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BLOG vom 03.01.2008


Politikersprüche 2007: „Warum hältst Du nicht die Klappe!“
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
„Der Politiker denkt an die nächsten Wahlen, der Staatsmann an die nächste Generation.“
(William Gladstone, Liberaler britischer Staatsmann, 1809‒1898)
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„Die Triebfeder der Politik ist meist Eitelkeit, Ehrgeiz, Machtwille, nur selten Habsucht und noch seltener der uneigennützige Wille, einer Idee oder einer Menschengruppe zu dienen.“
(Coudenhove-Kalergie, Gründer der Paneuropa-Bewegung, 1894‒1972).
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„Nicht die Politik verdirbt den Charakter, sondern schlechte Charaktere verderben die Politik.“
(Verfasser unbekannt)
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„Ich mache nicht nur leere Versprechungen, ich halte mich auch daran.“
(Edmund Stoiber)
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„Ich habe in der Vergangenheit gute Entscheidungen getroffen. Ich habe in der Zukunft gute Entscheidungen getroffen.“
(George W. Bush)
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Bush: Ich stehe zu allen Falschaussagen
In meinem Blog Verspotteter US-Präsident Bush und Stoibers Stammeleien vom 10.10.2007 brachte ich schon einige Zitate in Erinnerung. Der US-Präsident Bush jun. fiel besonders durch merkwürdige Versprecher und Wortverdrehungen auf. So verwechselte er beispielsweise die Apec mit der Opec oder sprach von einem Besuch des australischen Premierministers im Irak, um die „austrian“ Truppen zu besuchen. Er wollte jedoch von den „australien“ Soldaten sprechen.
 
Wer so eine verantwortungsvolle Aufgabe wie Bush hat und mit vielen Leuten zusammenkommt, kann da schon einmal etwas verwechseln. Auch hatte er als Sprachgenie natürlich Schwierigkeiten, den Namen des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy richtig auszusprechen. Er notierte auf seinem Redezettel „sar-KO-zee“. Nun, Ausspracheschwierigkeiten haben auch andere wie beispielsweise Nachrichtensprecher oder Sportler. Da muss man Verständnis haben, wenn ein trotteliger Präsident wenigstens den aussichtslosen Versuch unternimmt, alles (wenigstens aus seiner Sicht) richtig zu machen … oder auch nicht. Dazu ein weiteres Zitat von George W. Bush: „Ich stehe zu allen Falschaussagen, die ich gemacht habe.“
 
Dazu passt die folgende Meldung, die ich vor einigen Tagen unter „1&1“ im Internet las: „US-Gericht erlaubt Politikerlügen im Wahlkampf.“ Die Politiker dürfen jetzt also wieder besten Gewissens Lügen über den politischen Gegner verbreiten, ohne rechtliche Konsequenzen fürchten zu müssen. Ein entsprechendes Gesetz aus dem Jahr 1999 wurde für ungültig erklärt. Wiederum ein Freipass aus dem Land der bigotten Politiker.
 
Zurück zu den Bush-Zitaten. Einmal verblüffte er das Volk mit seinen astronomischen Kenntnissen und seinen Geistesblitzen. Er sagte: „Der Mars ist praktisch in derselben Umlaufbahn … Der Mars ist ungefähr gleich weit von der Sonne entfernt, was sehr wichtig ist. Wir haben Bilder von Kanälen und Wasser gesehen. Wenn es Wasser gibt, dann gibt es Sauerstoff. Wenn es Sauerstoff gibt, können wir atmen.“
 
Bush würde sich wundern, wenn er auf dem Mars dennoch keine Atemluft finden sollte. Hoffentlich schaut er dort oben bald persönlich nach! Weitere Bush-Zitate sind z. B. mit der Suchmaschine „Google“ unter dem Stichwort „Bush-Zitate“ einsehbar. Da kann man sich wundern und amüsieren.
 
Stoibers verbale Ergüsse
Die Presse haut den Verbalakrobaten Bush natürlich oft in die Pfanne. Dies geschah auch vor dem Rücktritt des bayerischen Ministerpräsidenten Egmont Stoiber. Seine Stammeleien waren Höhepunkte und gefundene Fressen für jeden Kabarettisten. Den besten Spruch in meinen Augen war derjenige, den ich am Anfang unter den Zitaten erwähnte – seine unbedingte Treue zu den Flaschaussagen. Nun, Versprechungen machen die Politiker vor der Wahl alle. Nach der Wahl kann sich kaum einer erinnern, welche Versprechungen er dem Wahlvolk in die Ohren geblasen hat nach dem Motto: „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern!“
 
Hier noch 3 besondere Bonbons der verbalen Ergüsse von Stoiber: „Wir müssen den Kindern mehr Deutsch lernen – über die Bildungspolitik in Deutschland.“
 
„Wir beiden, wir haben Humor (er meinte seine Frau und sich). Sie … in der Praxis! Ich … in der Theorie.“
 
„Wir sind das Land (er meinte Bayern), das am wenigsten Arbeitsplätze abbaut. Wir sind Schlusslicht im Abbau der Arbeitsplätze.“ Weitere Sprüche unter www.spruecheportal.de
 
Die Früchte von 2007
Blicken wir noch einmal auf das Jahr 2007 zurück. Da gibt es eine ganze Menge von Aussprüchen, die Politiker, Sportler, Wirtschaftsbosse, Funktionäre und andere Prominente von sich gaben. Hier eine kleine Auswahl Politikersprüche:
 
Gundolf Fleischer, Staatssekretär im Finanzministerium und Landtagsabgeordneter der CDU für den Wahlkreis Breisgau, hatte eine heisse Meinung zu den Krippenplätzen. Er sagte im Februar 2007 dies: „Wir sollten den Bedarf an Krippenplätzen (Kleindkindbetreuung ausserhalb der Familie) nicht durch überflüssige Angebote anheizen.“
 
Der Schweizer Nationalrat und Tras-Vize-Präsident (Trinationaler Atomschutzverband) Rudolf Rechsteiner hatte in der Debatte um ein Atommüllendlager am Hochrhein folgende ungewöhnliche Idee: „Ich habe vorgeschlagen, man solle das Endlager an der Zürcher Bahnhofstrasse bauen, dort sitzen die Verantwortlichen. Das fand man dort aber gar nicht lustig.“
 
„Was hinter den Kulissen besprochen wurde, soll auch dort bleiben.“ Dies war ein gescheiter, wegweisender Ausspruch des künftigen Regierungspräsidenten in Freiburg Julian Würtenberger.
 
Auch unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel möchte ich zitieren. Sie brachte das Einkommen japanischer Autobosse (mit einem Seitenhieb auf ihren Amtsvorgänger Gerhard Schröder, der ja Repräsentant des russischen Staatskonzerns Gazprom ist) auf dem CDU-Parteitag am 03.12.2007 in Hannover zur Sprache. Sie sagte: „Dort verdient der Chef nur ungefähr das 20-Fache eines Arbeiters. Das ist in etwa das Doppelte eines deutschen Kanzlers – wenn er nicht gerade in der Schweiz Geschäfte für russisches Gas machen muss.“
 
Und unser schlauer Bundesumweltminister Sigmar Gabriel brachte auf dem Hamburger SPD-Parteitag am 27.10.2007 das Schicksal des Braunbären „Bruno“ (er wurde ja in Bayern abgeschossen) so zur Sprache: „Wir werden den Afrikanern wohl kaum erklären können, dass sie ihre Elefanten nicht abschiessen dürfen, wenn bei uns der erste Bär, der um die Ecke kommt, sofort erschossen wird.“
 
Der witzige Huckabee
Als Shootingstar der Republikaner erwies sich jetzt der ehemalige Baptistenprediger und Gouverneur von Arkansas Mike Huckabee. Er rückt zurzeit einem anderen aussichtsreichen Präsidentschaftskandidaten, New Yorks Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani, auf den Pelz. Das bisherige Spitzenduo Giuliani und Mitt Romney war sich schon zu siegessicher. Giuliani hat eine zu liberale Haltung zur Abtreibung, und der Mormone Romney gilt vielen als nicht echter Christ. Kommentar des christlichen Radio-Talkers Steve Deace: „Ich habe keine Lust, mit zugehaltener Nase für jemanden zu stimmen.“
 
Huckabee selbst gilt als locker, schlagfertig, witzig und authentisch. Er tritt als Kleine-Leute-Populist in Erscheinung. Ein markanter Satz aus seinem Repertoire war dieser: „Wenn du reich bist, geht es dir gut. Aber es gibt einen wachsenden Graben, und wenn man die Mittelklasse schrumpfen sieht, ist das ein schreckliches Zeichen.“ Nun warten viele Wähler darauf, eine Möglichkeit zu finden, den unüberwindlichen Graben zu überspringen. Dabei kann auch der listige Huckabee wohl nicht helfen.
 
Polit-Patzer des Jahres
Es gab im vergangenen Jahr unglaubliche Polit-Patzer. So liess sich ein Politiker halbnackt fotografieren, etliche kamen beim G8-Gipfel in Heiligendamm noch trunken (nicht vor Glück, sondern alkoholumnebelt) an das Rednerpult, und wiederum andere trafen merkwürdige Entscheidungen. Einem britischen Minister kamen kistenweise Daten abhanden, und ein deutscher Bürgermeister erklärte die Ausländerfeindlichkeit für normal.
 
Als sich Wladimir Putin beim Angeln halbnackt ablichten liess, mutmasste die Online-Ausgabe der „Welt“ (www.welt.de), ob der Präsident jetzt wohl die Testosteronbombe habe.
 
Ein undiplomatischer Vorfall ereignete sich beim iberoamerikanischen Gipfel in Chile. Hugo Chávez, Präsident von Venezuela, der bekannt ist für verbale Ausfälle und endlose gepfefferte Redeschwälle, wurde vom spanischen König Juan Carlos angegriffen: „Warum hältst du nicht die Klappe, Chávez?“ Kurz zuvor hatte Chávez nämlich den früheren spanischen Ministerpräsidenten Jose Maria Aznar (Verbündeter von US-Präsident Bush und Befürworter des Irak-Krieges) als „Faschisten“ bezeichnet. Unter anderem sagte Chávez: „Faschisten sind nicht menschlich. Eine Schlange ist menschlicher.“ Als dann der spanische Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Chávez zu mehr Diplomatie aufrief, kam es zum Eklat, weil der Mexikaner immer dazwischen redete.
 
Er redete sich um Kopf und Kragen
Eine Rede anlässlich einer Trauerfeier kostete dem baden-württembergischen Ministerpräsident Günther Oettinger fast das Amt und viel Ansehen. Es war eine Rede anlässlich des Todes von Hans Filbinger. Der ehemalige Ministerpräsident stürzte 1978 über seine NS-Marinerichter-Vergangenheit. Oettinger sagte dies: „Anders als in einigen Nachrufen zu lesen, gilt es festzuhalten: Hans Filbinger war kein Nationalsozialist. Im Gegenteil; Er war ein Gegner des NS-Regimes (…) Hans Filbinger hat die schreckliche erste Hälfte des letzten Jahrhunderts nicht nur erlebt, er hat sie auch erlitten.“
 
Wer diese Rede gehört hat, war der Meinung, Filbinger sei ein Widerstandskämpfer gewesen. Oettinger hat sich wohl verkalkuliert. Er war voll des Lobes über den Verstorbenen. Die Rede wurde, wie Stefan Hupka in der „Badischen Zeitung“ erwähnte, ein Versuch der Rehabilitation.
 
Immer, wenn Politiker dummes Zeug geschwatzt haben und sie hinterher merken, dass politischer Schaden entstehen könnte, wird einfach dementiert oder angemerkt, sie seien missverstanden worden. Das kommt häufig vor. Der denkende Anteil des Volks kommt jedoch den einfältigen Politkern auf die Schliche.
*
Und zum Schluss noch einige Zitate über Politiker bzw. über die Politik:
 
„Die Politik ist das Paradies zungenfertiger Schwätzer.“
(George Bernhard Shaw)
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„Der beste Platz für Politiker ist das Wahlplakat. Dort ist er tragbar, geräuschlos und leicht zu entfernen.“
(Loriot)
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„Gerhard Schröder ist der Richard Kimble der deutschen Politik – immer auf der Flucht vor seinen eigenen Aussagen.“
(Norbert Blüm über Gerhard Schröder)
 
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