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BLOG vom 07.02.2008


Apassionata in Basel: Rassige Pferde und wilde Reitkünste
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
„Grand Voyage.“ So heisst die neue Show von Apassionata, der erfolgreichsten Pferde-Gala Europas. Es ist bereits die 5. Show von Apassionata. Die Vorgängershows wurden bisher immer auch in Basel gezeigt. In der diesjährigen Vorschau wurde behauptet, dass noch nie bei Apassionata eine solche Vielfalt an Pferderassen und Reitweisen gezeigt worden sei. Man durfte also gespannt sein auf die so verheissungsvoll angekündigte Show.
 
Einen Tag vor der 5. Show in Basel wusste ich noch nicht, dass mir ein besonderes Vergnügen bevorstand. Da meine Tochter Daniela, eine Pferdekennerin und begeisterte Reiterin, eine Eintrittskarte übrig hatte, bot sie mir diese an. Ich kam also wie die Jungfrau zum Kind zu dieser Karte!
 
Wir fuhren am 02.02.2008 zu Viert (meine Tochter, eine Freundin mit ihrem Schwiegervater und ich) zur St. Jakobshalle nach Basel. 30 Minuten vor Beginn um 15 Uhr drängten sich schon viele Menschen in die 9000 Besucher fassende Halle. Wir nahmen unsere Plätze in Block M (6. Reihe, Plätze 6‒9) ein und warteten geduldig auf das Ereignis. Langsam füllte sich die Halle. Ich schätze, dass endlich etwa 7000 Pferdefreunde anwesend waren.
 
Der Veranstalter setzte mit dem ungarischen Regisseur Sándor Román neue Massstäbe. „Eine aufwendige, moderne Bühnenkonstruktion mit Spezial-Effekten ist ein Teil davon. Genauso beeindruckend sind jedoch die wundervollen Choreographien des Tanz-Ensembles ,ExperiDance’, das ungarische Folklore mit der europäischen Moderne zu einem eigenen Stil verbindet – und damit die Darbietungen der edlen Pferde untermalt. Dazu kommen prächtige Kostüme, eine eigens komponierte Musik sowie eindrucksvolle Licht-Effekte.“ Dies konnte ich im Programmheft lesen. Wir wurden nicht enttäuscht. Während die künstlerischen Darbietungen der Reiter und Reiterinnen mit ihren Pferden auf der rechteckigen, sandigen Arena vonstatten gingen, steppte und tanzte auf einer Bühne, passend zum Thema, das Tanz-Ensemble. Die Teilnehmer der Gruppe ExperiDance (www.experidance.hu) werden übrigens „tanzende Botschafter Ungarns“ genannt.
 
Moderator Gerhard Schmitt-Thiel, die „Stimme“ von Apassionata, gab zu Beginn der Show einen kurzen Einblick in die Stammesgeschichte der Pferde und eine kleine Vorschau auf die zu erwartenden Darbietungen.
 
Reise um die Welt
Dann gings mit der Reise um die Welt los. Da erschien Sylvie Willms in einem zauberhaften weissen Kleid mit ihrem weissen Lusitano „Litador“. Es war ein phantastischer Anblick, der uns alle in eine Traumwelt versetzte. Die Tochter von Alex und Celine Willms zeigte ihre atemberaubenden Freiheitsdressuren, die ich in dieser Form noch nie gesehen habe. In dieser Dressur war in perfekter Weise die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd ohne Hilfsmittel zu erkennen. Wir waren von der kraftvollen Schönheit und zugleich tänzerischen Leichtigkeit von Litador hellauf begeistert.
 
Kurz darauf wurden Feuerbälle in die Arena gezogen. Dann wurde ein Lusitanohengst von seinem Reiter freihändig durch das Flammenmeer geleitet. Die Darbietung wurde mit einer gefühlvollen Musik begleitet.
 
Nicht nur die zahlreichen Pferdeliebhaber unter den Zuschauern waren aus dem Häuschen, als die wilden Reiter der mongolischen Steppe in rasantem Tempo die Arena überquerten. Die Reitervölker mussten ja flinke Pferde haben, um sich gegen Feinde zu verteidigen. Die deutsche Meisterin im berittenen Bogenschiessen, Petra Engeländer, zeigte auf ihrem Huzulenpferd „Turul“, wie man mit grosser Präzision auf das Schild des Gegners schiessen kann.
 
Beeindruckend war auch die Darbietung von Evelyne Schmitz-Karrer auf einem Friesen. Und ein weiterer Höhepunkt war die Reitkunst der Samurai. In einem fulminanten Galopp bahnten sich schwer bewaffnete Samurais den Weg in die Arena.
 
Auch der Wilde Westen war in Basel zu Gast. Der tschechische Trick-Roping-Weltmeister Leo Holcknecht zeigte auf seinem Shagya-Araber Lasso-Künste aller Art. Zunächst drehte er das Lasso zu einem Kreis, dann wurde dieser immer grösser, so dass der Lassokreis sein Pferd umgab. Dann ritt er noch auf seinem Pferd mit diesem kreisförmig geschwungenen Lasso ein Stück des Weges in der Arena. Zu meiner Tochter sagte ich scherzhaft: „Wenn ich Cowboy geworden wäre, dann könnte ich dies auch!“ Aber es hat nicht sollen sein.
 
Töltende Islandpferde
Für mich war die Reise durch die Schönheit Irlands besonders attraktiv. Auf der Leinwand wurden Bilder von Irland gezeigt, auf der Bühne steppten die Tänzer zu einer keltischen Musik. Die synchronen Steppschritte harmonierten mit den töltenden Islandpferden in der Arena. Da ich noch nie etwas vom Tölten gehört hatte, machte ich mich kundig. Der Moderator Schmitt-Thiel sagte zwar in einer Vorankündigung, dass das Tölten nach Schritt, Trab und Galopp die 4. Gangart der Pferde sei (die 5. Gangart ist Pass, diesen können die Islandpferde auch). Es gibt nur wenige Pferde auf der Welt, die mehr als 3 Gänge einlegen können. Den meisten warmblütigen Pferden wurde diese Gangart weggezüchtet.
 
Das Reiten im Tölt ist sehr angenehm, weil das „Gehoppel“ der Reiter, wie ich das als Nichtpferdeexperte einmal sagen möchte, wegfällt. Der Tölt ist, wie Fachleute sagen, ein Viertakt in 8 Phasen. Im Tölt gibt es keine Schwebephasen, abwechselnd sind im Tritt immer ein oder 2 Beine am Boden. Im Rennpass ist das Pferd sehr schnell. In Island waren diese Gangarten vor Einführung des Autoverkehrs und nach Vollendung der Ringstrasse notwendig, um schnell und bequem ans Ziel zu gelangen. Denn, wer möchte schon eine Tagesreise im Galopp unternehmen.
 
Die Show mit den Islandpferden stand übrigens unter der Leitung des vierfachen Weltmeisters und mehrfachen Championatsiegers Styrmir Arnason.
 
Das kleinste Dressurpferd der Welt
Die Reise ging weiter nach Indien. Hier zeigten edle Lusitanerhengste des Grossmeisters Luis Valença die Hohe Schule am langen Zügel wie auch an der Hand.
 
Der Garrocha-Meister Sebastian Fernandez ritt mit einem stolzen Andalusierhengst in die Arena. Hier wurden unter den Paso-Doble-Klängen schwierige Lektionen iberischer Reitkunst dargeboten.
 
Arabische Nächte waren in Basel auch zu sehen. 4 Araberhengste trabten und galoppierten in vollkommener Freiheit durch die Arena, begleitet von einer zauberhaften „Haremsdame“.
 
Auch das Nachtleben in der Moulin Rouge klang an: Imposante Friesen verkörperten Eleganz und Pracht des Paris des 19. Jahrhunderts. Besondere Aufmerksamkeit war dem kleinsten Dressurpferd der Welt, dem Mini-Shetland-Pony „Rasputin“ gewiss. Während des Cancans zeigte er seine Kunststücke.
 
Zwischen den atemberaubenden Darbietungen wurden immer ruhigere Töne angeschlagen. Unter dem Motto „Reise zu den Sternen“ führten das Ehepaar Filipa Valença und Frederico Cardoso auf 2 cremellofarbenen Lusitanohengsten einen Pas-de-Deux mit den schwierigsten Lektionen der Hohen Schule vor.
 
Die Reise um die Welt endete in Brasilien. In „Samba do Brazil“ kam das feurige Temperament der Südamerikaner richtig zur Geltung. Rassige Samba-Tänzerinnen feuerten die Reiter mit ihren Pferden an.
 
Ein Höhepunkt war die Trickreit-Equipe „EquesTrio“, die in atemberaubendem Tempo auf ihren wendigen Berberhengsten zu karibischen Klängen durch die Arena wirbelten. Während des Ritts schwangen sich die grazilen Reiter vom Rücken auf den Boden, dann wieder zurück und auf der anderen Seite wieder nach unten und dann wieder auf den Rücken der Pferde. Manchmal glaubte man, die Reiter würden vom Pferd geworfen. Aber sie schwangen sich immer sicher zurück.
 
Der schwierige Anfang
Während dieser Darbietung musste ich an meine eigenen Reitkünste denken. Anlässlich eines Urlaubs Anfang der 1980er-Jahre auf Fehmarn nahm ich 2 Reitstunden. Während der 2. Stunde durfte die Gruppe ins Freie und das gelernte Repertoire unter Beweis stellen. Als wir so langsam dahintrabten, wurde mein Pferd unruhig. Es hatte wohl Durst, da an diesem Tag die Sonne nur so herunterbrannte. Plötzlich rannte der Hengst im Galopp zu einer Wasserstelle, stoppte, hing sein Maul ins Wasser und schlürfte das erfrischende Nass. Ich hielt mich krampfhaft am Sattel fest, rutschte jedoch etwas nach vorne und konnte gerade noch verhindern, dass ich nicht kopfüber ins Wasser plumpste. Es war meine erste erfolgreiche und letzte akrobatische Übung auf einem Pferd – zirkusreif …
 
Das Finale
Zum Schluss zeigte Sylvie Willms noch einmal eine wunderschöne Dressur mit ihrem schneeweissen Lusitanohengst „Litador“.
 
Aber damit war die Show noch nicht beendet. Behäbig kurvte ein Schweizer auf einem Wagen, der von 2 Haflingern gezogen wurde, durch die Arena. Auf dem Rücksitz sassen 2 schöne Mädels, die Wimpel schwenkten. Der Wagen hatte noch 2 Weinfässer geladen. Moderator Schmitt-Thiel konnte sich nicht zurückhalten und sagte: „Nun sind auch die Schweizer in Basel angekommen. Sie haben sogar ihre Verpflegung mitgebracht.“
 
Alles in allem war „Grand Voyage“ von Apassionata ein sehr schönes Erlebnis. Alle Mitwirkenden begeisterten die Besucher, darunter viele Familien mit ihren Kindern.
 
Auch ich erfreute mich an dem Gezeigten. Dies hätte ich vorher nicht für möglich gehalten. Wer eine solche Show versäumt hat, der kann ja im nächsten Jahr nach Basel oder anderswo reisen.
 
Was mich gestört hat, war die zu laute Musik und das lange Warten im Parkhaus nach der Vorstellung. Wir warteten fast eine Stunde, um wieder in die Freiheit zu gelangen. Das nächste Mal werden wir etwas weiter von der Halle parken oder eine Stunde bummeln gehen.
 
Infos im Internet
www.topact.ch (Veranstaltungen in Basel)
www.dkthr.de (Infos zum Therapeutischen Reiten; Apassionata spendet übrigens Reittherapien)
www.apassionata.de (Fanartikel)
 
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