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BLOG vom 15.02.2008


Vorarlberg (1): Das Skipistenwandern im Grossen Walsertal
Autor: Walter Hess, Biberstein CH (Textatelier.com)
 
In meinen Jugendjahren, den 1940ern, war die Skitechnik noch auf keinem beachtlichen Niveau. Nach meiner eigenen Wahrnehmung war gerade die Fasstuben-Phase überwunden: Man hatte Skis aus den gerundeten Fassbrettern hergestellt, band sich also Holzbretter ohne Taillierung an die Winterschuhe. Dann kamen Skis aus Holz mit markant nach oben gebogener Spitze, die in einen Nippel auslief, und Kabelbindungen auf den Markt, die man auf der Seite mit einem zurückklappbaren Hebel spannen konnte. Dies waren so etwas wie Telemarker, wie man sie in Norwegen kannte und die in Kurven einfach nicht so richtig mitmachen wollten. Als Schuhwerk benützte man irgendwelche hohen Schuhe, wie man sie im Winter trug; besser geeignete hatten eine Rille um die Absätze, damit die gespannte Haltefeder nicht abrutschte. Die Schuhe, mit einem Lederriemchen befestigt, sassen nicht besonders fest am Fuss, je nachdem man die Schuhbändel angespannt hatte. Bei einer Hangfahrt im Neckertal (St. Peterzell, Kanton St. Gallen) verlor ich einmal einen Ski samt Schuh. Die Fahrt stand im Zusammenhang mit schulischem Turnunterricht.
 
In reiferen Jahren wurde ich dann familiär gezwungen, Langlauf zu üben, was mir harmlos zu sein schien. Wir fuhren nach Grächen/St. Niklaus im Wallis und hatten die Steilheit des Geländes unterschätzt. Ich fuhr wie ein Auto ohne Bremsen auf eisigen Pisten, und ich war froh, alle Knochen intakt heimzubringen und dass ich nicht in der Umgebung des Schlingsteins, den eine Hexe vom Durlochhorn herangerollt haben soll, zerschellte.
 
So konnte sich meine Freude an Fussbrettern irgendwelcher Art nie richtig entfalten. Meine aus dem Bündnerland stammende Frau Eva, der kein Hang steil genug ist und meines Erachtens der Skinationalmannschaft seinerzeit gut angestanden hätte, trugs mit Fassung. Aber als um den 10. Februar 2008 der Himmel strahlend blau war, bot sie mich zu einem Ausflug an die Sonne in der Höhe auf. Ja. Wohin? Mitten in der Arena eines Skizirkus’ den unbeholfenen Clown spielen, mochte ich nicht. Die rettende Idee stellte sich ein, als ich mich an eine Pressenotiz erinnerte, wonach des Grosse Walsertal im Vorarlbergischen (Österreich) am 10. November 2000 von der Unesco als Biosphärenpark anerkannt worden sei. Ich nahm an, dass Eva mit ihren Walser Wurzeln daran ein gehobenes Interesse haben müsse. Sie war dabei, nachdem ich ihr gesagt hatte, dass wir mit dem Prius in weniger als 3 Stunden dorthin gelangen würden.
 
Reise nach Faschina
Mit Müh’ und Not fand ich via Internet und mehrerer Telefonate ein freies Zimmer  und zwar im Alpen-Gasthof Rössle in A-6733 Faschina, ganz oben im Grossen Walsertal, am Faschinajoch auf 1500 Höhenmetern. Am frühen Morgen des 11. Februar 2008 fuhren wir im Aargau los, tangierten Zürich auf der Nordumfahrung, strebten bei Morgendunst St. Gallen und St. Margrethen zu, wo wir uns in der Autobahnraststätte einen Kaffee und eine Apfel-Blätterteigtasche zur Einstimmung auf typische österreichische Kulinarikfreuden zuführten. Die Landesgrenze passierten wir bei der Marktgemeinde Hohenems, ein industrialisiertes Strassendorf mit Schloss. Das Navigationssystem leitete uns alsdann über Altach‒Götzis auf der Innsbruck zustrebenden Autobahn E 60 bis Gais/Bludesch und dann hinauf zum Grossen Walsertal, Richtung Thüringen/Thüringerberg. Damit waren wir ins Biosphärenreservat eingestiegen, hielten in jeder Ortschaft an – darüber werde ich in einem speziellen Blog berichten.
 
Kurz nach Mittag landeten wir oben auf dem Faschinajoch. Dort strahlte alles: Die Sonne, die schneeweissen Hänge mit Netzen aus Lawinen- und Steinschlagverbauungen.
 
Auf der Terrasse des Hotels Faschina liessen wir uns direkt gegenüber des Türtschhorns (2069 m) und den Sonnenköpfles nieder, genossen das intensive Licht und die Wärme noch mehr als den Cynar, die Spätzle, das Saftgulasch zu einem Zweigelt-Wein. Im Projekt „Genussspechte“ wird hier mit den einheimischen Sennereien, Metzgereien und Bäckereien zusammengearbeitet. Als die Serviererin Agnes L’Allemand, die philippinische/chinesische und spanische Wurzeln hat und die ich dem Tibet zugeordnet hätte, den von ihrer Chefin Hildegard Sperger hausgemachten Heidelbeerkuchen mit zartem Meringuedeckel empfahl, mochten wir nicht nein sagen; das wäre ein Fehler gewesen, wie sich herausstellen sollte.
 
Seilbahnen Faschina
Anschliessend entschied ich mich spontan zu einer (Doppel-)Sesselbahnfahrt hinauf auf die Mittelstation Hahnenköpfle (1780 m) und weiter bis zur Bergstation Stafelalpe (1865 m) vor dem Schluchtensattel und dem Glatthorn (Kosten des Rückfahrtbillets: 8.50 Euro pro Person, www.faschina.at). In der Nähe waren die Glatthornbahn und der Schlepplift Guggernülli.
 
Wir fielen auf dem Hahnekopf dadurch auf, dass wir keine Skier oder anderen Bretter mit uns schleppten. Ich sagte dem Seilbahnangestellten Simon Mähr an der Endstation, wir hätten die Skier vergessen, was im hohen Alter ja einmal passieren könnte. Er hatte sein Vergnügen an solchen merkwürdigen Touristen, erklärte uns das Panorama. Das Zapfern Horn (2107 m) erinnerte mich wegen seiner Form eindeutig ans Matterhorn oberhalb Zermatt VS, was ich denn auch kundtat. Simon Mähr sagte ja, man habe das Zapfern Horn noch etwas „zurechtgesprengt“, damit die Formen exakt übereinstimmten ... In weiterer Entfernung grüsste der etwas exzentrische Annalper Stecken, und noch mehr südlich die Rote Wand mit dem Rothorn – alles in Schneeweiss, weisser als die schroffen Kalkwände.
 
Zur Franz-Josef-Hütte
Die Sesselbahn trug Eva davon; sie war etwas schneller beim Einsteigen gewesen, und ich setzte mich in den nächsten Doppelsessel, klappte die Haltevorrichtung hinunter und schien zu fliegen. Ein Mann, der uns bergwärts fahrend kreuzte, rief: „Habt Ihr Krach?“ Das könne nach 45 Ehejahren ja einmal passieren, schmetterte ich in die friedliche Bergwelt hinaus. Auf der Mittelstation brachte Eva durch heftiges Gestikulieren die Bahn zum Anhalten, und wir setzten unsere Wanderschuhe wieder auf festen Boden. Auf der strassenähnlichen, planierten Skipiste wanderten wir hinunter zur Franz-Josef-Hütte im Schluchtensattel (Gemeinde A-6733 Fontanella). Ob Franz Joseph I., der aus dem Hause Habsburg-Lothringen stammte und 1848‒1916 Kaiser von Österreich war, einmal hier weilte, weiss ich nicht. Wohl kaum. Er hatte als Integrationsgestalt wohl genug damit zu tun, das Habsburgerreich, ein Klein-Europa, zusammenzuhalten, das nach seinem Tod, der ihn in seinem Schloss Schönbrunn ereilte, zerfiel.
 
Wenn mich die kleinen Kinder von vielleicht 5 Jahren ebenso wie erwachsene Skihasen mit eleganten Schwüngen überholten, Abkürzungen über steile Abhänge nahmen, wedelten, wendeten, wenn junge Burschen und Mädels Kapriolen auf ihren Snowboards vollführten, kam ich mir, unter uns gesagt, schon etwas trottelig vor. Eva äusserte etwas wehmütig, es wäre halt schon schön, hier Schi zu fahren. Ich machte auf die Vorzüge unserer besonderen Situation aufmerksam: Wir lebten dem Skipisten-Motto „Safety first“ extrem nach und hätten uneingeschränkt Musse, unsere Konzentration auf die Schönheiten der hochalpinen Welt zu richten und sie in vollen Zügen zu geniessen. Womit die Situation natürlich einigermassen gerettet war. Zudem wies ich darauf hin, dass wir soeben eine vollkommen neue Sportart erfunden hätten: das Skipistenwandern nämlich. Selbst dieses zusammengesetzte Wort gab es bisher nicht. Ich bat Eva, gebührend stolz darauf zu sein, einen derart kreativen Ehemann zu haben. Die fälligen Begeisterungsstürme liessen vorläufig noch auf sich warten. Manchmal braucht es eben noch etwas Zeit, bis die vollen Dimensionen von Neuerfindungen erkannt werden. Skipistenwanderer bewirken, wie ich aufgrund von Selbstversuchen mitteilen kann, eine Beruhigung der Rasereien auf den Pisten und sollten wenigstens von den Beratungsstellen für Unfallverhütung unbedingt gesponsert werden.
 
Die Sonne verabschiedete sich soeben hinter dem Glatthorn, und wir stiegen aus eigener Kraft zur Mittelstation unter dem Hahnenkopf hinauf und liessen uns nach Faschina zurücktragen. Die gedrehten, starken Drahtseile des Sessellifts hielten stand.
 
Sauna im „Rössle“
Wir nahmen das Gepäck aus dem Auto und meldeten uns im „Rössle“ an, das ganz auf der Jochhöhe liegt, offensichtlich ein Traditionshaus. Der walserstämmige Wirt, Otmar Schäfer, der mir schon beim Reservationsprozedere einen ausserordentlich freundlichen und zuverlässigen Eindruck gemacht hatte, empfing uns auf jene ausnehmend nette Art, wie man sie fast nur in Österreich findet. Überhaupt ist uns einmal mehr aufgefallen, wie freundliche Menschen die Vorarlberger und die Österreicher überhaupt sind. Auch im Strassenverkehr: da gibt es kein ungeduldiges Hupen, wenn man einmal nicht gleich mit der Höchstgeschwindigkeit losdonnert. Und wenn man eine Auskunft haben möchte, nimmt sich jedermann Zeit, um die Frage zu klären.
 
Herr Schäfer schaltete gleich die Biosauna ein; die müssten wir unbedingt nutzen, sagte er. Da gab es keine Diskussion. Wir bezogen das helle, saubere, geräumige Zimmer 3, holten in der Sauna Bademäntel. Dort unten duschten wir und stiegen dann in den auf 50 °C vorgeheizten Bretterverschlag, in dem sich bereits eine dreiköpfige Familie und eine Single-Dame eingenistet hatten, deren Mann offenbar aufgrund von Kindheitserlebnissen Sauna-Aversionen hatte, wie das bei mir hinsichtlich des Skifahrens der Fall ist. Es kamen noch 2 Männer dazu. Eine der Damen setzte sich dafür ein, dass die Temperatur hochgefahren wurde, goss Wasser nach, das sich zischend in Dampf verwandelte, liess ein Handtuch profimässig in der heissen Luft kreisen, was die Wärme spürbarer werden liess. In gemeinsamer, abwägender Diskussion entschieden wir uns für Latschenkieferöl als aromatisierenden Duftstoff: bei der Latsche handelt es sich um die kleinwüchsige, strauchartige Bergkiefer (Pinus mungo). Doch im entsprechenden Fläschchen war fast Ebbe.
 
Bei weiterhin ansteigender Temperatur verkündete ich den Mitschwitzenden, meine Teilnahme finde bei höchstens 220 °C ein Ende, das heisst, wenn die ersten grillartigen Krusten auftauchen würden. Inzwischen flossen Schweissbächlein durch die Hügelwelt der weiblichen Busen und über unsere behaarten Männerbrüste. Ich befürchtete, dass meine Fettschicht, gebildet aus hochwertigen Ölen mit den begehrtesten aller Omega-Fettsäuren, allzu sehr in einen frühlingshaften Schmelzprozess geraten könnten und befasste mich mit Fluchtgedanken. Zwar war in dieser Sauna eine drehbare Sanduhr; doch hatte ich diese nicht konsequent genug bedient, und so wusste ich nicht, wie lange ich hier ausgeharrt hatte. Aber ich wusste ja ohnehin nicht, welches die Idealzeit für mich war.
 
Ich liess mir von den anwesenden Saunaexperten noch das weitere Vorgehen erklären. Der gross gewachsene Familienvater machte das Abschrecken mit eiskaltem Wasser aus einem Kübel, der unter der Diele auf die Total-Entleerung in einem Guss wartete, gleich vor; wir konnten dieses schreckliche Geschehen durch das Glasfenster in der Saunatüre mitverfolgen. Ich selber wählte die sanftere Variante, beginnend mit dem Abkühlen des herzabgewandten rechten, dann des linken Beins, des rechten und linken Arms und schliesslich liess ich das kalte Nass über den Kopf und den gesamten Körper fliessen. Dabei ergebe sich ein herrliches Prickeln, schwärmte eine junge, schön proportionierte Dame, die mir in der Sauna besser noch als in voller Montur beim anschliessenden Abendessen gefiel. Das Prickeln wollte sich bei mir allerdings nicht so richtig einstellen. Ich spürte einfach eine kalte Erfrischung, an die sich eine wohltuende Entspannung anschloss, die ich zuerst bei klassischer Musik in einem Liegestuhl im Sauna-Vorraum und dann in unserem Zimmer, auf dem Bett liegend, genoss.
 
Walser-Gastronomie
Wir hatten im „Rössle“ Halbpension gebucht, worin ein 4-Gang-Abendessen inbegriffen war (Kosten für Abendessen, Sauna, Zimmer und Frühstück: 64,50 Euro pro Person und Tag, was wirklich preiswert war). Das Sesselbahnfahren in grosser Höhe macht hungrig.
 
Ich hatte mich im Kochbuch „Ein Genuss. So schmeckt’s im Biosphärenpark Grosses Walsertal“ über die kulinarischen Sitten in diesem Gebiet kundig gemacht. Darin sind unter anderen auch Andrea und Otmar Schäfer mit dem Rezept für eine „Schweineschulter in Milch geschmort“ erwähnt. In unserem Falle gabs eine Fleischbrühe mit Broterbsen-Einlagen und dann mit Walserstolz-Käse (dem einheimischen, garantiert silofreien Bergkäse) überbackenen Brokkoli. Andrea Schäfer bediente uns persönlich und machte kein Hehl daraus, dass jetzt auf dem Faschinajoch gerade kein Brokkoli wächst. Wir sahen das ein. Ich erlebte dann zu Nudeln noch einmal eine Rindsgulasch-Version, die säuerlich-rahmig war und mir gefiel. Der Vernatsch kam aus dem Südtirol; beim Rebbau können selbst gebirgige Biospärenreservate nicht mithalten. Das Dessert bestand aus einem warmen Apfelstrudel und einer Sorbetkugel mit Schokoladesplittern. Das Vöslauer Mineralwasser, mit dem wir den Durst stillten, kam aus einer bläulichen Glasflasche, die wie eine Plastikflasche aussah; noch nie habe ich gesehen, dass mit edlem Glas Kunststoff imitiert wird und empfand das als entsprechend originell.
 
Die Nacht war herrlich ruhig und erholsam. Nach dem Frühstück mit Nahrhaftem aus der Müsli-, Eier- und Fleischecke packten wir zusammen und begaben uns gleich an die Morgensonne. Doch erwies sich, dass Faschina kein ausgesprochenes Winterwandergebiet ist – im Sommer ist das anders, wie den Wanderwegweisern abzulesen ist, und dann soll hier auch die Pflanzenwelt grandios sein.
 
Ein paar Schritte nur sind es hinunter zur Kapelle der heilig gesprochenen Anna, die der in Fontanella geborene Dr. Josef Hartmann, der spätere Bürgermeister von Wien, um 1700 erbauen liess und die 1951/52 restauriert wurde.
 
In Damüls
Bald fuhren wir ostwärts – und das bedeutet auch talabwärts – durch eine ausgedehnte Galerie und einen Tunnel hinunter nach Damüls im Bregenzerwald, wo der Wintersportbetrieb um Grössenordnungen intensiver als auf dem Joch war.
 
Bei Damüls handelt es sich ebenfalls um eine Walsersiedlung, zu der die Grafen Rudolf und Berthold von Montafon den Impuls gaben. Sie belehnten 5 Walser samt ihren Angehörigen im Mai 1313 mit der „Allb ze Ugen“, welche diese zu einer Dauersiedlung ausbauten. 1326 überliessen die Montafoner den fleissigen Walsern die Alpe Damils, deren Name später auf das ganze Siedlungsgebiet übertragen wurde. Und inzwischen hat sich hier ein belebtes Skigebiet mit 9 Sesselbahnen und 1 Seillift entwickelt.
 
Eva zeigte mir in einem Sportgeschäft beim grossen Parkplatz beim Krumbach Schneeschuhe, die wahrscheinlich unsere nächste Anschaffung sein werden. Das sind raffinierte technische Konstruktionen zum Auf- und Absteigen bei Schnee und Eis, verschiedenartig verstellbar. Doch vorerst genügten unsere Wanderschuhe mit dem prägnanten Sohlenprofil vollauf. Wir wanderten gegen Mittag auf der meist aperen Strasse unter der Damülser Mittagsspitze hinauf Richtung Vordere Uga Alpe, gelegentlich unter der Sesselbahn, die gerade unter Volllast fuhr; bei der Talstation hatten sich Schlangen aus bebretterten Menschen gebildet.
 
Schifahrer und Snowborder erschienen mir wie etwas abgewandelte Sysiphos-Nachfahren. Der Gründer der Stadt Korinth musste einen gewaltigen Felsen auf einen hohen Berg wälzen, der dann gleich wieder hinunterrollte. Möglicherweise hat das die Idee zum Skibetrieb gegeben: Mit Bergbahn-Hilfe wälzen die Schneesportler ihre Ausrüstungen auf hohe Berge, lassen sich hinunterrollen, und das ewige Spiel beginnt immer wieder von Neuem.
 
Alle Hänge waren von steilen planierten Pisten durchfurcht, sogar der Ragazer Blanken, wo abstürzende Pisten in halsbrecherischer Art von kurvenden Gestalten bewältigt wurden – offenbar problemlos. Mir lief es schon wieder kalt den Rücken herunter. Die Gefahren, die ich beim Überqueren einer Skipiste heraufbeschwor, die wie eine Autobahn stark frequentiert war – wobei die Verkehrsteilnehmer die Strassenseiten beliebig wechselten oder auch in der Mitte fuhren ‒, befriedigten mein momentanes Risikobedürfnis vollauf. Nebenan waren sogar kleine Schanzen mit Bänken für Snowboarder angelegt, und ein kleiner, mit Schnee abgedeckter Miststock diente seinerseits als Schanze. Über einer dünnen, abgeschabten lockeren Schneeschicht schien der Pisten-Untergrund eisig zu sein, was heftige kratzende Geräusche verursachte, wenn die beschleunigten Schis oder anderweitigen Bretter etwas quer dazu bremsend darüber glitten.
 
Wir schafften die Pistenüberquerung, nach dem ein motorisiertes, raupenbetriebenes Schneefahrzeug talwärts gesurrt war, wurden nicht angefahren oder überfahren: Die heilig gesprochene Anna, die Mutter Mariens und somit Grossmutter von Jesus, die als Patronin der Hausfrauen, von uns Knechten und der Bergleute amtet und die wir in der Kapelle Faschina kennen gelernt hatten, mag ihre schützende Hand über uns ausgebreitet haben. Sie ist übrigens auch für das Wiederauffinden verlorener Sachen zuständig. Doch Evas in Faschina verlorenes, handgewobenes Wollhalstuch konnte selbst mit dieser gütigen Unterstützung nicht mehr aufgetrieben werden.
 
Und so wanderten wir endlich unversehrt nach Damüls zurück. Die Zeit für die Weiterreise war da. Es reichte nur noch für etwas mitgeführten, lauwarmen Tee aus der Thermosflasche. Denn da stand noch Dornbirn auf dem Programm, u. a. zur Erweiterung meines Habsburger-Wissens.
 
Hinweis auf weitere Blogs zur Reisethematik von Walter Hess
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