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BLOG vom 23.02.2008


Bahnreisen anno dazumal (II): Personenfuhre im Viehwagen
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
Im 2. Teil über „Bahnreisen anno dazumal“ berichte ich über weitere erheiternde und seltsame Erlebnisse mit der Bahn und auch mit dem Schiff.
 
Man kann es kaum glauben, dass es einst verschiedene Zeiten am Bodensee gab; heute müssen wir uns nur noch mit der Sommer- und Winterzeit, die in Mitteleuropa synchronisiert ist, herumschlagen. Damals gingen eben die Uhren anders, individueller.
 
Es gab in den vergangenen Jahren viel Lob und Tadel für die Bahn; heutzutage ist es immer noch so. Es gibt laufend Verspätungen, im Nahbereich zu wenig Waggons, dann steigen die Preise in ungeahnte Höhen (oft 2 Mal im Jahr). Das Zugbegleitpersonal wurde in den Regionalzügen ganz gestrichen. Die Fahrgäste sollen sich doch ihre Fahrkarten an Automaten holen. Aber wehe, wenn die Automaten defekt sind!
 
Im Gegensatz zu früher hat sich der Komfort wesentlich gebessert. So ist es jetzt nicht mehr möglich, dass Personen in Viehwaggons transportiert werden. Auch dürften genügend Toiletten in den Zügen sein (die jedoch oft nicht sauber genug sind). Früher wurde schon einmal eine Toilette in den Zügen vergessen, oder der Lokführer fuhr ohne Waggons los.
 
Merkwürdigkeiten zur Dampfschifffahrt
Bis 1846 hatte jede Gesellschaft am Bodensee eigene Fahrpläne. Es gab keine Koordinationen der Ankunfts- und Abfahrtszeiten. Oft kam es vor, dass 2 oder 3 Dampfer dieselbe Linie befuhren und sich regelrechte Wettfahrten lieferten. Denn wer zuerst da war, konnte die meisten Passagiere aufnehmen. Erst 1846 kam es zu den ersten Absprachen.
 
Ein weiteres Kuriosum war die unterschiedliche Zeit. So hatten die Schaffhauser die „Schweizer Zeit“, die Orte am Schweizer Bodenseeufer die „Berner Zeit“, in Bregenz herrschte die „Prager Zeit“ vor und in allen bayerischen Uferorten die „Münchner Zeit“. Die Württemberger und Badener richteten ihre Uhren nach der „Stuttgarter- bzw. Karlsruher Zeit“.
 
War es in Friedrichshafen 12.00 Uhr, war es
in Lindau 12.10 Uhr,
in Bregenz 12.21 Uhr,
in Romanshorn 11.53 Uhr,
in Rorschach 11.53 Uhr,
in Schaffhausen 11.53 Uhr und
in Konstanz 11.57 Uhr.
Jedes der 5 Länder pochte auf seine eigene Zeitrechnung. Dies änderte sich erst, als im Jahre 1895 die Mitteleuropäische Zeit eingeführt wurde.
 
500 Kilo Kohle pro Stunde verheizt
Grössere Dampfschiffe auf dem Bodensee verbrauchten grosse Kohlenmengen. Die württembergische Dampffähre wurde „Kohlenfresser“ genannt. Sie benötigte 850 kg pro Stunde. An manchen Tagen wurden 5 Tonnen Kohle verheizt. Wurde das Schiff am nächsten Morgen gebraucht, blieb das Feuer an und der Dampfdruck wurde auf 2–3 atü gehalten. Am Morgen benötigte man nur eine kurze Aufheizzeit, um das Schiff betriebsbereit zu bekommen. War das Schiff nicht in Gebrauch, benötigte man 10 bis 12 Stunden für das Anheizen aus dem kalten Zustand.
 
Wie sah die Besatzung eines Dampfschiffs aus? Ein badischer Dampfer hatte um 1880 folgende Besatzung: 1 Kapitän, 1 Steuermann, 1 Untersteuermann, 1 Kassierer, 2 Matrosen, 1 Schiffsjunge, 1 Maschinenleiter und 2 Heizer.
 
Branntweintrinker und ein trefflicher Steuermann
Im Jahresbericht 1835/36 des Dampfboots „Wilhelm“ finden wir folgende Beschreibung der Besatzung: „Was nun das Dienstpersonal betrifft, so kann ich dem Herrn White (Maschinist) mit bestem Gewissen ein vorzügliches Lob geben. Derselbe ist von seinem früheren Hang zum Trunke ganz zurückgekommen, er befleissigt sich eines stets nüchternen, bescheidenen und soliden Benehmens und verbindet mit grossem Fleisse eine ausserordentliche Geschicklichkeit in seinem Fache (...). Den Steuermann Spanagel betreffend, so lässt sich über diesen nicht viel sagen, da man schon wegen seines hohen Alters viele Rücksicht auf ihn nehmen muss; derselbe ist an Kräften schwach und hat ein kurzes Gesicht, Eigenschaften, die einem guten Steuermann nicht fehlen dürfen.
 
Dagegen ist Peter Rothmund ein trefflicher Steuermann und namentlich ist an ihm zu rühmen, dass er sich um das Inventarium der Segelschiffe sehr annimmt (...). Ebenso geschickt und tätig ist der zweite Steuermann. Xaver Rothmund, der in seiner Eigenschaft als Schiffsknecht (Matrose) den beschwerlichsten Dienst hat. Diesen versieht er jedoch stets mit der grössten Gewissenhaftigkeit und Unverdrossenheit.
 
Mit den beiden Einheizern Schmidberger und Eibler bin ich nun auch zufrieden, da ersterer flinker und tätiger geworden ist und letzterer das viele Branntweintrinken, das hie und da ins Übermass ging, quittiert hat. Eibler versteht die Direktion der Maschine vollkommen und gegenwärtig lasse ich Schmidberger dazu dressieren, um für alle Fälle gesichert zu sein.“
Quelle: „Mit Dampfmaschine und Schaufelrad“ von Werner Deppert, Verlag Friedrich Stadler, Konstanz 1975.
 
Keine Toilette im Zug
Auf Druck des Grossherzoglichen Bezirksamts Lörrach wurde die Eisenbahnverwaltung aufgefordert, endlich das Wollbacher Bahnhofsgebäude zu errichten. Schliesslich benötigten die Fahrgäste eine Möglichkeit, eine Toilette aufsuchen zu können, denn zu jener Zeit gab es in den Personenwagen noch keine solche Einrichtung. 15 Jahre nach Eröffnung der Kandertalstrecke wurde endlich das Gebäude fertiggestellt (1911).
Quelle: „Wollbach im Zwanzigsten Jahrhundert“, von Elke Hundt, Ekkehard Bierl, Walter Bronner, Axel Huettner, Wollbach 2002.
 
Bestie mit ungezähmter Naturkraft
1845 erreichte der erste Zug Freiburg i. Br. 2 Jahre später wurde die Strecke bis Schliengen eröffnet. Grossherzog Leopold weihte die Teilstrecke ein. Viele Würdenträger, darunter der Erzbischof von Vikari, waren anwesend. An den Haltepunkten in Schallstadt und Krozingen standen Blaskapellen und Männerchöre, liebliche Mädchen, Honoratioren in Frack und mit Zylinder bereit, um die Ehrengäste würdig zu begrüssen. Überall waren Menschenmassen zu sehen, sie standen sogar an den Bahndämmen und riefen ihr Vivat.
 
Die Freiburger Zeitung schrieb euphorisch: „ (...) von morgens 6 Uhr bis abends 10 Uhr können wir bald die Strecke FrankfurtBasel durchfliegen.“ Es wurden auch kritische Stimmen laut (es gab sogar solche, welche die aufkommende Strassenbeleuchtung als verwerflich bezeichneten!). Nach Ankunft des ersten Zugs – des „Dämpfers“ – schrieb die Freiburger Zeitung: „Heran keuchte majestätisch der Dämpfer wie eine Bestie ungezähmter Naturkraft, die sich von Menschen zügeln lässt, um ihn zuletzt doch zu verwüsten; Kaiserstuhl hiess der dampfende Vulkan. Diese Eisenbahn schüttelt alle durcheinander, vorweg das Geld, aus der Tasche; aller Charakter, wo solcher noch zu haben ist, geht im Dampfe davon, dem Verkünder des Weltbrandes.“
Quelle: „Schönberg-Batzenberg-Panorama“ von Walter Fahl, Kehrer Verlag, Freiburg 1992.
 
Damen landeten im Graben
Als die Dampfstrassenbahn von Müllheim (Baden) nach Badenweiler im Jahre 1900 unterwegs war, scheute einmal ein Pferd, das eine Einspännerkutsche zog. Die Kutsche landete samt Kutscher und Damen im Graben.
 
Oder ein anderes Ereignis: „Bei der Einfahrt in das Dorf Niederweiler, abends 9 Uhr, stand bei der Restauration Warteck ein Pferd mit Wagen auf der Mitte des Gleises. Direkt vor demselben gelang es dem Lokomotivführer, den Zug zum Stehen zu bringen. Der Leiter des Fuhrwerks sass gemütlich beim Neuen.“
 
Eine Peinlichkeit leistete sich am 9. November 1900 das Lokpersonal. In der Lokalpresse wurde dieses Ereignis wie folgt dargestellt und kommentiert: „Der Zug, der am 9. d. M. Abend 8.44 Uhr den Bahnhof Müllheim verlassen sollte, war dicht besetzt mit Reisenden. Das Zeichen der Abfahrt wurde gegeben, aber sonderbarer Weise kamen die Wagen nicht von der Stelle. Als man verwundert um sich schaute, sah man die Maschine des Zuges allein davoneilen. Alles Rufen half nichts, zielbewusst ging die Maschine ihrem nächsten, 1,5 Kilometer entfernten Ziele entgegen, ob ihrer Einsamkeit und ungewohnter Verlassenheit angestaunt. Und siehe da: Den beiden Bediensteten kam endlich der schlaue Gedanke, nach rückwärts zu schauen! Das veranlasste sie, auch nach rückwärts zu fahren, wo sie, wieder am Bahnhof Müllheim angelangt, von den Passagieren mit angemessener Begrüssungsreden empfangen wurden. Im vollen Ernste haben sich viele gefragt, ob 2 nüchterne Menschen in die Welt hinausfahren können, ohne nicht schon instinktiv an ihrer Maschine das Fehlen eines abgehängten Zuges zu bemerken. Das Publikum hat natürlich ein lebhaftes Interesse daran, Garantie für gefahrlose Beförderung zu erhalten. Da die Bahn viele Kurven und abnorme Steigungsverhältnisse hat, dürfen nur streng zuverlässige Leute verwendet werden ...“
 
Aprilscherz der „Markgräfler Nachrichten“
Am 31. März 1949 überraschte eine Meldung der „Markgräfler Nachrichten“ die Leser. Es handelte sich allerdings um einen Aprilscherz!
 
„Wie bereits bekannt wurde, konnte auch die Müllheim-Badenweiler-Bahngesellschaft einen New Yorker Strassenbahnwagen im Zuge der Marshall-Plan-Hilfe zugeteilt bekommen. Die Jungfernfahrt findet am Freitag, dem 1. April, in Müllheim ab 10 Uhr statt. Die zurzeit im Schwarzwald weilende ,Reine Tonsitze’ wird an dieser Fahrt teilnehmen und Autogramme geben. Eintreffen wird der Wagen in Badenweiler gegen 10.37 Uhr, wo in der neu renovierten Bahnhofgaststätte ein Empfang mit kleinem Imbiss vorgesehen ist. Für die ermüdeten Kurgäste werden an den verschiedenen Haltestellen statt der nicht vorhandenen Bänke Liegestühle aufgestellt.“
Quelle der letzten beiden Episoden: „Die Lokalbahn Müllheim – Badenweiler“ von Stefan Kirner, Verlag Kenning, Nordhorn 2000.
 
Lob und Tadel für die Eisenbahn
Im September 1841 traf sich die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft zur Jahresversammlung in Basel. Dort wurden die Vorteile der Eisenbahn präsentiert. Alle waren  des Lobes voll. Hier ein Auszug aus dem Jahresbericht: „Die Eisenbahnen verkürzen durch die Schnelligkeit alle Entfernungen. Was jeder Ort Eigentümliches, Interessantes, ja, was er Belehrendes, Erweckendes hat, wird nun viel zugänglicher gemacht. Ihr Einfluss kann sich auf Wissenschaft, Freundschaft und Familienverbindungen ausdehnen. Die Kraft des Dampfes wird in kurzer Zeit die Völker vereinigen, die Menschen verbrüdern. Sie wird den Krieg aus der Welt schaffen, kurz, das Reich Gottes fördern.“
 
Widerstände und Vorurteile kamen aus den Reihen der Fuhrleute und Wirte. Zu jener Zeit transportierten 100 000 Pferde jährlich eine Million Zentner Waren in die Innerschweiz. Die Fuhrleute und Wirte beklagten Einbussen. Warum die Wirte? Nun, die Wirte waren der Ansicht, dass derjenige, der die Eisenbahn benützt, wegen der kurzen Aufenthalte kaum noch in Wirtschaften gehen würde.
 
Folgenden geharnischten Brief erhielt Pfarrer Walser, Schriftleiter des „Volksblatts“: „Werther Redaktör! Das ischt ein Schandfleck für euch, dass ihr so für die Isebahn einstehet und ihr verlieret deswegen sicher noch alle Abenenten. Und wenn ihr mit der Isebahn so fortfahrt im Volksblatt, so nähmt euch wohl in acht, dass ihr nicht abgschmiert wärdet. Und im Landroth soll keiner wage, für das seine Hand ufzhebe, sonst! ‒ Ihr schreibet auch vo der Schnelligkeit vo der Isebahn und wie das gut sei. Das isch ganz falsch. Ein altes Sprichwort heisst: ,Eile mit Weile’. So ischt´s recht, und je langsamer es vorwärts geht, desto besser ischt’s für die Wirth und andere Leut, denn vom langen Aufenthalt kommt Geld ins Land. Das sind ja nur so Kärli, die für die Isebahn einstehen, die wollen nur eine Isebahn, dass sie gschwind flüchten können, wenn sie gestohlen haben, dass man sie nicht kann verwütsche.“
 
Aber der Fortschritt liess sich trotz solcher Einwände nicht aufhalten. Als die ersten Eisenbahnen fuhren, war das Staunen gross. Besondern Beifall fanden die Coupés mit den kleinen Kanapees und den Tischchen. Ein Gast meinte: „Das sind ja fahrende Stuben, was doch der Teufel alles ersinnt!“
Quelle: „Basel Stadt und Land Solothurn“ von Hans Wälti, Verlag H. R. Sauerländer & Co., Aarau 1951.
 
Viehwaggons für den Personenverkehr
Im Jahr 1900 berichtete ein Schreiber in der Marbacher Zeitung „Postillon“ über die Zustände der Personenbeförderung mit der Eisenbahn Folgendes: „Mit folgendem möchte ich das Publikum auf einen Übelstand in unserem Verkehrswesen aufmerksam machen, der schon geraume Zeit besteht, ohne dass für genügende Abhilfe gesorgt wird. Ich meine die Personenbeförderung auf der Bottwartalbahn.
 
Ich wollte letzten Sonntagabends mit dem Siebenuhrzug von Grossbottwar heimfahren. Als der Zug mit mässiger Verspätung heranbrauste, wurden die Personenwagen gestürmt, während er noch in Gang war. Wer hierbei nicht mittun wollte oder den Kürzeren zog, meiner Schätzung nach die grössere Hälfte (!), wurde gebeten, in den vorderen Wagen Platz zu nehmen.
 
Diese vorderen Wagen waren Viehwagen, die übrigens tadellos sauber waren, sogar Holzbänke enthielten und nur durch die Ringe an der Innenwand und an der Decke aufgehängten Stalllaternen an ihre aussersonntägliche Bestimmung erinnerten.
 
Der Bahnsteig war in der Nähe der Station durch deren betrübte Lampen kümmerlich erhellt, bei den vorderen Wagen aber war es stockdunkel.
 
Endlich war alles eingeladen. Die grossen Schiebetüren wurden geschlossen und die ganze Gesellschaft war – von einem einzigen Fenster abgesehen – absolut jeder Möglichkeit des Verkehrs mit dem Zugpersonal beraubt und im Fall eines Unglücks ebenso hilflos wie die Ochsen, für deren Beförderung der Wagen bestimmt ist.
 
Um zum Schluss zu kommen, möchte ich jedem Wanderer, der Wert darauf legt, nach vollbrachter Wanderung anständig nach Hause zu kommen, raten, von August – denn so lang spielt die Sache schon – bis Oktober nicht in das Bottwartal zu gehen, jedenfalls aber Frau und Kinder zu Hause zu lassen.
 
Wenn Württemberg nicht imstande ist, für genügend Wagen oder für eine entsprechende Anzahl Züge zu sorgen, so geniere man sich nicht und gebe für die vorderen Wagen Billette ,vierter Klasse’ – so oder wie man sie nennen will – aus. Andere Leute, die mehr auf ihre Bequemlichkeit sehen und sich weder überfahren noch die Kleider vom Leib reissen lassen wollen, können dann in den hinteren Wagen fahren.“
Quelle: „Grossbottwarer Geschichten“ von Erwin Fink, Eigenverlag 1985.
 
Die Giessbachbahn am Brienzersee
Unter den „Reaktionen auf Blogs (68): Mental im Mittelalter geblieben“ entdeckte ich im Kapitel „Dampfromantik aus Biberstein“ die Internet-Adresse von Gérard Aellen. Er hat eine ausgezeichnete und schöne Hompage über alte Eisenbahnen und Schiffe, die reich bebildert ist (www.dampfromantik-nostalgie.ch). Da kam mir die Idee, ihn zu fragen, ob er Anekdoten über diese nostalgischen Bahnen und Schiffe habe. Nun, er bejahte meine neugierige Frage und sandte mir folgende Episoden zu (wörtliche Wiedergabe):
 
„Vor Jahren war ein älterer Herr mit einem eindrücklichen grau melierten Vollbart beim Personal der Giessbachbahn tätig. Die Giessbachbahn fährt von der Schiffsanlegestelle der Brienzersee Schifffahrt zum ca. 100 Meter höher gelegenen Giessbach-Hotel. Von der Schiffsanlegestelle führt auch ein gut ausgebauter Fussweg zum Hotel.
 
Eines Tages erkundigte sich eine etwas vollschlanke Frau beim Bahnangestellten, ob der Weg zum See hinunter führe. Er gab ihr zur Antwort, der Weg führe vom See zum Hotel hinauf. Sie stellte ihre Frage nochmals, und er gab ihr die gleiche Antwort. Etwas verunsichert entfernte sie sich vorerst, kam aber, nachdem sie sich die Sache nochmals überlegt hatte, zum Bahnangestellten zurück und fragte ihn, ob er sie auf den ,Arm nehmen’ wolle. Er antwortete mit einem Augenzwinkern: ‚Nein, dazu sind sie mir viel zu schwer.’
 
Als die Giessbachbahn ihren 110. ,Geburtstag' feierte, wurde bei der Schiffsanlegestelle ein grosses Banner angebracht, um die Fahrgäste und Besucher auf diesen Anlass aufmerksam zu machen. Als sich die Fahrgäste von der Standseilbahn zur Schiffanlegestelle begaben, machte der Bahnangestellte seine Fahrgäste auf dieses Jubiläum so aufmerksam: ,Wie Sie auf dem Banner sehen können, ist die Giessbachbahn dieses Jahr 110-jährig geworden. Ich bin allerdings nicht ganz von Anfang dabei gewesen, ich bin erst 14 Tage später dazugekommen.’
 
An einem Sommerabend, es war der letzte Kurs der Standseilbahn, hätte die Bahn die Gäste, welche von ihrem Tagesurlaub heimkamen, wieder zum Hotel zurückführen sollen. Das Wetter war etwas gewitterhaft, und als die Bahn in der Talstation abfahren wollte, gab es einen lauten, trockenen Knall, das Licht verlöschte, und die Bahn war nicht mehr zum Fahren bereit. Ein einziger Blitzschlag genügte, um die Bahn lahm zu legen. Doch bis der Schaden behoben werden konnte, verfloss immerhin eine gute halbe Stunde. Für die Gäste im Bahnwagen war es nur halb so schlimm. Die Gefahr, zu spät zum Abendessen erscheinen zu können, bestand nicht, denn auch die Hotelküche war stromlos geworden.
 
Brienzer Schifffahrt
Vor rund 20 Jahren waren die Schiffe noch nicht mit den modernsten Geräten ausgerüstet. An einem Morgen, beim Hotel war das schönste Sommerwetter, lag über dem Brienzersee eine rund 20 Meter dicke und dichte Nebelschicht. Um den Schiffen bei solchen Wetterverhältnissen eine Hilfe anbieten zu können, ist an der Schiffsanlegestelle Giessbach See eine grosse Glocke angebracht. Wenn das den See überquerende Schiff eine Orientierungshilfe benötigte, gab es mit dem Horn ein Zeichen. Sofort gab der Angestellte der Giessbachbahn mit der Glocke eine Antwort, damit der Schiffsführer feststellen konnte, in welche Richtung er die Schiffanlegestelle ansteuern musste. Das Hin und Her von Horn- und Glockensignalen dauerte oft minutenlang und wurde manchmal bis 10 Mal wiederholt, bis der Schiffsführer die Anlegestelle endlich erspähen konnte.
 
Heute ist das Geschichte. Die Schiffe haben seit Jahren alle eine Radareinrichtung. Die Glocke hängt zwar immer noch an der gleichen Stelle. Sie hat jedoch ihre ursprüngliche Aufgabe verloren und erinnert jedoch noch an frühere Zeiten.“
 
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