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BLOG vom 10.07.2007


Schlechtes Wetter, Misslaune, Live Earth und eine Rose
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Worüber soll ich heute schreiben? Das ist eine gute Frage, zumal ich ein leeres Blatt auf dem Bildschirm vor mir habe. Auf der anderen Strassenseite wird eben wieder kreischend geschmirgelt. Noch immer ist das Haus gegenüber nicht fertig erstellt. Seit 3 Jahren wird viel gelärmt. So darf ich ruhig auch etwas poltern. Die polnischen Bauarbeiter nehmen es immer gemütlicher, passen sich ans Gastland an. Auch sind ihre Tarife inzwischen den englischen angeglichen.
 
Die Antwort auf meine eingangs gestellte Frage ist: Es hat zu viel Unangenehmes, worüber sich schreiben liesse. Ich beschränke dieses Blog auf einige Aktualitäten, die gegenwärtig in England vorherrschen, verbunden mit einem globalen Zwischenabstecher ins „Live Earth“. Wie es kommt, dass ich meinen Vorsatz nur teilweise verwirklichte, darüber gibt der letzte Abschnitt Auskunft.
 
Die schlimmsten Regenfälle seit Noahs Zeiten haben Nordengland heimgesucht
Tagelang konnten die Strassen nur noch mit dem Schlauchboot befahren werden. Die Leute haben ihren vom Wasser beschädigten Hausrat in die Vorgärten getragen. Ihre Häuser sind unbewohnbar. Die Betroffenen leben entweder bei Verwandten oder im Wohnwagen. Manche sind noch immer in für Obdachlose bereit gestellte Unterkünfte einquartiert. Die Versicherungen tun sich schwer und haben noch nichts an die Versicherten ausbezahlt. Viele der Opfer haben keine Versicherung, ausser der Versicherung von Prime Minister Gordon Brown, dass sie unterstützt werden ... Der bisher dafür bereit gestellte Betrag ist lächerlich klein.
 
Die Landwirte haben nichts zu ernten und kriegen für ihren Verdienstausfall keine Entschädigung. Die Kartoffelpreise steigen wie die Flut selbst. Das Nationalgericht „fish and chips“ wird sich entsprechend verteuern, ebenfalls die „potato crisps“. Es ist anzunehmen, dass die Hersteller aus den Folgen der Flut zusätzliche Gewinne schöpfen werden.
 
Yorkshire in Nordengland wurde am schlimmsten betroffen – besonders Hull und Umgebung. Das dortige Flachland ist besonders flutgefährdet. Viele Häuser wurden in diesem Flachland gebaut. Die sich in Wohngebieten ausbreitende Zementdecke erschwert den Wasserabfluss. Die Flüsse können solche Wassermengen nicht schlucken. Mit Sandsäcken lässt sich wenig gegen die Riesenflut ausrichten. Andere Schutzmassnahmen fehlen grösstenteils. 5 Millionen Leute in England und Wales sind nach wie vor dem Flutrisiko ausgesetzt.
 
Das „Live Earth“-Spektakel
Diese Massenkonzerte hat der ehemalige amerikanische Vize-Präsident Al Gore ausgelöst, kaum war die Dreckbad-Veranstaltung in Glastonbury vorbei. Es ist feststellbar, dass die Masse allmählich die Nase voll von solchen Massenveranstaltungen hat, die nur dem Persönlichkeitskult zukommen. Der Rest ist leeres Geschwätz von Dummköpfen und Wichtigtuern. „Life Earth“ überflutete (also nochmals eine Flutkatastrophe!) gleichzeitig 7 Kontinente, von 150 „Musik-Künstlern“ auf dem höchsten Phon-Niveau in die Ohren gepumpt. . Die davon betroffenen Städte waren London, New York, Rio de Janeiro, Tokio, Shanghai, Johannesburg und Hamburg. Solch ein Ohrenschmaus!
 
Dieses Spektakel soll den Umweltschutz „galvanisieren“, las ich irgendwo. Das habe ich mir gemerkt und den Fernseher ausgeschaltet. Damit habe ich meinen Betrag zum Wohl der Welt und meiner Ohren geleistet.
 
Bei schlechter Laune …
Liegt es am Wetter, dass ich heute schlecht gelaunt und kratzbürstig mein Missbehagen entäussere? Meine Laune pflegt sich oft zu verbessern, wenn ich schlecht gelaunten Leuten begegne, ich weiss nicht warum. Ich hoffe, mein Blog übt die gleiche Wirkung auf Sie aus, werter Leser, werte Leserin.
 
Heute war erst noch mein Coiffeur-Besuch überfällig, was meine Laune keineswegs verbesserte. Nach der Schur klopfte ich einige „Charity Shops“ am Wimbledon Broadway ab und erwartete nichts von dieser „Exkursion“.
 
Barbiers Weihnachtsrose
Da hatte ich falsch getippt. In dem „Hospice-Laden“ entdeckte ich einen Original-Druck vom bekannten französischen Art-Deco-Künstler George Barbier, erst noch gut eingerahmt. Der reinste Zufall. Das aus dem Jahr 1915 datierte Bild zeigt die entblösste „La Rose de Noël“ (Weihnachtsrose) – und das mitten im regennassen Sommer. Ein dürftig bekleidetes „Schneewittchen“ tanzt unter schneebelasteten Ästen, umringt von Putti. Einfach keck und frech ins Bild gestellt.
 
Wie ich meine Beute heimtrug, verbesserte sich meine Laune Schritt um Schritt, so sehr, dass ich in diesem Blog nicht mehr weiter poltern will und es folglich beschliesse.
 
Hinweise auf weitere Blogs zum Leben in England
21.04.2005: Monster und Lichtblicke: Was alles in der Zeitung stand
19.03.2005: Den Parksündern in London platzt der Kragen
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