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BLOG vom 25.10.2007


Die Kaba AG und der rentable Kahlschlag im Schlüsselwald
Autor: Walter Hess, Biberstein CH (Textatelier.com)
 
Obschon noch nie in der Geschichte der Menschheit so viel verschlossen worden ist wie heute, dürfte es den altehrwürdigen, handlichen Schlüssel, den man ins Schlüsselloch schob und umdrehte, bald nicht mehr geben. Legte man ihn unter die Türvorlage, stolperten selbst Einbrecher darüber. War er früher also noch eine schwere Eisenkonstruktion, wurde er allmählich kleiner: die Kabaschlüsseli, die selbst im Portemonnaie unterzubringen und sehr gut zu verlieren sind, lösten ihn ab. Der verengte Blick durchs Schlüsselloch, einst eine wichtige Informationsquelle, ist nicht mehr möglich. Doch der verengte Blick hält sich dennoch überall hartnäckig.
 
Die Kaba-Schlüssel besitzen winzige Lochbohrungen auf beiden Seiten, die ein vorderes und hinteres Bohrbild ergeben. Und als ob dies alles nicht kompliziert genug sei, kommen Kanten und schräge Zusatzbohrungen hinzu, wobei die Tiefe und die Anordnung der Löcher variabel sind. Theoretisch sind 18 Billiarden Permutationen (Kombinationsmöglichkeiten) möglich; das sei „Sudoku auf Meisterstufe“, heisst es dazu in der Hauszeitschrift „security update“.
 
Heutzutage werden diese Schlüsseli mit ihren geheimnisvollen Bohrlandschaften, die jedem mit Dietrichen ausgerüsteten Einbrecher den Beruf zum Verleiden bringen können, allmählich durch zentrale Zutrittssysteme ersetzt, die von einem Computer kommandiert werden. Mit so genannten Badges (eigentlich Dienstmarken) in Kreditkartenform, die geheimnisvolle Informationen wie das Ablaufdatum auf Chips enthalten, können sich Zutrittsberechtigte Zutritt verschaffen. Das kann man dann gleich mit einem Zeiterfassungssystem kombinieren. Der Computer kann anschliessend darüber Auskunft geben, wer sich wann wo herumgetrieben hat. Für Firmen aller Art, auch Flughäfen, Bahnhöfe usf. sind solche Sicherheitssysteme eine grosse Hilfe und Erleichterung.
 
Automatik- und Sicherheitstüren und sogar Tresorschlösser können sich sesammässig öffnen, wenn sich ein Berechtigter daran zu schaffen macht. Biometrie (wie die Vermessung eines Gesichts) und Mechatronik (Zusammenwirken mechanischer, elektronischer und informationstechnischer Elemente und Module) können mithelfen, die Sache noch komplizierter und damit sicherer zu machen. Der Konzern hält über 300 Patente und investiert massiv in Forschung und Entwicklung, um weitere Patente zu ergattern.
 
Falls sich Blogleser über mein Fachwissen wundern und mich in die kriminelle Ecke stellen sollten, kann ich mich mit einen guten Alibi herausreden: Zwecks sicherheitsphilosophischer Aufrüstung habe ich am 23. Oktober 2007 an der 92. Generalversammlung der Kaba Holding AG teilgenommen, die in Regensdorf ZH vonstatten ging. Beim Eingang in den Mövenpick-Saal stand ein gross gewachsener, kräftiger, leibhaftiger Bodyguard, der zeigte, dass das menschliche Element noch immer eine gewisse sicherheitsphilosophische Rolle spielt.
 
Und dann erfuhren wir von oberster Kaba-Warte über die Access-, Data-, Door-, Key- und Ident-Systems, woraus der Sprachbewanderte gleich erkennt, dass das inzwischen 145-jährige Unternehmen Kaba international tätig ist (Global Player, sagt mab zu so etwas: in 60 Ländern verschlüsseln etwa 9000 Mitarbeiter die zunehmend unsicher werdende Welt.
 
Und da ja durch die US-beherrschte, internationale Politik die Kriminalität laufend gefördert wird, geht es dem Unternehmen gut. Im Geschäftsjahr 2006/07 hat die in der Schweiz ansässige Gruppe (CH-8153 Rümlang) ihren Umsatz um 20 % auf 1,248 Milliarden CHF gesteigert. Sie besitzt jetzt neuerdings auch in China dank der Wah Yuet Group in Guanghai einen attraktiven und gewiss auch kostengünstigen Produktionsstandort. Und in den USA wurde die Computerized Security Systems Inc. (CSS) übernommen (Marken: Saflok und La Gard). Der CEO, Rudolf Weber, versprach einen ehrgeizigen Wachstumskurs, zumal man ja gut gewappnet sei.
 
Die Kaba Gruppe ist seit 1995 an der Börse kotiert. Die Aktie machte seither keine grossen Kurssprünge; aber das kann ja noch kommen. Das Unternehmen hat sich die Investitionssicherheit zur Maxime gemacht: Bestehende Anlagen müssen aufgerüstet und weiterverwendet werden können – das sollte vielen Produzenten von Wegwerfwaren (wie Autos, Computer usf.) als Vorbild dienen, Und hoffentlich ergibt sich daraus auch eine Investitionssicherheit für Anleger.
 
An der von Verwaltungsratspräsident Ulrich Graf mit der Gelassenheit eines versierten Helikopterpiloten geleiteten GV zeigten sie sich zufrieden. Doch wurde bemängelt, dass der 9-köpfige Verwaltungsrat zu gross sei. Und das wirkte sich dann als Diskussion vor der Wiederwahl von Rolf Dörig aus, dem die vielen Engagements von der Swiss Life Holding (CEO seit 2002) über die „economiesuisse“ bis zum Grasshopper-Club Zürich und vielen anderen angekreidet wurden. Auf der anderen Seite wurde betont, dass ein gutes Beziehungsnetz auch für die Kaba von grosser Bedeutung sei. In schriftlicher Abstimmung wurde Dörig bei 11 % Nein-Stimmen deutlich wiedergewählt. Im persönlichen Gespräch sagte er nach der GV auf meine Feststellung, viele Leute würden eben wesentlich mehr als andere leisten, ja, das sei schon so, und so lange die Ehefrau zufrieden sei, könne doch das alles so falsch auch wieder nicht sein.
 
Wer solchen Vernetzungen einen negativen Anstrich geben will, spricht von Filz, ein aus Schafwolle und anderen Tierhaaren hergestelltes, kreuz und quer verwobenes Material, das recht gute Qualitäten hat. Umgekehrt nennt es Vernetzung oder Netzwerk, wer deren Vorzüge herausstreichen will. In der Natur ist alles vernetzt. Und ohne die Wirtschaft voreilig als natürliches System darstellen zu wollen, ist es schon so, dass auch sie in ein Netzwerk eingebettet ist – die Befindlichkeiten von Ehefrauen gehören unbedingt dazu. Solche Netze, die es auch in Zirkussen gibt, können Synergien herbeiführen und allfällige Abstürze puffern.
 
Die Kaba sei nicht mehr einfach ein Bauzulieferer, sagte CEO Rudolf Weber, sondern eines der weltgrössten Unternehmen in der Sicherheitsbranche; wenn ich richtig gehört habe, ist es an 3. Stelle. Es ist seit der Gründung (1862 durch Franz Bauer) als Kassenfabrik Bauer (Kassen-Bauer) eine kontinuierliche Erfolgsgeschichte. 1918 begann das Unternehmen in Wetzikon ZH mit der Fabrikation von Sicherheitsschlössern. Ein grosser Aufschwung ergab sich nach der Erfindung des Wendeschlüssels mit Senkbohrung (1934) durch Fritz Schori. Jetzt ist man bei den Zutritts- und Zeiterfassungssystemen angelangt.
 
Und so führt denn kaum noch ein Zutritt an Kaba vorbei. Und mit dieser Feststellung kann dieses Blog abgeschlossen werden.
 
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