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BLOG vom 31.07.2007


Reaktionen auf Blogs (60): Von Rauch und von Wandelbarkeit
Präsentation der Leserzuschriften: Walter Hess, Biberstein CH (Textatelier.com)
 
In London kämpft unser Autor Emil Baschnonga seit Wochen mit seiner Nikotina, und es scheint als ob dieser Kampf unentschieden ausginge. Unser engagierter Leser Dr. Rainer Meyer (E-Mail: ingrid.im@teleport.ch) hat als Reaktion auf das Blog „Cold turkey“: Rauchverbot ab 1. Juli 2007 in England vom 29.06.2007 die Lösung frei Haus geliefert:
 
Jaaa, lieber Herr Baschnonga,
Nehmen Sie doch Zigarren!! Selbst von der Hausfrau geduldet (auf dem Balkon), in der Beiz sowieso, und selbst von meinem Arzt als „Genussrauchen“ verharmlost. Da ich nun auf die 70 zugehe, und noch keine gravierenden Schäden erkenne: Eine Villiger No 1 ist eine perfekte Antwort auf Ihre Kalamitäten.
Mit freundlichem Gruss!
Rainer Meyer
 
Kein unveränderliches Sein
Ich schätze Villiger-Stumpen ebenfalls, da das Pfeffiker Unternehmen beste kubanische Tabake verwendet, und ich bin froh, wenn sich über meine Käufe die Lebenssituation der Kubaner etwas verbessert. Im Gegensatz zu den unterdrückten, auf alle Arten geknebelten US-Amerikanern, die sich ihre kubanischen Zigarren über den Schwarzmarkt und Schmuggelwege beschaffen müssen, sind wir, die wir in einem freien Land leben, in der glücklichen Lage, kubanische Delikatessen legal zu beschaffen. Ich nutze diese Gelegenheit mit Vergnügen. Und was Vergnügen bereitet, wird ja wohl auch gesund sein.
 
Genau wie sich jede Zigarre als pflanzliches Produkt, gedreht von kunstfertigen Händen, einmal in einen wohlduftenden Rauch auflöst, so verändert, verwandelt sich alles: Panta rhei heisst das im Griechischen: „Alles fliesst.“ Dieses grosse Wort habe ich ins Blog Hardy Burbaum zum 75.: Viel Schwung dank Schwingungen vom 27.07.2007 einfliessen lassen. Ich habe es etwas leichtfertig dem antiken griechischen Philosophen Platon zugeschrieben, was an sich stimmt, aber nicht die ursprüngliche Quelle bezeichnet. Rainer Meyer präzisierte dazu in seiner gewohnt markanten, aussagekräftigen Sprache:
 
„Ich habe lange gerätselt, ob ich antworten soll. Ich bin kein Beckmesser. Insgesamt aber: sehr einverstanden, DENNOCH:
 
Wer seine Suada mit einem verunglückten Zitat beginnt, hat für das Folgende nur noch höchstens 50 % Glaubwürdigkeit in der SEHR pingeligen akademischen Gemeinschaft, die noch dazu froh ist, einem Partizipanten eins auswischen zu können. Es menschelt halt.
 
,panta rhei’ ist ein Zitat von Heraklit und nicht von Platon, welcher im Gegensatz dazu immer das EWIGE hervorzuheben bemüht war. Heraklit und das EWIGE FLIESSEN ist also – die Hervorhebung zeigt es bereits – dem EWIGEN SEIN der Ideen in gewisser Weise verwandt, aber auch dialektisch geschieden.
 
Das heisst nun aber, dass Sie an einem Zündfunken der abendländischen Philosophie UND Wissenschaft irgendwie vorbeigegangen wären, und dies würfe ein schräges Licht auch auf ihr Wissenschaftsverständnis, wo es beileibe nicht nur auf Mess- und Zählbares ankommt.
 
Jeden beliebigen Sch...dreck kann man heute statistisch, oder wenns sein muss, sogar mit Differentialgleichungen untermauern. Gewonnen ist damit nichts.
 
Die Ersten, die Berechnungen misstrauen, sind Mathematiker. Die Ersten, die Theorien und Experimenten misstrauen, sind Physiker. Und die Ersten, die kosmischer Harmonie misstrauten, waren Astronomen. Die Ersten, die (hunderten verschiedenen) Bibel-Übersetzungen und -Auslegungen misstrauten, waren Bibelforscher guten Glaubens.
 
Insgesamt: Menschen wie Hardy Burbaum geniessen meinen Respekt. Aber was die Beurteilung und Aufarbeitung angeht – bitte bei Adam und Eva anfangen, und nicht bei den guten oder schlechten ,Schwingungen’, womöglich noch via Handy.
 
Sorry, das musste gesagt sein.
 
Soweit der Brief, der mich veranlasst hat, diesem Panta rhei mit der gebührenden wissenschaftlichen Gründlichkeit nachzugehen. Und dazu habe ich bei „Meyers enzyklopädischem Lexikon in 25 Bänden“ (korrigierter Nachdruck von 1981) Zuflucht gesucht und dort wörtlich gelesen:
 
panta rhei (gr.: = alles fliesst),
fälschl. –> Heraklit zugeschriebene Formel für dessen dynam. Auffassung, dass das Seiende, der Kosmos, stetem Wandel, dauernden Veränderungen (von Entstehen und Vergehen) unterworfen sei.
 
In echt enzyklopädischer Art schlug ich dann unter „Heraklit“ nach und erfuhr, dass dieser griechische Philosoph (* um 550, † um 480) „wegen seines schwer verständlichen Denkens ,der Dunkle’ genannt wurde. Er verstand das (vernunftbegabte) Feuer als Prinzip des Seienden, das er als Inbegriff aller Wandelbarkeit verstand: „Der Kosmos vergeht im Feuer und entsteht wieder aus ihm in dauerndem Wandel.“
 
Damit haben wir nicht nur einen schönen Bezug zum Schicksal aller Zigarren, sondern darüber hinaus zu allem Seienden. Platon, wohl kaum ein Zigarrenraucher, erfasste wahrscheinlich Heraklits Gedankengänge und fasste sie in der so genannten Flusslehre zusammen: „Alles fliesst und nichts bleibt; es gibt kein eigentliches Sein, sondern nur ein ewiges Werden und Wandeln.“ Ich hoffe, dass das stimmt.
 
Natürlich ist die Quelle immer wichtig, ja essentiell. Doch scheint mir im gegebenen Zusammenhang die Aussage noch wichtiger: Im Unterschied zur Quelle ist sie klar wie Quellwasser. Und ich gebe zu, dass meine Quellenangabe an Lupenreinheit einiges vermissen liess. Ich habe das Blog dann gleich entsprechend modifiziert – in Dankbarkeit für die Verbesserungshinweise – zurück vom Huhn zum Ei.
 
Die Sache mit den kapitalen Regenwürmern
Zum Umwandeln von all dem Seienden leisten auch die Regenwürmer einen wesentlichen Beitrag. Heinz Scholz hat im Blog Kapitale Regenwürmer: Die Badener brechen alle Rekorde vom 12.08.2005 über diese Tiere fachkundig geschrieben, die sich nahtlos in Heraklits Philosophie einreihen. Ernst Haueter in CH-4654 Lostorf SO, ein Naturbeobachter und -kenner, fühlte sich von dem Blog sehr angesprochen. Ich kenne ihn seit Jahren persönlich und habe einmal mit ihm seinen kerngesunden Privatwald neben serbelnden försterlichen Fichtenplantagen besucht. Haueter liess und lässt die Natur gewähren, verwandelt die Vielfalt nicht in die Einfalt, so dass sich ökologische Gleichgewichte einstellen können – und das bedeutet Gesundheit. Ernst Haueter schrieb:
 
„Sehr geehrter Herr Heinz Scholz,
die vertikal bohrenden Regenwürmer ziehen die Nahrung in ihre Wohngänge. Deswegen werden diese Regenwürmer auch ,Kompostspezialisten’ genannt. Die Nadeln der Koniferen gehören nicht zu ihrer Nahrung, Buchen- und Eichenblätter meiden die anektischen (d. h. in die Tiefe grabenden) Regenwürmer. Das Eschenlaub, Ulmenlaub und Erlenlaub aber bevorzugen diese Regenwürmer. Das Laub der andern Laubbäume ziehen die Regenwürmer später in ihre Wohngänge. Das kann ich bei meinem ungefähr 1 Hektar grossen Mischwald jedes Jahr beobachten. Bei einem guten Regenwurmbestand in einem Mischwald lagern die anektischen Regenwürmer etwa 6 Tonnen Wurmerde auf einem Hektar Wirtschaftwaldboden ab. Die gleiche Menge Nahrung ziehen diese Regenwürmer wieder in ihre Wohngänge.
 
Leider ist dieses Wissen vom Forstwart bis zum Forstwissenschaftler nicht bekannt.
 
Auf der Welt gibt es noch grössere Regenwürmer.
 
Freundlich grüsst: Ernst Haueter
 
Das Mädchen im Friedhof Herznach
Einen Zusammenhang mit der Natur hatte auch mein Blog Herznach: Das Mädchen im Friedhof wuchs mir ans Herz vom 16.07.2007. Die Schülerin sammelte weggeworfene Topfpflanzen aus dem Friedhof-Container, um sie im eigenen Garten weiterleben zu lassen. Dr. Rainer Meyer äusserte sich dazu zu meiner Freude diesmal lobend:
 
Wohlgetan, Herr Hess!
Ich freue mich immer, wenn abseits aller noch so notwendigen Kritiken an Politik und Weltanschauungen auch jene „kleinen“ Seitenblicke hervorgehoben werden, wie eben jener von und mit dem kleinen Mädchen auf dem Friedhof.
 
Wenn nur auch die „Leader“ unserer Welt mit Leben, gleich ob Blumen, Bäumen, oder kriechendem, fleuchendem, wirbelbestücktem Leben ebenso sorgfältig umgehen möchten ...!
 
Um aber klarzustellen: Auf Schnaken haue ich drauf, evolutionistische oder christliche Hintergründe mögen sein, wie sie wollen. Nur leider habe ich selten Erfolg.
 
So ist das halt mit der Evolution.
Freundlicher Gruss!
R. Meyer
 
Sondermüll
Lebendige Pflanzen sind sicher kein Abfall und schon gar kein Sondermüll. An diesem besteht ohnehin kein Mangel. Zum Blog SMDK Kölliken: Vom Gift-Schandfleck zum Vorzeigeobjekt vom 08.05.2006 und weiteren Textatelier-Berichten wie die Reportage „Sondermülldeponie Kölliken: Das inszenierte Riesendebakel“  schrieb Kerstin Knop (E-Mail: knop6102@uni-trier.de):
 
Ich habe mit Erschrecken den Textatelier-Text über die Sondermülldeponie Kölliken gelesen. Ich bin eher zufällig darauf gestossen, da ich als Mitglied einer Bürgerinitiative zur Vermeidung einer SMD auf der Suche nach Informationen bin. In unserm Ort in Deutschland (Nonnweiler, Nordsaarland) gibt es Planungen für eine SMD. Wir kämpfen als Bürgerinitiative mit allen Mitteln, um dies zu verhindern.
 
Ihr Artikel schildert in abschreckender Weise, was passieren kann!
 
Mit freundlichen Grüssen
Kerstin Knop (Mitglieder der Bürgerinitiative Nonnweiler).
 
Förderung des Analphabetentums
Mit alledem, was um uns herum passiert, sollten wir uns gründlich befassen, um so etwas wie einen Durchblick zu erhalten. Mein Blog Die grosse Bedeutung von Detailtreue und Weitschweifigkeit vom 17.07.2007 war eine Anklage gegen die verkürzte, oberflächliche Information der Bevölkerung durch quotenjägerische Medien. Heinz Scholz aus D-79650 Schopfheim (E-Mail heinz-scholz@online.de) ging mit mir einig:
 
„Es stimmt, dass heute wenig Wert auf Detailtreue und gute Recherche bei Nachrichten, Zeitungsartikeln usw. gelegt wird. Gefragt sind schnelle, kurze Informationen, die wirklich das Analphabetentum fördern. Erst kürzlich las ich in der Online-Ausgabe von ‚Der Spiegel’, dass ein Abiturient seinen Abschluss trotz ungenügender Kenntnisse in der deutschen Sprache geschafft habe. Er – es war ein Deutscher – sagte dann noch schadenfroh: ,Ich kann alles, ausser Deutsch!’
 
Auch in Deutschland beobachte ich, dass immer mehr nichtssagende kurze Artikel mit riesengrossen Fotos als Füller publiziert werden. Das Lesen dieser oft schlampig recherchierten Arbeiten erübrigt sich für mich. Auch in vielen Büchern tauchen immer mehr Fehler auf Grund einer schlechten Korrekturleistung auf.“
 
Kirche und Kirchen
Detailtreue ist auch beim Betrachten des Verhaltens der Grossmächte Kirche und USA nötig. Einen Beitrag dazu versuchte ich mit dem Blog Die USA und der Katholizismus: Die universellen Primate vom 11.07.2007 zu leisten: Emil Baschnonga (E-Mail: e.baschnonga@export-expansion.com) schilderte mit Bezug darauf sein persönliches Verhältnis zur Kirche so:
 
Lieber Walter, Dein mutiger Artikel hat mich angesprochen. Um die katholische Kirche mache ich einen grossen Bogen, aber ich betrete Kirchen, gleich welcher Konfession, und Moscheen gerne, um etwa dem Orgelspiel zu lauschen und die Pracht der „Innendekoration“ zu bestaunen und zu würdigen. Auch erinnere ich mich an Menschen, die nicht mehr da sind. In diesem Sinne sind mir Kirchen Raststätten zur Besinnung und Einkehr. Das macht mich überhaupt nicht zum Untertan der Kirche.
 
Primat des Papstes? Wer an solche Mär glaubt, dem ist nicht zu helfen.
Bush/USA als Weltherrschaft? Gott behüte uns davor.
 
„Wer die Kühnheit hat, darüber ernsthaft nachzudenken“, hast Du geschrieben. Vielleicht finden sich mehr Menschen zu ihr.
Emil, mit herzlichem Gruss.
 
Zillis und Umgebung
Und bei Emil Baschnonga tauchten beim Lesen der Blogs über das Schamsertal vom 22., 23. und 24.07.2007 (wie Auf Säumerspuren: Überlebensübung im Verlorenen Loch) noch andere Eindrücke aus vergangenen Zeiten auf:
 
Eure Bergwanderung, so frisch und bewegt beschrieben, hat in mir viele Erinnerungen heraufbeschworen. Hier habe ich als Knirps mit meinen Eltern viel erlebt, tolle Kiesel beim Rhein gesammelt. Aber kaum sind sie aus dem Wasser, verlieren sie ihren Glanz. Meine Mutter hat die Deckenmalereien in der Kirche von Zillis GR kopiert, und auch ich hatte mitgehalten. Alle meine Kinderzeichnungen hat meine Mutter in einer Mappe gesammelt. Darunter auch meine ungelenken Versuche, einige Figuren der Deckengemälde aufs Papier zu bringen.
 
„Die Wissenschaft ist blind“
Um dieses Reaktionsblog, das in den wissenschaftlichen Dunstsphären angefangen hat, abzurunden, füge ich ein Gedicht von Ernst van Aaken aus dem Buch „Ist das Krebsproblem nicht schon gelöst?“ (1982) an, das mir Katrin Lorenz (E-Mail: katrin.lorenz@ewetel.net) zugestellt hat; ich verdanke ihr übrigens sehr viele nützliche Impulse und Informationen.
 
Das Gedicht lehnt sich an ein Sonett von Rainer Maria Rilke („Dichtungen des Michelangelo“) an: 
Des Todes sicher, nicht der Stunden – wann?
Das Leben kurz und Wissen kommt nicht weiter,
Den Medizinern scheint der Leibeszustand heiter,
Der Seele nicht, sie bittet uns, stirb an.
 
Die Welt der Wissenschaft ist blind,
Wo Heilungsbeispiel kam genug empor,
Und viele Todesfälle zu verzeichnen sind,
Weil Falsches frohlockt und die Wahrheit dringt nicht vor.
Die besseren Methoden unterlagen,
Die Zellen können Gift nicht gut vertragen.
 
Ach, Herr, wann gibst Du das, was die erhoffen?
Mehr zögern ist verderblich,
Es knickt die Hoffnung,
Macht die Seele sterblich.
 
Was hast Du ihnen so viel Licht verheissen?
Was Operation, Bestrahlung und sich Heilung nennt?
Wenn doch der Tod kommt, um sie hinzureissen,
In jenem Zustand, den Gesundheit und der milde Tod nicht kennt. 
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