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BLOG vom 25.01.2008


Bern: Vom Rosengarten über den Friedhof zu Paul Klee
Autorin: Rita Lorenzetti, Zürich
 
Auf gut Glück sind wir in Bern zum Rosengarten gepilgert, doch die Ahnung bestätigte sich. Das Restaurant befindet sich noch bis März im Winterschlaf. Gleichwohl ist ein Spaziergang auch im Winter lohnenswert, denn die Aussicht auf Bern, auf ihre Altstadtreihen und den sie umfliessenden Aareschlauf ist einfach wunderschön.
 
Hier oben auf dem Hügel, der sich vom Bärengraben her auf dem Fussgängerweg „Aargauerstalden“ erreichen lässt, befindet man sich in einer Parkanlage, von der es heisst, sie sei ein Mekka für jeden Blumenliebhaber. Hier blüht vom Frühling bis zum Herbst immer etwas. Rosen, Rhododendren, Azaleen und Iris, geben den Ton an. Der Park ist auf einem alten (17651877), still gelegten Friedhofgelände angelegt. Eine Oase. Ein Ort fern von hektischem Stadtleben und der Stadt doch nahe.
 
Wir waren zur Buchpräsentation ins ehemalige Pförtnerhaus am Rande des Schlosshaldenfriedhofs gekommen, wo der „Verlag Rothe Drucke“ die bibliophile Ausgabe „Wer auch immer“, eine Grafikedition mit Werken von Alois Lichtsteiner, auflegte. Der Weg dorthin liess sich gut mit dem Besuch im Rosengarten kombinieren. Später bereicherten noch der Spaziergang durch den angrenzenden Friedhof und einige Zufälle unser ursprüngliches Ziel.
 
Da war einmal der Bereich der Gräber für Kinder. Mit seinem Sammelsurium von sich bewegenden Elementen, Windrädern, Blumen, Figuren, Worten und Bildern war eine frohe Stimmung auszumachen, obwohl der Tod von Kindern etwas Tieftrauriges ist. Hier wehte ein versöhnlicher Geist. Gleich daneben fanden wir unerwartet das Grab von Paul Klee und seiner Frau und realisierten bald einmal, dass wir uns im nahen Umfeld jenes Zentrums befanden, das 2005 für seine Werke geschaffen worden war.
 
Der Text auf der Grabplatte ist anrührend. Es heisst da:
 
„Hier ruht der Maler Paul Klee 18.12.1879–29. Juni 1940
 
Diesseitig bin ich gar nicht fassbar. Denn ich wohne grad so gut bei den Toten, wie bei den Ungeborenen. Etwas näher dem Herzen der Schöpfung als üblich. Und noch lange nicht nahe genug.“
 
Gleich nebenan ist der Weg zur Luft-Station angelegt. So lautet auch der Name eines Werkes von Klee. Um die Form eines Kegels führt ein Pfad spiralförmig nach oben und belohnt alle, die diesen kurzen Weg gehen, mit der grossartigen Aussicht zum Alpenkranz hin.
 
Die gute Stimmung blieb um uns auch im „Zentrum Paul Klee“, beim Essen und später im Gespräch mit einer Museums-Angestellten, die auf den Auftakt zum Ausstellungsjahr 2008 hinwies. Die neue, am 26. Januar 2008, anlaufende Ausstellung widmet sich der GENESIS und behandelt das Thema „Die Kunst als Schöpfung“. Die Themen sind weitreichend und spannend. Sie können unter www.zpk.org aufgerufen werden. Zu dieser Ausstellung würden auch lebende Hühner gehören, sagte uns diese Frau. Man sei eben daran, den Hühnerhof aufzubauen. Gerade vorhin seien die Hühner angeliefert worden. Da fanden wir sie dann draussen, noch in ihren Plastikkörben, eng zusammengepfercht, wartend, was da kommen soll. Sie dauerten mich. Es waren schöne Exemplare, auch ein Perlhuhn und farbig schillernde Hähne. Sie dürfte es wenig interessieren, was die Menschen im Gesprächslabor dann miteinander beraten und zum Thema „Vom Urknall zum Homo Sapiens“ denken werden. Hoffentlich wird ihnen ein artgerechter Hühnerhof aufgebaut, in dem sie ein anständiges, ihnen entsprechendes Leben führen können. Was nützen alle Worte, wenn sie nicht auf die Bedürfnisse des Lebendigen eingehen?
 
Im Laufe des vergangenen Jahres kam ich erstmals ins Zentrum Paul Klee. Die Frauengruppe, der ich angehörte, wurde von 2 verschiedenen Personen (eine Frau und ein Mann) durch die Ausstellung geführt. Ich war jener zugeordnet, die von einem Kunsthistoriker betreut wurde. An ihn dachte ich bei diesem erneuten Besuch und dem Anblick der Hühner. Zu viel Wissen und zu viele Worte können schädlich sein. Wir wurden damals mit kunsthistorischem Wissen geradezu übergossen. Es gab im Referat keinen überflüssigen Atemzug. Eine echte Begegnung mit einem Bild war für mich unmöglich. Ich bekam Kopfweh und beneidete die andere Gruppe, die auf ganz ruhige Weise den gefühlsmässigen Zugang zu Klee fand.
 
Der erneute Besuch in denselben Hallen hat nun einen Ausgleich geschaffen. Primo und ich liessen uns von Bildern gefühlsmässig leiten. Wir schauten und hörten. Heisst es nicht: Ein Bild spricht mehr als 1000 Worte?
 
Literatur zu Ausstellungen und Künstler-Biografien interessieren mich auch. Aber erst, wenn ich wieder zu Hause bin und ich das Geschaute verinnerlicht habe.
 
Ganz anders die Situation, wenn Kühe sich mit Kunstbüchern befassen. Ein Lieblingswitz von mir lautet so:
Auf der Wiese, in zartem Gras liegend, vertieft sich eine intellektuelle Kuh in die Betrachtung eines Bildbandes. „Was siehst du dir an?“ fragt der Ochse. „Etwas Faszinierendes von meinem Lieblingsmaler.“ „Wie heisst er denn?“ „Klee.“
 
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