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BLOG vom 05.10.2007


Reaktionen auf Blogs (62): Die wertlosen USA-„Wertpapiere“
Präsentation der Leserzuschriften: Walter Hess, Biberstein CH (Textatelier.com)
 
Die so genannte US-Hypothekenkrise hat derartige Dimensionen angenommen, dass sich die Frage schon aufdrängt, ob denn nicht hinter diesem Schlagwort einer der US-Raubzüge auf die blindgläubige Welt versteckt sei. Ich habe darüber in den Blogs US-Leitzinssenkung: Kauft, Leute! Kauft wieder auf Pump! (20.09.2007) und Die sog. US-Immobilienkrise: Massiv vergoldete faule Früchte (02.10.2007) berichtet. Wenn immer unkonventionelle Gedanken ausserhalb des westlichen Mainstreams auftauchen, werden sie vorerst als Verschwörungstheorie abgetan. Dieser Ausdruck hat sich als ausserordentlich praktisch erwiesen, um an sich naheliegende Gedanken, die sich zwar aufdrängen, die man aber selber verpasst hat, ins Reich der böswilligen Vermutungen zu verweisen, um Zeit zu gewinnen, bis sie sich endlich als zutreffend erweisen.
*
Leitzinsen
Dr. Martin Eitel aus Heilbronn D (E-Mail: m.eitel@gmx.net) hat sich zu den beiden erwähnten Blogs kompetent geäussert. Zur Leitzinssenkung schrieb er am 21.09.2007:
 
Leider ist es zutreffend, dass Notenbanken, die in einer Krisensituation wie zur Zeit die Leitzinsen erhöhen, nicht nur nicht positiv erwähnt, sondern gar nicht erwähnt werden, weil das nämlich den finanzpolitischen Irrsinn des Herrn Ben Bernanke von der US-Notenbank offen zutage treten lassen würde. Bernankes Vorgänger (Alan Greenspan) hat bekanntlich mit ähnlich unverantwortlichem Geschäftsgebaren um die Jahrtausendwende die ganzen „Blasen“ in den verschiedenen Bereichen (Aktien, Immobilien) ermöglicht.
 
Natürlich müssen wir aber berücksichtigen, dass ausser der falschen Zinssenkung auch Besonderheiten des amerikanischen Finanzsystems mit zu der Krise beigetragen haben und dass natürlich schlechte Kredite, in dubiose Finanzprodukte verpackt, nicht plötzlich sensationelle Geldanlagen werden.
 
Die Tatsache, dass amerikanische Immobilieneigentümer ihre bei Sturm davonfliegenden primitiven Bauwerke bis über den Kamin, nämlich inklusive eines zukünftig erwarteten Wertzuwachses mit anfangs niedrigen und später steigenden Zinsen und ohne ausreichend Eigenkapital belastet haben, ist ein Umstand, der sich von der Lage in Mitteleuropa unterscheidet.
 
Es ist den US-amerikanischen Finanzbetrügern aber gelungen, unbedarften europäischen Bankern Finanzprodukte aufs Auge zu drücken, in die die schlechten Kreditrisiken so verpackt waren, dass die Europäer die verborgenen Risiken nicht erkennen konnten.
 
So weit diese Zuschrift, die Zusätzliches zur Erhellung beiträgt. Man wird noch mehrfach Gelegenheit haben, sich daran zu erinnern, zumal weitere Bankenkatastrophen auftauchen werden. So ist zum Beispiel am 3. Oktober 2007 publik geworden, dass die (wohl einschränkend) so genannte US-Hypothekenkrise auch bei Credit Suisse (CS) härter durchschlägt als bisher angekündigt. Dass Finanzbetrüger selbst Grossbanken wie die UBS und die Deutsche Bank mit deren Heerscharen von Analysten und Controllers hereinlegen konnten, lässt auf den Umfang der kriminellen Energie schliessen, mit der man es in den USA zu tun hat. Die Entlassungen der Schweizer Banken in ihren US-Filialen sprechen ebenfalls Bände zum gleichen Thema: Die CS streicht dort drüben 170, die UBS gar 1500 Stellen, und teure Manager werden ausgewechselt. Wie wär’s, wenn sie sich in diesem Zusammenhang die US-Erfindung „Sammelklage“ zunutze machen würden – oder ist diese nur unilateral zulässig (einseitig von den USA gegen den Rest der Welt)?
 
Die faulen Früchte
Am 02.10.2007 schrieb uns Martin Eitel zum Blog „Die sog. US-Immobilienkrise: Massiv vergoldete faule Früchte“:
 
Am Abend des 1. Oktober 2007 habe auch ich mit gewisser Überraschung in der Berichterstattung des Schweizer Fernsehens DRS (das ich dem deutschen vorziehe, da die Schweiz nicht der EU angehört) die Nachricht vernommen, dass auch bei der UBS Führungspersonal gehen musste, nachdem man auch bei dieser Bank die faulen US-Hypothekenkredite in Form von dubiosen wertlosen „Wertpapieren“ im Bestand hat und erhebliche Wertberichtigungen vornehmen muss. Offenbar, so entnahm ich der Sendung „10 vor 10“, hat wohl die Credit Suisse hier mehr Vorsicht an den Tag gelegt (was wenige Stunden darauf allerdings relativiert werden musste).
 
Ich persönlich denke, dass es sich hier entgegen der Verharmlosungstendenzen nicht lediglich um eine Immobilienkrise handelt, sondern um eine weltweite gefährliche Finanzkrise, die eine wesentliche, aber bei weitem nicht die einzige Ursache in der US-amerikanischen Wirtschaft hat, welche durch den privaten kreditfinanzierten Konsum und andere Fehler wie die zu niedrigen Zinsen in erhebliche Schwierigkeiten geraten ist. Und anstatt wie die Schweizer Notenbank (Nationalbank) und eine nordeuropäische (es war wohl die norwegische) in dieser Situation die Leitzinsen zu erhöhen und damit Kredite zu verteuern, hat FED-Boss Ben Bernanke die Leitzinsen gesenkt, damit die unverantwortlichen Finanzjongleure wie Stephen Schwarzman und andere nicht Bankrott gehen und mit (neuem) geliehenem Geld weitere Anteile an Unternehmen erwerben können, denen sie dann horrende Finanzierungskosten aufdrücken. Und ich befürchte, dass in der Tat viele Banken und vor allem auch Sparkassen vermutlich noch gar nicht erkannt haben, welche „Leichen sie im Keller liegen haben“ in Form von überbewerteten oder wertlosen Finanzprodukten.
 
Es ist an der Zeit, diesem Globalisierungswahnsinn endlich eine Grenze zu ziehen. Auch insoweit lautet das Gebot der Stunde: Regionalisierung.
 
Wir erleben es gerade hier in der BRD in letzter Zeit öfter, dass Unternehmen wie z. B. die Firma Friedrich Grohe (die Badarmaturen etc. produziert) von solchen dubiosen Finanzakrobaten übernommen und dann noch mit Millionenbeträgen für die Finanzierungskosten belastet werden, die sie dann aus dem normalen Geschäftsergebnis begleichen sollen, so dass den Unternehmen durch solche Übernahmen im Ergebnis oft kaum ein Vorteil erwächst, sondern die Situation noch verschärft wird. Da ist es natürlich kein Wunder, dass das letztlich häufig die Arbeitnehmer mit ungünstigeren Arbeitsbedingungen bezahlen müssen.
 
Ende dieses bemerkenswerten E-Mails. Dazu passt die Meldung, die ich heute (04.10.2007) bei www.ftd.de gelesen habe, dass Daimler endlich wieder allein sei, das heisst ohne das US-Sorgenkind Chrysler. Das war 1998 im Globalisierungsjargon noch die „Hochzeit im Himmel“ gewesen.
 
Das US-Abenteuer ist auch Daimler ausserordentlich teuer zu stehen grkommen – ein „jahreslanges Milliardendebakel“, wie es in der erwähnten Mitteilung heisst. Der Firmenname erscheint nun wieder ohne den „Chrysler“-Zusatz (Daimler AG); an dieses US-Unternehmen mag man wohl nicht mehr gern erinnert werden. Daimler hat von diesem Amerika genug, das laufend europäisches Geld sehen wollte, also defizitär war, und will nun wieder ein rein deutscher Pkw- und Lkw-Hersteller werden. Auch hier: Zurück zur Regionalisierung, Hände weg von diesem betrügerischen Amerika, wo es in mehrfacher Hinsicht stinkt. Es hat Daimler zu einer beispiellosen Kapitalvernichtung verholfen – und irgendwo ist dieses Geld ja angekommen. Zum Beispiel bei den grossartigen Managern, die den USA in die Tasche wirtschaften.
 
Die Knoblauchfahne
Es wäre eine Beleidigung für den Knoblauchduft, ihn mit den erwähnten stinkenden Düften von jenseits des grossen Wassers in Verbindung zu bringen. Man kann ihn nämlich auch mögen. Und wie das geht, schrieb uns Frank Weithofer (E-Mail: weithofer61@aol.com) auf das Blog von Heinz Scholz: Knoblauchfahne: Alarm und eine verhinderte Operation (26.08.2005): (26.08.2005):
 
Natürlich sollte man diesen Knoblauchgeruch unbedingt ertragen. Ich glaube, wenn wir in Deutschland nicht die „unselige“ Epoche im 20. Jahrhundert gehabt hätten, würde man vieles offener und liberaler sehen. So bemerke ich es jedenfalls bei Bürgern aus anderen Ländern, egal, ob aus Ost, West, Nord oder Süd.
 
Während meiner Ausbildung zum Fremdsprachenkorrespondent hatte ich eine aus Dänemark stammende Fachlehrerin für Steno/Schreibmaschine, die sehr auf den Knoblauchkonsum setzte und ausgiebig davon Gebrauch machte. Und sie war nicht etwa eine heruntergekommene Person, sondern höchst attraktiv und gut gepflegt. Selbstverständlich reinigte sie sich nach dem Essen auch ihre Zähne usw., der Duft aber verschwand nie ganz, da sie auf mindestens „eine Zehe täglich“ bestand. Aber dieser Duft kam in sehr vornehmer (gepflegter) Form heraus, dass er ganz passabel war – nur Gehässige (die auch ihr Outfit nicht „verknusen“ konnten) meuterten.
 
In der Gegenwart dieser Dame war es für mich eine Wonne, beim Wortwechsel angehaucht zu werden. Auch meine allererste (stille und einseitige) Liebe im Gymnasium war Knoblauchfan – ein sehr attraktives Mädchen (Tochter polnisch-jüdischer Eltern).
 
Solche Gegnerschaften spiegeln sich in anderen Themenbereichen auch wider – u. a. im Outfit, hier mitunter erwähnt! Ein Besuch in Israel zusammen mit meiner Mutter (†2005) in den 90ern hat meine Mutter so von der Farbenfreudigkeit der Outfits der dortigen Damen inspiriert, dass sie fortan viel von diesen abguckte. Bitte: Das beweist immer deutlicher, dass das Gehässige gegen „Alles“ vielfach vom Dritten Reich und seinen Folgen herrührt. Ältere Menschen, welche dessen Vorzeit noch gut erleben durften, sind (waren) meist wirklich offener und liberaler auf vieles zu sprechen als die Jahrgänge 1920 ff. bis in die frühen 40er-Jahre und einige vereinzelte Jüngere, die durch Erziehung das „Falsche“ vermittelt bekamen.
 
So weit die Zuschrift, die gewiss auch als Aufruf zu mehr Toleranz verstanden werden kann: Leben und leben lassen. Und auch ich kann mir ein gutes Leben im gastronomischen Bereich ohne den Knoblauch nicht vorstellen, habe aber doch das Gefühl, dass er einen Teil seines wunderbaren Aromas eingebüsst hat. Ist auch diese Wertfrucht etwas wertloser geworden, dem allgemeinen Trend angepasst?
 
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