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BLOG vom 26.05.2007


Sammelklagen: US-Geier fallen über Hedge-Fonds-Aas her
Autor: Walter Hess, Biberstein CH
 
Hedge Fonds sind Anlagevehikel zur wunderbaren und unbegrenzten Geldvermehrung, vor allem in den USA und Grossbritannien; seit etwa 1995 gibt es auch solche nach schweizerischem Recht. Als auf den Sparbüchlein die Zinserträge praktisch abgeschafft wurden, mussten andere Anlageformen her.
 
Hedge Fonds können investieren wie sie wollen. Sie lassen sich kaum in die Karten schauen. Wenns nur aufwärts geht. Sie können alles, dürfen alles, gleichen Schiffen voller Dynamit, die vielleicht ordnungsgemäss entladen werden können und vielleicht unverhofft in die Luft fliegen. Sie ankern an Börsenplätzen, Terminmärkten, bei Rohstoffmärkten, arbeiten mit den Hebelwirkungen (Leverage), investieren also mehr als sie besitzen. Sie tätigen Leerverkäufe und wenden Strategien an, die sich die Ineffizienzen der Märkte (Arbitrage) zunutze machen, ohne sich manchmal gross um das Hedging (= Risikoabsicherung) zu kümmern. Und manchmal wachsen sie ins Unermessliche. Als der LTCM-Hedge-Fund gegen Ende des 20. Jahrhunderts aufflog, ist beinahe das ganze internationale Finanzsystem ins Wanken geraten; Grossbanken wendeten die Katastrophe ab. Dieser Long-Term Capital Management war 1994 von John Meriwether (früherer Vize und Leiter des Rentenhandels bei Salomon Brothers) gegründet worden. Unter den Direktoren waren Myron Scholes und Robert C. Merton, denen 1997 der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften verliehen wurde. Das mag schon deshalb einleuchten, weil dieser Preis von Alfred Nobel sehr viel mit Erträgen aus dem Dynamit zu tun hat.
 
Die Hedge Fonds können auch Baissephasen gewinnbringend überwinden, wie das selbstredend auch jeder gewöhnliche Kleinanleger tun kann. Wenn die Aktienpreise tauchen, kann er günstig einkaufen. Aber natürlich kann man solche Bewegungen noch viel differenzierter und vielfältiger ausnutzen. Denn im Prinzip spielt es keine Rolle, ob sich die Märkte aufwärts oder abwärts bewegen – wenn sie sich nur bewegen. Und wie immer im Leben: Keine Situation ist schlecht, man muss sich nur richtig verhalten, das Beste daraus machen.
 
Solch ein Hedge Fonds war der Ende 2005 zusammengebrochene „Wood River Capital“, dessen Firmensitz in den Wäldern der Rocky Mountains war. Die dort verborgenen Räuber lockten gutgläubige Investoren mit einer jährlichen Performance bis zu 32 % an. Doch vor allem war dies eine Geldsammelstelle nach typisch amerikanischem Raffgiermuster. Investoren, die ihr Geld abziehen wollten, kamen vor verschlossene Türen und Kassen und benachrichtigten in ihrer Verzweiflung die US-Wertpapieraufsicht Securities an Exchange Commission SEC; doch auch diese konnte die angeblich verschwundenen 275 Millionen USD nicht wieder auftreiben.
 
Zudem ist bekannt, dass die SEC-Registrierung Betrugsfälle nach wie vor ermöglicht (Quelle: Andreas Henry, „Wirtschaftswoche“, New York, 1.12.2005). Die Branche ist kaum kontrolliert und damit eine typische Erscheinung im Rahmen der neoliberalen Globalisierung nach US-Muster: Geschäft über alles und um jeden Preis.
 
Zu den Hedge Fonds gehört auch das lukrative Geschäft mit dem Einklagen, mit den beliebten Sammelklagen, die gerade bei abgestürzten Hedge Fonds ein tolles Tummelfeld finden, wiederum nach US-Muster. Und so sieht sich denn laut „Wall Street Journal Europe“ die Schweizer Grossbank UBS mit einer entsprechenden Klage in den USA konfrontiert: Investoren werfen der UBS vor, sich durch Ausnutzen von Insiderwissen im Zusammenhang mit dem zusammengebrochenen Hedge-Fonds Wood River um mehr als 100 Millionen USD bereichert zu haben. Die auf den Rechtsweg eingeschwenkten Investoren, die mehr als 79 Millionen Dollar in Wood River gesteckt hatten, haben ihre Klage bei einem Gericht im Bundesstaat New York eingereicht und fordern 200 Millionen Dollar Entschädigung. Schliesslich muss die Sache doch zum Rentieren gebracht werden.
 
Im Detail werfen diese Kläger der UBS als Hauptbrokerin des Fonds dem Bericht zufolge vor, geliehene Aktien in den grössten Einzelposten des Fonds, der Endwave Corp, verkauft zu haben und damit Gewinne eingestrichen zu haben. Die UBS habe dasselbe auch für einige ihrer anderen Klienten erledigt. Die UBS will sich mit allen Mitteln gegen diese Vorwürfe wehren, und ich kann mit dem besten Willen nicht beurteilen, was von den wirklichen Tatbeständen zu halten ist. Doch hat die Schweiz so viele Erfahrungen mit erpresserischen amerikanisch-jüdischen Sammelklagen, dass ihr solche Vorgänge zuerst einmal als suspekt erscheinen.
 
Die UBS sitzt in diesem Zusammenhang nicht allein auf der Anklagebank. Auch der Gründer John Whittier des Waldfluss-Fonds wurde auf Schadenersatz wegen Betrugs in Höhe von 88 Millionen USD verklagt.
 
So wird im Hedge-Fonds-Bereich also jede Chance ergriffen, den Gewinn zu retten und zu mehren. Solche Fonds florieren weiter. Dabei verwendet der Manager, der CTA (Commodity Trading Advisor), oft auch Computerprogramme, welche die Sache wesentlich steuern; man nennt solche Managementtechniken „systematisch“. Und nicht weniger systematisch beteiligen sich Advokaten und Gerichte am Spiel ums grosse und anstrengungslos zu verdienende Geld. Sie gehören zu den Ausnahmen: zu den sicheren Gewinnern.
 
Im Übrigen ist es wie am Big Wood River mitten in den USA: Die vorgezeichnete Richtung führt dort bachab.
 
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