einem am 21. Mai 2007 veröffentlichten Positionspapier fordert sie ein verschärftes Einbürgerungsregime, bis hin zur zwingenden Ausbürgerung bei schwerer Delinquenz. Genau so hätten Amerikas Ureinwohner mit den rücksichtslosen Neuankömmlingen umgehen müssen. Sie waren zu friedfertig.
 
Seit 1991 haben sich die jährlichen Einbürgerungen in der Schweiz laut SVP auf fast 50 000 verachtfacht. Innert 15 Jahren haben 405 000 Ausländer den Schweizerpass erhalten, zunehmend solche aus dem Balkan und der Türkei. Dieser „Masseneinbürgerung“ und „Entschweizerung“ müsse der Riegel geschoben werden, hielt die SVP fest, die in diesem Wahljahr 2007 wieder einmal ihre Position markierte.
 
Wenige Tage vorher hatte das Bundesamt für Migration (BFM) die Rückkehrhilfe für Personen aus EU-Staaten wegen der massiven Zunahme von Asylgesuchen von Roma aus Rumänien gestrichen. Hintergrund der Zunahme ist offenbar die Rückkehrhilfe, die die Schweiz ausbezahlt. Gemäss einer Weisung aus dem Jahr 2006 haben Rückkehrer einen Betrag von normalerweise 500 – und bis zu 700 Franken – erhalten. Und so schauten denn viele Asyltouristen schnell in der Schweiz vorbei, um diesen Betrag einzukassieren. Tourismusfördernd soll auch das unter rumänischen Roma zirkulierende Gerücht gewirkt haben, Asylbewerber erhielten in der Schweiz ein Haus geschenkt. Davon weiss hier niemand etwas.
 
Die Sinti und Roma hatten während des 2. Kriegs ein schweres Los; viele von ihnen erlitten in Ghettos, Arbeits- und Konzentrationslagern der Nationalsozialisten den Tod, und dieses Schicksal, das sie mit den Juden teilten, haben die Überlebenden nie wirksam auszuschlachten verstanden. Vielleicht sind sie im Gegensatz zu den Juden zu wenig gut organisiert, und vielleicht entspricht das ihrer doch eher zurückgezogenen Art. Und nun scheinen sie von Illusionen und Hoffnungen, an etwas Geld zu kommen, zu leben. Sie tun mir Leid.
 
Traurige Schicksale wird es geben, so lange der Bombenterror militärisch mit allen Vernichtungswaffen ausgerüstete Mächte, die auf Krieg und Zerstörung statt politische Vernunftlösungen und Gerechtigkeit setzen, ihre Verbrechen auf der Basis von Lügen und Verdrehungen fortsetzen können. Genau hier müsste das Flüchtlingsproblem ursächlich gelöst werden. Aber die desinformierte Weltöffentlichkeit schaut zu, nach wie vor. Sie macht sich dadurch zusammen mit den rein kommerziell orientierten Medien mitschuldig und lässt die Sonne untergehen – ohne Aussicht auf einen besseren Morgen.
 
Hinweis auf ein weiteres Blog zu den Indianern in den USA
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