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BLOG vom 21.01.2008


Warum werden die USA nicht unter Vormundschaft gestellt?
Autor: Walter Hess, Biberstein CH (Textatelier.com)
 
Leute, die mit ihrem Geld nicht umgehen können, Schulden machen, auf Pump leben, geraten in Konkurs, werden entmündigt und unter Vormundschaft gestellt. Sie müssen ihr Einkommen ihrem Vormund übergeben, erhalten noch ein kleines Taschengeld und dürfen darüber hinaus keine Kaufentscheidungen mehr treffen. Die Bevormundeten sind der bürgerlichen Rechte beraubt – zu ihrem eigenen Vorteil –, bis sie gezeigt haben, dass sie gelernt haben, innerhalb ihrer Verhältnisse zu leben.
 
In diesem Sinne hätte die arrogante und aggressive Kriegsnation USA schon längst unter Vormundschaft gestellt werden müssen. Vor allem müsste man alle ihre Waffen beschlagnahmen, auf dass sie nicht immer neue Gebiete auswählen, um ihr Inferno mit Streubomben und „Daisy Cutters“ (Gänseblümchen-Abmäher), die alles Leben flächendeckend vernichten, anrichten. Und wegen ihres menschenrechtswidrigen Verhaltens und der Einschränkung bürgerlicher Freiheiten, welche auch ihren Adlaten aufgezwungen werden, müsste man sie einsperren.
 
Amerika brachte die Staatsverschuldung 2007 unter dem Präsidenten George W. Bush jun., bei dem Machtfülle und von Intelligenz bestimmte Vernunft nicht im Einklang sind, auf rund 9 Billionen (amerikanisch: Trillionen) Dollar. Und nach wie vor fällt Bush nichts Gescheiteres ein als jedes interne Wirtschaftsproblem mit Finanzspritzen lösen zu wollen – jedenfalls so lange, bis der Dollar seinen Wert vollständig verloren haben wird. Dann wird man sich wohl etwas anderes zur Abwälzung der Schulden auf die Welt einfallen lassen müssen. Der US-Notenbankchef Ben Shalom Bernanke hat erklärt, dass man einfach so viel Geld drucke, wie gebraucht werde und dass man es, wenn nötig, mit dem Hubschrauber abwerfen würde. Man kann die wertlosen Papierfetzen dann zum Anfeuern benützen.
 
Die unsägliche Schuldenwirtschaft grassiert nicht nur bei den staatlichen US-Institutionen, sondern die Privaten in dem Wunderland haben sich davon ebenfalls inspirieren lassen. Die Hypokrise made in USA, eine erste Folge davon, ist gerade dabei, die ganze Weltwirtschaft herunterzureissen – und die meisten Medien wagen noch nicht einmal über die nachfolgende Kreditkartenkrise zu sprechen, die ähnliche Dimensionen (rund 900 Milliarden USD) haben wird. Damit keine Panik ausbricht, wird noch vertuscht, verharmlost, beschönigt.
 
Geradezu amüsant ist es zuzusehen, wie US-verblendete Banken ausserhalb der USA die Schuldscheine gierig zusammenkauften, ihre eigenen Anleger dann mit ruinösen Abschreibern enttäuschen mussten und nun zu all dem Elend noch in US-Sammelklagen hineinlaufen. Das gleiche Volk von Verschwendern und Konkursiten, das die Hypo- und Kreditkartenkrise veranstaltet und seine Schulden abgewälzt hat, will nun über Bussgelder von den hereingelegten Banken wieder zu Geld kommen. Die US-hörigen Medien aus der Welt der Wertegemeinschaft, die schon eher eine Defizitgemeinschaft ist, wagen noch gar nicht, im Klartext darüber zu sprechen und die Zustände im Armenhaus Amerika, in dem kleine Geister grosse Knüppel schwingen, realistisch zu schildern. Zum Glück spendet Hugo Chávez, der Staatspräsident von Venezuela, gelegentlich den Ärmsten in den USA etwas Heizöl.
 
Noch wagt kaum jemand öffentlich auszusprechen, dass diese Vorgänge der letzte Beweis für das Totalversagen des Neoliberalismus sind, dieser intensivierten Neuausgabe des Kapitalismus im Rahmen der rundum ruinösen Globalisierung. Zwar lautet die Grundthese der neoliberalen Weltanschauung, der Staat müsse sich aus den Märkten heraushalten und selbst von sozialen Leistungen (wie Krankenversicherung, Pensionsvorsorge und öffentlichen Bildungsanstrengungen) wo immer möglich die Finger lassen, damit die Konkurrenz (weit abseits der Chancengleichheit) alles lösen kann; ein paar „Working poor“ und Arbeitslose bleiben dann halt auf der Strecke. Das Erfolgsmodell der von Verantwortung getragenen Sozialen Marktwirtschaft musste den Anforderungen der entfesselten, rücksichtslosen Finanzmärkte weichen. Aber wenn das alles versagt, greift die US-Weltherrschaft gleichwohl wieder zum Mittel der Finanzspritze – damit die Leute, die sämtliche Kreditkarten bis zum Anschlag überzogen haben, wieder mehr kaufen und die Illusion vom unaufhaltsamen Wirtschaftswachstum genährt und noch für kurze Zeit am Leben erhalten werden kann.
 
Mit 150 Milliarden USD will Bush aus den Kassen, in denen sich nur Schuldbriefe angesammelt haben, die Rezession, die längst vorhanden ist, verhindern ... Den Familien, die erfahrungsgemäss ebenfalls nicht mit Geld umgehen können, sollen bis zu 1600 USD nachgeschossen werden, auch in Form von Steuererleichterungen. Dies ist obendrein der Beweis dafür, wie himmeltraurig es der US-Wirtschaft tatsächlich geht (Medien-Euphemismus: „kränkelnde Wirtschaft“). Die US-Börse ist ob dieses Hüstelns auf Tauchgang, und die Mitläuferbörsen in aller Welt versuchen, im üblichen vorauseilenden Gehorsam die Talfahrt der Kurse noch zu übertreffen, gemäss der längst überholten Anschauung, dass die USA der Finanznabel der Welt sind. Die Irritationen sind grenzenlos und umso verheerender. Die Folgen wirtschaftskriminellen Verhaltens wird durch flankierende Dummheiten von aussen vergrössert.
 
Schon in den 1970er-Jahren hat der Club of Rome dies festgestellt: „Das Wirtschaftswachstum verspricht viel, hält wenig und vergrössert erst noch die Probleme, die es zu lösen vorgibt.“ Das vergötterte Bruttoinlandprodukt BIP ist kein Massstab für Gutes, sondern man kann es auch durch Umweltzerstörungen oder durch intensivere Behandlungen der krank erklärten Menschen vergrössern, woraus sich ergibt, dass es alles andere als eine verbesserte Lebensqualität spiegelt. Der Preis für das Wachstum auf einer begrenzten Erde sind eine zerstörte Natur, eine verringerte biologische Vielfalt (Gentechnik), verseuchte Erde, vergiftetes Wasser, Gestank und Feinstaub, Lärm, schleichende, diffuse Krankheiten – ein Austritt aus den Naturkreisläufen mit den entsprechenden Krankheitsfolgen. Kollateralschäden eben, die das BIP beleben.
 
Die USA müssten allmählich zu neuen geistigen Ufern aufbrechen, wenn das infolge vernachlässigter Bildungsanstrengungen überhaupt noch möglich wäre. Doch anderseits ist wenig dagegen einzuwenden, wenn es allmählich seine Vorreiterrolle als Heldennation verliert. Gestern schon stand jenes Land am Rande des Abgrunds. Heute ist es bereits einen Schritt weiter.
 
Was wieder hoffen lässt.
 
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